Puh, ein Krimi, in dem als erstes ein Hund (sinnlos) stirbt, das war ja ein Anfang für mich. Eigentlich hatte ich den Kaffee da schon auf, aber trotzdem muss ich sagen: Das Hörbuch war klasse. Es geht um Morde, um brutale Morde, aber Andrea Sawatzki hat da einen ganz geschickten Plot aufgebaut. Da gibt es die kleine Kathi, die mit einem gewalttätigen Vater und einer trinkenden Mutter geschlagen ist. Da gibt es Kathrin und Bernd, die vor einiger Zeit ihr ungeborenes Kind verloren haben. Und da gibt es die Kommissarin Melanie Fallersleben, die sich sowohl mit ihrem veganen Mitarbeiter als auch mit Morden herumschlagen muss, die auf den ersten Blick überhaupt keinen Zusammenhang zu haben scheinen. Weiterlesen
Autor: Leselust Team
Ferdinand von Schirach: Terror: Ein Theaterstück und eine Rede
Die Frage an sich ist nicht neu, aber in diesem Theaterstück noch mal ganz neu gestellt. Darf ein Flugzeug mit allen Passagieren abgeschossen werden, um einen Terroranschlag zu verhindern? Das Bundesverfassungsgericht hat diese Frage klar verneint. Ein Rechtsstaat darf das aus ausgiebig diskutierten Gründen nicht. Aber was ist mit einer Einzelperson, die rechtlich sicherlich anders zu behandeln ist? Gegen ausdrücklichen Befehl schießt ein Kampfpilot einen voll besetzten Jet ab, der entführt auf dem Weg zu einem Sportstation ist. Jetzt muss er sich dafür vor Gericht verantworten. Der Grat zwischen Heldentat und Mord ist hier sehr dünn. Im Verlauf des Prozesses kommt aber auch heraus, dass er zwar alleine und selbstständig handelte, aber wohl offensichtlich nicht doch so ganz einsam. Weiterlesen
Emelie Schepp: Nebelkind
Als Kerstin Juhlén ihren Mann Hans, den Leiter des Amtes für Migration und Asylfragen der Stadt, tot auffindet, als sie nach Hause kommt, ruft sie sofort die Polizei. Doch im Haus gibt es keine fremden Spuren. Lediglich ein Fenster ist geöffnet und die Fingerabdrücke eines Kindes findet sich in seiner Nähe. Doch die Juhléns hatten gar keine Kinder! Und dennoch wurde Hans Juhlén erschossen. Schnell gerät die Ehefrau unter Verdacht. Doch die Ermittler Henrik und Mia sowie die Staatsanwältin Jana glauben, dass die Geschichte weit komplexer ist. Sie beginnen, fieberhaft nach dem Kind zu suchen. Weiterlesen
Fritzi Sommer: Zum wilden Eck: Ein Mops-Krimi
„Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“, hat schon Loriot gesagt. Und die Morde auf dem Campingplatz „Zum wilden Eck“ in Fritzi Sommers gleichnamigem Mops-Krimi wären wohl nicht so schnell aufgeklärt worden ohne die Spürnasen auf vier Pfoten.
Eine Soko Mops schickt die Autorin, die mit richtigem Namen Tina Wolf heißt, auf Ermittlungstour. Erzählt wird der unterhaltsame Krimi von Mops Henri, der mit seinen vierbeinigen Kumpels Viktor und Wilma aufklärt, was Conny, dem guten Geist des Campingplatzes, zugestoßen ist. Mops-Frauchen Josephine hat den Campingplatz von ihrem Onkel geerbt, und nicht nur die Hunde fühlen sich dort pudelwohl. Nicht nur Mops-Freunde werden das mit leichter Hand geschriebene Buch lieben.
Fritzi Sommer: Zum wilden Eck: Ein Mops-Krimi.
Heyne, Mai 2015.
368 Seiten, Taschenbuch, 8,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
Adam Soboczynski: Fabelhafte Eigenschaften
Ganz ehrlich? Ich konnte wenig mit diesem Buch anfangen. Für mich einfach zu sehr auf eine oder mehrere mir fernen Lebenszusammenhänge gesponnen. Hans, ein mehr oder weniger bekannter Maler, monomotiviert was seine Kunst angeht, er malt immer die gleichen Motive, Tiere am Strand die da nicht hingehören; Julia die zwischen eben diesem Hans und ihrem Architektenfreund Sebastian hin – und her verliebt ist, wobei hier die romantische Vorstellung eher zu kurz kommt, überehrgeizig und berechnend und Sebastian, ein nicht ganz selbstsicherer Häuserentwerfer, der, nachdem Julia ihn verlassen hat, etwas eigentümlich wird. Dazu gesellt sich allerlei Volk aus dem Kunst- und Museumsleben, feuilletonistische Wesen, Möchtegernautoren, ohne Geldsorgen eher dem Dilemma ausgeliefert, die Scheidungen so mit sich bringen. Und schwer zu lesende Schachtelsätze. Ach ja,
Adam Soboczynski: Fabelhafte Eigenschaften.
Klett-Cotta, August 2015.
206 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,95 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Fred Ape.
Chris Weitz: Young World 01: Die Clans von New York
Eine Seuche hat die Menschheit dahingerafft, lediglich Teenager haben überlebt. Aber auch sie werden bei Erreichen einer gewissen Reife sterben – Beispiele verdeutlichen das. Zudem sind sie unfruchtbar und selbst wenn sie Kinder zeugen könnten, sind auch Säuglinge vom Überleben ausgeschlossen. Das zeigt schon, dass das große Sterben noch nicht lange her sein kann und dass die Protagonisten noch Erinnerungen an das Leben davor haben. Manche unterdrücken sie, weil sie an der Situation nichts ändern und alles nur noch schwerer machen, andere ziehen Kraft aus ihren Erinnerungen. Weiterlesen
Richard Yates: Cold Spring Harbor (1986)
Mit seinem letzten Roman „Cold Spring Harbor“ aus dem Jahre 1986 schließt die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA) ihre Reihe mit Romanen des 1992 gestorbenen Schriftstellers Richard Yates ab.
Und das große Thema des Amerikaners ist auch hier bestimmend: Ein einstmals verliebtes und optimistisch gestimmtes Paar startet in eine gemeinsame Zukunft – und scheitert.
In diesem Fall sind es Evan und Rachel, denen in den 40er-Jahren die Wechselfälle des Lebens zu schaffen machen – zum Beispiel Rachels trink- und tratschsüchtige Mutter Gloria, die das junge Paar notgedrungen im eigenen etwas feuchten Häuschen aufnehmen muss, weil sonst der Preis dafür nicht zu stemmen wäre. Weiterlesen
Martin Walser: Ein sterbender Mann
Vor acht Jahren hat Martin Walser seinen Roman „Ein liebender Mann“ veröffentlicht und damit mit fiktiven Briefen von Goethe an Ulrike die Geschichte einer Liebe erzählt. Das Gegenstück ist Walsers neuer Roman „Ein sterbender Mann“. – Eine Abhandlung mit dem Tod, wieder mit Briefen.
Es wirkt so, als würde der schreibende Mann Walser mit 88 Jahren sein Schriftsteller-Leben aufräumen. Seine Tagebücher bis 1981 hat er in vier Bänden veröffentlicht und auch die Bücher, die sich mit deutscher Schuld auseinandersetzen. Wie „Unser Auschwitz“. Weiterlesen
Paola Predicatori: Der Regen in deinem Zimmer
Für die siebzehnjährige Alessandra bricht eine Welt zusammen, als ihre Mutter an Krebs stirbt.
Zurück bleibt neben ihrer Trauer um den Verlust eine unendliche Leere. Ihre Großmutter kann dem jungen Mädchen wenig helfen.
In ihrer Hilflosigkeit schottet Alessandra sich von allen und allem ab, zieht sich in sich zurück. In ihrer Schulklasse setzt sie sich ganz nach hinten zu dem Außenseiter Gabriel, genannt Zero. Zero ist ein wundervoller Zeichner. Doch auch er hat Probleme mit seinem Schicksal. Das verbindet.
Ganz langsam beginnen Alessandra und Zero sich anzunähern, doch beide sind zu sehr in ihrem eigenen Schmerz gefangen, dass ihre Verbindung immer wieder zu scheitern droht.
Ein schönes Buch, das Hoffnungslosigkeit, Verlust, Trauer, Schmerz, Liebe und alle damit verbundenen Emotionen ausdrucksstark widerspiegelt.
Paola Predicatori: Der Regen in deinem Zimmer.
Aufbau, März 2015.
238 Seiten, Taschenbuch, 8,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
Kelly Fiore: Der tiefe Fall der Cecelia Price
Die 17-jährige Cecelia Price wartet im psychiatrischen Trakt für straffällig gewordene Jugendliche auf ihr Urteil. Nur wenige Monate zuvor war sie eine gute Schülerin, hatte Freunde und ein erfülltes Leben. Doch die Medikamentenabhängigkeit ihres Bruders Cyrus brachte nicht nur dessen Leben durcheinander. Als sie ihn tot in der Wohnung auffand, wählte Cecelia dem Notruf und stellte sich schließlich als Täterin der Polizei. Für ihre Pflichtverteidigerin beginnt nun die Suche nach der Wahrheit und Cecelia verschließt vorerst und lässt erst langsam jemanden an sich heran. Weiterlesen