Michaela Küpper: Der Kinderzug

Ein interessantes Thema hat sich die Autorin für ihr bisher erst zweites Buch vorgenommen. Ein Thema, das zumindest ich bislang noch kaum in Romanen verarbeitet gefunden habe. Es geht im Buch von Michaela Küpper um die sogenannte Kinderlandverschickung während des Zweiten Weltkriegs.

Im Rahmen dieser von oben angeordneten Maßnahmen wurden, erst auf freiwilliger Basis, später dann ohne Wahlfreiheit, die Kinder aus den großen Städten vor den Bombenangriffen in Sicherheit gebracht. Sie wurden, die ganz kleinen mit, die etwas Größeren ohne Mütter in Pflegefamilien auf dem mehr oder weniger sicheren Land untergebracht. Die älteren Kinder wurden klassen- bzw. schulweise „aufs Land verschickt“, dort kamen sie in Jugendherbergen, Zeltlagern oder in leerstehenden Hotels etc. unter, betreut von ihren Lehrern.

In ihrem Roman schildert Michaela Küpper eine solche, wenn auch fiktive, Kinderlandverschickung. Die Mädchenklasse kommt aus dem von Bomben schwer getroffenen Essen und reist, begleitet von ihrer Lehrerin und dem Schuldirektor mit seiner Familie nach Usedom. Dort treffen sie unter anderem auf eine Jungenklasse aus Berlin. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Peter Prange: Eine Familie in Deutschland: Am Ende die Hoffnung

Zunächst ein Hinweis: „Eine Familie in Deutschland“ ist als „Roman in zwei Bänden“ konzipiert. Ich empfehle, tatsächlich zunächst den ersten Teil, „Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“, zu lesen, um gut in die Geschichte hineinzukommen. Wer den ersten Band noch nicht kennt und ihn lesen möchte, sollte diese Rezension lieber überspringen, da einige Details zur Sprache kommen, die sonst die Spannung rauben können.

1939, der Krieg hat begonnen, doch in Fallersleben und der „Stadt des KdF-Wagens“ geht es fast weiter wie in Friedenszeiten. Die Kämpfe sind noch fern und in der Wochenschau flimmern Erfolgsmeldungen über die Leinwand.

Doch erste Anzeichen der Veränderung sind auch im beschaulichen Wolfsburger Land zu spüren: Lebensmittel werden rationiert, auch der Zucker. Hermann Ising, der ehemalige Zuckerbaron, ist empört. Für seine Frau Dorothee ist das jedoch nur eine Nebensache. Ihr Jüngster, der kleine Willy, wurde in eine Heil- und Pflegeanstalt gebracht. Sie darf ihn nicht besuchen, kaum einmal mit ihm telefonieren und hadert mit der Entscheidung, ihn fortgegeben zu haben. War es wirklich das Beste für Willy? Würde er dort gut versorgt werden? Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Annette Wieners: Das Mädchen aus der Severinstraße

Annette Wieners kann gute Bücher schreiben. Spannende Krimis mit interessanten Charakteren und aktionsreicher Handlung. Sehr gerne habe ich ihre bisher drei Bücher gelesen um eine Friedhofsgärtnerin und ehemalige Kriminalbeamtin, die ihre Vergangenheit verarbeiten muss und in die Aufklärung übler Verbrechen hineingezogen wird.

Von dem vorliegenden Buch aber kann man leider nicht sagen, dass es ihr gelungen ist. Natürlich ist es für eine Rezensentin schwer, die Handlung eines Romans zu bewerten, der auf der Familiengeschichte der Autorin beruht. Aber auch bei familiärer Vergangenheitsbewältigung in Form eines Romans darf man packenden Schreibstil, fesselnden Handlungsverlauf, gut ausgearbeitete, sympathische und sich entwickelnde Charaktere erwarten.

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. Die eine beginnt 1937 und schildert das Geschehen aus Sicht der 17-jährigen Maria Reimer in Köln. Nachdem sie die Schule verlassen hat, verbietet ihr der Vater die Ausübung eines Berufs. Sie setzt sich jedoch über dieses Verbot hinweg und bewirbt sich als Fotomodell. In dem Fotostudio begegnet sie dem Juden Noah. Schon bei der ersten Begegnung meint sie, sich in den jungen Mann zu verlieben und gefährdet ihn durch ihr Verhalten. Ihr Vater geht geheimnisvollen Dingen nach, in die er sie nicht einweiht. Dabei geht es insbesondere um einen kleinen Nachbarsjungen namens Elias, dem der Vater heimlich Brote zusteckt und den er später vor der Gestapo versteckt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Rebecca Gablé: Teufelskrone

„Die Teufelskrone“ ist der sechste, aber eigentlich der erste Band der Waringham-Saga. Es geht um zwei Brüderpaare, Yvain und Guillaume (die Namensgebung lässt mich rätseln, auf welchem der beiden Äste eigentlich Robins Zweig ruht, immer noch) of Waringham auf der einen Seite und John und Richard Plantagenet auf der anderen. Im Jahr 1193 ist Richard noch der kraftvolle Kriegerkönig und John der kleine Bruder, der zu Hause die Stange hält. Die Waringham-Brüder folgen nicht dem gleichen König. Guillaume zieht mit Richard ins Morgenland und Yvain wird Ritter in Johns Haushalt. Aber sie schwören sich, dass die Konflikte der Plantagnets niemals zwischen Ihnen stehen werden. Ein Schwur, der nicht immer leicht zu halten ist.

Es war wie nach Hause kommen. Vieles kommt bekannt vor und genau das macht den Reiz dieser Romane aus. Die Burg befindet sich im Umbau, das Gestüt existiert noch nicht, aber viele Namen aus dem Dorf sind bekannt. Ganz vieles, was den späteren Generationen selbstverständlich erscheint, wird gerade erst angelegt, wie der Rosengarten. Bei vielen Dingen, die im Hause Waringham geplant und eingeführt werden, wissen wir, wie es endet und das macht einfach Spaß. Yvain hat die Gabe, weiß es aber noch nicht und mit seiner Frau kommt auch die Hellsichtigkeit in die Familie. Ich rechne immer noch nach, ob es ihre Tochter oder doch eher die Enkelin ist, zu der Robin später seine eigene Tochter schickt. Vieles bleibt auch offen, so gibt es am Ende dieses Romans immer noch kein eigenes Gestüt, was mich auf mindestens noch einen Roman für die Zwischenzeit hoffen lässt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ray Celestin: City Blues Quartett 02: Todesblues in Chicago

Chicago, 1928: Seit knapp zehn Jahren haben sich Ida und Michael nun in der Stadt niedergelassen. Sie führen ein kleines erfolgreiches Ermittlungsbüro und können an ihre Erfolge in New Orleans anknüpfen. Ihr neuster Fall führt die beiden in die Reihen der Schönen und Reichen, aber auch ins Drogen- und Alkoholmilieu der Stadt. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der jungen Verlobten, die eines Nachts einfach verschwunden ist, und dem Anschlag auf ranghohe Tiere der Unterwelt? Ida und Michael nehmen die Ermittlungen auf und verbünden sich mit neuen Menschen, die ihnen für die Recherchen wichtig sein könnten.

Ray Celestin gelang im Vorjahr mit „Höllenjazz in New Orleans“ in meinen Augen ein wahres Glanzstück. Den vorliegenden zweiten Band kann man auch unabhängig lesen. Er findet zeitlich später und in einer anderen Stadt statt. Es sei allerdings dringend empfohlen, den ersten Band ebenfalls zu lesen – er ist es mehr als wert! Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Dieter Aurass: Rheinlandbastard

Ein Kriminalfall im Jahr 1924 in Koblenz. Ein Fall um ein weitgehend unbekanntes Thema aus der Zeit der französischen Besatzung im Rheinland nach dem ersten Weltkrieg.

Dieter Aurass ist ein pensionierter Polizeibeamter, der nach einer Reihe von Frankfurter Regionalkrimis hier seinen ersten historischen Kriminalroman vorlegt. Und der ist ihm wirklich gelungen.

Der Krimi vor dem Hintergrund realer historischer Ereignisse ist hochspannend und, soweit ich das beurteilen kann, hervorragend recherchiert. Es geht um grausame und scheinbar willkürliche Morde an französischen Besatzungssoldaten. Der mit der Aufklärung beauftragte Colonel ist fest davon überzeugt, dass nur ein Deutscher der Täter sein kann. Die Deutschen, oder doch zumindest die Meisten, hassen die Franzosen, die ihr Land besetzt haben. Und die Franzosen, allen voran eben auch dieser Colonel, hassen die Deutschen für all das Leid, dass sie im Krieg über Frankreich gebracht haben. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Minette Walters: In der Mitte der Nacht

Der zweite Band der Pest-Saga hat mir deutlich besser gefallen, als der erste. Vielleicht liegt es daran, dass der Krimi-Anteil hier höher ist. Im September 1348 klingt die Pestwelle in England langsam ab. Lady Anne of Develish ist es nach dem Tod ihres Mannes erfolgreich gelungen, die Krankheit aus ihrer Burg fernzuhalten, durch rigorose Abschottung und Hygiene. Jetzt gehen langsam die Vorräte aus und sie muss sich Gedanken machen, wie sie an neue kommt. Ihr Verwalter, gleichzeitig Vertrauter und alter Freund Thaddeus macht sich auf die Reise. Da er als Leibeigener nicht weit kommen würde, erfindet Lady Anne für ihn einen Titel und eine Abstammung. Diese Strategie erweist sich als noch gefährlicher als gedacht, denn der eifersüchtige Ex-Verwalter ihres Mannes hat nichts eiligeres zu tun, als Thaddeus zu verraten.

Es tauchen einige Klischees in diesem Roman auf, wie der gute Leibeigene und der böse Adelige. Die völlig eingeschüchterten Pächter sind meiner Meinung nach auch eher Klischee als Realität, ebenso wie die ungehemmte Brutalität an manchen Stellen, das ist eher Walther Scott als moderner historischer Roman. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Edgar Rai: Im Licht der Zeit

Berlin, 1929: Die „Goldenen Zwanziger“ neigen sich ihrem Ende zu. In einer liberalen Atmosphäre konnten sich Kunst, Theater, Film und Musik in einer Form entwickeln, die ihresgleichen sucht – originell und innovativ. Doch nun ist Hollywood einen Schritt voraus: Der Stummfilm gilt als überholt, der Tonfilm ist angesagt. Diesem Trend können sich die deutschen Studios, allen voran die UFA, nicht verschließen, auch wenn unter vielen Schauspielern und Regisseuren der Stummfilm als eigene Kunstform gilt, die nicht einfach ersetzt werden kann.

UFA-Chef Hugenberg nimmt die Herausforderung an, einen Film zu produzieren, der international einschlägt und zeigt, dass Deutschland den USA hier mehr als nur das Wasser reichen kann. Ein Wunschkandidat für die männliche Hauptrolle steht schnell fest: Emil Jannings, der erste Oscar-Preisträger, der sein Glück derzeit in Amerika versucht.

Hugenberg macht Karl Vollmöller zum „Mädchen für alles“, was die Organisation betrifft: „‘Mein lieber Herr Vollmöller‘, hob er an, ‚Sie besorgen mir Jannings und garantieren mir einen Stoff, der sich gewaschen hat, und ich (…) stelle Ihnen in Babelsberg eine Halle hin, in die Sie diese hier hineinschieben können!‘“ (Kapitel 7)

Hugenberg hält sein Versprechen: Er macht genügend Mittel locker, um in Babelsberg in Rekordzeit die modernsten Filmstudios hochzuziehen, die man sich vorstellen kann. Für Vollmöllers Aufgaben braucht es nicht nur Geld, sondern auch eine Menge Feingefühl, Taktik und Flunkereien. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Maxim Wahl: Das Savoy: Aufbruch einer Familie

England, 1932: Das Savoy ist bereits jetzt ein angesehenes Hotel, das von vielen bekannten und reichen Persönlichkeiten geschätzt wird. Geführt wird es von Violets Großvater Larry. Doch als dieser einen Schlaganfall erleidet, setzt er ausgerechnet die junge Violet an seine Stelle und verärgert somit seine eigenen Kinder, die sich Chancen ausgerechnet hatten. Doch in dem Hotel ist auch nicht alles Gold, was glänzt. Larry vermutet, dass er selbst vergiftet werden sollte, eine Leiche liegt im Hinterhof und auch sonst haben die Belegschaft und die Gäste so allerhand Geheimnisse.

Hinter dem Pseudonym Maxim Wahl steht ein bekannter deutscher Schriftsteller, der bereits viele Veröffentlichungen vorzuweisen hat. Das merkt man dem Roman auch an. Wahl blickt immer zur richten Zeit an den richtigen Ort und erzählt die Geschehnisse mit der nötigen Spannung. Dabei verliert er seine vorrangige Protagonistin Violet nicht aus den Augen. Sie will beim BBC ganz groß rauskommen, hat sich in den Hotelmechaniker verliebt, bekommt aber auch von ihrem Chef eindeutige Angebote gemacht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Norbert Scheuer: Winterbienen

Momentan herrscht hierzulande ja ein regelrechter Hype um Bienen. In allen Medien wird darüber berichtet und auch in den Buchhandlungen stehen viele Bücher, insbesondere belletristische, die sich mit Bienen beschäftigen.

Das ist erstmal nichts Schlimmes. Ob es aber immer noch ein Buch mehr braucht, wäre zu diskutieren.

Dem Autor dieses Buches zu unterstellen, dass er auf dieser Welle mitreiten wollte, liegt mir fern. Immerhin widmet er sich über 320 Seiten diesem Thema. 320 Seiten, auf denen sehr, sehr wenig passiert. Der einigermaßen spannende Teil der Handlung hätte auf vielleicht 10 Seiten gepasst, also in etwa die Länge einer anständigen Kurzgeschichte.

Erzählt werden in Tagebuchform die Geschehnisse im Leben des Egidius Arimond im Jahr 1944 in einem kleinen Ort in der Eifel. Während des gesamten Buches erfährt man nicht das Alter des Protagonisten, aber er muss im wehrfähigen Alter sein. Wegen seiner epileptischen Anfälle ist er nicht wehrtauglich und daher im Ort immer wieder Anfeindungen als Drückeberger ausgesetzt.

Außerdem schläft sich Egidius durch mehrere Betten im Dorf, Betten von Frauen, deren Männer an der Front sind. Die einzige andere Beschäftigung des ehemaligen Lehrers sind besagte Bienen. Und zwar Beschäftigung nicht nur aktiver Hinsicht, nein, auch in seinen Gedanken sind die Bienen so ziemlich das einzige, was ihn beschäftigt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: