Jana Huhn: Von Kopf bis Fuß

Denn was nützt ein Leben für Instagram, wenn dein eigenes dadurch im Chaos versinkt?“ (S. 83)

Berührend und eindringlich schreibt Jana offen und ehrlich über ihren Lebensweg, ihre Hochsensibilität, Selbstliebe, Beziehungen (zu sich selbst, Männern, Freundschaften, ihren Eltern), innerer Heilung, den Schattenseiten von Social Media und ihrer Therapie.

Denn in dem Moment, in dem wir wieder anfangen, wahllos über das Leben eines anderen Menschen zu urteilen, urteilen wir eigentlich mehr über unser eigenes.“ (S. 70)

Absolut intensiv erzählt sie u. a., wie sie während ihres großen Instagram-Erfolges wahnsinnig müde von der App geworden ist und den Blick dafür verlor, was eigentlich im Leben wichtig ist. Man selbst sei „eine Leuchtreklame, die unablässig blinkt: Schau mich an! Beachte mich!“ (S. 80)

Es ist erschreckend, wie viel Macht diese App über einen besitzen kann, auch wenn man denkt, dass es nicht so ist.“ (S. 81) Weiterlesen

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Diane Hielscher: Liebe neu denken

Wir begleiten die Journalistin und Podcasterin Diane Hielscher in „Liebe neu denken“ auf einer Reise durch die Wissenschaften. Antworten auf ihre Fragen zum Thema glückliche Beziehungen findet sie in der Psychologie, Physik, Chemie, in der Wirtschaftswissenschaft, Neurologie und sogar in der Politikwissenschaft. Das Buch legt sie allen unglücklichen Singles, leidenschaftslosen Eltern, Menschen in kräftezehrenden Beziehungen mit Streit, Machtkämpfen, Affären, Trennungen und Rosenkrieg ans Herz.

Wir erfahren u. a., dass unser Gehirn tatsächlich kein Interesse daran hat, dass wir glücklich sind. Denn Veränderungen wirken bedrohlich. Destruktive Glaubenssätze, unterdrückte Gefühle und Gedanken blockieren uns. Daher sollten wir uns besser überlegen, woran wir denn stattdessen denken und glauben wollen in unserem Leben. Die Autorin erklärt ihre Ausführungen absolut nachvollziehbar und verflechtet diese mit eigenen Erfahrungen. Weiterlesen

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Rebecca Serle: In fünf Jahren

Rebecca Serle ist Autorin und Drehbuchschreiberin und lebt in New York und Los Angeles. Zu Beginn möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass dieses Buch in Amerika sehr gehyped wurde – und ja, es klingt wie eine Floskel, doch ich bin tatsächlich innerhalb von zwei Tagen durch die Seiten geflogen. Dabei habe ich mich direkt in den stilvoll-erfrischenden Schreibstil verliebt. Ich wurde süchtig! Denn rasant hat sich eine regelrechte Sogwirkung entwickelt und ich wurde in diesen bezaubernden, fiktiven Traum mitgerissen. Und nicht nur, weil die Autorin den Flash Forward, die Vorausblende, genutzt hat, damit sich die Geschichte magisch anfühlt.

Ich habe schon viel gelesen, doch Rebecca ist meiner Meinung nach eine der exzellentesten Geschichtenerzählerinnen überhaupt. Ab der ersten Sekunde wurde ich so sehr gepackt, dass ich vergessen habe, dass ich ein Buch lese. Ich muss anmerken, dass es keine heitere, unbeschwerte Liebesgeschichte ist, wie es vielleicht den Anschein erweckt. Sie hat auch keine typische romantische Storyline. Es geht viel tiefer, um die verschiedenen Arten von Liebe, die wir in unserem Leben haben (zur Familie, zu Freunden, zur Arbeit). Weiterlesen

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Martin Limbeck: Dodoland – Uns geht’s zu gut!

Ich sehe ein Land in der Hängematte. Erschöpft vom Wohlstand. Satt, gelangweilt, stumpf, übergewichtig, chronisch krank, vor sich hintrottelnd. Dem Schicksal hingeben, ziellos, willenlos, kein Kampfgeist, keine Freude am Wettbewerb, ängstlich. […] Wir sind Made im Speck statt »made in Germany«.“ (S. 105)

Dodoland? Wirtschaftlich ähneln wir flugunfähigen Dodos, so der Autor, denn wir Deutsche sind ganz schön bequem geworden. Vor allem die jungen Menschen von heute wissen nicht, was es bedeutet, ans Limit zu gehen, aus eigener Kraft unabhängig zu sein – weil sie es nirgends um sich herum erleben. Aufgewachsen in einem Wohnwagen, ist  Martin Limbeck heute Eigentümer mehrerer Unternehmen, renommierter Business-Speaker, Verkaufsexperte auf internationaler Ebene und Millionär.

Außerdem ist er polarisierend, provozierend und motivierend. Genauso wie sein Buch. Endlich Klartext! Dieses Werk wird mit Sicherheit kontrovers diskutiert werden und ich kann es kaum erwarten, hautnah dabei zu sein. Das wird ein Fest! Weiterlesen

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Christian Siry: Aussteiger Storys: Von Menschen, die auszogen, ihren Traum zu leben

Ja, es bedient viele Klischees, und gleichzeitig löst es sie immer wieder in ihre Bestandteile auf. Ich fühle mich wie Chewbacca, dieser Bären-Hunde-Yeti von Star Wars, in der Taverne auf dem Planeten Tatooine, wo sich jegliches Weltraumvolk auf ein Bier oder ein psychedelisches Tröpflein trifft. Viele bunte Wesen, die in vielen bunten Welten leben und nun einen dicken Farbtupfer ins nordhessische Fachwerk-Schwarz-Weiß klecksen.“ (S. 149)

Der Autor Christian Siry ist einen Sommer lang in seinem Bus durch Deutschland gereist und hat elf Menschen getroffen, um ihre kunterbunten Lebenskonzepte zu zeigen. Dabei hat er die Welt nicht in ihrer Weite, sondern in ihrer Tiefe ausgelotet und erzählt „vom Aussteigen aus einer genormten Realität und Einsteigen in ein Paralleluniversum, welches dann beginnt zu existieren, wenn wir es für möglich halten.“ (S. 11)

Beim Lesen hat mich der wundervoll lebendige Schreibstil begeistert, der mich superschnell tief eintauchen ließ. Die einzigartigen Illustrationen von Piwi Howland haben mich zusätzlich jede Seite, auf der sie mich überrascht haben, genießen lassen. Weiterlesen

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Dr. med. Ragnhild Schweitzer & Jan Schweitzer: Die Magie unserer Sinne

„Unsere Sinne sind wie Schätze, die mehr oder weniger verschüttet sind und nur darauf warten, ausgegraben zu werden und uns zu überraschen.“ (S. 15)

Welchen Sinn zu verlieren bereitet dir am wenigsten Angst? Der effektvolle Color Splash springt dem Leser nicht nur auf dem Cover entgegen, sondern auch auf den Innenseiten der Klappumschläge. Genauso erfrischend wie das Cover ist dieser „Sinngeber“ (Ratgeber) geschrieben. Nur einen kleinen Deut spannender hätten die 366 Seiten für mein Empfinden – am liebsten in allseits geschätzter Storytelling-Manier – formuliert sein können.

Das Autorenpaar gewährt uns in ihrem kunterbunten Potpourri einen interessanten Einblick die große weite Welt unserer Sinne. Dabei präsentieren sie allerlei interessante Fakten, Studien, Erkenntnisse und sogar Spiele oder Rezepte (bspw. Apple Crumble, Pasta, Brot). Ein wahres Fest für die Sinne – auch dank der Tipps für Neuentdeckungen. Es gibt eine Audiothek mit sogenannten Fieldrecordings, wie Regen und Donnergrollen oder Schritte auf Waldboden. Oder ein Onlinearchiv für verschwindende Geräusche, wie z. B. eine analoge Schreibmaschine oder ein Wählscheibentelefon. Weiterlesen

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Katharina Korbach: Sperling

Sie hatten beide lange nichts gesagt, dem Regen gelauscht. Von draußen war trübes Licht ins Zimmer gefallen, das über die Wände zog, wann immer ein Auto vorüberfuhr. Illuminierte Quadrate, durchschnitten von den Bahnen der Tropfen auf den Fensterscheiben. Ein Schattentheater.“ (S. 210)

Vorweg: Ich persönlich finde den Buchtitel und das Cover genauso einzigartig wie den Roman selbst.

Als ich mich der Story hingegeben habe, musste ich mich zuerst an den Schreibstil gewöhnen und wusste nicht so recht, wo mich diese Geschichte hinführen wollte. Katharina Korbach schreibt in einer klaren Sprache, literarisch bemerkenswert und elegant. Ganz deutlich spürt man beim Lesen die Liebe zur Kunst und auch zur französischen Sprache. Empfindungen und Gedanken kommen auf eine bedrückende Art und Weise zu Tage und so offenbart die Autorin der Leserschaft die fragile Verbindung zwischen Dozent und Studentin. Die Perspektivwechsel zwischen Charlotte und Wolfgang haben mir sehr gut gefallen. Auch wenn beide eine fast identische Erzählsprache aufweisen und ich einige Alltagszenen etwas langatmig empfand, war es äußerst interessant, ihren Lebenswegen zu folgen. Weiterlesen

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Helene Flood: Die Psychologin

Das Buch wurde von der norwegischen Psychologin Helene Flood geschrieben, die in Oslo lebt, wo auch die Geschichte spielt – in einem freistehenden Haus mit Blick über Oslo. Ich freue mich schon jetzt auf die geplante Verfilmung, da ich bereits beim Lesen dieses Thrillers fast kein Lesezeichen gebraucht habe. Ich konnte es einfach nicht aus der Hand legen. Seite um Seite wurde ich so sehr gepackt, dass ich gänzlich in der Story versunken war und beinah vergessen habe, ein Buch zu lesen. Denn es ist geradezu hemmungslos unterhaltsam und spannend noch dazu. Wann findet man so etwas schon einmal?

„Die Psychologin“ hat mir durch die Domestic Noir-Atmosphäre atemlos-intensive Lesestunden beschert – wobei es kein aufregend-rasanter, actiongeladener Thriller ist, sondern typisch skandinavisch, eher zart und leise daher kommt, tiefgründig und beeindruckend. Dabei gewährt uns die Autorin Einblicke in das Eheleben von Sara und Sigurd, ihre Emotionen und auch in Saras tiefe Einsamkeit. Obwohl mich Rückblenden sonst nicht wirklich reizen, habe ich die eingeflochtenen Erinnerungen und Träume sehr genossen, um mehr über die Vergangenheit der beiden zu erfahren und das Rätsel zu lösen. Weiterlesen

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Nathalie Stüben: Ohne Alkohol: Die beste Entscheidung meines Lebens

Es gibt viele Möglichkeiten, Abhängigkeit zu intellektualisieren und zu ästhetisieren, meistens versucht man aber, damit einer unbequemen Wahrheit aus dem Weg zu gehen.“ Daniel Schreiber in seinem Buch Nüchtern (Zitat S. 52)

Alkohol, das Accessoire der Erwachsenen? Ich persönlich finde es absurd, dass man sich manchmal noch immer in Gesellschaft (Familie, Freunde, Kollegen) rechtfertigen muss, wenn man keinen Alkohol trinkt. Die Blicke, die einfach nicht glauben können, dass man nicht mittrinkt.

Dies ist wieder eines der wenigen Bücher, die ich innerhalb weniger Stunden durchgelesen habe. Dennoch stelle ich meinen größten Kritikpunkt direkt an den Anfang: Wir erfahren bis zum Ende nicht, wie genau die Autorin es geschafft hat, abstinent zu werden. Auch von Rückfällen oder Rückschlägen ist keine Spur. Da hätte ich mir ein wenig mehr Seele gewünscht. Dazu noch einen differenzierteren Blick auf die Komplexität des Themas. Weiterlesen

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Patricia Lockwood: Und keiner spricht darüber

Lohnt es sich, durchzuhalten?
Dieses Buch polarisiert! Schade, dass sich auch so einige 1-Sterne-Abbruch-Rezis tummeln.
Zuerst konnte sie überhaupt nicht tanzen, und dann konnte sie nicht mehr aufhören.“ (S. 216)
So erging es mir beim Lesen. Denn ich hatte das Gefühl, auf Twitter hängen zu bleiben und gezwungen zu sein, endlos weiter und weiter und weiter zu scrollen.

Patricia Lockwood erzählt die Geschichte einer Frau, die Social Media besessen ist – bis sie durch eine Tragödie in die Realität zurückgezogen wird. Das Social Web tapeziert die Gehirne derer von uns, die es zu oft benutzen, genauso wie es unsere Politik verzerrt.

Im ersten Teil des autofiktionalen Buches hetzt die namenlose Protagonistin hauptsächlich durch „das Portal“ und lässt uns auch teilhaben, wie gefangen sie sich darin fühlt. Sie hebt dabei genau das hervor, was wir daran lieben und verabscheuen. Soll sie eine Influencerin darstellen? Ich konnte sie kaum greifen und nachspüren. Sind die Texte absichtlich weird? Soll das cool sein oder kann das weg?

Leider habe ich mich so schwer getan, dranzubleiben an den zusammenhanglosen tweet-ähnlichen Textpassagen. Schwerelos, da handlungslos. Dennoch habe ich immer weiter gelesen in der Hoffnung, endlich Sinnhaftigkeit zu finden, um nicht gänzlich in dieser Belanglosigkeit zwischen all den Abstrusitäten zu versinken. Da spielte sich eine fiktive Realität ab, und mittendrin war plötzlich etwas Reales. Denn dann, ja dann, veränderte ein Schicksalsschlag das Leben der Protagonistin und alles wurde greifbarer. Und tragisch. Weiterlesen

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