Lorrie Moore: Danke, dass ich kommen durfte

dankeLorrie Moores neuer Kurzgeschichtenband bietet mit seinen acht Erzählungen genau das, was gute Short Stories ausmacht: Viel Platz zwischen den Zeilen, in denen der Leser eigene Gedanken weiterentwickelt.

So lesen wir in der ersten Story von einem Mann, der seinen Ehering nicht abstreifen kann, weil dieser seinen Finger wie ein Fett abschnürender Gürtel umschließt – und dies, obwohl er bereits ein halbes Jahr von seiner Frau geschieden ist.
Oder wir lesen von einer Mutter, die ihren neuen Verehrer immer wieder brüskiert, indem sie ihrem pubertierenden Sohn übermäßige Zuwendung zukommen lässt. Weiterlesen

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Josh Malerman: Bird Box – Schließe deine Augen

birdMalories Welt ist nicht mehr das, was sie einst war. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass sie überraschend schwanger ist. Nein, in den Nachrichten häufen sich Schreckensmeldungen über Selbstmörder, die scheinbar etwas gesehen haben müssen, bevor sie sich im Wahnsinn umgebracht haben. Als auch ihre Schwester dem Mysterium zum Opfer fällt, beschließt Malorie, mit geschlossenen Augen einen Zufluchtsort aufzusuchen, der Sicherheit verspricht und es ihr ermöglichen soll, ihr Kind auf die Welt zu bringen. Weiterlesen

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Susan Jane Gilman: Die Königin der Orchard Street

malNew York, 1913: Die kleine Malka hat eine lange Reise von Europa hinter sich und hofft, mit ihrer Familie in der neuen Welt Reichtum zu finden. Doch alles kommt ganz anderes und Malka wird vom Pferdewagen eines Eisherstellers angefahren. Sie wird nie wieder richtig laufen können und verliert so für ihre Familie jeglichen Wert, da sie in diesem Zustand auch nicht mehr arbeiten kann. Papa Dinello, der für den Schlamassel verantwortlich ist, nimmt sie in seiner Familie auf und nach und nach lernt sie die Kunst des Eismachens und findet ihren Platz in der mächtigen Dynastie. Doch ihr Weg hin zu der erfolgreichen Lillian Dunkle mit ihrem amerikanischen Eis-Imperium ist noch lang und steinig. Weiterlesen

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Olivier Adam: An den Rändern der Welt

oliEigentlich hat Paul es im Alter von Anfang vierzig geschafft. Er verdient gut an seinen Romanen, schreibt Drehbücher und Reportagen. Jahrelanges Beobachten, Analysieren und ein damit einhergehendes Gefühl der Fremdheit haben ihn an den „Rand der Welt“ gebracht, der zugleich auch Abgrund oder Absturz in eine Depression sein kann. Während beruflich alles bestens läuft, ist sein Privatleben ein einziges Debakel. Seine Frau hat sich von ihm getrennt und die Kinder mitgenommen. Ein neuer Liebhaber steht vor ihrer Tür. Zur gleichen Zeit beschließt sein Vater, in eine Seniorenresidenz zu ziehen. Die Preise für Immobilien sind in Paris dermaßen in die Höhe geschossen, dass die Randbezirke – früher sozialer Brennpunkt – von der Mittelschicht aufgekauft werden. Weiterlesen

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Bernhard Trecksel: Nebelmacher

bernEinst wandelten sie im Fels und Metall gekleidet über die Welt – die Titanen, die in einem ungeheuren Kraftakt niedergeworfen und festgekettet wurden. Seitdem sind Äonen vergangen, von den alten Zeiten zeugen nur noch Überlieferungen. Die Welt selbst hat im Kampf der vergessenen sechs Magier gegen die Zyklopen das Licht der Sonne verloren, die Menschheit hat sich an den ewigen Nebel gewöhnt.

Vorhang auf für einen, den den besten Meuchelmörder der Welt. Clach wurde von seinem Orden von frühester Kindheit an zum perfekten Mörder erzogen. Seitdem er den Olymp der Attentäter erklommen hat, hat er all seine Aufträge mit bemerkenswerter Eleganz und vollständigem Erfolg ausgeführt. Dass eines seiner Opfer überlebt hätte, ist undenkbar. Weiterlesen

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Tim Glencross: Barbaren

barDer britische Autor Tim Glencross nimmt in seinem überzeugenden Debütroman „Barbaren“ die englische Oberschicht am Ende der Blair-Ära aufs Korn. Die Vertreter aus Politik, Kunstwelt und Wirtschaft kommen darin allesamt schlecht weg. Sie lügen und lavieren sich durchs Leben, sie gehen über Leichen, um ihre beruflichen Ziele zu erreichen.

Die einzig sympathische Figur in dem 400-Seiten-Schmöker ist die haltlose Dichterin Buzzy, die verzweifelt versucht, Anschluss an die Welt der Großen zu erhalten, von diesen aber in der Regel nur als Randfigur wahrgenommen wird. Weiterlesen

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Angela Marquardt: Vater, Mutter, Stasi: Mein Leben im Netz des Überwachungsstaates

angeAngela Marquart – heute erfolgreiche Politikerin – war 15 Jahre alt, als sie eine Bekenntniserklärung zur IM unterschrieb. Als die Mauer fiel, hatte die Stasi ihr Leben für die nächsten Jahre bereits verplant. Trotzdem sagte sie noch zu Beginn unseres Jahrhunderts, sie habe nie bewusst für die Stasi gearbeitet. Nach diesem Buch glaubt man es ihr ohne Vorbehalte. Denn das Buch erzählt die Geschichte eines Mädchens, dass von den Eltern bewusst politisch unaufgeklärt bzw. – was noch schlimmer ist – teilaufgeklärt gehalten wurde. Sie hatte niemals Begegnungen mit ominösen Männern in grau, die sie zu irgendetwas überreden wollten. Weiterlesen

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Ivana Jeissing: Wintersonnen

winterEs ist ein langer Selbstfindungsprozess, bei dem wir Gustava, die junge Protagonistin in diesem Roman, begleiten. Auslöser ist die seit ihrer Kindheit andauernde Suche nach ihrem unbekannten Vater. Die Sehnsucht, der Vergangenheit ein Gesicht zu geben, bleibt allgegenwärtig.

Gustava lebt mit ihrer Mutter – genannt Mimi, in Wien. Sie hat ihren Vater nie kennengelernt und alle ihre Fragen nach ihm prallen an Mimi ab. Vielleicht gerade weil Mimi Gustavas Nachforschungen so vehement abwehrt und blockiert, steigert dies die Sehnsucht des Mädchens nach einer vollständigen Familie, denn immer mehr fühlt sie in ihrem Zuhause eine Lücke ohne den Vater. Weiterlesen

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Sandrone Dazieri: In der Finsternis

finsAls in ihrem Bezirk ein kleiner Junge verschwindet, wird die zurzeit beurlaubte Colomba gegen ihren Willen von ihrem Chef zu den Ermittlungen hinzugezogen. Widerwillig fügt sie sich und geht auf Dante Torre zu, einen Mann, der in seiner Kindheit entführt wurde und jahrelang in einem Betonsilo gefangen gehalten wurde. Das ist an ihm nicht spurlos verloren gegangen. Er leidet unter massiver Platzangst und Phobien, hat in dem Gefängnis aber auch gelernt, Menschen durch ihre Gestik und Mimik zu lesen. Dies soll dem Ermittlungsteam beim aktuellen Fall hilfreich sein. Doch Dante glaubt schnell an die Unschuld des mutmaßlichen Täters. Er ist überzeugt, dass sein eigener Kidnapper, der eigentlich für tot gehalten wird, noch am Leben ist und weiterhin kleine Kinder entführt. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn jede vergangene Minute könnte den Tod des kleinen Jungen bedeuten. Weiterlesen

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David Herbert Lawrence: Der Mann, der Inseln liebte (1928)

mannBenjamin Lebert hat D. H. Lawrences Klassiker neu übersetzt und zusätzlich mit einem Vorwort versehen.
Sich zurückziehen von der Welt, alles Profane hinter sich lassen um auf einer einsamen Insel mit zuvor ausgewählten Menschen zusammenzuleben, der Natur und dem Ich ganz Nahe sein, sich selbst entdecken – dieses Exempel statuiert der Mann, der Inseln liebte.

Der Mann der Inseln liebte, liebt vor allem die Einsamkeit, die Natur und das Meer. Er kauft zwei unbewohnte Inseln. Eine größere und eine kleinere, die von der größeren Insel aus gut zu sehen und zu erreichen ist.
Auf der größeren Insel versucht er sich ein Paradies nach seinen Vorstellungen zu errichten. Anfangs scheint er glücklich zu sein auf seiner Inselwelt. Doch bereits nach einem Jahr muss er sich eingestehen, dass sein Leben so keine Zukunft hat – die Insel mit all den Menschen und den Annehmlichkeiten die diese nach seinen Weisungen geschaffen haben, ist auf Dauer nicht finanzierbar. Weiterlesen

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