Anne Stern: Fräulein Gold: Die Stunde der Frauen

Im vierten Band mit Fräulein Gold hat die Stunde der Frauen geschlagen, so dass für die Aufdeckung von Verbrechen wenig Raum bleibt. Hulda hat inzwischen eine steile Karriere zurückgelegt: Aus der freischaffenden Hebamme ist die leitende Hebamme einer angesehenen Frauenklinik in Berlin-Mitte geworden. Endlich hat sie die Macht, einzelnen Gebärenden ein angenehmes Umfeld zu schaffen. Auch ihre Erfolge bei schwierigen Geburten erstaunt so manchen Arzt.

Privat geht es ebenfalls aufwärts: Der junge Arzt Johann will sie nach einem Jahr intensiver Werbung endlich heiraten. Im Vergleich zu Hulda sieht er keine Hindernisse, denn seine vermögenden Eltern haben ihm bisher jeden Weg geebnet. An seiner Seite lernt Hulda die Licht- und Schattenseiten der höheren Gesellschaft kennen. Ihre Neugier und Zweifel finden neue Nahrung.

Der Name Anne Stern steht für kurzweilige Unterhaltungsromane, in denen die Autorin die großen Themen Gleichberechtigung und Frauengesundheit vor einem historischen Hintergrund bearbeitet. 1925 geht es in Berlin für viele wirtschaftlich ein wenig aufwärts. Es herrscht in den Arbeiterkreisen aber trotzdem tiefe Armut. Weiterlesen

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Ella Carey: Die Frauen von New York 01: Glanz der Freiheit

Manchmal stellt sich erst später heraus, wer ein Feind ist. Lily Rose, die bisher von ihren reichen Eltern behütet worden ist, folgt ihrem Talent, dem Kochen. Rezepte auszuprobieren, macht ihr mehr Spaß, als Oberflächlichkeiten auf Partys oder gesellschaftlichen Ereignissen auszutauschen. In der Küche des berühmten New Yorker Restaurants Valentino’s darf Lily endlich das Kochen von der Pike auf lernen und dringt damit in eine Männerdomäne ein. Schnell steigt sie die Karriereleiter nach oben. Einige Kollegen werfen ihr vor, nur wegen ihrer Schönheit, ihrer Beziehungen und der Kriegsumstände Sous-Chefin geworden zu sein. Allein die Aussicht, sie könne jetzt auch noch Küchenchefin werden, sorgt für weiteren Aufruhr.

Die Australierin Ella Carey hat mit ihrem Auftakt der Trilogie Frauen in New York ein breites Feld abgesteckt. Sie liebt mutige Frauenfiguren und schreibt Romane nach wahren Begebenheiten. Aus dem Englischen übersetzten Christine und Anna Julia Strüh. Weiterlesen

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Edvart Hoem: Die Hebamme

Marta Kristines Eltern sind Häusler. 1800 bedeutete dieser Beruf in Norwegen eine geringe soziale Stellung und hohe Steuerlast. Häusler lebten in kleinen Häusern oder Hütten mit wenig Grundbesitz und mussten als Gegenleistung für die Großbauern unter anderem als Erntehelfer arbeiten. Erst wenn dessen Ernte sicher eingebracht war, konnten sie sich um ihre eigene Ernte kümmern. Dies hieß: ernten zur falschen Zeit und unter ungünstigen Wetterbedingungen. Häusler arbeiteten meist als Dienstboten, Tagelöhner oder Handwerker. Für junge Frauen mit wenig Schulbildung gab es nur die Heirat mit einem Bauern oder die Arbeit als Magd. Aber Marta Kristine wollte mehr. Sie wollte in ihrem Leben etwas bewirken und kam schon sehr früh auf den Gedanken, den Frauen helfen zu wollen. Für ein armes Häuslermädchen war die Ausbildung zur Hebamme undenkbar unter anderem auch, weil sie als Unverheiratete ein Kind bekam. Trotzdem „Die ihr eigene Ruhelosigkeit würde sie antreiben –  hin zu etwas, das größer war als ihr jetziges Leben. Bei allem, was sie tat, stand flirrend eine einzige Frage vor ihr, was wird aus einer wie mir, wenn Hans mich nicht mehr haben will?“ (S. 61)

Es dauerte einige Jahre, bis sie ihre Jugendliebe Hans heiraten konnte und ähnlich lang, Fürsprecher für ihre Ausbildung zu gewinnen. Doch die eigentlichen Herausforderungen kamen noch. Hebammen-Stina wurde von den werdenden Müttern gemieden. Weiterlesen

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Elise Hooper: Fast Girls

Es war Freitag, und ihre Eltern erwarteten, dass sie Pa am Wochenende half, die Werkzeuge und Gerätschaften zu reinigen, die am Mittwoch mit versteigert werden sollten. Helen schob sich das Haar aus dem Gesicht und betrachtete ihr Farmhaus. Der scharfe Wind trieb ihr die Tränen in die Augen. […] Auf jede schöne Erinnerung mit Bobbie Lee kamen drei schlechte mit Pa.“ (S. 269)

Helen fällt jedem auf. Sie ist groß, nicht besonders hübsch und liebt das Laufen. Nur der Sport schenkt ihr Selbstvertrauen, und weil sie viel schneller als alle anderen in der Schule läuft, wird ihr Talent gefördert. Irgendwann begreift Helen, dass Laufen viel mehr sein kann als nur ein Sport.

Die Autorin Elise Hooper schreibt für das Fernsehen und studierte Literatur und Geschichte. In ihren historischen Romanen stellt sie Frauen vor, die in der Geschichtsschreibung systematisch übersehen worden sind. Dies holt sie nun nach. Die von ihr gezeichneten Sportlerinnen waren in der Sportgeschichte Pionierinnen. Sie drangen in eine Männerwelt ein, die irritiert und ablehnend reagierte. Trotzdem blieben sie ihrem Talent treu, wurden selbstbewusst und stark. Die nachfolgende weibliche Generation in der Leichtathletik durfte diesen Gewöhnungsprozess in der öffentlichen Aufmerksamkeit weiter aufbauen und auf mehr Toleranz hoffen. Die Botschaft der Autorin ist dabei offensichtlich: Gleiche Rechte für alle. Dies zeigt die Autorin, indem sie Fakten und Fiktion harmonisch zu einer überzeugenden Geschichte vereint hat. Die schnellen Mädchen, unter anderem Betty, Helen und Louise, rennen auf dem Weg zu ihrer Sportkarriere quasi um ihr Leben. Weiterlesen

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Anna Basener: Die juten Sitten 02: Kaiserwetter in der Gosse

Die Autorin hat es auf zauberhafte Weise geschafft, mich als Leserin, mit der mutigen und turbulenten Story der Hauptprotagonistin Minna, in ihren Bann zu ziehen. Ein absolut fantastischer Schreibstil, der auf Anhieb überzeugt, und Minna mit ihrem vulgären Berliner Dialekt haben mich begeistert. Anna Basener schreibt sehr rau und authentisch, dabei verwendet sie viele Bilder und grandiose Vergleiche. Sie ist eine gute Beobachterin des Geschehens und gibt dieses auf sehr lebendige Weise wieder.

Der Roman brilliert durch Präsenz, Facettenreichtum der Charaktere und einen spannenden Einblick nach Berlin am Ende des 19. Jahrhunderts.

Vom Fabrikmädchen zur Dirne, um der Armut zu entkommen? Raus aus der Gosse, ran an die Edelmänner, heißt es für die zielstrebige Minna. Weiterlesen

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Bernard Cornwell: Die Uhtred-Saga 13: Der Herr der Schlacht

Mit dem nunmehr erschienen 13. Band der Uhtred-Saga kommt die Romanserie um die Gründung Englands zum Abschluss. Bernard Cornwell hatte seine Leserinnen und Leser in den vorherigen Bänden auf unterhaltsame und spannende Art und Weise miterleben lassen, wie sich aus den einzelnen Königreichen auf der britischen Insel nach und nach der Vorläufer des heutigen Englands bildete.

Sein Protagonist Uhtred war zu Beginn von Band 1 noch ein kleiner Junge und ist nun in ‚Der Herr der Schlacht‘ zu einem alten Mann geworden. Er verfolgt keine anderen Ziele mehr, als auf sein Leben zurückzublicken und den Rest der ihm verbleibenden Zeit auf seiner geliebten Bebbanburg mit seiner Familie und seinen Freunden zu verbringen.

Doch, wie so oft, ist sein Wunsch nicht der der wirklich Mächtigen. Einer von ihnen ist König Aethelstan. Denn dieser hat offenbar vergessen, dass Uhtred ihm zum Thron verholfen und er ihm einst versprochen hatte, zu dessen Lebzeiten seinen Machtbereich nicht auf Northumbria ausdehnen zu wollen. Doch auf einmal ist alles anders und Uhtred sieht sich und seine Bebbanburg nicht nur von den Machtansprüchen Aethelstans, sondern auch von denen des schottischen Königs Constantine bedroht. Weiterlesen

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Rebekka Eder: Die Schokoladenfabrik – Die Tochter des Apothekers

In diesem 614-seitigen ersten Teil der Stollwerck-Saga dreht sich alles um die Tochter des Apothekers, Anna Sophia, und ihre Liebsten. Beschrieben werden die frühen Anfänge einer späteren Schokoladendynastie, daher gibt es erstmal keine Schokolade, sondern Hustenbonbons. Denn 1838 existierte nur „Gesundheitsschokolade“ (ohne Kakao, dafür mit Eicheln) aus der Apotheke oder Gesundheitskakao.

Historisch fundiert und mit Liebe zu den Details – etwa den interessanten Arbeitsschritten der Bonbonherstellung oder den sinnlichen Beschreibungen der Düfte – lässt die Autorin die Leserschaft tief in die Gegebenheiten der damaligen Zeit eintauchen. Anhand einer außergewöhnlichen Familiengeschichte dürfen wir so vieles hautnah miterleben. Sie gibt einen Einblick in die damals nicht vorhandene Gleichberechtigung der Geschlechter oder die verpönte weibliche Homosexualität.

Der Roman ist atmosphärisch absolut gelungen, emotional aber nach meinem Empfinden noch leicht entwicklungsfähig. Weiterlesen

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Katharina Kramer: Die Sprache des Lichts

Die Sprache des Lichts: Die Sprache, in der Gott die Welt schuf und der noch immer nachgesagt wird, alle mit ihr gesprochenen Worte würde sich materialisieren. Kein Wunder also, dass es Menschen gibt, die alles dafür tun würden, sie zu erlernen. Ende des 16. Jahrhunderts begleiten wir drei sehr ungleiche Charaktere bei ihrer Suche nach der Engelssprache: Ausgerechnet ein gescheitertes Genie, ein gutherziger Hochstapler und eine talentierte Spionin verfolgen alle dasselbe Ziel, wenn auch mit unterschiedlichen Intentionen.

Jacob ist Lateinlehrer aus Sachsen mit einer Begabung für Sprache, die sein Aufgabengebiet weit überschreitet. Der ständige Außenseiter ist mit seinem Leben mehr oder weniger zufrieden, bis er auf Edward trifft, einen Betrüger, der sich als Apotheker durchschlägt und ihm anbietet, ihn als Engelsmedium an John Dee zu vermitteln, den Hofastronom der englischen Königin. Dort soll er helfen, die Sprache der Engel zu entdecken – und diese dann an Edward weitergeben. In einer überstürzten Reaktion willigt Jacob ein, doch auch bei Dee hält er es nicht lange aus, denn das Verlangen, die unbekannte Sprache zu erlernen, treibt ihn von einem Ort zum nächsten, bis er und Edward auf die Spionin Margarète treffen, die ihrerseits ganz eigene Pläne für die Sprache des Lichts hat. Weiterlesen

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Volker Kutscher: Mitte

Friedrich „Fritze“ Thormann hat es nie ganz leicht gehabt im Leben. Das kurze Glück, als er als Pflegesohn zu Gereon und Charly kam, nachdem er lange auf den Straßen von Berlin gelebt hatte, zerrann, als er in eine andere – ungeliebte Pflege-stelle musste. Zu Anfang von begeistert von der HJ und ihren Aufmärschen, wurde er im letzten großen Band „Olympia“ auch brutal ernüchtert, als er sich für den falschen Sportler begeisterte und dann auch noch Zeuge eines Selbstmordes wurde, der angeblich nie stattfand.

Mitte erzählt jetzt einen großen Teil seiner Geschichte nach den Olympischen Spielen von 1936. Er ist untergetaucht in einer Kohlenhandlung in Berlin Mitte. Ausgestattet mit einem falschen Pass macht er sich sogar Hoffnungen auf einen Ausbildungsplatz. Aber er ist einsam und so beginnt der belesene Fritze, Briefe zu schreiben. An Charly natürlich, aber auch an seine alte Freundin Hannah, die ebenfalls mit falschen Papieren in Breslau untergekommen ist. Diese Briefe erzählen uns, was aus ihm wird, auch wenn wir die Antworten nicht zu lesen bekommen. Weiterlesen

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Max Goldammer: Feind des Volkes

Der Untertitel auf dem Buchumschlag war schon ein kleiner Schock. „Max Hellers letzter Fall“. Was wird passieren? Hat Max sich jetzt derart verrannt, dass er doch noch in Bautzen landet? Wird er einfach in Rente gehen – doch nicht Max, dem die Gerechtigkeit so am Herzen liegt. Wird er gar von einem Täter ermordet werden? Durch viele Bände hindurch haben wir Max Heller durch das Dresden der Nachkriegszeit begleitet, was wird jetzt aus ihm werden?

Während des größten Teils des Romans scheint all das möglich zu sein. Je älter er wird, desto weniger ist Hauptmann Max Heller bereit, an den passenden Stellen den Mund zu halten. Er fühlt sich in seinen Ermittlungen behindert, immer wieder wird er gezwungen, Rücksichten zu nehmen. Seiner Adoptivtochter Anni wird das Studium trotz hervorragender schulischer Leistungen verweigert. Sie stamme nicht aus einer Arbeiterfamilie ist die offizielle Begründung, aber Max ahnt anderes, die Familie ist eher nicht systemtreu genug. Seine Frau Karin bereut inzwischen zutiefst, dass sie nicht damals in den Westen zu ihrem geflohenen Sohn gegangen sind, als die Grenzen noch nicht ganz so dicht und die Gelegenheit da war. Weiterlesen

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