Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte

Am Morgen des 3. Mai 1977 kommt die sechzehnjährige Lydia nicht zum Frühstück. Das Bett in ihrem Zimmer ist unberührt. Wohin sie gegangen ist und warum sie nie zurückkehren wird, bleibt für ihre Familie teilweise ein Rätsel. Die Eltern James und Marilyn, ihr Bruder Nath und ihre kleine Schwester Hannah müssen lernen, ohne Lydia weiterzuleben. Vorwürfe, Schuldgefühle, das Nichtgesagte wuchern in der Familie wie bösartige Geschwüre, bis sie anfangen, wieder aufeinander zu achten und miteinander zu reden.

Mit ihrem Debütroman hat die amerikanische Autorin Celeste Ng den Nerv vieler Leser getroffen. Ihr Leitthema ist die Suche nach Anerkennung und dem Finden der Balance zwischen Gruppenzwang und Anderssein.

In dem Familiendrama geht es um viel mehr als um die Auflösung des Rätsels, warum Lydia nicht mehr nach Hause kommt. Es geht um ein Überleben in einem Amerika der 60er und 70er Jahre. Weiterlesen

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Bernd Gieseking: Früher hab‘ ich nur mein Motorrad gepflegt

Von einem, der auszog, um seinen alten Eltern zu helfen. Genau! Und dies betrifft uns alle, die wir in „diesem“ Alter (noch) verweilen. Eben in dem Alter, in dem sich der Autor auch befindet. Da eben, wo man sich noch fit fühlt, einem manchmal (noch) die Welt gehört und erste Alterswehwehchen am Tresen einfach weggetrunken werden. Mit „Prostata die Herren“ und ähnlichen Sprüchen! Tja, irgendwann fällt einem auf, das die Eltern nunmehr über achtzig sind. Das kann man eine Zeit lang ignorieren oder nicht ernst nehmen, oder schlimmer noch, hoffen, dass da Geschwister sind, die Verantwortung abnehmen. Nicht so Bernd Gieseking: er stellt sich. Und das ist so rührend, dass einem manchmal die Tränen kommen, bei all der Sitcom im Hause Gieseking. Ur – Westfalen aus der Nähe von Minden. Kauzig manchmal, aber im Kern herzlich und liebevoll. Nur nicht alles sofort zeigen. Weiterlesen

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Franz Hohler: Ein Feuer im Garten

Der Schweizer Franz Hohler (Jahrgang 1943) ist Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher. Für seine Werke wurde er mehrfach ausgezeichnet und gilt in seinem Heimatland als bedeutender, zeitgenössischer Erzähler. Bei btb erschienen am 13. November 2017 seine Kurzerzählungen „Ein Feuer im Garten“ als Taschenbuch.

Darin 52 kurze und knappe Geschichten über Alltagsbeobachtungen des Autors. Beginnend mit der Titelgeschichte „Ein Feuer im Garten“, in der ein kleiner, dreijähriger Junge, hingerissen von der Dichterinnen Erzählung über ein Feuer im Garten, davonläuft, um die Geschichte selbst zu erleben. Danach folgen mehrere Miniaturen über Erlebnisse des Autors Franz Hohler entweder in Zürich, wo er lebt und arbeitet, oder auf seinen Reisen (bevorzugt Lesereisen). Weiterlesen

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Mark de Jager: Der Fluch des Feuers

Ein einsames, karges Feld im Nirgendwo. Hier wacht er auf, weiß nicht, woher er kommt, wohin er will, ja nicht einmal, wer er ist. Er ist gelähmt, bis ihm ein Diakon dabei hilft, die Herrschaft über seinen Körper zu erlangen. Sein Körper ist riesig, seine Kräfte immens, seine Hautfarbe schwarz. In seinem Geist verbirgt sich eine reißende Bestie, die Appetit auf menschliches Fleisch hat – und, so sie bei Laune ist, auch eine magische Gabe offenbart. Ist er, der sich Stratus nennt, also ein Hexer, oder doch ein Dämon?

Im Königreich Krandin trifft er auf die letzte der Sippe der Henkman – einst kirchliche Streiter ohne Fehl und Tadel, Dämonenschlächter und Drachentöter. Jetzt ist Tatyana, die letzte der Familie, die Leibwächterin des Prinzen Lucien. Irgendetwas regt sich in ihm, als er den Namen Henkman hört – etwas Altes, etwas Finsteres, etwas, das auf Rache aus ist. Weiterlesen

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Volker Kutscher: Moabit

Moabit erzählt Charlies Geschichte und ist eine gelungene Ergänzung zu der Gereon Rath Serie des gleichen Autors. Lotte Ritter ist die Tochter eines Beamten des Gefängnisses Moabit. Ihr Vater ist ehrlich, gerade heraus und möchte aus seiner Tochter mehr machen, als er ist, denn er erkennt ihre Auffassungsgabe. Die Geschichte wird in drei Kapiteln aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt, eines Gefängnisisassen, des Vaters und zum Schluß Lotte, der wir beim Erwachsenwerden und bei ihrer Verwandlung zu Charlie quasi zusehen können. Es wird klar, wie es ihr gelungen ist, als Frau in den Polizeidienst zu kommen und es wir auch klar, warum sie das überhaupt wollte.

Zusammen mit den wirklich tollen Illustrationen hat das Buch nur 80 Seiten, aber die sind wirklich gelungen. Weiterlesen

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Mark Douglas-Home: Sea Detective 02: Der Sog der Tiefe

Ein anonymer Brief erklärt der 26-jährigen Violet, wer ihre Mutter war. Einen Tag nach Violets Geburt soll Megan ins Meer gegangen sein. Nur ihre Handtasche und den Hut fand man am Strand von Poltown. Nun begibt sich Violet auf die Suche nach ihrer Mutter und Zeitzeugen. Es muss doch einen Grund geben, wenn eine Mutter mit einem angeblichen Freitod ihr Neugeborenes verlässt.

In der überschaubaren schottischen Gemeinde Poltown fällt sie als Fremde sofort auf.  Dort ist gerade ein Streit zwischen den Bewohnern entbrannt, ob in ihrer unberührten Natur ein Windpark errichtet werden soll. Neue und alte Interessenkonflikte, Erpressung und Gewalt teilen die Bewohner in zwei Lager. Violets Fragen und die Hilfe eines weiteren Fremden, Cal McGill, bringen das fragile Machtgefüge innerhalb des Ortes aus dem Gleichgewicht. Selbstverständlich wird ihre hartnäckige Recherche als Einmischung verstanden, die nur eine Antwort zulässt. Weiterlesen

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Kent Haruf: Lied der Weite

Abermals wählt Kent Haruf wie bereits in seinem vorangegangenen Buch „Unsere Seelen bei Nacht“, die fiktive Stadt Holt in Colorado als zentralen Ort seiner Romanhandlung. Diese Kleinstadt mit seinen Menschen die er dort ansiedelt, entspricht überzeugend der Lebensrealität im Mittleren Westen der USA. Es sind die Lebensausschnitte während eines knappen Jahres von  sieben Protagonisten aus Holt mit authentisch wirkenden Dialogen und treffend zugeschnittenen Charakteren, die der Autor schildert.

Die Handlungen drehen sich zum einen um die beiden neun- und zehnjährigen Brüder Bobby und Ike. Sie müssen miterleben, wie ihre depressive Mutter sich dem Familienleben immer weiter entfremdet und entzieht und die Familie schließlich verlässt. Weiterlesen

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Alex Kava: Sturzflug

Ein Afghanistanveteran, der sich aus dem 19. Stockwerk eines Hotels in den Tod stürzt. Ein See, bedeckt mit Hunderten von toten Wasservögeln. Mysteriöse Grippefälle in New York und Chicago – was haben all diese Vorfälle miteinander zu tun? Alex Kavas spannender Thriller nimmt sich des brandheißen Themas „Biowaffen“ an. Durch den spannenden Plot führt uns einer der wohl sympathischsten Ermittler der momentanen Krimiliteratur: Ryder Creed, ausgebildeter Trainer für Spürhunde, gewinnt samt seinen vierbeinigen Kollegen nicht nur das Herz der FBI-Profilerin Maggie O’Dell, sondern auch das der Leser.

Ein schweißüberströmter Mann irrt durch New York. Er hustet blutigen Auswurf in ein Taschentuch. Ob Fahrstuhlknöpfe, Speisekarten, Türklinken… er wurde instruiert, möglichst viele Flächen zu berühren. Doch als ihn im Restaurant ein kleiner Junge darum bittet, ihm einen Strohhalm zu reichen, zögert der Mann. Dient das, was er hier tut, wirklich einer guten Sache?

Gleich im ersten Kapitel schafft Autorin Alex Kava ein bedrohliches Szenario, das seine Leser in seinen Bann zieht. Weiterlesen

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Karl Olsberg: Boy in a White Room, gelesen von Björn Beermann

Manuel wacht in einem weißen Raum auf. Er weiß noch nichts, nicht einmal, dass er Manuel heißt. Seine einzige Gefährtin ist die computergenerierte Alice – und er hat das Internet. Stück für Stück versucht er herauszufinden, was geschehen ist. Seine Mutter und er wurden überfallen. Er wurde verletzt. Er liegt im Koma, deswegen gab sein Vater ihm die Möglichkeit, in dieser virtuellen Welt zu überleben. Er hat dort alles, was er braucht, inklusive einer ganz eigenen Welt, die auf dem Herrn der Ringe basiert. Dort könnte er bleiben und werden, was immer er möchte. Nur in die Realität kann er nicht zurück. Will Manuel das? Und wer ist das geheimnisvolle Mädchen, dass er in Lifestreams entdeckt, dass ihn zu kennen scheint und an das er sich zu erinnern glaubt. Weiterlesen

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John Fante: Der Weg nach Los Angeles (1936)

In den 30er-Jahren geschrieben, in den 80ern erstmals veröffentlicht, jetzt von Alex Capus hervorragend und mit viel Liebe zum Detail neu ins Deutsche übersetzt – das ist John Fantes erster Roman „Der Weg von Angeles“, den immerhin der große Charles Bukowski zum Besten gerechnet hat, was die amerikanische Literatur je hervorgebracht hat.

John Fante (1909-1983) beschreibt das Leben seines Alter Egos, Arturo Bandini, bei dem Eigenwahrnehmung und Realität etwas auseinanderdriften, um es einmal vorsichtig auszudrücken: Bandini hält sich selbst für einen großen Denker und für den größten Schriftsteller aller Zeiten, arbeitet dem zum Trotz aber in einer Fischfabrik und kommt jeden Abend stinkend zu Mutter und Schwester nach Hause. Vor allem die Schwester verachtet ihn und es gibt täglich Streit. In der Fischfabrik wird er zum Einstand verprügelt und würgt sich wegen des Gestanks, der dort herrscht, die Seele aus dem Leib. Weiterlesen

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