Petra Ivanov: Alte Feinde

Echten Krimifans ist Petra Ivanov vermutlich ohnehin ein Begriff. Für alle, die die Autorin noch nicht kennen sollten, empfiehlt es sich, einen Blick in ihr neuestes Buch zu werfen: ‚Alte Feinde‘. In seinem bereits achten Fall ist das Ermittlerduo Regina Flint und Bruno Cavalli diesmal in den USA unterwegs.

Worum geht es genau? Der Ermittler Bruno Cavalli ist bereits seit einigen Monaten Undercover in den USA. Er ist dort auf der Suche nach einem Blasrohrmörder. Allerdings handelt es sich dabei um keine normale Verbrecherjagd. Denn Cavalli muss erkennen, dass sowohl er als auch seine Familie in Fokus des Mörders zu stehen scheinen. Sowohl seine indianische Mutter und Großmutter, als auch seine in der Schweiz lebende Partnerin Regina und ihre gemeinsame Tochter Lily schweben in Lebensgefahr.

Von all dem ahnt Regina Flint nichts. Sie ist in ihrer Funktion als Staatsanwältin selbst mit einem Fall befasst, bei dem ein Mann in Zürich mit einem alten Revolver ermordet wurde. Als sich jedoch herausstellt, dass es sich um eine Waffe aus dem amerikanischen Bürgerkrieg handelt und der Ermordete ein Nachfahre von Henry Wirtz, einer zwiespältigen Figur dieses Krieges, war, scheint immer darauf hinzudeuten, dass die Lösung auch dieses Mordfalls in den USA zu suchen ist. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Felicitas Gruber: Gschlamperte Verhältnisse

Regionalkrimis sind hip, Gerichtsmediziner sind hip, fesche Derndl (= junge Frau, Geliebte, nicht zu verwechseln mit dem Dirndl!) sowieso: Warum also nicht alles kombinieren? Mit „Gschlamperte Verhältnisse“ – auf hochdeutsch: unordentliche oder gar anstößige Verhältnisse – legt das sich hinter dem Pseudonym Felicitas Gruber befindliche Schriftstellerinnenduo Brigitte Riebe und Gesine Hirsch bereits den fünften Band ihrer Reihe rund um die Münchener Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth vor. Unter dem Motto „In Giesing dahoam, am Seziertisch zuhause“ folgt diese Krimireihe ihrem ganz eigenen Tempo. Denn bei aller Leichenschau kommen die bayerische Gemütlichkeit, die Männerprobleme einer drallen Single-Münchnerin sowie der alte Konflikt zwischen Nord- und Süddeutschen nicht zu kurz. Statt auf Suspense wird hier in erster Linie der Humor bedient. Was nicht heißen soll, dass es die Fälle der Münchener nicht in sich haben.

Im katholischen Bayern werden Reliquien gestohlen. Darunter befinden sich drei auf heilig getrimmte Schädel, die in Wirklichkeit drei ermordeten Frauen gehören. Dies bildet den Ausgangspunkt des neuesten Falles von Sofie. Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann, dem Hauptkommissar Joe Lederer, muss sie herausfinden, wer diese Frauen waren und ob hier ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Nadine Sieger: Coco Chanel

Als Gabrielle Chanel 1883 im Armenhaus von Saumur geboren wird, tragen die Damen noch Korsett und können sich kaum alleine anziehen. Bei ihrem Tod 1971 in Paris ist in der Mode alles möglich. Als Coco Chanel – eine der berühmtesten Modeschöpferinnen – hat sie dazu beigetragen und das Leben unzähliger Frauen beeinflusst. „Unnötigen Prunk und sinnlosen Schnickschnack“ lehnt sie vehement ab. Frauen sollen sich frei bewegen können, unabhängig und selbstbewusst auftreten. Wie sie selbst.

Mit Anfang 20 trägt sie am liebsten Männerkleider. Bequem soll es sein, aber mit Stil. Denn „Mode ist vergänglich, Stil niemals“. Doch nichts wurde ihr in die Wiege gelegt. Mit elf Jahren, nach dem Tod ihrer Mutter, gab sie der Vater im nächstgelegenen Waisenhaus ab. Als Schausteller und Luftikus hatte er weder Zeit noch Lust, sich um seine fünf Kinder zu kümmern. Als junges Mädchen träumt Gabrielle davon, Sängerin zu werden. Doch sie muss sich eingestehen, dass ihr Talent nicht reicht. Zwei Männer werden zu ihren ersten Förderern: Étienne Balsan, ein reicher Offizier und Lebemann, der sie (als eine seiner Mätressen) für einige Jahre auf seinem Landsitz beherbergt, und Arthur „Boy“ Capel, die große Liebe ihres Lebens. Boy ist gebildet, attraktiv, verkehrt in besten Kreisen und lebt nicht nur von seinem Erbe, sondern verdient – was Gabrielle am meisten beeindruckt – sein eigenes Geld. Das möchte sie auch: unabhängig sein vom Wohlwollen anderer. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Joshua Ferris: Männer, die sich schlecht benehmen

Selten passt ein Buchtitel so gut wie diesmal: In Joshua Ferris‘ herrlicher Geschichten-Sammlung „Männer, die sich schlecht benehmen“ geht es – genau – um Männer, die allerlei dummes Zeug machen. Nicht so dumm allerdings, dass man als (männlicher) Leser nicht gelegentlich auch ein gewisses Verständnis für ihre Schrulligkeiten hätte.

Gleich in der ersten Geschichte, „Die Dinnerparty“, nervt ein Mann seine Frau mit allerlei Prophezeiungen, wie schrecklich das bevorstehende Abendessen mit einem befreundeten Paar doch mit Sicherheit werden würde. Natürlich kommt alles ganz anderes: Die Gäste ziehen es vor, erst gar nicht zu kommen und unser Held macht sich auf die Suche nach ihnen.

Wir treffen Männer, die von dem Wahn befallen sind, ihre Frau habe sie verlassen, auf welche, die irgendwelchen unerreichbaren Traumfrauen hinterherhecheln, und auf solche, die auf einer privaten Stadtführung durch Prag ihre ganze Oberflächlichkeit und Arroganz heraushängen lassen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

C.J. Tudor: Der Kreidemann

Die Autorin C.J. Tudor legt mit „Der Kreidemann“ ihren ersten Roman vor und macht es richtig spannend. Wie man es z. B. von Stephen King kennt, geht es um eine Gruppe von Freunden, die in ihrer Kindheit eine unheimliche Begegnung haben, hier mit dem Kreidemann, und die als Erwachsene wieder zusammenfinden, um die Geschehnisse aufzuklären.

Ed Munster (Eddie), Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky sind im Jahr 1986 Freunde, die die üblichen Dinge umtreibt, die Zwölfjährige beschäftigen. Zu Beginn des Thrillers treffen sie sich, um zum Jahrmarkt zu gehen, essen Hotdogs, angeln Enten – und treffen den „bleichen Mann“ zum ersten Mal: den Kreidemann. Er bringt die Freunde auf die Idee, einander mit Kreide geheime Botschaften zu schreiben, die nur sie entziffern können. Eine altmodische Angelegenheit, die aber geheimnisvoll erscheint und Spaß bringt.

Die Geschichte geht dann rasch dramatisch weiter, die Kinder werden durch Kreide-Botschaften zu einer Leiche ohne Kopf geführt. Der Prolog verrät, dass der Mädchenkopf gestohlen und in einer Tasche, in der Kreidestummel liegen, fortgetragen wird. Die Freunde werden älter, neue Menschen treten in ihr Leben und die Ereignisse ihrer Kindheit verblassen, ihre Lebenswege trennen sich. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Oliver Pötzsch: Faustus 01: Der Spielmann

Knittlingen, 1486: Der 8-jährige Johann wird von seiner Mutter liebevoll Faustus, der Glückliche, genannt. Dabei ist sein Leben alles andere als glücklich, ist er doch regelmäßig den Schikanen der anderen Kinder des Ortes und seines eigenen Vaters ausgesetzt. Doch ein Magier namens Tonio del Moravia prophezeit dem Jungen eine große Zukunft und nimmt ihn schließlich acht Jahre später bei sich auf. Doch Johann merkt schnell, dass mit Tonio etwas nicht stimmt und seine Absichten alles andere als redlich sind. Er kann fliehen und ab diesem Moment selbst entscheiden, was er mit seiner Zukunft anfangen will. Oder hat er längst einen Pakt mit dem Teufel geschlossen …?

Oliver Pötzsch wirft einen spannenden Blick auf die historische Figur des Johann Georg Faust, der etwa 1480 in Knittlingen geboren wurde und als Wunderheiler, Alchemist und Magier bekannt wurde. Er ist auch die Grundlage der beiden berühmten Tragödien Faust I und Faust II von Johann Wolfgang von Goethe. Ähnlich wie der große Dichter hat Pötzsch seinen Roman in zwei Teilen angelegt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jennifer L. Armentrout: Und wenn es kein Morgen gibt

Die 17-jährige Lena ist unsterblich in den Nachbarsjungen Sebastian verliebt – und das schon seit vielen Jahren. Sebastian ahnt davon nichts und Lena will das eigentlich auch lieber so lassen. Dann allerdings verändert das Schicksal alles. Gerade als Lena mutig ist und Sebastian ihre Liebe gesteht, passiert ein schwerer Unfall. Alle Freunde von Lena, die im Wagen sitzen, sind tot. Nur Lena überlebt. Und das schlimmste daran: Lena hätte diesen Unfall verhindern können. Jetzt ist es wohl endlich aus zwischen ihr und Sebastian.

Dieser Jugendroman hat irgendwie ein Problem mit seinem Aufbau. Ein gutes Drittel ist alles in der Geschichte wunderbar und man fragt sich Kapitel über Kapitel, warum man die Geschichte eigentlich liest. Es passiert schlichtweg nichts Interessantes oder gar etwas von irgendeinem Belang. Die Freunde leben ihr Leben, gehen auf Partys, bilden Pärchen, gehen zur Schule. Eben das, was stinknormale Teenager tun. Erst als ein Großteil des Buches schon vorüber ist, passiert der Unfall. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Claire Douglas: Missing – Niemand sagt die ganze Wahrheit

Francesca und Sophie waren in ihrer Jugend unzertrennliche Freundinnen. Sie hatten keine Geheimnisse voreinander und genossen ihr Leben in vollen Zügen. Zum Bruch zwischen ihnen kam es erst, als Francesca das Küstenörtchen zum Studieren verließ. Danach war die Freundschaft den beiden nicht mehr dieselbe. Doch es keimte schwach wieder eine Verbindung zwischen ihnen auf, bis sich alles für immer veränderte: Sophie verschwand eines nachts und nur ein Schuh im Wasser blieb von ihr. Ist sie tatsächlich gesprungen, würde sie gestoßen? Was ist in der Nacht passiert? Auch fast zwanzig Jahre nach Sophies Verschwinden lässt dieses Francesca keine Ruhe. Haben die Ereignisse etwas mit dem furchtbaren Erlebnis zu tun, das die Mädchen viele Jahre vor Sophies Verschwinden hatten? Als Sophies Bruder Francesca erneut in das Küstenörtchen ruft, um eine angeschwemmte Leiche mit ihr zu identifizieren, muss sich Francesca der Vergangenheit stellen.

„Missing“ springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart und ist ein Psychothriller mit einigen spannenden Wendungen und eine Tätersuche bis zur letzten Seite. Der Roman ist zwar keinesfalls perfekt, kann aber für einige unterhaltsame Lesestunden sorgen, vor allem für diejenigen Leserinnen und Leser, die sonst nicht so oft zum Psychothriller oder Thriller im Allgemeinen greifen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Francesca Zappia: Von der Wahrscheinlichkeit, dass es dich nicht gibt

Das Leben von Alex ist kompliziert und strengt sie an. Alex hat seit ihrem 13. Lebensjahr die Diagnose paranoide Schizophrenie. Sie sieht Dinge, hört Stimmen, redet mit Gegenständen und glaubt an Verschwörungstheorien – und das schon, seit sie ein kleines Mädchen ist. Spätestens seit sie mit dem kleinen blauäugigen Jungen die Hummer aus dem Aquarium befreite. Doch ihre Mutter hat ihr erzählt, dass es keine Hummer gab, Alex sich diese nur eingebildet hat. Dann allerdings steht sie beim Schulwechsel zum letzten Schuljahr einen jungen Mitschüler gegenüber, der dem Jungen mit den blauen Augen wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Kann es sein, dass Miles und sie vor vielen Jahren doch die Hummer befreit haben?

Die Geschichte ist aus Alex‘ Perspektive erzählt und das macht das Ganze schon in sich spannend. Denn Alex sieht Dinge und hört Stimmen, die gar nicht da sind. Einmal beispielsweise sieht sie auf der Schultoilette eine gefährliche Schlange am Lüftungsschacht. Klarer Fall, Einbildung, sagt man als Leser oder Leserin. Wenig später allerdings erfährt Alex, dass vor vielen Jahren einmal eine Schlange in der Schule entkommen ist. Spätestens da sollte man nichts mehr glauben und alles in Frage stellen. Das von Francesca Zappia gewählte Setting ist großartig. Was sie dann allerdings daraus macht, hat mir nicht ganz so gefallen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Annette Hess: Deutsches Haus

Eva Bruhns ist Mitte zwanzig und als Übersetzerin für Polnisch in einer Agentur angestellt, als sie 1963 überraschend angefragt wird, ob sie in einem Prozess gegen Personal des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz Zeugenaussagen übersetzen könnte. Bisher hatte sie vor allem Verträge und Gebrauchsanweisungen ins Deutsche übertragen und traut sich die Aufgabe nicht zu. Doch was sie über das Lager und die Gefangenen erfährt, lässt sie nicht mehr los. Sie fühlt eine Verbundenheit, die sie sich nicht erklären kann. Schließlich sagt sie zu, den ausgefallen Dolmetscher zu vertreten.

Ihre Eltern, die in Frankfurt die Gaststätte „Deutsches Haus“ betreiben, versuchen, sie davon abzubringen, diesen Auftrag zu übernehmen und auch Evas ältere Schwester Annegret schüttelt nur verständnislos den Kopf. Warum sollte man sich mit etwas beschäftigen, was zwanzig Jahre zurückliegt? Im Krieg geschehen nun einmal schlimme Dinge. Es ist besser, man spricht nicht mehr darüber.

Evas Verlobter Jürgen – wohlhabender Erbe eines Versandhandels – stellt sie sogar vor ein Ultimatum: er oder der Prozess. Schließlich ist er der Herr im Haus, dem die Frau auch schon vor der Hochzeit gehorchen muss. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: