Lustig, was da vor mir liegt. Schon auf dem Cover, bzw. Umschlag, blickt uns ein „ernsthafter“ Mann mit stechendem Blick entgegen, dem man aber ansieht, dass er im nächsten Moment laut losprusten könnte. So oder ähnlich war die Fotosession bestimmt. So ist auch sein Büchlein. Voller skurriler, durchaus ernsthafter Themen, denen man durch Änderung des Blickwinkels und der listig – satirischen Wortwahl, eine neue Sichtweise gibt ohne alles der Lächerlichkeit preis zu geben. Zum Lachen allerdings ist es schon. Dabei merkt man den nicht wenigen Gedichten an, dass sie es lieben, auf der Bühne vom Meister Koch selbst interpretiert zu werden. Weiterlesen
Autor: Leselust Team
Alexander Kühne: Düsterbusch City Lights
Kleine Städte, große Träume: Das ist im Osten der 80er Jahre nicht anders als im Westen, nur in der Umsetzung noch eine Nummer impraktikabler. Anton wohnt im brandenburgischen Düsterbusch, und das ist schon sehr klein; sein Traum ist, ebendort einen subversiven Club nach Londoner Vorbild aufzuziehen, und mehr muss man vielleicht gar nicht wissen über Anton.
Bevor er allerdings Hochhäuser, Casinos und David Bowie nach Düsterhaus bringen kann, gilt es, sich durch den Alltag der DDR zu manövrieren, ohne dabei den Biss, die Vision oder gleich den Verstand zu verlieren. Weiterlesen
Lindsay Faye: Das Feuer der Freiheit
Feuer stellt für Timothy Wilde ein Problem dar, seit seine Eltern bei dem Brand, den sein Bruder unachtsam verursachte, ums leben kamen. Und seit sein halbes Gesicht eine Brandnarbe ist, weswegen er nicht mehr als hübscher Barkeeper arbeiten kann, sondern sich als Polizist in einer relativ neu (nämlich im ersten Band) gegründeten Polizei von New York verdingt.
Ausgerechnet mit Feuer bekommt er es jetzt zu tun. Der Stadtrat, Fabrikbesitzer und ärgster Gegner seines Bruders, Robert Symmes wird schriftlich bedroht und nach und nach gehen seine Gebäude in Flammen auf. Weiterlesen
T. R. Richmond: Wer war Alice, gelesen von Josefine Preuß u.a.
Alice ist tot. Das erfährt man schon am Anfang des Hörbuches. Der Autor geht nicht nur der Frage nach, warum und wie sie gestorben ist, sondern auch, wie sie gelebt hat. Alice Salmon war eine moderne Frau, schon Stunden nach ihrem Tod geht die Nachricht wie ein Lauffeuer über Facebook und Twitter.
„Wer war Alice“ ist keine lineare Erzählung, vielmehr ist es eine Zusammenstücklung aus SMS, Briefen, Tagebucheinträgen, Erinnerungen, Protokollen und Facebook-Posts. Weiterlesen
Petra Hammesfahr: Fremdes Leben
Eine Frau wacht auf der Intensivstation einer Klinik auf. Sie sagen ihr, sie hieße Claudia. Wer ist Claudia? Sie heißt doch Cilly! Sie ist mit dem Geländewagen ihres Mannes? Freundes? einen verschneiten Abhang hinunterfahren. Er hat das Auto angeschubst. Sie kann sich doch genau erinnern. Aber der Mann, der kommt und sich als ihr Mann vorstellt ist ein ganz anderer. Hat sie durch den Unfall den Verstand verloren? Kann sie den Menschen in ihrer Umgebung noch trauen? Weiterlesen
Christian Oelemann: Isabellas Welt
Die zehnjährige Isabella Korngold verfügt über eine ungewöhnliche Gabe: Sie kann Geräusche sehen. Jeder Laut, ob Reden, Lachen, Rufen, Türenquietschen, sogar Pupsen, erscheint ihr als Noten. Ihr Vater schimpft beispielsweise meist im Fünfvierteltakt und vom tiefen A aus. Ihr kleiner Bruder Tristan quengelt im Dreivierteltakt, mit einem hohen Dis beginnend. Und wenn er beim Essen rülpst, hört Isabella ein sattes Gis.
Doch am liebsten lauscht sie dem Gesang einer Amsel im Garten und schreibt diese Melodien heimlich in ihrem Notenheft auf. Dass sie Synästhetikerin ist, weiß sie nicht, aber sie spürt schon früh, dass sie anders ist als ihre Klarinette, Geige oder Flöte spielenden Verwandten. In ihrer Familie gilt sie als Einzige als unmusikalisch, weil sie keine Lust hat, ein Instrument zu lernen. Weiterlesen
Silvia Furtwängler: Nordwärts: Eine Frau mit 30 Huskys in der Wildnis
2008 hat Silvia Furtwängler ihre Zelte in Deutschland abgebrochen und ist mit Mann, ihrem behinderten Sohn und 20 Schlittenhunden nach Norwegen ausgewandert. Die Einsamkeit im Schnee wurde zum Zuhause der Kölnerin.
Seit 29 Jahre fährt sie Schlittenhunderennen, mit zwölf Hunden vor dem Schlitten ging sie sie von Norwegen aus auf den berühmten „Volga Quest“: 600 Kilometer auf der zugefrorenen Wolga durch Russland. Darüber und über ihr Leben in Norwegen hat die das Buch „Nordwärts“ geschrieben. Es ist ein spannender Erlebnisbericht aus der Kälte und nicht nur für Hundefreunde eine packende Abenteuer-Erzählung.
Beim „Volga Quest“ kam Futwängler als Einzige im Ziel an; alle anderen hatten aufgegeben. Ihr Leben in Norwegen hat die Kölnerin auch nicht aufgegeben. Und das hat Reize, wie man in dem Buch lesen kann.
Silvia Furtwängler: Nordwärts: Eine Frau mit 30 Huskys in der Wildnis.
Rowohlt, September 2015.
288 Seiten, Taschenbuch, 9,99 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Julia Gaß.
Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown: Ein Fall für Mrs. Murphy 20: Vier Mäuse und ein Todesfalls
Wenn Mary Minor Harristeen, genannt Harry, mit ihren Tieren Mrs. Murphy, Pewter und Tee Tucker unterwegs ist, darf man sicher sein, dass diese vier mit großer Sicherheit, rund um das Städtchen Crozet im US Staat Virginia, über eine Leiche nach der anderen stolpern und nicht eher ruhen werden, bevor der Mörder oder auch die Mörderin hinter Gittern sitzt. Harry, die seit geraumer Zeit ihren gemütlichen Job als Posthalterin der Kleinstadt Crozet aufgegeben hat, betreibt, wenn sie nicht gerade Mörder jagt, mit großer Leidenschaft eine kleine Farm. Weiterlesen
Marie von Ebner-Eschenbach : Unsühnbar (1890)
Maria liebt den umtriebigen Tessin. Doch ihr Vater will sie mit dem seriösen Hermann, einem anderen Grafen, verheiraten. Kurz nach der Ehe erfährt sie, dass der Vater ihre Mutter betrogen und einen Sohn mit dem Namen ‚Wolfi‘ hat. Nach der Geburt ihres Sohnes erscheint der Halbbruder, der todkrank für seine letzte Lebenszeit um ein Obdach bittet. Unter dem Gesichtspunkt der christlichen Nächstenliebe wird ihm Pflege und ein kleines Haus am Rande des nächsten Dorfes gewährt. Die Halbgeschwister lernen sich über Marias Pflichtbesuche kennen. Kurz vor seinem Tod bittet er Maria um ein Treffen. Doch statt Wolfi trifft sie auf ihre alte Liebe Tessin, der – endlich mit ihr allein – sie überrumpelt. Es wird ein Treffen mit weitreichenden Folgen. Weiterlesen
Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich
Die Sache ist keinesfalls neu: ein Highlight, des zu Besuch kommenden Todes, ist in George Tabori‘ s „Mein Kampf“ zu lesen. Hier kommt in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts, der Tod nach Wien um den erfolg- und talentlosen Pinselquäler Adolf Hitler abzuholen. Ausgerechnet ein Jude bittet um eine Gnadenfrist. Mit den bekannten schrecklichen Konsequenzen. Schön ist auch folgender Cartoon: kommt der Tod in ein Wohnhochaus und klingelt bei einem gewissen Meyer!? Weiterlesen