Alice Oseman: Loveless

„Ich habe mich immer einsam gefühlt. Ich denke, viele Menschen fühlen sich einsam. […] Mein ganzes Teenagerleben fühlte ich mich jedes Mal einsam, wenn ich ein Paar auf der Party sah, oder zwei Menschen, die sich vor dem Schultor küssten. […] Und ich fühlte mich noch einsamer, als ich anfing zu verstehen, dass ich das nie erleben würde.“ (S. 336)

Die achtzehnjährige Georgia ist schon lange verwirrt und glaubt, sie sei im Vergleich zu den anderen Klassenkameraden irgendwie komisch. Wenn sie nur den Grund hierfür wüsste. Vielleicht liegt es an ihrer Schüchternheit und geringen Selbstsicherheit. Während alle Mädchen in ihrer Klasse sexuelle Erfahrungen sammeln, gehört sie zu den Ungeküssten.

In der Uni soll nun alles anders werden. Georgia will sich verlieben, neue Freunde finden und ganz viel Spaß haben. Weiterlesen

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Zoran Drvenkar: Wir: Die süßen Schlampen

Sie sind so oberflächlich wie eine Pfütze am Straßenrand und schauen auf ihre Handys, als wären es Navigationsgeräte, ohne die sie nicht wüssten, wo sie nach dem Film hingehen sollen. Sie haben zu viel, und weil sie zu viel haben, wollen sie mehr und mehr, denn sie kennen es nicht anders. Sie sind gierig, […].“ (Nessi, Zitat S. 35)

Mich reizten an diesem Thriller der ansprechende Klappentext und die Zeilen auf dem Buchrücken. Denn die sechszehnjährigen Mädchen wirken in der Story wirklich unantastbar, unsterblich und unzertrennlich.

Als ich mit dem Lesen begonnen habe, ist mir dann nach 67 Seiten aufgefallen, dass mir die Geschichte bekannt vorkommt. Also habe ich in meinem Bücherregal gesucht und bin auf den Thriller „Du“ (VÖ: 2012) vom selben Autor gestoßen, den ich damals abgebrochen hatte, da er mir persönlich zu langatmig und verworren war. Weiterlesen

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Alice Oseman: Heartstopper Volume One

Der vierzehnjährige Charlie hat sich geoutet, und danach hörten mit Hilfe seiner Freunde die Angriffe einiger Mitschüler auf. Nun hat das Versteckspielen ein Ende, denkt er, bis ihm bei einem Schüleraustauschprogramm Nick begegnet. Nick ist älter, spielt erfolgreich in der Rugbymannschaft der Schule und scheint ein typischer Hetero-Typ zu sein. Trotzdem verliebt sich Charlie in den neuen Freund. Wenn sie zusammen sind, haben sie Spaß. Und sogar Nicks Mutter meint zu Nick, wenn er seine Freizeit mit Charlie verbringe, sei er wieder wie er selbst. Doch was hat dies genau zu bedeuten? Die beiden Freunde sind irritiert, wie soll es mit ihrer Freundschaft weiter gehen?

Die Autorin Alice Oseman zeichnete schon während ihres Abiturs an dem Comic zu den beiden Jugendlichen Charlie und Nick. Beide waren in ihrem Debütroman Solitäre Nebenfiguren. Anfangs begann sie deren Hintergrundgeschichte zeichnerisch darzustellen. Der erste Block wurde voll, und dann der zweite. Inzwischen hat sich daraus eine wunderschöne Liebesgeschichte ergeben, deren Entwicklung einfach nur Spaß macht. Mit wenigen Strichen vermag sie prägnante Charaktere und deren Gefühlslage zu zeichnen, so dass Bilder und Worte jeweils für sich sprechen. Weiterlesen

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Debbie Tung: Quiet Girl

Debbie ist ein stilles Mädchen. Sehr lange dachte sie, etwas würde mit ihr nicht stimmen. Während jeder in ihrer Umgebung Gesellschaft mag, liebt sie die Stille mit einem Buch und einer Tasse Tee. Die Regentage alleine lesend auf der Couch zu verbringen, sind ihre liebsten Tage. Sie traute sich nie, dies anderen zu sagen.

Sie wird älter und nicht weiser, findet in Jason einen guten Freund und wird mit ihm langsam erwachsen. Doch die liebgewonnene Einsamkeit mit ihren Büchern und kreativen Arbeiten passen nach wie vor am besten zu ihr.

Debbie versucht noch immer, sich so wie die anderen zu verhalten. Sie ist ansatzweise gesellig, ein bisschen laut und interessiert sich ab und zu für Gespräche und Späße. Sie will gemocht und anerkannt werden. Stattdessen verliert sie mehr und mehr ihre Sicherheit. Debbie wird immer unglücklicher, bis sie etwas ganz Wichtiges über sich herausfindet. Weiterlesen

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Nik Aaron Willim & Asadullah Haqmal: Grüne Tiger

Die jungen Autoren Nik Aaron Willim (geb. 1996) und Asadullah Haqmal (geb. 1995) haben mit „Grüne Tiger“ ein politisches Jugendbuch vorgelegt. Das Thema ist der Kampf der Jugend gegen den Klimawandel, denn „was, wenn Du erkennen würdest, dass wir die Welt tatsächlich vernichten?“

Genau diese Erkenntnis trifft die Oberstufenschüler Leyla, Hektor, Piet und Ean. Die Freunde besuchen eine Demonstration der Act-Now-Bewegung, eine Jugendbewegung, die ähnlich wie „Fridays for Future“ mit friedlichen Kundgebungen und Demonstrationen versucht, die Welt auf die Klimakrise aufmerksam zu machen und zum Handeln zu bewegen. Dort erleben sie den Auftritt der Aktivistin Maisy Young (angelehnt an Greta Thunberg). Diese Begegnung und die anschließenden Diskussionen bewirken eine Art Initiation.  Zunächst sprechen die Freunde uns allen bekannte Wahrheiten und Widersprüche im Alltag aus: Menschen, die versuchen, sich ökologisch korrekt zu verhalten, buchen trotzdem für ein Wochenende Flüge nach Mallorca, essen Fleisch oder werfen ihre Zigaretten auf die Straße. Weiterlesen

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Femi Fadugba: The Upper World – Ein Hauch Zukunft

Direkt auf den ersten Seiten hat mich die gleiche erfrischende Neugier gepackt, die mich durch Träume treibt: keine Panik, nicht wegrennen, sondern mit Anlauf hineinstürzen. Es geht um Esso, einem schwarzen Teenager in Londons Süden, der nicht nur in einen Bandenkrieg stolpert, sondern ein Autounfall ihm auch noch plötzlich Visionen von einer Welt zwischen Vergangenheit und Zukunft beschert.

Meine Kollegen behaupten, dass ich Wissenschaft mit Voodoo vermische, aber ich glaube, dass jeder von uns Verborgene Energie spüren kann. Sie umgibt uns, fließt an uns vorbei, durch uns hindurch.“ (Seite 326)

Man spürt, dass in dem Buch persönliche Erfahrungen des Autors eine tragende Rolle spielen, dennoch konnten mich die wissenschaftlichen Erklärungen nicht gänzlich packen. Ich bin hin- und hergerissen. Die anregend-geistreiche Grundidee und der rhythmisch-bemerkenswerte Schreibstil wird leider durch eine nicht immer nachvollziehbare Storyline, blassen Charakteren und gefühlt seitenweise Physiktheorien ausgebremst. Weiterlesen

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Jay Kristoff: Das Babel-Projekt 01: Lifelike

Es gab einmal eine Zeit, als man die Gegend, die heute nur mehr lebensfeindliche, verstrahlte Wüste ist, als Kaliforniern kannte. Inzwischen erinnert sich niemand mehr an den Namen, viel weniger noch, an das Land.

Seit dem großen Beben, dem Aufriss des Sankt Andreas Grabens und der verheerenden Explosion eines der Forschungsstandorte lebt es nicht nicht mehr wirklich gut hier. Eve hat dies seit frühester Kindheit gemerkt. Eines Nachts drang die Miliz in ihr Haus ein, erschoss erst und ohne jegliche Skrupel vor den Augen der Kinder die Eltern, dann kam ihr Bruder und ihre Schwestern an die Reihe. Auch ihr wurde eine Kugel in den Kopf gejagt – seitdem hat sie ein schwarzes Stahlauge, das ihr Großvater ihr besorgt hat. Zur Rettung ihres Opas vor dem, von der Radioaktivität verursachten Krebs braucht sie Arznei – etwas, die es nur gegen harte Währung gibt. So nimmt sie seit Monaten schon an Arenawettkämpfen teil und ist immerhin seit 8 Begegnungen ungeschlagen.

Dieses Mal aber geht etwas schief – ihr Gegner, ein gigantischer Roboter hat schon die Klaue erhoben um sie zu Mus zu zermatschen, als ihr ein Schrei entfährt – mit drastischen Folgen! Die Platinen ihres Gegners brennen durch – es gelingt ihr zu fliehen. Auf dem Heimweg begegnen ihr drei Drohnen, die von einem kleinen Helikopter angegriffen werden. Sie retten den abstürzenden Piloten, bringen den toll aussenden Jüngling, dem der weggerissene Arm scheinbar nicht viel ausmacht, in ihr Heim. Kurz danach klopft der Orden lautstark an – schließlich hat Eves Schrei bewiesen, dass sie verändert wurde – somit nach ihrer Doktrin kein Recht mehr auf Leben hat und ans Kreuz genagelt gehört. Weiterlesen

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Maika & Maritza Moulite: One Of The Good Ones

Was wäre, wenn Familien generationsübergreifend um ihr Leben fürchten? Was wäre, wenn der gewaltsame Tod in jeder Generation fest verankert ist? Und was wäre, wenn dies so normal ist wie das Atmen?

Die Familie Smith aus Los Angeles mit den Töchtern Kezi, Happi und Genny haben ebenfalls diese Gewalterfahrung. Kezi will dieser Tradition auf den Grund gehen. Und je mehr sie erfährt, umso häufiger berichtet sie darüber auf YouTube. Der Erfolg ermutigt sie, auf eine Demo zu gehen, wo sie prompt verhaftet wird. Die Achtzehnjährige erfährt eine Polizeigewalt, die sie sich nie vorstellen konnte.

Danach erhält die Familie Smith eine Urne. Happi und Genny glauben, sie können ihre Trauer nur bewältigen, wenn sie die von Kezi vorbereitete Reise antreten.

Die Schwestern Maika und Maritza Moulite schreiben, um die Wahrnehmung auf die People of Color (PoC) zu verändern. Silvia Kinkel und Constanze Wehnes haben den Jugendroman aus dem Amerikanischen übersetzt. Weiterlesen

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Gine Cornelia Pedersen: Null

Ich habe das Buch über die namenlose Rebellin beinah in einem Rutsch gelesen. Einmal angefangen, kann man es gar nicht mehr weglegen, denn es fesselt ungemein. Die Geschichte ihres tragischen Selbstzerstörungstrips ist unvorhersehbar und durchweg spannend. Dabei baut die Autorin heftige Wendungen ein, die mich – ebenso wie das extreme Verhalten des norwegischen Mädchens – dezent schockierten. Für mich fühlt sich „Null“ wie ein Jugendbuch an, das nicht ganz zu Ende gedacht ist. Stilistisch betrachtet, beginnen alle fragmentarisch-anmutenden Sätze in einer neuen Zeile und enden ohne Punkt.

All die Extremsituationen, durch die die junge Protagonistin durchs Leben rast, sind ein Cocktail aus Drogen, Alkohol, massenhaft Zigaretten, Sex, Wut und ein wenig Euphorie. Sie ist die Art von Mädchen, das will, dass die Leute sie missverstehen und sie in Grund und Boden verurteilen. Dabei ist sie widersprüchlich, unberechenbar und psychisch schwer krank. Im späteren Verlauf der Geschichte und nach einigen psychiatrischen Behandlungen, bei denen sie mit Medikamenten verpfuscht wird, bezeichnet sie sich selbst als kranke Seele und detonierte Bombe. Ich glaube, das sagt alles. Zwischen den Zeilen spürt man diese unbändige Wut in ihr, die das Buch dominiert und alles ins Elend stürzen will. Weiterlesen

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Ursula Poznanski: Shelter

Es ist spät geworden. Nach der Feier sitzen nur noch die fünf Freunde zusammen. Eine Frage beschäftigt die Psychologiestudentin Liv: Wie kann man Menschen erreichen, deren Überzeugung so fest ist, dass sie anderslautende Tatsachen komplett ablehnen? Und Benny, der Schauspieler werden möchte, spinnt weiter: „[…] du zeigst ihnen auf eine andere Art und Weise, wie naiv sie sind.“ (S.11)

Man könnte den Verbohrten „[…] eine total bescheuerte eigene Verschwörungstheorie präsentieren, und sobald sie darauf eingestiegen sind, hättest du haha gesagt, ätsch, alles bloß meine persönlichen Hirngespinste […]“ (S. 11)

Kurz darauf haben die Fünf eine Theorie entwickelt, und Livs neues Projekt kann starten. Mit Fake-Accounts und gesprayten Logos in der realen Welt geht es los. Schnell wird allen klar, dass ihre erfundene Verschwörung Widersacher braucht. „Man muss selbst das Gefühl haben, auf der richtigen Seite zu stehen, die Dinge zu durchschauen.“ (S. 49) Also planen sie, die Gegenseite zu steuern. „Wir greifen auf der einen Seite an und verteidigen auf der anderen.“, schlägt Liv vor. „‚Ein paar Sekunden lang starren alle sie an. Dann lachte Darya. ‚Du machst mir Angst‘, sagte sie.“ (S. 50) Weiterlesen

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