Fränzi Kühne: Was Männer nie gefragt werden: Ich frage trotzdem mal

Als ich vor etlichen Jahren in meinem Beruf begann, Karriere zu machen und die ersten Geschäftsreisen anstanden, fragte mich mein damaliger, selbst vielreisender Vorgesetzter: „Was sagt denn Ihr Mann dazu, dass Sie reisen wollen?“ Zuerst war ich völlig perplex über diese Frage und fragte dann zurück: „Und was sagt Ihre Frau zu Ihren vielen Reisen?“.

An diese Frage, die Männern nie gestellt wird, musste ich denken, als ich dieses Buch in Händen hielt. Auch wenn mein Erlebnis viele Jahre her ist, hat sich, glaube ich, seither zwar manches, aber lange nicht genug geändert. Genau das thematisiert Fränzi Kühne in ihrem Buch.

Auslöser für sie, dieses Buch zu schreiben, waren Interviews, die sie gab, nachdem sie selbst als eine der ersten Frauen in den Aufsichtsrat einer Aktiengesellschaft berufen worden war. In diesen Interviews wurden ihr viele Fragen gestellt, die Männer nie gefragt werden, es wurde viel über ihre Kleidung, ihr Auftreten, ihre Familie berichtet, Details über das Leben eines Menschen, die in Interviews von Männern selten bis gar nicht vorkommen. Im Laufe dieser Gespräche sammelte Fränzi Kühne all diese Fragen:  Fragen danach, wer die Kinder versorgt, während sie im Aufsichtsrat sitzt, Fragen danach, warum sie keinen Hosenanzug oder High Heels trägt, den Ausdruck der Bewunderung oder wahlweise des Mitleids mit ihrem Mann, der sie unterstützt, und weitere Fragen ähnlichen Kalibers. Weiterlesen

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Julietta Henderson: Norman Foremans Weg zum Ruhm

Jax sagt, wenn man nicht weiß, wohin man will, weiß man nie, wann man da ist, und dagegen kannst du nichts sagen, Normie Boy.“ (S. 17)

Jax ist tot. Der Rolls-Royce unter den besten Freuden. Jetzt muss Norman seine Karriere als Comedy-Star allein beginnen, ohne Jax, der doch der tragende Partner in ihrem Duo war.

Norman Foreman ist zwölf Jahre alt, höflich, zurückhaltend, am ganzen Körper von Schuppenflechte geplagt und auf dem Weg, ein gefeierter Comedian zu werden – hofft er. Norman und sein Freund Jax haben einen Fünf-Jahres-Plan geschmiedet und besiegelt, als sie zehn waren. Mit fünfzehn wollen sie zum berühmten Fringe-Festival nach Edinburgh. Doch dann stirbt Jax und Normans Welt bricht zusammen. Für ihn ist Jax‘ Tod unbegreifbar und so hat er das Gefühl, dass sein Freund noch immer für ihn da ist, mit ihm kommuniziert. So ist es auch, nach Normans Empfinden, Jax, der den Fünf-Jahres-Plan abändert. Nun stehen da die Punkte: 1. Mich um Mum kümmern, 2. Dad finden, 3. Beim Edinburgh Fringe auftreten (S. 32)

Dass Norman meint, sich um seine Mum kümmern zu müssen, zerreißt dieser fast das Herz. Denn Sadie, zart, klein, mit kaum vorhandenen Kochkünsten und angestellt auf einem Schrottplatz, hält sich für eine absolute Versagerin als Mutter. Zumal auch Punkt 2 auf seinem Plan auf ihrem vermeintlichen Versagen beruht: sie weiß nämlich nicht, wer Normans Vater ist. Da kämen mehrere in Frage. Weiterlesen

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Leïla Slimani: Das Land der Anderen

Die Schriftstellerin Leïla Slimani wurde 1981 in Marokko geboren. Sie lebt und arbeitet heute in Paris. Für ihre Romane erhielt sie u.a. den Prix Goncourt. „Das Land der Anderen“, ihr dritter Roman, ist am 24. Mai 2021 im Luchterhand Literaturverlag erschienen. Als Grundlage für das Buch diente Slimani die Geschichte ihrer Großeltern. Übersetzt hat es Amelie Thoma.

1944 lernt die junge Mathilde den Marokkaner Amine Belhaj in ihrer Heimatstadt im Elsaß kennen. Das französische Regiment, in dem Amine während des 2. Weltkriegs dient, ist dort stationiert. Sie verlieben sich, heiraten und im März 1946 landet Mathilde, gerade zwanzig Jahr alt, in Rabat in Marokko. Amine hat von seinem Vater ein Stück Land bei Meknès geerbt und möchte es als Farmer bewirtschaften. Zunächst aber leben sie bei Amines Mutter Mouilala und seinen Geschwistern Omar und Selma in der Medina von Meknès. Mathilde ist schwanger. Sie gewöhnt sich nur langsam an das neue Leben in Marokko.  Amine kümmert sich um sein Land, seine Arbeit. Er übernimmt mehr und mehr wieder die traditionelle Rolle des Mannes in der patriarchalischen marokkanischen Gesellschaft. Mathilde und er streiten viel. Sie will sich nicht in die untergeordnete, unterwürfige Frau verwandeln, wie es Amine von ihr verlangt. Die Arbeit auf der Farm ist hart. Die Marokkaner fühlen sich von der französischen Kolonialmacht zusehends benachteiligt und gedemütigt. Die Lage zwischen den französischen Siedlern und den Einheimischen spitzt sich zu. Die Marokkaner streben nach Unabhängigkeit. Mathilde bekommt zwei Kinder, Aïcha und Selim. Aïcha ist sensibel und ängstlich. Mathilde besteht darauf, sie auf eine katholische, französische Schule zu schicken. Amines Bruder Omar wird Nationalist und geht in den Widerstand. Weiterlesen

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M.K. England: Die Verstoßenen: Aufbruch der Swift Kick

Wenn man, wie Nex Hall am A…. der Welt wohnt, sprich irgendwo im Nirgendwo Ziegen hüten darf, dann hat man Träume. Träume etwa, dass man eines Tages Pilot eines Raumschiffes wird, dass man bei der Akademie angenommen und das Weltall sehen wird. Auf diese Träume arbeitet man, so man Nex heißt, im häuslichen Keller am Flugsimulator hin. Und man bewirbt sich auf der Akademie, der Ellis Station auf dem Mond.

Dass Nax wirklich gut ist, zeigt sich beim Auswahlverfahren. Als Einziger der angehenden Piloten erreicht er die volle Punktzahl – dass er sich selbst oft, viel zu oft im Weg steht führt dazu, dass er mit drei Kommilitonen, die ebenfalls die Aufnahme auf die Akademie versiebt haben, auf das Shuttle wartet, das sie wieder zur Erde zurückbefördern wird.

Dass die Station just in diesem Moment überfallen wird bekommt außer den vier Durchfallern keiner mit. Um zu überleben kapern sie kurzerhand das Shuttle und wagen den Sprung in eine der menschlichen Kolonien – nur um vom Regen in die Traufe zu kommen. Die Verräter nutzen unsere vier flüchtigen Ex-Kadetten als Sündenböcke, könnte ihr Flugschreiber und sie selbst doch den sorgfältig ausgetüftelten Plan der Earth First Bewegung zu Fall bringen – so werden sie schnell zu Gejagten Weiterlesen

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Steffen Kopetzky: Monschau

Aus der halb offenen Tür weht Jazzmusik hinaus ins Treppenhaus und lockt. Nikos, der junge griechische Arzt ist nicht nur von der Musik verzaubert, auch Vera, die Erbin der Rither-Werke, hat seine Neugier zu wecken gewusst. Er fasst sich ein Herz und klingelt an ihrer Tür. Er wird bereits erwartet.

Steffen Kopetzky erzählt von der Liebe zwischen zwei jungen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Doch handelt es sich nicht um einen Liebesroman. Der Autor verknüpft die Geschichte von Nikos und Vera mit historischen Ereignissen, die aktueller nicht sein könnten. Anfang des Jahres 1962 wird ein von Fieber geschütteltes Mädchen nach langer Irrfahrt im Krankenhaus in Monschau eingeliefert. Ihr Vater, Monteur bei den Rither-Werken, war kurz vor Weihnachten aus Indien zurückgekehrt und hatte sich dort mit den schwarzen Pocken infiziert.

Der Düsseldorfer Dermatologe Professor Stüttgen fährt, begleitet von Nikos Spyridakis, eben jenem jungen Arzt, ins Krisengebiet, um die weitere Verbreitung der Krankheit zu verhindern. Er organisiert Quarantänemaßnahmen, Kontaktnachverfolgung, die Unterbringung und Behandlung der Erkrankten und die vorbeugende Impfung der Bevölkerung. Nikos arbeitet als Betriebsarzt bei Rither. Er kümmert sich vor allem um infizierte Betriebsangehörige und deren Familien. Damit soll die Schließung der Werke verhindert werden. Weiterlesen

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Jennifer L. Armentrout: Unchained

Viel schlimmer als die politischen Verwicklungen, die tagsüber in Washington D.C. stattfinden, sind die Geschehnisse, die sich hier bei Nacht zutragen. Dann herrscht hier ein Kampf zwischen gefallenen Engeln und deren Dämonen und den Nephilim, den Halbengeln, die die Menschheit vor der Bedrohung und den Intrigen beschützen wollen.

Eine der Nephilim ist Lily. Sie ist in einer Welt aufgewachsen, in der alles schwarz und weiß ist: Nephilim gut, gefallene Engel böse. Dieses Weltbild wird jedoch über den Haufen geworfen, als sie Julian kennenlernt. Julian ist ein gefallener Engel und statt sie mit seinen Intrigen auf die dunkle Seite zu locken, rettet er Lily das Leben – gleich mehrere Male. In dem Wissen, wie falsch es eigentlich ist, kommt sie ihm näher und beginnt, alles anzuzweifeln, was ihr in ihrer Ausbildung beigebracht wurde. Denn Julian ist nicht böse. Er ist liebevoll, witzig und lässt ihr Herz schneller schlagen.

Die Verbindung der beiden wird bei den anderen Nephilim aber alles andere als gerne gesehen. In ihrer Gemeinde befindet sich ein Verräter und Lilys immer inniger werdende Beziehung zu einem der erklärten Feinde, wirft kein gutes Licht auf sie. Weiterlesen

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Holly Miller: Ein letzter erster Augenblick

Die ewig-gleiche Frage: möchte man den Augenblick des eigenen Todes vorher kennen? Darum geht es im Grunde in diesem tragischen Liebesroman der englischen Autorin, die damit ihr Debüt vorlegt. Was ihr durchaus gelungen ist, auch wenn mir der Roman manchmal doch ein wenig zu rührselig war.

Joel, von Beruf Tierarzt und Mitglied einer großen, ganz normalen Familie, hat Träume. In diesen Träumen sieht er Ereignisse voraus, Dinge, die Menschen, die ihm nahestehen, geschehen werden. So weiß er im Voraus, dass sein Cousin von einem Hund angefallen werden wird, dass sein Patenkind bei einem Verkehrsunfall verletzt werden könnte und er weiß, wann seine Schwester ein Kind erwarten wird. Diese Träume machen ihn aber nicht glücklich, er leidet darunter, psychisch und physisch. Denn nicht immer kann er die Dinge, die er voraussieht, verhindern, vor allem nicht so, dass die Betroffenen davon nichts merken. Denn gesprochen hat er noch nie mit jemandem darüber. Weiterlesen

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Lukas Hoffmann: Wodka und Tigerente

Alexander Gruber, 16 Jahre alt, ist der einzige Sohn eines erfolgreichen Heidelberger Unternehmers – die Firma Gruber Energy handelt mit Öl und Gas und hat Kontakte nach Russland. Seine Mutter kennt er nicht und der Vater war nie bereit, das GEheinmis um sie zu lüften.

Als Alexander eines Abends spät nach Hause kommt, hört er einen Knall und findet wenig später seinen Vater schwer verletzt in seinem Arbeitszimmer. Mit letzter Kraft kann Gruber Senior seinem Sohn eine Ziffernfolge aufsagen und stirbt kurz darauf. Alexander wird klar, dass er sich schon bald im Fokus von Polizei, Presse und Klatsch und Tratsch wiederfinden wird. Dieser Gedanke versetzt ihn in Panik und er flieht überstürzt in Vaters altem himmelblauen 2CV zu seinem einzigen Freund Totti nach Wien.

Dort findet er heraus, dass die Ziffernfolge eine Telefonnummer ist, deren Vorwahl zu Russland gehört. Er wählt die Nummer, erfährt Überraschendes und begibt sich daraufhin mit Totti, der im Tigerlook umlackierten Ente und gefälschten Papieren auf eine abenteuerliche Reise, die die Jungs quer durch Russland und benachbarte Staaten führt. Weiterlesen

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Julia Barbarino: Auf der Alm – Vom Glück des einfachen Lebens: Sommer in den Bergen.

Schon als Kind begeistert sich Julia Barbarino für das „einfache Leben“. Die Berge haben es ihr angetan und als ihr mit achtzehn ein Artikel über eine Sennerin in die Hände fällt, beginnt sie sich für die Almwirtshaft zu interessieren.  2008 ist es so weit. Gemeinsam mit ihrer Schwester Sophie und zwei kleinen Kindern, eines davon ist ein Baby, geht sie auf eine Alm in Tirol. Dort sind zwölf Milchkühe, zwölf Jungrinder und zwei Kälbchen zu versorgen. Eine enorme Herausforderung für die „Greenhorn-Sennerinnen“, aber sie meistern die Aufgabe hervorragend und Julia Barbarino packt das „Almfieber“ so heftig, dass sie bis heute nicht davon „genesen“ ist. Sommer für Sommer kehrt sie in die Berge zurück und letztendlich bewirtschaftet sie mit vier Kindern im Schlepptau alleine eine Alm, unterstützt vom ihrem Mann Schorschi, der hilft, soviel es sein Beruf zulässt.

Julia Barbarino schildert den Almalltag unzensiert. Neben unzähligen schönen Momenten erlebt sie auch Unfälle der Kinder, Unwetter, Arbeit bis zur Erschöpfung und brenzlige Situationen, die Gott sei Dank gut ausgehen. Sie berichtet von Sommernächten unter freiem Himmel, Badespaß mit der Gießkanne und einer tiefen Verbundenheit mit den ihr anvertrauten Tieren. Viele Fotos, Liedertexte und einige Kochrezepte bereichern dieses Buch. Weiterlesen

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Ella Carla Deloria: Waterlily

Ella Carla Delorias Roman „Waterlily“, der Ende 2020 im Palisanderverlag erschienen ist, ist etwas Besonderes – geschrieben von einer waschechten Dakota Indianerin (aus dem Englischen übersetzt von Frank Elstner und Uta Millner) ermöglicht er tiefe Einblicke in das Leben des so andersartigen Volkes. Heute, knapp 50 Jahre nach Delorias Tod, erscheint uns ihr Leben nicht weniger erstaunlich als damals, als die Indianer nicht als gleichgesinnt betrachtet wurden. Ihr Tod zu hunderttausenden vom weißen Mann herbeigeführt, ihre Lebensweisheiten wie Traditionen beinahe vergessen. Und heute? Nun, irgendwo existieren die letzten Nachfahren, die letzten BehüterInnen der alten Bräuche, die der Sonnentänze und Zeremonien gedenken und das große Geheimnis in Ehren halten. Hierzulande sind wir aufgewachsen mit dem Bild dunkelhaariger Männer und Frauen auf gecheckten Pferden, Pfeil und Bogen in der Hand, Kriegsbemalungen im Gesicht und Federn in den Zöpfen. Ein bisschen Märchen, ein bisschen Legende, abenteuerlich genau wie Ritter oder Dinosaurier. Weit entfernt und längst vergangen und außerhalb unserer Vorstellungskraft. Darin liegt mit Sicherheit die Magie der Indianer. Doch ist das alles, was sie hinterlassen haben? Karnevalsverkleidungen, Tipis, ein Kampgeschrei im Kindergarten? Weiterlesen

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