Elizabeth Macneal: The Doll Factory

London, 1850: Die junge Iris arbeitet an der Seite ihrer durch Pockennarben entstellten Zwillingsschwester Rose in einer kleinen Puppenmanufaktur. Heimlich träumt Iris allerdings davon, malen zu können. Ihr kleines Taschengeld investiert sie deshalb in Farben und statt zu schlafen, malt sie nachts. Als sie den Maler Louis Frost kennenlernt, der sie als Modell für sich gewinnen will, scheinen Iris‘ Träume plötzlich ganz nah. Was wäre, wenn Louis sich bereiterklärt, sie im Malen zu unterrichten? Hals über Kopf will Iris ihr bisheriges Leben aufgeben. Doch das stößt auf Ablehnung seitens ihrer Eltern und der Schwester. Ist Iris bereits, alles für ihren Traum zu opfern?

Diese kurze Inhaltsangabe des Romans gibt beileibe nicht alles preis, was „The Doll Factory“ kann. Iris schwebt schon bald in einer großen Gefahr, während im Hyde Park die Weltausstellung zum allerersten Mal tagt. Elizabeth Mcneal ist eine toller Romanmischung gelungen. Historische Elemente, damit verbunden auch der Klassiker einer starken Frau in einer von Männern dominierten Gesellschaft, eine spannende Nebenhandlung, die sehr schnell starke Auswirkungen auf die Haupthandlung hat, interessante Figuren … was will man mehr? Weiterlesen

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Steven Price: Die Frau in der Themse

1885 stirbt Charlotte Reckitt in London – doch wo ihr Leben endet, erreicht ihre Geschichte die Pointe. Wie ist sie gestorben? Ermordet. Vermutlich. Aber wer kann das schon so genau wissen? Sie war eine schöne Frau, stolz, unabhängig und vor allem eine Gesetzlose.

Im Leben war sie das Ziel zweier Männer: William Pinkerton, ein berüchtigter Dedektiv aus Amerika, und Adam Foole, ein Dieb und Gesetzloser, genau wie Charlotte. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein, doch nun werden sie gegen ihren Willen durch eines einander gebunden: Den Drang, den Mörder von Charlotte Reckitt zu finden.

Für Adam Foole ist sie die Vergangenheit: Eine teuflische Geliebte, die ihn bei seinen größten Verbrechen begleitete, die er aber seit Jahren nicht mehr gesehen hat.

Für William Pinkerton ist sie das Ende einer langen Suche, einer Besessenheit, denn sie hätte ihn zu einem Mann führen können, den schon sein Vater jagte: Edward Shade. Weiterlesen

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Imogen Kealey: Die Spionin

Paris, 1943: Die ehemalige Journalistin Nancy Wake genießt an der Seite von Henri Fiocca das mondäne Leben in Frankreich. Vordergründig ist sie eine wohlhabende junge Frau, im Hintergrund ist sie Teil der Widerstandsbewegung und wird von den Nazis gesucht. Doch niemand von ihnen ahnt, dass die „Weiße Maus“, nach der alle fahnden, eine Frau ist. Doch dann wird Henri festgenommen, da die Nazis ihm finanzielle Unterstützung des Widerstands in Frankreich nachweisen können. Henri ist schlimmster Folter ausgesetzt und Nancy muss in Ungewissheit um sein Leben nach London fliehen.

Nancy Wake ist geborene Australierin, die im Jahr 1912 zur Welt kam und erst im Jahr 2011 verstarb. Sie verhalf zur Zeit des Zweiten Weltkriegs Flüchtlingen über die spanische Grenze und war Teil der Résistance. Hinter Imogen Kealey verbirgt sich das Duo aus dem Drehbuchautor Darby Kealey und der Autorin für historische Romane, Imogen Robertson. Der Roman wird zurzeit mit Oscar-Preisträgerin Anne Hathaway verfilmt. Beschrieben wird die Zeit von Henris Festnahme bis knapp nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Dies geschieht überraschend klischeefrei und lebhaft. Längen sucht man in diesem Roman vergebens. Dabei ist Nancy genau die typische Figur eines historischen Romans: Eine Frau, die nicht ins Bild passt, statt Ballkleidern lieber Tarnmuster trägt und eine Waffe. Weiterlesen

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Carrie Callaghan: Die Nachtmalerin

Haarlem, 1633: Die junge Judith Leyster zeigt sich in ihrer Lehre zur Malerin talentiert und ist die erste, die Licht in die Dunkelheit gemalt hat. Doch als Frau im 17. Jahrhundert in den Niederlanden hat man nichts zu sagen. Der Gilde der Maler gehören bisher nur Männer an. Das allerdings möchte Judith nicht auf sich sitzen lassen. Sie bewirbt sich um einen Platz in der Gilde und mietet mutig ein kleines Atelier zum Malen an. Ihre Freundin Maria, die Tochter ihres Ausbilders und gleichzeitig Zimmergenossin von Judith, glaubt nicht, dass ihr Weg in der Malerei liegt. Sie hat gesündigt und muss dafür Buße tun. Doch niemand darf von ihrem Geheimnis erfahren, nicht einmal Judith.

Dieser kurze Abriss der Handlung lässt das übliche vermuten. Starke Frauenfiguren in einem historischen Roman voller mächtiger Männer – Klischees vorprogrammiert. Doch Carrie Callaghan folgt diesem üblichen Weg nicht. Die Lektüre von „Die Nachtmalerin“ ist sehr erfrischend und in meinen Augen klischeefrei. Mit Hilfe der Übersetzerin Sabine Schilasky ist ein gut zu lesender Roman entstanden, in dem man viel über die Malerei zur damaligen Zeit erfahren kann, ohne dass Langeweile aufkommt. Das Geschriebene ist kurzweilig und treffend formuliert, der Text hat keine unnötigen Längen. Weiterlesen

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Oliver Pötzsch: Faustus 02: Der Lehrmeister

Herbst, 1518: Vor sechs Jahren ist Johann Georg Faustus aus Nürnberg verschwunden. In den letzten Jahren war Faustus nicht sesshaft und ist mit Karl Wagner und Greta, der Tochter seiner verstorbenen Jugendliebe Margarete, als Zauberer und Gaukler durch das Land gezogen. Nie konnte er länger an einem Ort bleiben, denn sein ehemaliger Lehrmeister Tonio suchte ihn im ganzen Land. Doch auch andere Menschen werden auf Faustus aufmerksam, als das Gerücht aufkommt, dass er in der Lage sei, Gold herzustellen. Es beginnt eine Jagd durch das ganze Land …

Oliver Pötzschs „Der Lehrmeister“ ist der zweite Teil seiner Dilogie um „Die Geschichte des Johann Georg Faustus“. Der erste Band „Der Spielmann“ erschien im Herbst 2018 ebenfalls bei List. Zusammen umfassen die beiden Bände fast 1600 Seiten. Kaum zu glauben, dass man trotz der schieren Menge an Text vergeblich nach Längen sucht. Wie der erste Band ist auch „Der Lehrmeister“ durchweg interessant und spannend.

Der Geschichte wohnt eine ganz besondere Atmosphäre innen und innerhalb weniger Seiten hat man bereits das Gefühl, selbst ein Teil der Geschichte zu sein und viele der Erlebnisse am eigenen Leib zu erfahren. Weiterlesen

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Niklas Natt och Dag: 1794

St. Barthelemy, 1793: Der junge Erik Drei Rosen wurde von seinem Vater ins Exil geschickt und soll in der schwedischen Kronkolonie, die sich in der Karibik befindet, abgelenkt werden. Denn zu Hause in Schweden hatte er sich als Adeliger in die Tochter eines der Bediensteten verliebt. Bis zu seiner Volljährigkeit soll Erik auf St. Barthelemy verbringen, dann darf er selbst entscheiden, was er tut. Doch der Tod des Vaters kommt dazwischen und unverhofft kann Erik mit Hilfe seines Gönners Tycho Ceton  frühzeitig nach Schweden zurückzukehren, sein Erbe anzutreten und sein große Liebe Linnea Charlotta Colling zu heiraten. Doch in der Hochzeitsnacht kommt es zu einem schrecklichen Unglück und die junge Braut ist am Morgen nicht nur blutüberströmt, sondern auch maustot.

In Stockholm im Jahre 1794 setzt dann die Haupthandlung ein. Die Witwe Colling – ihr Mann verstarb über der Sorge um die tote Tochter – sucht Jean Michael Cardells Hilfe im Zusammenhang mit Linneas Tod. Sie glaubt einfach nicht, dass ihre Tochter in der Hochzeitsnacht in den Wald verschwunden sei und dort von einem Rudel Wölfe angefallen wurde. Cardell hat anfangs kein Interesse an dem Fall. Sein alter Partner Cecil Winge ist erst vor kurzem gestorben und mit solchen Kriminalgeschichten möchte er eigentlich nichts zu tun haben. Dann hat er eine seltsame Begegnung, es ist fast, als sei Cecil wieder am Leben! Denn er steht dessen Bruder Emil Winge gegenüber, der ihm fast wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Doch Emil jagen schlimme Geister und er kann kaum für sich selbst sorgen. Dennoch nehmen die beiden schließlich den Auftrag der Witwe Colling an. Weiterlesen

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Ellen Sandberg: Das Erbe

München, 2018: Als Mona einen Brief erhält, ist sie verwundert. Sie soll etwas von ihrer Tante, die sie kaum kannte, geerbt haben. Bestimmt ein schickes Schmuckstück, vielleicht sogar das wertvolle Gemälde aus Klaras Besitz. Doch Mona wird überrascht, denn Klara hat ihr das komplette Schwanenhaus mit mehreren Mietsparteien und ihrer eigenen Wohnung vermacht. Den ganzen Schmuck, das Gemälde und ein volles Bankkonto gibt es kostenlos oben drauf. Das kann nur für Ärger suchen, denn Monas Mutter, zu der sie kein gutes Verhältnis hat, war an dem Gemälde interessiert. Doch welches Geheimnis verbirgt das Haus wirklich?

München, 1938: Die 14-jährige Klara lebt mit ihrer Familie in einer schicken Mietswohnung im Schwanenhaus. Es gehört einem reichen Juden namens Roth und dieser sieht sich per Gesetz gezwungen, sein Hab und Gut abzugeben. Klaras Vater sieht seine Chance. Doch dann werden die Roths verhaftet und Klara bangt um die Zukunft ihrer Freundin Mirjam, der Tochter der Roths. Kurzerhand zwingt sie ihre Eltern, Mirjam bei sich aufzunehmen. Doch die Ruhe hält nicht lange an … Weiterlesen

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Sophia von Dahlwitz: Die Kunst und das Glück eines Sommers: Ein Paula-Modersohn-Becker-Roman

Ich mag die Bilder von Paula Modersohn-Becker und ich liebe Worpswede. Daher hatte ich mich auf dieses Buch von Sophia von Dahlwitz gefreut. Der Klappentext kündigt es an als „faszinierenden Roman über das Spannungsverhältnis von Kunst und Leben“.

Sophia von Dahlwitz ist das Pseudonym einer, laut Verlagsinfo, erfolgreichen deutschen Autorin. Mir erschließt sich allerdings nicht, warum man einen Roman über eine historische Persönlichkeit unter einem Pseudonym veröffentlicht, warum man als Autorin sich also nicht zu diesem Buch bekennen kann/möchte. Aber sie hatte vermutlich ihre Gründe…

Der Roman greift nur ein kleines Stück aus dem Leben der Malerin heraus, er erzählt von Begebenheiten im Sommer 1900, als sich etliche Kunstschaffende in Worpswede versammeln, darunter eben auch die junge Paula Becker. Zwischen ihr und dem frisch verwitweten Otto Modersohn bahnt sich eine enger werdende Beziehung an, was jedoch mehr von ihm als von ihr ausgeht. Paula selbst wäre auch den Annährungsversuchen des Dichters Rainer Maria Rilke nicht abgeneigt, der sie gleichfalls umwirbt.

Paula Becker kämpft um diese Zeit mit großen finanziellen Schwierigkeiten, ihr Vater kann und will sie nicht mehr unterstützen und drängt sie, einen „vernünftigen“ Beruf zu ergreifen. Gleichzeitig sehnt sich Paula danach, wieder nach Paris zu gehen, um dort zu malen und zu lernen. Weiterlesen

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Leena Lander: Die Gesichter des Meeres

Vor der Küste Irlands spielt sich an Heiligabend im Jahr 1895 eine Tragödie ab: Die finnische Fregatte Palme läuft bei stürmischer See auf eine Sandbank auf und erleidet Schiffbruch. Fünfzehn Männer aus der nahegelegenen Stadt Kingstown (heute Dún Laoghaire) kommen bei der Seenotrettungsaktion ums Leben.

Erzählt wird aus Sicht einer finnischen Schriftstellerin, die für einen Roman Recherchen über das Schiffsunglück der Palme anstellt. Sie kann sich an Erzählungen aus ihrer Kindheit von ihrem Großvater erinnern, der sich zum Zeitpunkt der Havarie auf der Fregatte befand. Außerdem hat sie im Nachlass ihrer Eltern einen Ordner des Großvaters mit Unterlagen des Seeunglücks gefunden, über das in der Familie nie gesprochen wurde. Viele Fragen, die sie dem Verstorbenen nicht mehr stellen kann, stehen nun im Raum. Ihr Ehemann Mikko, ein vor kurzem in Ruhestand getretener Marineoffizier, will sie bei den Recherchen unterstützen. Um sich einen Überblick zu verschaffen, sichtet die Autorin unter anderem Dokumente in Museen, Aufzeichnungen aus Büchern und alte Zeitungsberichte. Zusätzlich befasst sie sich mit Tagebüchern und Reisebriefen von Kapitänsfrauen aus vergangenen Zeiten. Immer wieder finden sich Einschübe verschiedenster historischer Belege wie einstige Schiffsmeldungen, Auszüge aus dem Lehrbuch der Seefahrt, dem Finnischen Seerecht oder alten Berichten der Irish Times in ihrem Romanprojekt. So ganz nebenbei erfährt man auch von einem  prominenten Zeitzeugen der Havarie, welcher kein anderer als der damals zwölfjährige James Joyce war, der sich später in seinem Roman Ulysses an das Geschehen zurückerinnert. Weiterlesen

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Marie Brunntaler: Wolf

Schrötten im Schwarzwald, 1820: Als der ein etwa 15-jähriger Junge in der Wildnis aufgegriffen wird, nehmen sich die Mönche im Kloster seiner an. Doch da es zu einem Zwischenfall kommt, kann Gabriel, wie sie ihn getauft haben, nicht bleiben. Er kommt zu einer Schröttener Bauersfamilie namens Steinhauer, bei denen der Mann gelähmt ist und nicht mehr an der täglichen Arbeit teilnehmen kann. Gabriel macht sich nützlich und beweist bald, dass er sich sogar mit Heilbehandlungen auskennt. Als sich die um einiges ältere Bäuerin schließlich in ihn verliebt, beginnen mysteriöse Dinge.

Marie Brunntaler hat mit „Wolf“ einen interessanten, kurzen Roman geschrieben. Auf nur gut 240 Seiten entfaltet sich recht rasch, ohne Umwege oder Längen, die Haupthandlung. Gabriel wird in der Natur aufgefunden, wirkt erst geistig zurückgeblieben, spricht dann aber ab dem zweiten Tag doch fließend. Wo er gelebt hat oder was er in den letzten Jahren gar getan hat, daran kann er sich nicht erinnern. Auch nicht daran, wer ihm sein medizinisches Wissen gelehrt hat. Er weiß diese Dinge, ohne genau zu wissen, warum. Das macht ihn von Anfang an mysteriös. Und er wickelt sehr schnell, viele der Bewohner und Bewohnerinnen Schröttens um seinen Finger. Weiterlesen

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