Karsten Dusse: Achtsam morden

Zum Totlachen! Achtsamkeitsübungen integriert in einem schwarzhumorigen Krimiplot – Karsten Dusse hat mit diesem Roman eine literarische Lücke geschlossen. Erkenntnis: Unliebsame Geschäftspartner lassen sich ganz tiefenentspannt aus dem Weg räumen, ohne schlechtes Gewissen! Beißt der Boss durch unterlassene Hilfeleistung ins Gras, liegt dies nicht an böser Absicht. Weit gefehlt! Es liegt lediglich daran, dass man in diesem Moment einfach fokussiertes Singletasking betrieben und sich auf die eigene Zeitinsel zurückgezogen hat. Wer unkooperativen Geschäftspartnern die Nase bricht, tut dies selbstverständlich nur, weil er deren innerste Bedürfnisse erkannt hat. Das Gegenüber hatte das Bedürfnis nach Krawall. Den hat er bekommen. Wenn einem ein Haufen Krimineller nach dem Leben trachtet, ist es hilfreich, sich den Begriffen Sicherheit und Unsicherheit völlig wertfrei zu nähern… schon sieht das Leben wieder rosig aus. Und mit der richtigen Atmung bringt einen auch ein explodierter Firmenwagen nicht aus der inneren Mitte.

Zur Story: Björn Diemel hat Probleme. Er ist völlig überarbeitet, bekommt seine Tochter kaum noch zu Gesicht, seine Ehe liegt in Scherben. Als Anwalt sind ihm alle Aufstiegschancen in der Kanzlei verwehrt. Leider ist er zuständig für den „Bäh“-Kunden Dragan, dem Chef eines Verbrechersyndikats. Weiterlesen

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Christian Tielmann: Unsterblichkeit ist auch keine Lösung

Goethe und Schiller im Jahr 2014 auf einer Lesereise durch den Harz? Und das in einem Alter von jeweils deutlich über 200 Jahren? Das ist die völlig verrückte und doch großartige Idee, die hinter dem Romandebüt von Christian Tielmann steht.

Der Verleger Cotta möchte den Absatz der insbesondere von den beiden Herren geschriebenen Klassiker wieder ankurbeln. Da Goethe und Schiller in Christian Tielmanns Geschichte nicht etwa schon vor langer Zeit verstorben sind, sondern in Weimar bzw. Jena leben und sich durchaus guter Gesundheit erfreuen, ist das an sich kein Problem. Und die beiden Herren lassen sich auch darauf ein. Goethe freilich mit deutlich mehr Widerwillen als Schiller.

Ganz einfach wird die Lesereise dann auch nicht. Auch deshalb, weil die geplanten Lesungen vornehmlich vor Schülern stattfinden, denen die großen Namen und die Werke der beiden so gar nichts sagen. Ein Umstand, mit dem Schiller deutlich besser zu Recht kommt und es dann auch tatsächlich schafft, bei der Lesung eines von ihm verfassten Fantasy-Romans das Interesse der jungen Leser zu wecken. Weiterlesen

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Barbara Pym: Vortreffliche Frauen (1952)

London nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Mildred Lathbury ist eine Pfarrerstochter über Dreißig. Anders ausgedrückt: eine alte Jungfer! Zudem ist sie eine „vortreffliche“ Frau – fleißig, bescheiden, anspruchslos, stets um das Wohlergehen anderer bemüht. Sie lebt in einer kleinen Wohnung, arbeitet halbtags für eine Organisation, die sich um verarmte Witwen kümmert und bringt sich in ihrer Freizeit in der Kirchengemeinde ein. Einen Mann vermisst sie nicht, dafür hat sie gute Freunde wie den Gemeindepfarrer Julian Malory und seine Schwester Winifred.

Mit dem beschaulichen Leben ist es vorbei, als das Ehepaar Napier in Mildreds Haus einzieht. Die Anthropologin und der ehemalige Marine-Offizier führen ein exotisches Leben. Sie trinken bevorzugt Wein statt Tee und debattieren doppelzüngig über allerlei anrüchige Themen, angefangen beim Klopapier bis hin zu italienischen Mätressen. Hinzu kommen ständige Streitereien. Von dieser Welt ist Mildred ebenso fasziniert, wie überfordert. Denn schneller als ihr lieb ist, wird sie in ein Ehe-Drama hineingezogen. Zum einen harmonieren die chaotische Helena und der ordnungsliebende Rockingham im Alltag nicht besonders. Zum anderen scheint sich Helena zu ihrem Kollegen, dem Anthropologen Everand Bone, hingezogen zu fühlen. Rockingham ist hingegen ein Charmeur und Frauenheld erster Güte. Auch Mildred ist gegen diesen Charme nicht immun. Wohl wissend, dass sich dies bei einem verheirateten Mann nicht gehört. Weiterlesen

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Hans Fallada: Malheurgeschichten (1930)

Galgenhumor vom Feinsten: Die Kurzgeschichten und Episoden dieses Buches handeln von Menschen, die scheitern, aber trotzdem weitermachen. Irgendwie. Hans Fallada, Autor von „Kleiner Mann, was nun“, macht weder vor Gutsherren, Beamten, Nazis, Bauern, Dieben, herrenlosen Weibern oder Sturköpfen aller Art Halt. Nach dem Motto: „Wenn neunundneunzig Dinge misslungen sind, kann das hunderste doch gelingen.“ Kann… muss aber nicht!

Ein gerissener Schneidergesell versucht, in einer spiegelverkehrten „Hans im Glück“-Geschichte ein paar Bauern hereinzulegen. Junge Wandersleute ziehen einen faulen Wirt über den Tisch, ein Bettler einen abergläubischen Verkäufer. Ehelicher Zwist kann durch Kleinigkeiten wie eine offene Tür hervorgerufen werden. Eine strenggläubige Gutsherrin will die sündige Magd zur Reinheit bekehren – ein Schuss, der böse nach hinten losgeht. Fallada hat ein untrügliches Gespür für die absurden Untertöne des Alltags. Besonders deutlich kommt dies in der Geschichte „Das Groß-Stankmal“ zum Tragen. Weiterlesen

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Stefan Heuer: Katzen im Sack

Rolf und Frank gondeln mit ihrem zweigeteilten Wohnmobil – jeder hat sein eigenes Reich darin – durch Norddeutschland. Immer im Schlepptau der Anhänger mit Schießbude (für Rolf) und Angelstand (für Frank), die sie auf allen möglichen Festen und Märkten für das zahlende, aber auch Arbeit und Dreck machende Volk öffnen.

Die beiden mögen es eher gemütlich: ausschlafen, mit der Playstation zocken, Filme gucken (und sich gegenseitig bei Zitaten daraus auf die Probe stellen), ab und zu eine Frau vernaschen (vor allem Rolf, der gerne mal den Macho raushängen lässt). Dabei geht es nicht zimperlich zu und an Alkohol und Nikotin wird nicht gespart. Eine echte Männerfreundschaft eben.

Dann tritt Sybille in ihr Leben – das heißt, vor allem in Franks Leben. In einer Bierlaune hatte er ein Schild an seinem Enten-Angelstand angebracht: Junge Frau zum Mitreisen gesucht. Die Ehre und eine Wette hatten verboten, es wieder abzunehmen, als Sybille fragt, ob die Stelle noch frei sei.

Frank verguckt sich sofort in die geheimnisvolle junge Frau, mit der er gleich sein Wohnmobil-Abteil und nicht viel später auch sein Bett teilt. Selbst nach mehreren Wochen gemeinsam auf Achse, weiß er von ihr nicht viel mehr als ihren Vornamen und dass sie aus Göttingen stammt. Weiterlesen

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Gill Sims: Mami muss mal raus

Vor zwei Jahren hat Ellen mit ihrer App „Mami braucht nen Drink“ ganz groß abgeräumt. Nun ist das Geld aber weitgehend aufgebraucht, die Kinder nicht minder anstrengend und Ellen braucht nun keinen Drink, sondern einen Job. Natürlich wollen Kinder und Mann aber auch die gleiche Aufmerksamkeit wie vorher. Und was tun, wenn im neuen Job keiner weiß, dass sie eine verheiratete Mutter ist und sie alle für eine Single-Frau Mitte vierzig halten? Da spielt man doch mit, oder nicht? Das Unheil nimmt seinen Lauf und das Chaos ist vorprogrammiert.

Ellens Kinder Jane und Peter sind mittlerweile 11 und 9 Jahre alt. Und vor allem Jane bringt Ellen an den Rand des Wahnsinns. Sie hat sich in den Kopf gesetzt, ein gefeierter Internetstar zu werden und braucht deshalb ein Instagram-Profil. Das will ihr Ellen aber erst mit 13 Jahren erlauben. Naja, dann frag‘ ich eben Papa, denkt sich Jane und dann gibt’s auch noch Ehestreit. Weiterlesen

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Ali Smith: Es hätte mir genauso

Die schottische Autorin Ali Smith ist Meisterin darin, aus alltäglichen Situationen das Abgründige hervorzulocken, das sich bei näherer Betrachtung als erstaunlich realistisch entpuppen kann. Auch die in diesem Roman beschriebene Dinner-Situation entwickelt sich so abstrus wie (un-) möglich. Ein Mann verlässt die Tischrunde und schließt sich im Gästezimmer ein. Auf Tage, Wochen, Monate – ohne ein Wort der Begründung. Zunächst werden alte Freunde aktiviert, die ihn zum Herauskommen bewegen sollen, da Hausherrin Genevieve brachiale Polizeigewalt wie das Aufbrechen ihrer wertvollen Altbauvillatür aus dem 19. Jahrhundert ablehnt. Als jedoch Fernsehteams, Esoterik-Jünger und Friedensaktivisten die Nachbarschaft bevölkern, wittert die Gastgeberin plötzlich ganz neue Einkommensmöglichkeiten…

Wer ist dieser Miles Garth, der sich im Gästezimmer verbarrikadiert hat? Niemand scheint ihn richtig zu kennen. Um den mysteriösen Gast zu beleuchten, greift Ali Smith zu einem literarischen Kunstgriff: Sie lässt das Phantom Miles durch die Augen verschiedenster Protagonisten langsam Gestalt annehmen. Da ist eine Jugendfreundin, die ihn auf einer Reise durch Europa kennengelernt hat. Da ist eine verwirrte Frau im Altersheim, da die hochbegabte Nachbarstochter, welche ihm heimlich Zettel unter der Tür durchschiebt. Wie sich das Bild von Miles nach und nach schärft, ist faszinierend zu verfolgen. Plötzlich macht alles Sinn, die Puzzleteilchen fügen sich zusammen. Am Ende steht die Frage im Raum: Ist Miles verrückt – oder sind wir es?

Ein Dreh- und Angelpunkt des Romans ist der Verlauf der Dinner-Gesellschaft. Ali Smith hat diese meisterlich beschrieben. Weiterlesen

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Marc-Uwe Kling: Die Känguru-Apokryphen

Der Kleinkünstler und sein Mitbewohner, das kommunistische Känguru, sind zurück. Witzig und absurd wie gewohnt, spießen die beiden Klischees auf, geben ihre politische Meinung zum Besten und streiten sich darum, wer das Bad putzen muss. Sie stellen Zusammenhänge her, wo keine sind (oder wo zumindest kaum einer welche vermuten würde) und zitieren lässig aus der weltweiten Kulturgeschichte (von Batman und Starwars über die Bibel und Adam Smiths „Wohlstand der Nationen“ bis zum Wackeldackel und der Winkekatze).

Leserinnen und Leser lernen, dass man sich im Berliner Tiergarten verlaufen kann (und wie lebensbedrohlich das ist), dass beim Open-Schnick die Kettensäge die Giraffe schlägt und wie man Nazis (unter Mithilfe von Schnapspralinen mit unbekannten Zusatzstoffen) an die Wand quatscht. Wir erfahren, woher die Angst des Kleinkünstlers vor Handwerkern rührt und was sich so alles in Matratzen tummelt (Hypochonder seien gewarnt).

Immer wieder treffen wir Figuren aus den anderen Känguru-Bänden: Friedrich-Wilhelm, Otto-Von, Herta, Krapotke, sogar der Pinguin kommt kurz vor, wenn auch nicht persönlich. Weiterlesen

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Barbara Toner: Vier ehrbare Damen suchen Teilzeit-Ehemann

Prospect, Südaustralien, 1919: Männer sind Mangelware! Viele sind nicht mehr aus dem Krieg heimgekehrt, der Rest wurde von der spanischen Grippe dahingerafft. Den Alltag ohne Mann zu bestreiten, ist für Frauen nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Sie werden von Händlern übers Ohr gehauen, die Bank will ihnen keinen Kredit geben, sie werden Opfer von Erpressung und Gier, während Haus und Hühnerstall dringend einer Renovierung bedürfen. Kurz: Niemand schenkt ihnen Gehör – einfach, weil sie Frauen sind. Diese bittere Erfahrung müssen auch vier Damen aus der Stadt Prospect machen, deren Männer gefallen, verschollen oder als nervliches Wrack aus dem Krieg heimgekehrt sind. Allein auf sich gestellt, beschließen sie einen Mann zu engagieren, der all das tun soll, was ihnen ihre Geschlechterrolle versagt: Er soll Gläubiger einschüchtern, faire Konditionen aushandeln, Bilanzen überprüfen, sich um Pferde kümmern und Farmarbeit erledigen. Daher geben die Damen eine Kontaktannonce auf. Hört sich bereits auf dem Papier schräg an und wird in der Umsetzung noch besser. Ein herrlicher Spaß! Weiterlesen

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Felicitas Gruber: Gschlamperte Verhältnisse

Regionalkrimis sind hip, Gerichtsmediziner sind hip, fesche Derndl (= junge Frau, Geliebte, nicht zu verwechseln mit dem Dirndl!) sowieso: Warum also nicht alles kombinieren? Mit „Gschlamperte Verhältnisse“ – auf hochdeutsch: unordentliche oder gar anstößige Verhältnisse – legt das sich hinter dem Pseudonym Felicitas Gruber befindliche Schriftstellerinnenduo Brigitte Riebe und Gesine Hirsch bereits den fünften Band ihrer Reihe rund um die Münchener Rechtsmedizinerin Dr. Sofie Rosenhuth vor. Unter dem Motto „In Giesing dahoam, am Seziertisch zuhause“ folgt diese Krimireihe ihrem ganz eigenen Tempo. Denn bei aller Leichenschau kommen die bayerische Gemütlichkeit, die Männerprobleme einer drallen Single-Münchnerin sowie der alte Konflikt zwischen Nord- und Süddeutschen nicht zu kurz. Statt auf Suspense wird hier in erster Linie der Humor bedient. Was nicht heißen soll, dass es die Fälle der Münchener nicht in sich haben.

Im katholischen Bayern werden Reliquien gestohlen. Darunter befinden sich drei auf heilig getrimmte Schädel, die in Wirklichkeit drei ermordeten Frauen gehören. Dies bildet den Ausgangspunkt des neuesten Falles von Sofie. Gemeinsam mit ihrem Ex-Mann, dem Hauptkommissar Joe Lederer, muss sie herausfinden, wer diese Frauen waren und ob hier ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Weiterlesen

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