Kim Harrison: Rachel Morgan 16: Blutflamme

Es gibt einen neuen Sheriff in der Stadt. Cincity hat eine neue Vampirherrscherin – und die ist wahrlich keine Gute! Als Erstes hat sich die Meistervampirin vorgenommen, alle übernatürlichen Wesen auf Linie zu trimmen – sprich, Werwölfe, Pixies und Hexen ab ins zweite Glied, die Vampire beherrschen, über die I.S., die Stadt. Was gar nicht geht, ist dass eine vorlaute Dämonen-Hexe wie Rachel Morgan ihr den Rang streitig macht. Und das bekommt Rachel aber auch so richtig zu spüren. Ihre Freunde werden malträtiert, sie selbst findet keine neue Bleibe, wird Angegriffen, Bedroht und soll aus der Stadt gedrängt werden. Doch so einfach lassen sich Rachel und Co nicht einschüchtern, auch wenn dies bedeutet, einmal mehr einen aussichtslos scheinenden Kampf aufnehmen zu müssen …

Im letzten Band hatte Kim Harrison ihre eigentlich abgeschlossene Schöpfung wieder aufgegriffen und, der Nachfrage des Leserinnen und Leser folgend, ein neues Abenteuer um Rachel Morgan und ihre Freunde vorgelegt. Das Ergebnis konnte mich zumindest nicht wirklich überzeugen, zu langweilig und unausgegoren erschien mir der Aufguss. Nun, bei der einen Fortsetzung mag es die Verfasserin nicht belassen, sondern legt uns vorliegend einen weiteren Roman vor. Und, um dies vorweg zu nehmen, dieser ist deutlich besser als der letzte Roman! Natürlich ist uns die Grundanlage leidlich bekannt – Rachel legt sich, gegen alle Widerstände, jegliche Vernunft und den Rat aller um sie herum mit einer mächtigen, weit überlegenen Gegnerin an, und muss hier zunächst mächtig Prügel einstecken. Weiterlesen

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Bernardine Evaristo: Manifesto – Warum ich niemals aufgebe

Das Manifest einer Autorin zu lesen, deren Bücher man bis dato nicht kannte, mag als seltsamer Einstieg in ihr Werk erscheinen. Doch kommt es mir so vor, als schaffe Bernardine Evaristo es, mich gerade durch ihre Anfang 2022 publizierte Neuerscheinung „MANIFESTO – Warum ich niemals aufgebe“ (aus dem Englischen von Tanja Handels) an ihren Beitrag zur Weltliteratur heranzuführen. Die Booker-Prize-Preisträgerin schreibt in sieben Kapiteln über ihren Weg zu der Frau, die heute von zahllosen Buchcovern schaut – stolz, bunt, welterfahren. So geht sie von ihrer Kindheit im überwiegend weiß geprägten London der 60er Jahre aus – als eines von acht Kindern einer englischen Mutter und eines nigerianischen Vaters. Sie erzählt von Steinen, die an die Haustür der Familie geworfen wurden und von der unglaublichen Standhaftigkeit ihrer Eltern im Umgang mit Rassismus und Alltagsanfeindungen. Sie erzählt von der Stärke der Liebe ihrer Eltern und auch von den so unterschiedlichen Beziehungen zu ihnen. Die liebende starke Mutter auf der einen, der kühle und heimatferne Vater auf der anderen Seite. Evaristo schreibt sich durch ihre Partizipation als einzig Schwarzes Kind im Kirchentheater, durch die vielen Wohnungen, die sie haben eine Londoner Nomadin werden lassen und durch toxische wie heilende Beziehungen zu Frauen und Männern. Die Seiten ihres MANIFESTOS offenbaren einen Charakter, schillernd, rebellisch und kaum fassbar, Weiterlesen

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Bolu Babalola: In all deinen Farben: Love Stories

Scheherazade will sich nicht binden. Doch dann trifft sie im Haifischbecken ihrer Branche auf einen Mann, der sie sieht, durchschaut und versteht. Sie beginnt zu hoffen: Kann aus dem Du und dem Ich ein Wir werden? Tausendundeine Nacht vergehen …

Psyche arbeitet in der Moderedaktion der Zeitschrift Olymp und trinkt Latte Macchiato mit fettfreier Sojamilch. Sie lässt sich von ihrer Chefin Venus Lucius durch die Gegend scheuchen und hofft darauf, endlich zeigen zu können, was in ihr steckt. Und dann ist da noch Eros, der Playboy, der ungeniert mit ihr flirtet, ohne es ernst zu meinen – zumindest ist Psyche davon überzeugt.

Attem ist die jüngste Ehefrau des Königs, hat sich aber bereits den Platz als Hauptfrau gesichert. Selbstbewusst nimmt sie sich von anderen Männern, was ihr der tattrige Gemahl nicht geben kann. „Sobald sie seine Grundbedürfnisse gestillt hatte, konnte sie sich um ihre eigenen kümmern.“ (Kapitel Attem). Dabei reizt sie die Unverbindlichkeit der Arrangements, die sie mit Hilfe ihrer Dienerin Affiah in einer versteckten Höhle genießt. Bis Ituen in ihr Leben tritt.

Locker, ideenreich und nie oberflächlich kleidet die Autorin Bolu Babalola Mythen und alte Geschichten aus Kulturen rund um die Welt in ein neues Gewand. Im Mittelpunkt steht die Liebe. Weiterlesen

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Alexis Ragougneau: Opus 77

Der Komponist Dimitri Schostakowitsch schrieb das Opus 77, als Stalin regierte. Es war sein erstes Violinkonzert und zugleich seine Antwort auf die allgegenwärtige Unterdrückung. „Nie hat Musik wohl mehr den Kampf des Lichts gegen die dunklen Mächte symbolisiert.“ (S. 147)

Ausgerechnet dieses Werk spielt die Pianistin Ariane Cleassens anlässlich der Beerdigung ihres Vaters, der in Genf ein berühmter Dirigent war. Sie widmet ihr Konzert auch ihrem abtrünnigen Bruder David, der mit dem gemeinsamen Vater sein ganzes Leben lang tiefgreifende Differenzen austrug. Denn nie hörten Ariane und David ein Lob. Also spielten sie gemeinsam um ihr Leben und gaben sich dabei gegenseitig Halt.

Und während Ariane zum Abschied für Vater und Bruder dieses Opus spielt, lässt sie ihre schwierige Kindheit mit dem häufig abwesenden Vater Revue passieren. Sie denkt unter anderem an ihren geliebten Bruder, der im Finale des Concours Reine Elisabeth auftrat. Die wichtigsten Kritiker verfolgten diesen Kraftakt, bei dem es für den Solisten nur wenige Pausen gibt.

Davids alter Lehrer meinte, um Opus 77 zu spielen, müsse man ganz unten gewesen und dort eine Weile geblieben sein. Für David war dies kein Problem, denn er war ganz unten angekommen. Nun ging es dank seines Talents und seiner exzellenten Technik aufwärts. Ariane erlebte ein tiefgreifendes Konzert, das sie niemals vergessen wird. Auch für den Dirigenten, Davids Vater, blieb es unvergesslich. Weiterlesen

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Gitte Jurssen: Tatort Dangast – Ein Mord und der Gesang von Melodie

Nachdem der Leser den Mord an Marietta Großkopf sozusagen als Augenzeuge miterlebt, lenkt die Autorin seinen Blick auf die Ermittlertruppe des Kommissariats in Varel. Alles andere als nüchtern gehen die Kriminaler mit dem Fall um. Nicht nur, weil Mord ohnehin aufwühlt, sondern auch wegen ihrer zwischenmenschlichen Beziehungen, persönlichen Erwartungen und wegen ihrer unterschiedlichen Charaktere. Grässliche Tierquälerei auf Ponyhöfen lässt nicht nur wegen der räumlichen Nähe Verbindungen zwischen den Verbrechen vermuten und lassen den Leser nicht unberührt. Durch den klaren Schreibstil behält er in der komplexen Handlung stets den Überblick.

Ein Mord und die Vergewaltigung des Opfers wollen aufgeklärt werden in dem sonst eher beschaulichen Örtchen Dangast. Die Kollegen des Kommissariats im nahe gelegenen Varel treibt jedoch nicht nur die Suche nach Zeugen um, sondern auch ihre persönlichen Befindlichkeiten aus Vergangenheit und Gegenwart sowie die Sorge um die Gesundheit ihrer Teamleiterin, der Hauptkommissarin Christin Kim. Verstümmelung und Tötung von Ponys auf einem Pferdehof steigern ihre Betroffenheit und stacheln sie bei ihren Ermittlungen an, denn ein Zusammenhang ist nicht auszuschließen, sodass bald beide SoKos zusammenarbeiten. Bringen sie ein zweiter Mord und ein Mordversuch durch neue Erkenntnisse in ihrer Arbeit voran? Weiterlesen

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Ronja von Rönne: Ende in Sicht

Einen Roman über den Wunsch zu sterben zu schreiben, ohne zu werten, zu verurteilen und ohne rührselig oder dramatisch zu werden, ist eine Kunst. Diese Kunstfertigkeit hat die noch junge deutsche Autorin Ronja von Rönne, die neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin auch für ARTE und DIE ZEIT arbeitet, in dem vorliegenden Roman unwiderlegbar bewiesen.

Hella Licht, 69 Jahre alte, abgehalfterte Rocksängerin, will zum Sterben in die Schweiz fahren, mit ihrem altersschwachen Passat über die deutschen Autobahnen. Da fällt ihr die 15-jährige Juli vor die Reifen. Sie wollte sich mittels eines Sturzes von der Autobahnbrücke umbringen, hat aber außer ein paar Schrammen und einer Zerrung nichts erreicht.

Hella, permanent damit überfordert, mit einem selbstmordgefährdeten Teenager umgehen zu müssen, nimmt Juli auf ihrer Fahrt mit. Diese erzählt Hella immer andere Schwindeleien, so unter anderem, dass sie zu ihrer Mutter nach Ulm wolle. Weiterlesen

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Philipp Winkler: Creep

Philipp Winkler, ein 1986 geborener Autor hat ein Händchen für Außenseiter. In „Carnival“ (2020) galt seine Aufmerksamkeit denjenigen, die eine Kirmes am Laufen halten – dem „fahrenden Volk“ -, in seinem neuen Werk „Creep“ sind es zwei Menschen, die Probleme im Umgang mit anderen Menschen haben.

Da ist zunächst Fanni, die in einer deutschen Firma für Überwachungstechnik arbeitet. Sie hat eine Lieblingsfamilie, die Naumanns, mit denen sie per Fernüberwachung gemeinsam isst und lacht, ohne dass die Familie etwas davon weiß. Ansonsten kommt sie weder mit ihren Eltern, noch mit ehemaligen Freundinnen und Freunden klar.

​Und da ist der Japaner Junya, der nur nachts sein Zimmer verlässt, um Gewalt-Exzesse auszuüben, die er dann im Darknet in der Hoffnung streamt, möglichst viele Likes zu bekommen. Die beiden sind „creepy“ – etwas gruselig. Weiterlesen

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Markus Gasser: Die Verschwörung der Krähen

Markus Gasser, österreichischer Literaturwissenschaftler und Schöpfer des YouTube-Kanals „Literatur ist alles“, bringt uns in seinem ersten Roman „Die Verschwörung der Krähen“ das Leben des Schriftstellers Daniel de Foe näher. Den meisten ist de Foe vermutlich als Autor des Romans „Robinson Crusoe“ ein Begriff, aber eigentlich war der Brite viel mehr als das.

De Foe wird Mitte des 17. Jahrhunderts in London geboren. Dieses London um 1700, in dem Gassers Geschehen spielt, zeichnet er als wenig einladenden Ort. Als Angehöriger des presbyterianischen Glaubens gehört de Foe in dieser Welt zu den Ausgegrenzten, den sogenannten „Dissentern“. Dies liegt nicht zuletzt an Queen Anne Stuart, die wenig übrig hat für politische oder religiöse Gesinnungen, die nicht ihren eigenen entsprechen. Wenig verwunderlich also, dass de Foe wiederum nicht zu den Befürwortern seiner Königin gehört. Und so veröffentlicht de Foe diverse Schriften und Flugblätter, die über politische Machenschaften aufklären, was ihn zeitweise sogar hinter Schloss und Riegel und an den Pranger bringt.

Gasser erzählt die Geschichte de Foes und seiner Lebenswelt in mehreren Episoden verschiedener Zeitebenen, die nicht immer in chronologischer Reihenfolge aufeinander folgen. Neben dem intriganten Königshof und dem Gefängnis „Newgate“ bildet auch die Londoner Unterwelt einen Schauplatz des Romans, wo recht ausführlich das illegale Imperium des Jonathan Wyldes beleuchtet wird. Weiterlesen

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Axel Melzener: Genre: Ein Leitfaden für Autoren

Die Freude am Grellen und Schrecklichen, am Lauten und Bizarren, am Verworrenen und Verwunschenen, am Psychedelischen und Ab- und Jenseitigen, am Mindf*ck, an der Enthemmung und Erregung […] was für Storys wir schreiben können, wenn man uns nur lässt.“ (Zitat Axel Melzener)

Hinter dem dezenten Cover dieses Buches versteckt sich ein höchst moderner, medien- und literarpraktischer Pageturner. Diese schwindelerregende Lektüre ist von einer Magie durchzogen, die horizonterweiternd, schonungslos ehrlich und faszinierend zugleich ist. Zu gern hätte ich sie in Warpgeschwindigkeit gelesen, doch sie ist so wertvoll, dass ich alles genauestens studiert und dabei unfassbar viel markiert habe.

Seite um Seite löst der Autor Axel Melzener die Handbremse im Kopf des Kreativen, bricht betonierte Blockaden und verpasst uns eine längst überfällige Frischzellenkur, denn zwischen den klugen Zeilen lauert so viel Wahrheit, Weisheit und pure Erkenntnis. Er liefert unkonventionelle Denkanstöße zu Trends, Innovationsstrategien, zeigt Chancen sowie Herausforderungen und hilft dem Leser dadurch, den eigenen Horizont zu erweitern. Dabei inspiriert er uns dazu, Klischees zu demontieren oder mit ihnen zu spielen. Das ist stark, weil Erkenntnis stiftend. Weiterlesen

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Mariana Enriquez: Unser Teil der Nacht

Schon früh begreift Gaspar, dass das Zusammenleben mit seinem Vater Juan besonders ist. Sie wohnen allein in einer vernachlässigten leeren Villa. Obwohl Juan keiner geregelten Arbeit nachgeht, haben sie stets genug Geld, und Juan erhält häufig medizinische Hilfe in einer Privatklinik. Mit der Zeit lernt Gaspar, mit der Angst um das Leben seines Vaters zu leben. Doch was geschieht mit ihm, wenn die Ärzte seinem Vater nicht mehr helfen können?

Aus irgendeinem Grund hat Gaspar zu der Familie seiner verstorbenen Mutter keinen Kontakt, und der Bruder seines Vaters soll irgendwo im Ausland leben. Gaspars brüchige Erinnerungen will der schweigsame Juan nicht klären. Auch wenn sie sich echt anfühlen, sollen sie nur schlechte Träume sein.

Und während Juan von Jahr zu Jahr immer kränker und gewalttätiger wird, vergisst Gaspar seine Erinnerungen. Sie verschwinden, als wären sie nie da gewesen. Dafür beherrscht sein Vater seine Gedanken. Er lässt ihn glauben, Gaspar sei ein ganz normaler Junge. Dass er von seinem Vater außergewöhnliche Talente geerbt hat, bleibt für Gaspar lange ein vager Verdacht. Weiterlesen

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