Jonathan Franzen: Crossroads

Der US-amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen bildet unter den lebenden Autoren fast eine eigene Liga. Kaum einem anderen gelingt es, seinen Figuren derart viel Tiefe und psychologische Glaubwürdigkeit einzuhauchen wie dem heute 62-Jährigen, der vor 20 Jahren mit seinem Roman „Die Korrekturen“ – ausgezeichnet mit dem National Book Award – Weltruhm erlangte.

In seinem neuesten Wälzer „Crossroads“, dem Auftakt einer Trilogie, geht‘s um eine sechsköpfige Familie Anfang der 1970er Jahre, in der jedes einzelne Mitglied mit nicht eben geringen Problemen zu kämpfen hat. Bei keinem anderen Autor ist auch der Drama-Anteil so hoch wie bei Franzen. In seinen Romanen geht‘s immer um die ganz großen Themen des menschlichen Daseins: Liebe, Sex, schwerste Zerwürfnisse unter Partnern und familiärer Zusammenhalt.

In „Crossroads“ ist da zunächst Vater Russ Hildebrandt, ein evangelischer Pastor, der nur eines im Sinn hat: Er muss ein anderes Gemeindemitglied, Frances, für sich gewinnen – am besten, um gleich ein ganz neues Leben mit ihr zu beginnen. Weiterlesen

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Janine Adomeit: Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen

Ein überzeugendes Debüt einer deutschen Autorin, von der man hofft, mehr lesen zu dürfen. Die Geschichte, die Janine Adomeit erzählt, wird vor allem getragen von den interessanten, vielschichtigen und überraschenden Charakteren, Menschen, die mit ihrem Schicksal hadern und sich ihm entgegenstellen wollen. Doch nicht allen gelingt das.

Villrath, ein, wie ich vermute, fiktiver Ort zwischen Ahr, Mosel und Rhein, war einmal ein angesehener Kurort mit allem was dazugehörte, Touristen, florierendem Einzelhandel, abwechslungsreicher Kultur und spendablen Kurgästen. Doch nach einem Erdbeben versiegte die Quelle des Heilwassers und damit die Quelle allen Wohlstands des Ortes. Nicht nur die Läden und Häuser der Kleinstadt verkamen, sondern auch mit den Einwohnern ging es immer mehr bergab.

Da sind Vera, Wirtin im Stübchen, das sie von ihrer Mutter übernommen hat, und ihr Sohn Johannes. Sie trinkt zu viel, raucht zu viel, hat zu viele Männer (gehabt) und sieht keinerlei Licht am Horizont. Johannes lebt in seiner eigenen Welt, die sich vor allem um Motorräder dreht, widerwillig hilft er seiner Mutter in der Kneipe, er himmelt von Ferne eine Klassenkameradin an und verliert seinen Aushilfsjob im Supermarkt. Weiterlesen

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Matthew Farina & Doug Salati: Es ist Herbst, kleiner Fuchs

Der kleine Fuchs Linus steht im Mittelpunkt dieser schön bebilderten Vorlesegeschichte. Linus hat ein Problem: Alle Tierkinder sollen am nächsten Tag etwas, das sie sammeln, in die Schule mitbringen. Doch Linus hat sammelt nichts und hat auch keine Idee. Zum Glück weiß Papa Fuchs Rat. Er geht mit Linus in den Herbstwald und ist sich sicher, dass sie dort zusammen etwas finden werden.

Linus durchlebt im Wald ein großes Abenteuer, als er bei einem Herbststurm von Papa Fuchs getrennt wird. Aber das Allerbeste dabei ist, dass er schließlich im Wald auf die vielen bunten Blätter aufmerksam wird, die von den großen Bäumen herabsegeln. Dabei bemerkt er die Farbenprächtigkeit und die Andersartigkeit eines jeden Blattes. Die Faszination hierüber überdecken Ängstlichkeit und Unsicherheit über die kurze Phase des Getrenntseins von Papa Fuchs. Weiterlesen

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Johanna Mo: Nachttod

Joel ist einer von den vielen Jugendlichen, die schon von klein gehänselt und gemobbt werden. In der Nacht zum 15. Mai stirbt er und wird Stunden später von Touristen an einem Ausflugsziel gefunden.

Der 15. Mai ist auch Hanna Dunckers erster Arbeitstag bei der Kalmarer Polizei. Weil sie sich bereits in Stockholm den Ruf einer guten Ermittlerin erarbeitet hat, werden sie und der Kollege Erik mit der Aufklärung betraut. Ihr erster Tag hätte für Hanna nicht schlimmer beginnen können: Abgesehen davon, dass sie sich nach 16 Jahren Abwesenheit in ihrer Heimat dem Grund ihrer Flucht stellen muss, steht sie viel zu schnell vor ihrer einst besten Freundin, um dieser von dem gewaltsamen Tod ihres Sohnes Joel zu berichten.

Hanna stößt bei den Ermittlungen auf Schweigen und Halbwahrheiten, aber auch auf Ablehnung und neugierige Blicke. Denn jeder, der sie von früher kennt, sieht in ihr die Tochter des Mörders Lars Duncker. Weiterlesen

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Freya Sampson: Die letzte Bibliothek der Welt

Wieder ein Roman, in dem eine Bibliothek gerettet werden soll. Eine schöne, herzerwärmende, wenn auch leicht kitschige, hausbackene Geschichte, die uns die englische Autorin erzählt. Ein wenig haben mich die Story und die handelnden Personen an den Roman „Die Buchhandlung“ von Penelope Fitzgerald erinnert. Besonders die Hauptfiguren ähneln sich sehr.

Die junge June lebt allein in dem Haus, in dem sie seit ihrer Kindheit mit ihrer Mutter wohnte. Diese ist vor einigen Jahren verstorben, doch June bewahrt im Haus alles so, wie es zu Lebzeiten ihrer Mutter war. Sie lebt im Grunde nicht ihr eigenes Leben, sondern vielmehr versucht sie, ihre Mutter zu sein. So hat sie auch deren Stelle als Bibliothekarin in der örtlichen Bücherei übernommen, obwohl sie sich einen ganz anderen Lebensweg gewünscht hatte.

June ist Herz und Seele der Bibliothek, ganz im Gegensatz zu ihrer kratzbürstigen Chefin Marjorie. Etliche Bewohner des Dorfs betrachten die Bibliothek als Zuflucht, Wohn- oder Arbeitszimmer, Treffpunkt oder Nachhilfeschule. June kümmert sich um den alten Stanley, hilft Chantal bei schulischen Problemen, widersteht allen Beschwerden älterer Mitbürgerinnen über den angeblich schlechten Lesestoff. Weiterlesen

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Richard Powers: Erstaunen

In dem neuesten Werk des US-amerikanischen Autors Richard Powers, der mit seinem 2005 auf Deutsch erschienenen Roman „Der Klang der Zeit“ für Furore sorgte, geht es um eine Vater-Sohn-Beziehung. „Erstaunen“ heißt es.

Ein Astrobiologe, der nach Leben auf fremden Planeten forscht, versucht seinem am Asperger-Syndrom leidenden Sohn Robin ein möglichst angenehmes Dasein zu verschaffen. Robin jedoch trauert immer noch – genauso wie der Vater – um seine Mutter Aly, die bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.

Um den Jungen auf andere Gedanken zu bringen, verbringt der Vater mit ihm ein paar Tage in den Smokies, einem Gebirgszug in den Appalachen. Die beiden erfreuen sich an der Natur und erfinden Geschichten über mögliches Leben im All. Weiterlesen

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Tana French: Der Sucher

Carl Hooper war ein Cop in Chicago, jetzt hat er beschlossen Dorfbewohner in Irland zu werden. Weg von der hektischen Großstadt und hinein ins beschauliche Dorfleben. Ein noch auszubauendes Haus, ein zu pflegender Garten und lange Spaziergänge wirken beruhigend auf seine überreizte Seele. Aber seine Reflexe funktionieren nach wie vor. Er wird beobachtet, er ist sicher. Ist es nur einer der neugierigen Nachbarn oder steckt mehr dahinter? Hier, auf dem ruhigen Dorf, wo nie was passiert.

Es ist nur ein Kind, das bei ihm auftaucht, immer wieder. Erst versteckt, aber mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen kommt es näher, arbeitet mit Carl, spricht schließlich sogar mit ihm. Bittet ihn um Hilfe. Denn der geliebte große Bruder ist verschollen, schon mehrere Monate. Eines Tages ging er aus dem Haus und kam einfach nicht zurück. Carl soll helfen, denn er ist doch schließlich Polizist.

Carl zögert. Er ist kein Cop mehr, aber der Drang, das Kind nicht zu enttäuschen ist größer. Langsam und vorsichtig beginnt er Erkundigungen einzuziehen. Stößt auf Widerstände. Weiterlesen

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Leia Stone: Celestial City – Akademie der Engel: Jahr 3

Am Ende des zweiten Bandes erfahren wir, dass Luzifer Brielle vor den Augen ihrer Freunde die Kehle durchschneidet und mit ihr durch ein Portal in die Hölle verschwindet. Nun, am Anfang des dritten Bands, liegen alle in tiefer Trauer, denn sie sind von dem Tod ihrer besten Freundin, Verlobten, Tochter oder Schwester überzeugt. Wie sollte es auch anders sein? Immerhin wurde sie vor ihren Augen ermordet.

Doch Brielle ist nicht tot. Stattdessen ist sie in der Hölle gefangen, ohne einen Ausblick auf Rettung, denn alle, die sie liebt, halten sie für tot. Keiner wird kommen, um sie zu retten. Um den Drogen zu entkommen, mit denen sie Tag für Tag ruhig gestellt wird, muss sie Luzifer vorspielen, auf seiner Seite zu stehen, was gar nicht so einfach ist, immerhin war dieser selbst einmal ein Erzengel.

Zwischen Folter, dem Erschaffen neuer Dämonen und Übungskämpfen gegen Luzifers Anhänger, die nicht selten mit dem Tod enden, muss sie eine Möglichkeit finden, dem Teufel höchstpersönlich zu entkommen, denn ihr durchgehender Aufenthalt in der Hölle, die ständige Wut und die Angst haben eine gefährliche Auswirkung auf ihre Magie: Es fällt ihr immer schwerer, die helle Magie anzuwenden, die Magie, die aus dem Himmel kommt. Weiterlesen

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J. C. Vogt: Anarchie Deco

Willkommen im Berlin der 20er Jahre. Es grüßt eine Metropole, immerhin die viertgrößte Stadt der Welt, in der die Liebe zum Leben gefeiert wird, in der aber auch geforscht wird, wie in keiner andere Stadt der Welt. Während die gutbürgerlichen Spießer des Abends in den Vergnügungsvierteln der Stadt die Varietés besuchen, sich fragen, was sich hinter den perfekt geschminkten Fassaden der Damen und Herren vielleicht wirklich verbirgt, schuften sich die Armen aus den Hinterhäusern zu Tode. Im Reichstag geht gerade wieder einmal eine der vielen wechselnden Koalitionen den Bach hinunter, als die junge Physikerin Nike Wehner wissenschaftliche Koryphäen zu einem Versuch an der Friedrich-Wilhelm Universität empfängt.

Sie weiss, dass sie als Tochter einer Ägypterin und eines Deutschen, mehr noch als Frau, im Bereich der Physik nur diese eine Chance hat, die Nobelpreisträger, allen voran Bohr und Heisenberg, der sie ein klein wenig protegiert, von ihrer Idee zu überzeugen. Eine Idee, die ebenso revolutionär wie unbegreiflich scheint – die Synthese aus dem Zusammenwirken eines Mannes und einer Frau, aus Physik und Kunst schafft etwas bis dato nicht Dagewesenes, etwas Unbegreifliches – Magie.

Der Versuch gelingt, die Honoratioren sind beeindruckt, mehr Geld für die Forscherin, die mit einem Bubikopf und zumeist in Anzug und Krawatte gekleidet, ihrer Umwelt ein Rätsel aufgibt, ob die eine Suffragette, eine Lesbe oder doch ein Transvestit sei, nicht. So muss sie, um sich und ihre Mutter durchzubringen weiterhin der Polizei Berlins mit Rat und Tat bei der Ermittlung merkwürdiger Verbrechen zur Seite stehen. Weiterlesen

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Susan Herbert: Mehr Katzenkunst: Ein neues Kompendium kultivierter Katzen

Kunst ist eine Ausdrucksform. Kunst ist aber auch Unterhaltung. Die 1945 in England geborene Susan Herbert versteht vor allem den zweiten Punkt besser als die meisten anderen. Sie möchte die Menschen unterhalten, sie zum Schmunzeln bringen und ihnen ein wenig Freude bereiten. Dafür hat sie sich etwas ganz Besonderes ausgedacht: Sie malt bekannte Gemälde ein zweites Mal – jedoch sind die Protagonisten ihrer Werke nicht länger Götter und Menschen, sondern Katzen. Die Bilder sind von außergewöhnlicher Präzision und so gut wiedergegeben, dass zumindest die bekannteren jedem sofort erkenntlich sind. Das typisch kritisch-zufriedene Lächeln im Gesicht gucken Katzen unter feinen Häubchen und Hüten hervor und übernehmen die Darstellungen, als sei es nie anders gewollt gewesen. Botticelli, da Vinci, Raffael, Michelangelo, van Gogh – ihre Werke und die vieler anderer erwachen einmal mehr zum Leben, auch wenn Madonnen jetzt weiche Pfoten haben und Gott Schnurrhaare.

Mehr als einmal wurde der Künstlerin Ketzerei vorgeworfen, viele Kritiker sahen und sehen ihre Kunst als Verunstaltung der großen Meisterwerke. In ihrer Mission, die Menschen zu unterhalten, ließ Susan Herbert sich hiervon jedoch nicht abschrecken und erlangte bis zu ihrem Tod 2014 große Bekanntheit, vor allem in Japan ist sie sehr beliebt, wo mehrere Ausstellungen von ihr stattfanden. Dieser zweite Sammelband ihrer Werke erscheint nun in Erinnerung an sie und all die Katzen, die sie inspirierten. Weiterlesen

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