Kati Naumann: Was uns erinnern lässt 

Thüringen, 1945: Genau am beliebten Rennsteig im Thüringer Wald liegt das Hotel Waldeshöh. Es wird von der Familie Dressler betrieben und muss in den Nachkriegsjahren vorerst stillgelegt werden. Doch Johanna glaubt fest daran, dass sie eines Tages wieder einen normalen Hotelbetrieb sicherstellen können. Ihr Mann Arno kommt aus dem Krieg verändert wieder und Johanna muss erkennen, dass sie nun vielfach auf sich allein gestellt sein wird. Zum Glück hilft der fast erwachsene Sohn Werner tatkräftig mit.

Thüringen, 2017: Bei ihrer Suche nach einem von ihr so geliebten verloren Ort, an dem seit langem keine Menschenseele mehr war, stolpert Milla über einen verlassenen Keller. Hier findet sie Zeitzeugnisse aus den 1970er Jahren. Sie macht sich auf die Suche nach dieser Familie Dressler, der die Dinge zu gehören scheinen.

Wie zu erkennen ist, verläuft die Romanhandlung auf zwei Ebenen. In der Haupthandlung trifft Milla auf die Familie Dressler in der Gegenwart und lernt die nächsten Generationen kennen, deren Groß- und Urgroßmutter Johanna war. Milla selbst ist alleinerziehende Mutter und in einer Anwaltskanzlei beschäftigt. Als sie hört, dass die Dresslers in den 1970er Jahren zu DDR-Zeiten enteignet wurden und der schöne Forst ihnen gar nicht mehr gehört, ist ihr Interesse geweckt. Da müsste man doch Einspruch einlegen können. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

AJ Pearce: Liebe Mrs. Bird

London, 1941: Die 22-jährige, junge Emmeline Lake hat einen großen Traum. Sie möchte Kriegsreporterin für eine große Zeitung werden. Dafür, das hat sie schon gelernt, muss man allerdings kleine Brötchen backen. Erstmal fängt sie bei einer Zeitung an, die immerhin zu einer großen Verlagsgruppe zu gehören scheint. Doch beim Vorstellungsgespräch vergisst Emmeline die wichtigsten Fragen und findet sich deshalb wenig später in einer Redaktion wieder, die Leserbriefe von Frauen beantwortet. Naja, zumindest ein paar. Denn die Redakteurin Mrs. Bird sortiert gnadenlos alles aus, in dem beispielsweise Affären, sexuelle Gedanken, Orientierungen und andere vermeintlich anstößige Dinge vorkommen. Übrig bleiben dann belanglose Briefe, die belanglose Antworten in einem belanglosen Magazin erhalten. Emmeline beschließt, heimlich auf die aussortierten Briefe zu antworten – und sie unterschreibt sogar mit Mrs. Birds Namen! Das kann ja nicht lange gutgehen … Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Paula Brackston: Die Tochter der Hexe

England, 1627: Für Bess bricht eine Welt zusammen, als die Pest einen Großteil ihrer Familie dahinrafft. Sie selbst überlebt die Krankheit auf wundersame Weise. Von ihrer Familie ist nur ihre Mutter noch an Bess Seite geblieben und die beiden schlagen sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Doch dann taucht ein Hexenjäger in der Stadt auf und Bess‘ Mutter wird mit einer älteren Frau zusammen als Hexe angeklagt. Sie ist chancenlos und scheint tatsächlich einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu sein. In ihren letzten Minuten schickt sie die Tochter zu dem geheimnisvollen Gideon Masters, der ihr angeblich weiterhelfen kann.

England, 2007: Elizabeth lebt abgeschieden von einem kleinen Örtchen am Waldrand. Die Menschen scheut sie so gut es geht. Nur für das Allernötigste mischt sie sich unter die Bewohner. Als die Teenagerin Tegan sich für sie zu interessieren beginnt, ist das Elizabeth nicht gerade recht. Wie wird man lästige Beobachter und neugierige Mädchen los? Doch schon bald merkt Elizabeth, dass sie ihr bestgehütetes Geheimnis vielleicht vor Tegan nicht zu verstecken braucht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Snorri Kristjánsson: Blut und Gold

Irgendwo in Skandinavien, 970 n. Chr.: Die junge Helga Finnsdottir lebt als Ziehtochter beim Clan des Wikingers Unnthor Reginsson. Er hat seine vier Kinder zu sich gerufen und sie erscheinen mit ihren kompletten Familien. Karl, der Geldsorgen hat, der kräftige Bjorn, der schlaue aber zurückhaltende Aslak und die einzige Tochter, Jorunn, die nicht weniger stark als die Herren ist. Als alle zusammengekommen sind, wird schnell klar, dass sie mehrere Konflikte miteinander haben. Nach einer feuchtfröhlichen Nacht liegt dann eins von Unnthors Kindern tot in seinem Bett. Helga ist misstrauisch und versucht, herauszufinden, was in der vermeintlichen Mordnacht geschehen ist.

Snorri Kristjánsson versucht sich in „Blut und Gold“ an einer Art Detektivgeschichte zur Zeit der Wikinger mit weiblicher Protagonistin. Leider hat die Geschichte so gar nichts Spannendes an sich und plätschert komplett vor sich hin. Der einzige Grund, sie wirklich zu Ende zu lesen, ist die Suche nach dem Täter. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Beate Sauer: Der Hunger der Lebenden. Ein Fall für Friederike Matthée

Juni 1947: Im Bergischen Land, unweit von Köln, wird die Hofbesitzerin und ehemalige Polizistin Ilse Röder ermordet. Vier Schüsse direkt ins Gesicht haben ihre Schönheit zerstört, die viele Männer bewundert haben. Franziska Wagner, ein junges Mädchen mit einem langen Vorstrafenregister und viel Wut im Bauch, wird mit einer Pistole in der Hand neben der Toten gefunden. Für Hauptkommissar Heimerzheim, der die Ermittlungen leitet, ist der Fall klar, vor allem, als herauskommt, dass Ilse Röder für die Einweisung von Franziska Wagner in ein Polizeiliches Jugendschutzlager verantwortlich war. Zudem wurde Franziska Tage vor der Tat in der Nähe des Hofes gesehen. Doch Friederike Mathée von der weiblichen Polizei in Köln beginnt bald daran zu zweifeln. Sie fängt an – teilweise auch auf eigene Faust – Informationen über Franziska und über Ilse Röder zu sammeln. Bei einer Polizeiaktion lernt sie die kleine Elli kennen, die gemeinsam mit Franziska in einer verfallenen Fabrik Unterschlupf gefunden hat und Friederike ganz neue Facetten der jungen Frau zeigt. Und als die Obduktion ergibt, dass Ilse Röder vor Kurzem ein Kind geboren hat, obwohl ihr Mann in Russland vermisst wird, kommen neue Verdächtige ins Spiel. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Frank Goldammer: Roter Rabe

Dresden im Jahr 1951. Oberkommissar Max Heller lebt mit seiner Frau Karin und der kleinen Pflegetochter Anni im immer noch teilweise zerstörten Dresden. Die Polizei arbeitet wieder als Polizei, aber so richtig unabhängig fühlt sich Heller nicht. Hängt doch viel von den neuen Herren ab, denen er sich so gar nicht anschließen möchte, wie er das auch in der Nazizeit schon nicht getan hat. Er hat das Gefühl, das manche Ermittlungsarbeit politischem Kalkül zum Opfer fällt. Gerade aus einem unerwartet genehmigten Ostseeurlaub zurück, erhält seine Frau Karin ebenso unerwartet die Erlaubnis, den in Köln lebenden Sohn zu besuchen. Aber nur sie. Max bleibt mit Pflegetochter Anni zurück. Und ausgerecht zu der Zeit, kommt ein neuer zeitfressender Fall auf ihn zu. Zwei der Spionage verdächtige Männer sterben in der Haft. Es sieht nach Selbstmord aus, aber die beiden waren doch Zeugen Jehovas? Kann es sein, dass gläubige Menschen den Freitod wählen? Heller ermittelt und plötzlich kommen immer mehr mysteriöse Tote dazu. Hier ein Schlaganfall, da ein seltsamer Unfall, was geht hier vor. In der Stadt geht das Gerücht um, ein „Amerikaner“ würde in Dresden spionieren, um den letzten Schlag vorzubereiten, vielleicht sogar die Atombombe, die 1945 Deutschland nicht mehr traf? Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jan Wiechert: Scheidung mit dem Beil

Der historische Kriminalfall um Maria Dorothea Huther ist ein Buch aus der Regionalgeschichtenreihe des Gmeiner Verlags. Autor Jan Wiechert hat sich mit den im Hohenlohe-Zentralarchiv gelagerten Dokumenten befasst und sich dem Inhalt der Strafprozessakte gegen die 1777 des Mordes an ihrem Ehemann verdächtigten Maria Dorothea Huther angenommen.

Maria Dorothea Huthers getöteter Mann Peter war Wanderhandwerker und übte den Beruf eines Schmierbrenners aus. Er wurde tot und übel zugerichtet von zwei Bauern auf deren Feld neben zwei zuvor entwendeten Pflugsägen aufgefunden.

Jan Wiechert beleuchtet mit seinem daraus entstandenen zeitgenössischen Text einführend geschichtliche und geografische Hintergründe und zeigt eben diese Mordermittlungen aus dem 18. Jahrhundert auf. Die Informationen aus der Strafprozessakte sind exakt übernommen und unverfälscht wiedergegeben.

Die Möglichkeiten zu einer objektiven Beweisführung in der damaligen Zeit waren begrenzt und mit der oberflächlichen Untersuchung von Tatort und der Obduktion der Leiche weitgehend erschöpft. So mussten weiterführende Zeugenbefragungen und Vernehmungen von Verdächtigen geführt werden. Auf den ersten Seiten werden sämtliche dieser später in der Mordakte auftauchenden Personen aufgelistet. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Bernard Cornwell: Narren und Sterbliche

Wer hätte erwartet, dass Bernard Cornwell einmal einen Roman über William Shakespeare schreibt? Für mich ist das jedenfalls eine der positivsten Überraschungen des Jahres.

Bisher ist Cornwell vor allem für historische Romane bekannt, die von Kriegern und Kämpfern handeln. So spielt die Uhtred-Saga im tiefsten Mittelalter und erzählt vor dem Hintergrund der Entstehung des heutigen England von einem Krieger, der um sein rechtmäßiges Erbe kämpft. Die wohl noch bekanntere Sharpe-Serie des Autors wiederum begleitet den britischen Soldaten Sharpe in die kriegerischen Auseinandersetzungen zur Zeit Napoleons. Sehr gute und spannenden Romane, die zeigen, dass Cornwell ein erstklassiger Autor ist. Alle leben aber auch davon, dass er es hervorragend versteht, Kämpfe und Schlachten ausgesprochen realistisch zu schildern.

‚Narren und Sterbliche‘ ist ganz anderes. Hier gibt es keine Kämpfe. Hier gibt es keine Krieger und auch keine sonstigen dramatischen Auseinandersetzungen. Es geht vielmehr um die Entstehung des Theaters, die Ende des 16. Jahrhunderts begann. Zur Zeit Shakespeares wurden in London die ersten festen Schauspielhäuser gegründet, aus denen sich im Laufe der Zeit das entwickelte, was wir heute kennen, wenn wir ‚ins Theater‘ gehen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Francesco Vidotto: Der Klang eines ganzen Lebens

Fabro wird Anfang November 1925 in einem Bergdorf in den Dolomiten geboren. Die Welt dort oben ist unwirtlich. „In jenem Herbst war es so kalt, dass die Betten hart waren wie Holz.“ Deshalb verlegt die Großmutter die Geburt kurzerhand in den Kuhstall, wo es zwischen den Kühen Mosca, Dama, Nobila und America warm und fast schon gemütlich ist.

Die Geborgenheit in der Familie prägt Fabros Leben. Der Vater ist Hufschmied und „ein guter Mensch“, der niemandem etwas abschlagen kann. Von der Schule hält er allerdings nicht viel: „Er sagte, dass man Bücher nicht essen kann und dass es besser ist, dumm zu leben, als gescheit zu sterben.“ Aber weil er seine Frau liebt und sie keinen größeren Wunsch hat, als dass ihr Sohn lesen und schreiben lernt, gibt er schließlich nach.

Fabro ist kein guter Schüler, aber mit Hilfe seiner Freundin Rina, schafft er den Abschluss nach der fünften Klasse und beginnt danach, seinem Vater in der Werkstatt zur Hand zu gehen, denn das Geld ist knapp. Als Rina heiratet, trifft ihn das hart. Doch sie war schon lange einem anderen Mann versprochen, da ist nichts zu machen und über seine Emotionen zu sprechen fällt ihm nicht leicht. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alma Katsu: The Hunger – Die letzte Reise

Springfield, Illinois im Jahr 1846: Die „Donner Party“ eine Gruppe von Familien mit Kindern, die von dem Donner-Clan angeführt wird, macht sich auf den Weg nach Kalifornien. Alle sind sich im Klaren, dass die Reise keine leichte sein wird. Doch so beschwerlich, wie sie sich dann herausstellt, hat sie sich niemand vorgestellt. Schon bald wird ein Junge des Trecks unweit des Lagers tot aufgefunden. Er ist seltsam verstümmelt, die Wunden sind aber keinem Tier, das die Anwesenden kennen, zuzuordnen. Schon bald werden Männer entsandt, die das Monster stellen sollen. Unterdessen bewegt sich die Menschengruppe immer weiter auf einen Gebirgspass zu, der als besonders gefährlich gilt.

Alman Katsus Roman, der eine Mischung aus historischer Geschichte und Thriller bietet, ist von der ersten Seite an sehr atmosphärisch dicht geschrieben. Die Donner Party hat es wirklich gegeben. Sie wanderte die im Roman beschriebene Strecke nach Westen mit 87 Personen, 34 von ihnen überlebten die Reise nicht, da die Gruppe in den Bergen vom Winter überrascht wurde. Es ist überliefert, dass es zu kannibalistischen Handlungen kam. Ein Monster findet sich in den Aufzeichnungen der Siedler nicht – aber wer sagt, dass es dieses nicht doch gegeben hat? Auf dieser Frage baut Alma Katsu ihre Geschichte auf. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: