Andreas Eschbach: NSA – Nationales Sicherheits-Amt

Helene glaubt, nicht viele Talente zu haben. Aber Programmieren, oder „Programme stricken“, das kann sie, auch wenn die neuartigen Komputer (sic!) sich im Deutschen Reich erst in den Anfängen durchgesetzt haben. Eugen dagegen ist von sich schon überzeugt, der Vater ist im Weltkrieg als Kriegsheld gefallen, die Mutter übergroß. Beide arbeiten bei der NSA, dem Nationalen Sicherheits Amt und ihre Aufgabe besteht darin, die Unmenge von Daten, die es über jeden Staatsbürger gibt, auszuwerten.

Es ist eine alternative Welt, die Andreas Eschbach für seine Roman geschaffen hat. Aber er hat sie derart mit historischen Realitäten durchsetzt, dass das Buch den Leser verstört zurücklässt. Deutschland hat den Weltkrieg 1917 verloren, die Nazis sind 1933 an die Macht gekommen, Nürnberger Gesetze, Wannseekonferenz, alles eingebettet in eine Welt, in der Soziale Medien und Elektronisierung einfach einige Jahre früher gekommen sind. Es gibt ja viele Romane über die Gefahren der Datenausnutzung, wir werden jeden Tag davor gewarnt, zuviel von uns preiszugeben. Weiterlesen

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Jonas Jonasson: Der Hundertjährige, der zurückkam, um die Welt zu retten

Allan Karlsson ist wieder da – der Hundertjährige, der 2012 aus dem Fenster stieg und verschwand – und dessen schwedischer Autor Jonas Jonasson damit einen literarischen Welterfolg landete.

Während der sympathisch-lebensbejahende und freundliche Senior im früheren Buch Abenteuer quasi im gesamten 20. Jahrhundert erlebte, konzentriert sich der Folgeband – „Der Hundertjährige, der zurückkam und die Welt rettete“ heißt er – ganz auf die Gegenwart.

Allan, dem sein Dauerurlaub mit Kumpel Julius auf Bali zu langweilig geworden ist, stürzt mit einem Heißluftballon im Meer ab, wird von einem nordkoreanischen Schiff aufgegriffen und direkt zu Kim Jong-un weitergeleitet. Ein paar Seiten später macht er Bekanntschaft mit der schwedischen Außenministerin, um dann gemeinsam mit ihr bei Donald Trump vorbeizuschauen. So weit, so turbulent. Und das alles nur, weil das nordkoreanische Boot angereichertes Uran für den Diktator an Bord hat. Weiterlesen

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C. O. Chirovici: Das Buch der Spiegel

„Alle hatten sich geirrt und durch die Fenster, in die sie zu spähen versuchten und die sich am Ende alle als Spiegel herausstellten, nur immer sich selbst und ihre eigenen Obsessionen gesehen.“ C. O. Chirovici ist mit diesem Roman in der Tat ein Spiegelkabinett der meisterlichen Täuschung gelungen. Es geht hier um Wahrnehmung, um Erinnerungen, um (Selbst-)Betrug. Der Fall eines ermordeten Professors wird von drei verschiedenen Protagonisten verfolgt – einem vermeintlichen Augenzeugen, einem Journalisten und einem Polizisten. Jede dieser Personen hat eigene Filter, eigene Wahrheiten. Noch deutlicher wird dies, als die Verdächtigen, Zeugen und Nebenfiguren nach fast 30 Jahren nochmals befragt werden. Was geschah wirklich? Was hat die Erinnerung verzerrt?

Dem Literaturagenten Peter Katz wird ein Auszug aus einem Manuskript zugespielt. Es geht um den Mord an einem renommierten Professor von Princeton, einer Koryphäe auf dem Gebiet der Psychologie. Professor Wieder wurde 1987 ermordet, die Tat nie aufgeklärt. Das Geschriebene stammt ausgerechnet von Richard Flynn, einem der Hauptverdächtigen, der damals für den Professor gearbeitet hat. Seine Freundin Lisa soll eine Affäre mit Wieder gehabt haben. Ist sein Roman ein Geständnis? Wird endlich das große Geheimnis gelüftet? Peter Katz wittert einen Knüller, einen „Real-Crime“-Bestseller und fordert das gesamte Manuskript an. Doch Flynn verstirbt, das vollständige Manuskript bleibt verschollen. Weiterlesen

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Ben Aaronovitch: Die Flüsse von London 01: Autowahn

Mein Name ist Peter Grant, und ich bin Mitglied einer mächtigen Armee der Gerechtigkeit, allgemein als Metropolitan Police bekannt, wenngleich bestimmte Kreise uns eher als miese Pisser bezeichnen … Genauer gesagt gehöre ich einer Abteilung innerhalb der Metropolitan Police an, die sich mit Magie und dem Übernatürlichem beschäftigt  … der krasse Scheiss, wie manche meiner Kollegen meinen. Man nennt uns Falcon oder Folly. Wir sind die Sondereinheit für spezielle Fälle. Wenn es allerdings soweit ist, dass man uns ruft, ist die Kacke echt am Dampfen … Ein Polizist lebt bekanntermaßen von seinen Informanten. Ich habe in der Hinsicht Glück im Unglück. Meine Tippgeber gehören zumeist Spezies an, die dem gemeinen Bürger unbekannt sind. So was wie Flussgottheiten und ähnliche übernatürliche Wesen. Als mich also die Tochter der Themse anruft und etwas von einem BMW erzählt, der mit hilflosem Fahrer doch glatt ohne zu zögern in den Fluss gefahren ist, mache ich mich an meinen Job – sprich ich gehe meinen Kollegen und der Allgemeinheit mit meinen Fragen gehörig auf den Geist. Weiterlesen

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Stephen King: Der Outsider, gelesen von David Nathan

Ein elfjähriger Junge ist tot, übelst geschändet, unter Verdacht: Ausgerechnet der beliebte Baseballtrainer Terry. Bei der ersten Vernehmung gibt er an, hunderte Kilometer entfernt auf einer Tagung gewesen zu sein. Die Polizei bezweifelt seine und die Aussage der ihn begleitenden Kollegen. Aber es gibt sogar einen Videobeweis: In einer Aufzeichnung der Tagung ist Terry deutlich zu sehen und zu hören. Auf dem Weg zur Anhörung wird Terry vom Vater des ermordeten Jungen erschossen. Die Polizei möchte das Thema abhaken, Täter gefasst, Täter tot, Thema erledigt. Aber so einfach ist es nicht. Denn Terry hat bis zu seinem Tod geschworen, er wäre es nicht gewesen. Es passte auch gar nicht zu ihm. Und seine Familie möchte eine Aufklärung.

Es gibt weitere Ermittlungen und die Geschichte wird immer undurchsichtiger. Es sieht so aus, als wäre Terry tatsächlich mehrfach an zwei Orten gleichzeitig gewesen. Ein Doppelgänger? Weiterlesen

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Timo Leibig: Nanos – Sie bestimmen, was du denkst

Deutschland, 2028: Johann Kehlis ist nicht nur Bundeskanzler der Republik, er kontrolliert auch alle Lebensmittelgeschäfte und -lieferungen. Man kann nur noch Produkte seiner Firma kaufen. Und das aus gutem Grund: Über JKs erhalten die Menschen mit der Nahrung kleine Nanopartikel, die in ihrem Gehirn aktiv werden. So denkt und fühlt die Bevölkerung nur das, was JK für richtig hält. Doch immer mehr Menschen werden immun gegen die Nanos und es gilt, diese Menschen zu finden und aus dem Verkehr zu ziehen. Maria und ihr kleiner Sohn sind zwei dieser Menschen. Sie glaubt schon lange nicht mehr an den Schund aus dem Fernsehen und Johann Kehlis‘ Botschaften. Doch das darf sie niemandem zeigen, sonst droht sie aufzufliegen. Auch Malek hat von JKs bisher nicht viel mitbekommen. Er war jahrelang im Gefängnis und lebt nun nach seiner Flucht allein in einem Wohnwagen. Als er in einer Verfolgungsjagd verstrickt wird, wird klar, dass er seinen Lebensstil verändern muss. Denn er wird von Kehlis‘ Männern gesucht und könnte bei der im Geheimen operierenden Opposition Unterschlupf finden.

Timo Leibig, der mit „Nanos – Sie bestimmen, was du denkst“ sein Verlagsdebüt im Penhaligon Verlag vorlegt, beschreibt eine erschreckende Zukunftsvision, die gar nicht so abwegig klingt. Weiterlesen

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Davide Morosinotto: Verloren in Eis und Schnee, gelesen von N. Artajo u.a.

Russland, 1941: Die Zwillinge Viktor und Nadja Danilow sind 13 Jahre alt, als der Krieg ihre Heimatstadt Leningrad erreicht. Denn von 1941 bis 1944 war Leningrad von den Deutschen belagert. Während der Vater der beiden Jugendlichen an die Front muss und die Mutter zu Hause helfen soll, werden die Zwillinge mit einem Zug aufs Land verschickt. Doch bereits an diesem Punkt ihrer Reise werden Viktor und Nadja voneinander getrennt. In Notizbüchern schreiben sie ihre Erlebnisse nieder und ihren Weg zurück zueinander. Viktor muss glauben, dass Nadja in ihrem Zug nahe Leningrad umgekommen ist, da dieser völlig ausbrannte. Aber er ist überzeugt, dass er es gespürt hätte, wenn Nadja gestorben wäre. Deshalb glaubt er der Zeitung nicht und setzt alles daran, Nadja zu finden.

Das Hörbuch wird durch drei Sprecher gestaltet. Reinhard Kuhnert liest einen Inspektor, der 1946 die Tagebücher der Geschwister vorgelegt bekommt, um herauszufinden, welche verfolgbaren Straftaten sie beinhalten. Weiterlesen

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Jennifer Estep: Elemental Assassin 10: Spinnenzeit

Mittlerweile kennen wir Gin Blanco, die unter dem Namen „die Spinne“ als Auftragskillerin gearbeitet hat, hinlänglich. Ihre Kämpfe, in denen sie sich immer aktiv auf die Seite der Unterdrückten stellt, ihre, nun nennen wir sie verzwickten emotionalen Achterbahnfahrten und ihre guten Freunde sind uns ans Herz gewachsen.

Wie aber kam es dazu, dass ein Mädchen zur Mörderin ausgebildet wurde? Diese Frage wurde uns von der Autorin bereits vor ein paar Bänden hinreichend detailliert erläutert. Die Folterung und Ermordung ihrer Familie durch die Feuermagierin Mab, ihre später aber entschlossene Rache für dieses Unrecht, das sie hilflos mit ansehen musste, war einer der Höhepunkte der Serie. Dennoch entschloss sich Estep vorliegend noch einmal in die Jugend von Gin zurückzukehren, und uns von ihrem ersten Auftragsmord zu berichten.

Auf der Bühne finden sich denn neben ihren Ziehbruder Finn auch ihre Adoptivvater Fletcher, der junge Owen taucht ebenso auf, wie die Vampirin Roslyn. Und es kommt, wie es kommen muss – die junge, naive Gin verliebt sich in den falschen Mann und muss schauen, wie sie ihr gebrochenes Herz überlebt, lässt ihr Lover doch ein marmorenes Mausoleum über ihr zusammenbrechen und hält auch sonst so einige unliebsame Überraschungen für sie parat … Weiterlesen

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Aslı Erdoğan – Die Stadt mit der roten Pelerine (1998)

Ist ein Roman nur ein Roman? Muss das darin Erzählte echt und wahr sein?

Nach einer Autorenlesung ist häufig Zeit für ein Gespräch und Fragen. Abgesehen von der Stille zu Beginn, stellt häufig jemand aus dem Publikum die Frage nach dem biografischen Hintergrund? Ist es wahr, dass Protagonist und Autor im Grunde genommen eine Person sind, haben beide das Gleiche erlebt?

Im Roman reist Özgür, eine junge Türkin, allein nach Rio, um dort nur mit einem Koffer einen Neuanfang zu wagen. Leider will sie kaum jemand als Englischlehrerin engagieren. Die wenigen, die zusagen, haben eine völlig andere Vorstellung von Unterrichtsgestaltung oder verweigern einfach das vereinbarte Honorar. Sehr schnell verarmt Özgür. Mit der Zeit lernt sie das andere Gesicht von Rio kennen, ein Gesicht, das auf keiner Postkarte, keinem Plakat gut aussehen würde. Die Stadt der Ausschweifungen bietet dem nach seinem Glück Suchenden eher Drogen als ein Stück Brot. Hunger, Durst und Hitze machen aus der Hochburg des Karnevals und der Samba einen Dschungel, in dem man sich nur verlieren kann.

Rio ist für die Erzählerin die Stadt mit der roten Pelerine. Ein Schutzumhang in dieser Farbe kann sowohl für Liebe als auch Blut stehen. Denn beides passiert in Rio ständig. Menschen verlieren sich in der körperlichen Liebe oder geraten in die Schusslinie verschiedener Bandenkämpfe. Weiterlesen

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Douglas E. Richards: Split Second – Zurück in der Zeit

Jennas Leben läuft perfekt, deshalb ist es kaum rational erklärbar, warum sie auf einmal mit einem gefesselten Mann im Kofferraum und einer Waffe im Hosenbund unterwegs ist. Noch vor wenigen Stunden war sie die Verlobte von Nate Wexler, einem bekannten Physiker. An diesem Abend eröffnete er ihr bei Kerzenschein und Weingläsern, dass ihm eine bahnbrechende Entdeckung gelungen sein, die die Grenzen der Physik auf den Kopf stellen wird. Dann ging alles ganz schnell: Fremde Männer stürmten ins beschauliche Wohnzimmer, nahmen alles mit, was sie kriegen konnten und entführten schließlich Jenna und Nate. Nun ist Nate tot und Jenna weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Sie wendet sich verzweifelt an einen Privatdetektiv.

Nate hat eine Möglichkeit gefunden, nur für einen Sekundenbruchteil in der Zeit zurückzureisen. Aber „Split Second – Zurück in der Zeit“ ist nichts für Fans von Zeitreisenromanen. Denn genau das will der Roman gar nicht sein. Besser beschreiben ließe er sich als Actionthriller mit wenig Augenmerk auf die Figuren, mehr Interesse an einer rasanten Handlung. Weiterlesen

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