Vera Buck: Das Buch der vergessenen Artisten

Berlin, 1935: Die Mittvierziger Mathis und Meta leben mit Metas Bruder Ernsti gemeinsam in einer Wohnwagensiedlung einiger Artisten. Hitler ist an der Macht und seine Rassengesetze erschweren den Artisten die Arbeit. Die wenigsten von ihnen dürfen überhaupt noch einer Tätigkeit nachgehen und viele sind bereits einfach verschwunden. Manche sind geflohen, andere wurden von der Polizei abgeholt und nie wiedergesehen. Als dieses Schicksal auch Metas geistig behindertem Bruder zustößt, will diese nicht einfach tatenlos zusehen. Und Mathis wäre nicht Mathis, wenn er seiner Freundin nicht helfen würde. Dabei würde er viel lieber an seinem geheimen Buch über die vergessenen Artisten, jene an deren Namen sich niemand mehr erinnert, weiterschreiben …

Vera Buck ist ein besonderer Roman gelungen. Auf gut 750 Seiten lässt sie in zwei zeitlich abgegrenzten Abschnitten die Welt der Artisten zu Beginn des 20. Jahrhunderts und zur Zeit Hitlers lebendig werden. Der erste Handlungsstrang findet 1902 statt und begleitet den 15-jährigen Mathis auf seinem Weg von einem langweiligen Dörfchen und seinem Dasein als Bohnenbauerssohn hin zu einer Karriere auf der Straße. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Tim Parks: In Extremis

Thomas steckt nicht nur in der Midlife-Crisis, auch die Welt um ihn herum scheint immer mehr aus dem Ruder zu laufen.  Die Mutter liegt in London im Sterben und dennoch will Thomas bei einer Konferenz für Physiotherapeuten in den Niederlanden einen Vortrag halten. Das schlechte Gewissen, nicht unverzüglich zur Mutter geeilt zu sein, wechselt sich ab mit seinen eigenen körperlichen Unzulänglichkeiten und Beschwerden. Gedanklich spielt  Thomas die Situation um die sterbende Mutter durch, ist sich nicht sicher, ob er sie mit ihrem von offenen Tumoren gepeinigten Körper sehen will. Doch er fühlt sich verpflichtet, der Mutter etwas zu sagen, was er ihr schon längere Zeit verschwiegen hat. Dieses innerliche Dilemma quält ihn mindestens so sehr wie seine Beckenbodenbeschwerden und Blasenprobleme mit schmerzendem Harnverhalten, das auch die Analmassage, der er sich kurz vor seinem Vortrag noch unterzogen hat, nicht mildern kann.

Die Kindheit im sehr christlich geprägten Elternhaus, die Rolle, die seine Geschwister und er in der Familie eingenommen haben, verdeutlichen das eigene Selbstbild. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Fiston Mwanza Mujila: Tram 83

»… In einer Stadt, die auf den Grundsätzen Überlebenskampf, Edelsteine und Kalaschnikows beruhte, war es schwer, die genaue Identität der Touristen zu bestimmen. Aus welchen Ländern stammten sie wirklich? Warum kamen sie nach Afrika?« (S. 89)

Ins Tram 83 kommen alle, die Geschäfte machen wollen. Die einen verkaufen ihren Körper, die anderen verkaufen Waren und Auftragskämpfer. In diesem gesetzlosen Raum lebt und arbeitet Requiem. »… Er musste Waren ausliefern, davon hing sein Leben ab.« (S. 9). Eines Tages erscheint sein verhasster Bruder Lucien aus dem Hinterland, der bei ihm für die Übergangszeit wohnen will. Lucien ist Schriftsteller ohne Zukunft und ohne Geld. Seine moralischen Ansprüche belasten die Wohngemeinschaft. Je länger Lucien auf Requiems Kosten lebt, um so großer wird dessen Hass auf den ‚faulen‘ Bruder, der lieber bei den Kakerlaken schläft als moralische Kompromisse einzugehen.

Der 1981 in Lubumbashi geborene Autor Fiston Mwanza Muzjila unterrichtet afrikanische Literatur an der Universität Graz. Darüber hinaus schreibt er Lyrik, Prosa und Theaterstücke. Lubumbashi ist die Hauptstadt der rohstoffreichen Region Haut-Katanga und die zweitgrößte Stadt der Demokratischen Republik Kongo. In seinem kühnen Roman Tram 83 thematisiert der Autor die gesellschaftlichen Folgen durch den Abbau von Bodenschätzen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jo Nesbø: Macbeth: Blut wird mit Blut bezahlt

Jo Nesbø, weltberühmter norwegischer Krimiautor, hat sich im Rahmen Shakespeare-Projektes von Hogarth Press (1917 von Virginia und Leonard Woolf gegründet) an die Neuerzählung von Shakespeares Tragödie „Macbeth“ aus dem Jahre 1606 gemacht. Der Thriller erschien am 27. August 2018 im Penguin Verlag. Deutsch von André Mumot.

Darin entwirft Nesbø ein düsteres Bild um den „Königsmörder“ Macbeth, den er zum Inspector einer Polizei-Spezialeinheit, dem SWAT-Team, in einer heruntergekommenen, ehemaligen Industriestadt in Schottland macht. Drogen und Gewalt sind an der Tagesordnung, jahrzehntelang toleriert von dem korrupten Chief Commissioner Kenneth. Doch nun ist Duncan Polizeichef geworden, und er setzt sich für Recht und Gesetz ein. Zunächst kämpft Macbeth, der selbst einmal drogenabhängig war, diesen Kampf gegen die Norse Riders und Hecate, der grauen Eminenz des Drogenhandels, erfolgreich mit. Doch dann gerät sein Gerechtigkeitsempfinden auf die falsche Spur. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

James Baldwin: Beale Street Blues (1974)

Tish und Fonny kennen sich seit Kindertagen. Sie gehen in die gleiche Schule und leben in einer Gegend von New York, wo die Armut zu Hause ist. Aus ihrer Freundschaft wird allmählich mehr. Als Tish 18 und Fonny 21Jahre alt sind, bemerken sie eine Veränderung in ihren Gefühlen. Aus Freundschaft ist inzwischen Liebe geworden.

Für sein persönliches Glück hat Fonny im Prinzip alles richtig gemacht: Keine Drogenkarriere, keine Konflikte mit dem Gesetz, eine Leidenschaft für die handwerkliche Kunst und eine junge Frau, die seine Liebe erwidert und von ihm schwanger ist. An einem Abend, als Fonnys Freund Daniel sie zum Abendessen besucht, wird Fonny in seiner Wohnung verhaftet. Ihm wird die Vergewaltigung einer Latina am gleichen Abend vorgeworfen. Das Opfer und ein für seine Brutalität bekannter Polizist sagen gegen ihn aus. Fonny landet zum ersten Mal in einem Gefängnis, wo viele Schwarze häufig jahrelang auf ihren Prozess warten.

James Baldwin, geboren 1924 in New York, wurde durch seine ausgezeichneten Romane eine Ikone der Gleichberechtigung. Er wollte für jeden Menschen die gleichen Rechte, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Herkunft oder sexueller Orientierung. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Thomas Klupp: Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Der 15-jährige Teenager Benedikt Jäger ist Hauptfigur und Ich-Erzähler in Thomas Klupps Roman „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“. Benedikt ist in seiner Heimatstadt Weiden auf riesigen Plakatwänden zu sehen, auf denen er mit zwei Freunden für eine Anti-Drogen-Kampagne seiner Schule wirbt. Außerdem ist er ein begnadet guter Tennisspieler.

Aber: Er konsumiert selbst Drogen – hauptsächlich jedoch fälscht er seine Klassenarbeiten, die er dann seiner überkandidelten Mutter, die nur Einser akzeptiert, zum Unterschreiben vorlegt. Irgendwann eskaliert die Fälschung einer Physikklausur, und die Ereignisse spitzen sich zu …

Das Buch des 1977 geborenen deutschen Autors Thomas Klupp ist ein typischer Jugendroman. Es geht um erste Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, um Treffen mit Freunden, um Geldnöte und um die Probleme in Schule und Elternhaus. Großen Spaß macht die schnodderige Jugendsprache, die sich durch das gesamte Buch zieht, authentisch wirkt und dem Buch einen hohen Unterhaltungswert mit garantiertem Spaßfaktor verleiht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anca Sturm: Der Weltenexpress

Flinn ist 13 Jahre alt und trägt nicht nur einen geschlechtslosen Namen, auch sonst denkt niemand in ihrer Umgebung, dass sie ein Mädchen sein könnte. Sie ist so unscheinbar und traurig, denn vor zwei Jahren verschwand ihr älterer Bruder Jonte spurlos. Nur einige sonderbare Postkarten hat sie seitdem von ihm erhalten. Die Postkarten zeigen einen großen Passagierzug – zumindest für Flinn! Denn weder die Polizei noch ihre Mutter können den Zug sehen. Und dann eines Abends, als Flinn an dem uralten Bahnsteig abhängt, an dem auch Jonte verschwunden ist, hält genau dieser Zug vor ihren Augen an. Flinn nimmt allen Mut zusammen und geht an Bord. Vielleicht kann sie dort ja Jonte finden?

Schnell zeigt sich, dass der Zug etwas ganz Besonderes ist. Die Aneinanderreihung der Waggons stellt eine Schule für besonders begabte Kinder dar, die aus schwierigen Verhältnissen stammen und deren Potenzial deswegen nicht zur Geltung käme. Bekannte Persönlichkeiten wie Albert Einstein haben die Schule einst besucht! Doch Flinn muss auch feststellen, dass nicht jeder Schüler oder Schülerin im Weltenexpress sein kann. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anthony McCarten: Licht

Es ist eine spannende Zeit: Ende des 19. Jahrhunderts legt der technische Fortschritt mit Glühbirne, Elektrizität, Phonograf, Telefon, Kühlschrank und Kautschuk-Kondom ein rasantes Tempo vor. Erfindergenie Thomas Alva Edison, „der ein Orchester in eine Kiste packte“ (so wurde der erste Schallplattenspieler tituliert) nimmt hierbei eine wichtige Schlüsselrolle ein. Der Roman widmet sich den wichtigsten Stationen seines Lebens, von 1878 bis zum Jahr 1929. Der greise Erfinder blickt auf sein Leben zurück und auf eine Kooperation, die seine Arbeit verändern sollte. Die mit dem Finanzmagnaten J. P. Morgan. Neben dem technischen Fortschritt prägt noch eine wesentliche Veränderung den gesellschaftlichen Wandel: das Aufkommen der internationalen, monopolisierten Geldwirtschaft. Mit Multi-Milliardär Morgan, dessen Vermächtnis heute als Symbol der Finanzkrise von 2008 assoziiert wird, steht ein Geldhai an der Spitze, der neue Regeln aufstellt. Eine Idee allein ist nichts wert. Die Wirtschaftlichkeit allein bestimmt, ob eine Erfindung der Welt zugänglich gemacht wird oder nicht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Will McCallum: Wie wir Plastik vermeiden

„Plastiktüten sind auf der ganzen Welt zu einem Symbol der Plastikkrise geworden. Bei einer durchschnittlichen Nutzungsdauer von gerade einmal fünfzehn Minuten schätzen Wissenschafter, dass es zwischen 500 und 1000 Jahren dauert, bis sie sich zersetzt haben.“ (Zitat Kapitel „Plastiktütenverboten rund um den Globus“)

Allein dieses kurze Zitat zeigt eindringlich, welches Problem Plastik für die Umwelt und Tierwelt darstellt. Will McCallum hat in seinem Sachbuch zum Thema die wichtigsten Fakten rund um Kunststoffe versammelt. Dabei ist eine Dreiteilung zu erkennen: Im ersten Drittel widmet er sich allgemeinen Infos und stellt klar, dass noch vor 60 Jahren die Menschen sehr gut ohne Plastik gelebt haben. Dass sie auch irgendwie ihre Lebensmittel aus dem Supermarkt nach Hause transportiert haben, sich gewaschen haben, die Zähne geputzt haben – alles ohne Plastik. Heute allerdings ist es undenkbar auf die in sehr unterschiedlicher Form auftretenden Kunststoffe zu verzichten. Im zweiten Drittel des Buches gibt der Autor dann Tipps, wie man Plastik in den unterschiedlichen Räumen des Hauses oder im Job vermeiden kann. Im letzten Teil des Buches stellt er dann in den Mittelpunkt, wie man eine Plastikfrei-Kampagne aufziehen kann, an welchen Stellen man sich über Plastik beschweren kann und wie man das am Besten anstellt. Kurz: Wie man Menschen für die eigenen Ideen möglichst gut begeistern kann. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

F. Paul Wilson – Handyman Jack 13: Ground Zero

Die Auseinandersetzungen der beiden kosmischen Entitäten, die auch auf der Erde quasi als Nebenschauplatz ihren Niederschlag finden, gehen in ihre entscheidende Phase. Schon einmal, vor Äonen, kam es auf der Erde zum örtlich begrenzten Show-Down, der dafür sorgte, dass die damalige Hochzivilisation ausgelöscht wurde. Mittlerweile ist Repairman (Handyman) Jack ganz persönlich involviert. Seit einiger Zeit sind die fast beschaulich wirkenden Tage als er sich nur darum kümmerte, gegen Krügerrand Unrecht zu richten, passee. Die Andersheit hat ihn zu ihrem Kämpen erkoren, der Widersacher und dessen Agent Rasalom schicken sich an, die Erde und all ihre Bewohner der Folter, dem Untergang und der Vernichtung preiszugeben. Jacks ungeborenes Kind fiel der Auseinandersetzung bereits zum Opfer, die Frau mit dem Hund konnte nur seine Geliebte und deren Tochter retten.

Die Agenten des Widersachers starten ihren Plan B – und der hat es in sich. Schließlich geht es darum, der Menschheit selbst, einen Schlag zu versetzen, um das Interesse der Andersheit von der Erde abzulenken.

Alte Geheimlogen, uralte Kladden deren Text sich verändert, Visionen und Zauber setzen sich in Bewegung und Jack ahnt, dass er, obzwar er bereit ist all seine Kräfte einzusetzen, letztlich zu schwach sein wird, den Gegner aufzuhalten … Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: