Marianne Kaurin: Irgendwo ist immer Süden

Das Leben ist kompliziert, wenn man elfeinhalb und erst seit einem Jahr in der Klasse ist. Wenn man in einem heruntergekommenen Block des Tyllebakken Bauvereins wohnt mit einer Mutter, die immer müde ist und nicht arbeitet.

Es ist der letzte Tag vor den Sommerferien. Ina ist noch immer ohne Freunde und wünscht sich sehnlichst, Teil der Gruppe um Mathilde und Regine zu sein. Sie sind die coolsten Mädchen. Doch Ina ist für sie entweder unsichtbar oder – viel schlimmer – ein Grund zur Belustigung. Alles andere als cool ist auch Vilmer, der ab dem nächsten Schuljahr in ihre Klasse gehen wird und sich schon mal vorstellen soll. Sein hässliches T-Shirt und die viel zu große Hose lassen ahnen, wo er neu hingezogen ist: Nach Tyllebakken. Güllebakken, spotten die anderen. Mathilde schlägt vor, dass alle in der Klasse erzählen sollen, was sie in den Sommerferien Tolles vorhaben. Eine geplante Reise klingt großartiger als die andere – Ina bleibt nichts anderes übrig als zu flunkern. Sie behauptet, in den Süden zu fahren. Dabei wird sie nirgendwohin reisen, sie kann froh sein, wenn die Mutter es schafft, jeden Morgen aufzustehen. Damit die Mutter sich keinen Kummer macht, weil Ina keine Freunde findet, hat Ina sich eine beste Freundin ausgedacht, Maria. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Tuul & Bruno Morandi: Katzen: Samtpfoten aus aller Welt

Tuul und Bruno Morandi reisen seit Jahren um die ganze Welt. Als Reisefotografen haben sie ein ganz bestimmtes Motiv immer wieder aufgenommen: die Katze. Als begeisterte Katzenliebhaber sammelten sie im Laufe der Zeit viele einzigartige, besondere und eindrucksvolle Bilder der Samtpfoten. Um ihnen den Ehrenplatz zu geben, den sie verdienen, wurde dieses Buch erstellt.

Diese Mischung aus Fotobuch, Poesiealbum und Reiseführer ist wahrscheinlich das gelungenste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Die Fotos zeigen niedliche, spannende und künstlerische Momentaufnahmen, gleichzeitig bekommt man einen tiefen Einblick in die Straßen der ganzen Welt, in enge Gassen von Marokko, Mauern mit Meerblick in Griechenland und Katzentempel in Japan. Nicht nur die Katzen aus aller Welt sind das Motiv, auch die Menschen, die sie begleiten werden oft mit ihnen dargestellt. Das Buch ist zauberhaft, die farbprächtigen Bilder aus Alltagssituationen nehmen den Leser mit auf eine Reise um die Welt.

Neben den Fotos beinhaltet das Buch passende Gedichtauszüge und lyrische Zitate, die die Bilder unterstützen und ihre Wirkung mit Worten hervorheben. Auch viele Informationen über die Katze selbst werden auf einigen Seiten zusammengefasst, der Leser bekommt einen Einblick, wie die Tiere sich in aller Welt verbreiteten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Jennifer Estep: Elemental Assassin 14: Spinnenrache

Seit einigen Monaten ist Gin Blanco, die Spinne, wie sie sich als Auftragsmörderin genannt hat, die Verbrecherfürstin von Ashland. Allerdings erweist sich der Job doch als viel herausfordernder, als gedacht. Die Bürokratie, die Fähigkeit Seelenmassagen zu verteilen und ausgleichend zu wirken ist Gin nun wahrlich nicht in die Wiege gelegt. Und genau das wird nun von ihr gefordert. Da war es ihr wahrlich lieber, als die Gangster noch fast jeden Tag Anschläge auf sie verübt hatten.

Doch bald sehnt sie sich nach der ruhigen Zeit mit den Ganoventreffen zurück. Eine betörend schöne, verruchte und hoch gefährliche Frau ist nach Ashland zurückgekehrt, eine Frau, die eigentlich auf dem örtlichen Friedhof begraben liegt. Deirdre Shaw erobert die Herzen der Männer im Sturm – und insbesondere das Herz von Gils Pflegebruder Finn – offenbart sich Deirdre doch als dessen leibliche Mutter …

Die Geschichte um Gin Bianco, die sich als Auftragsmörderin „die Spinne“ in Ashland einen Namen gemacht hat, geht in ihre vierzehnte von bislang im Original neunzehn Runden. Dabei bleibt die Autorin ihrem Handlungsschema treu – sprich, Gin legt sich mit offensichtlich weit überlegenen, finsteren Gegnern an, und gerät ein ums andere Mal in Todesgefahr. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Maylis de Kerangal: Porträt eines jungen Kochs

Auf gerade mal 94 Seiten lesen wir von fünfzehn Lehrjahren des jungen Kochs Mauro. Es ist ein Blick hinter die Kulissen von Gastronomie und Haute Cuisine, die Leidenschaft, Entbehrungen und ungemeine Disziplin der Akteure erfordert .

Mauros Weg ist nicht geradlinig, er führt ihn durch verschiedene Stationen, in denen er mal kürzer, mal länger verweilt und dann wieder weiterzieht.

Sein Faible für Backen und Kochen entwickelt er bereits in jungen Jahren, wo er seinen Freunden und Mitschülern eigene Kreationen kredenzt.

Nach dem Sabbatjahr seines Erasmusstudiums kehrt Mauro von seinen vielen Reisen zurück in seine Stadt Paris, wo Kulinarik einen besonderen Stellenwert einnimmt. Sein Ziel ist es, sich in den Spitzenküchen der Metropole weiterzubilden – auch ohne Verdienst.

In einem luxuriösen Sterne-Restaurant an der Rückseite des Montmartre öffnet sich dem jungen Mann eine gänzlich neue Welt. Drei Wochen hält er die Tortur mit Erniedrigungen dort aus, bevor er einfach geht und gleich darauf als Jungkoch eine Festanstellung mit Mindestlohn in einer Brasserie erhält. Aber auch hier ist sein Einsatz hinterm Herd ein Job ohne feste Arbeitszeiten mit kaum Freizeit und einer strengen Ordnung, der er sich zu unterwerfen hat. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anne Stern: Fräulein Gold. Schatten und Licht

Am 24. Mai 1922 wird nachts in Berlin eine alternde Prostituierte über die Brüstung einer Brücke gestoßen. Sie ertrinkt unbemerkt im Fluss. Jeder aus dem Milieu, der die fixe Rita kannte, denkt sofort an Mord. Doch die Polizei will lieber an Selbstmord glauben. Täglich stößt die Hebamme Hulda Gold auf große Not. Sie kann einfach nicht wegsehen und muss aus einem inneren Bedürfnis heraus helfen. Als sie von einer Patientin erfährt, die angeblich ertrunkene Frau sei ihre Nachbarin und Freundin gewesen, wird Hulda neugierig. Und je mehr sie den Unstimmigkeiten nachgeht, um so mehr schreckt sie die falschen Leute auf. Auch ihre Begegnung mit dem ermittelnden Kommissar hat Folgen.

Die Berlinerin Anne Stern hat mit ihrem Roman Fräulein Gold Schatten und Licht den ersten Band einer Reihe vorgestellt, der den Leser in die Nachkriegszeit führt, in der die Folgen des Ersten Weltkriegs zum Alltag gehören. Statt für die Einhaltung von Menschenrechten zu sorgen, bekämpfen sich die politischen Vertreter bis aufs Blut. In diesem Machtvakuum übernimmt der Skrupellose die Regie. Die Metropole Berlin in der Zeit der Goldenen Zwanziger hat sich zu einer Arena für unterschiedliche Interessen entwickelt. Vor diesem politischen und gesellschaftlichen Hintergrund dürfte die Autorin auf reichlich Stoff stoßen, die eine alleinstehende, engagierte junge Frau in spannende Abenteuer und Schwierigkeiten verwickeln kann. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Andrea Schomburg & Irmela Schautz: Der geheime Ursprung der Wörter

Wer weiß schon, woher das Wort „Schlamassel“ kommt? Oder wo die Herkunft des Ausdrucks „Blaustrumpf“ liegt. Die Antworten auf diese Fragen findet man in dem witzigen und wunderschön gestalteten Buch von Andrea Schomburg, die für die Texte verantwortlich ist und Irmela Schautz, die die kleinen, herrlich passenden Zeichnungen geschaffen hat.

Und nicht nur das: Die Lektüre dieses ansprechenden Buchs, das sich perfekt als Geschenk eignen würde, wird zum Spiel. Zu jedem der oft altmodischen, manchmal fast der Vergessenheit anheimgefallenen Wörter bieten die Autorinnen vier alternative Erklärungen der Herkunft. Und es ist an der Leserin, zu erraten – so sie es denn nicht tatsächlich weiß – welche wohl die richtige ist.

Woher stammt der Ausdruck „hanebüchen“? Hat er etwas zu tun mit dem knorrrigen Holz der Hainbuche? Oder geht er zurück auf die Bücher des Ulrich Han aus Ingolstadt? Oder könnte er von den Brüdern Grimm hergeleitet sein, ausgehend von „Büchern aus Hanau“? Oder resultiert  hanebüchen aus einem Aprilscherz? Die Lösung verrate ich hier natürlich nicht. Die Erklärungen sind allerdings so herrlich komisch, so unglaublich absurd, dass man entweder keine oder alle für möglich halten mag. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Benjamin Myers: Offene See

Dies ist ein Tipp des  Buchhändlers meines Vertrauens. Er hat sich bei mir selten geirrt. Bei „Offene See“ war ich anfangs nicht so sicher, vielleicht lag es daran, dass uns momentan so viel quält, eben die Corona Auswüchse in allen Bereichen des Lebens. Aber nach und nach, und das ist das Gute bei der Literatur, vergisst man zeitweise über die Lektüre den ganzen Scheiß um sich herum. Es ist die Geschichte (als Ich-Erzählung) des Robert Appleyard, der sich 1946 auf den Weg macht. Ich betone „auf den Weg macht“! Denn darum geht’s: er verlässt nach den traumatisierenden Kriegsjahren als 16 Jähriger sein Elternhaus in Nordengland, die Gegend der Schlote und Kohlereviere – weil  Robert eben (noch) keine Lust hat  auf den Schacht, wie vorher sein Vater, etc.. Er wandert seiner Nase nach und erreicht irgendwann das Meer. Unterwegs lebt er als Tagelöhner, Erntehelfer, Zimmermann, eben alles was so kommt.

Eines Tages folgt er einem Pfad, der immer dichter und undurchdringlicher wird und doch liegt überraschenderweise am Ende des Weges ein Häuschen. Dulcie lebt hier, doppelt so alt wie Robert und wie sich nach und nach herausstellt, über alle Maßen klug und unkonventionell. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Tilman Spreckelsen: Die Nordseefalle

Es ist der vierte Band der Theodor-Storm-Krimi-Reihe, die Tilman Spreckelsen im Juni 2020 vorlegt. Und um es gleich vorwegzunehmen: Erneut gelingt es dem Autor  einen Krimi zu schreiben, der durch angemessene und geschickt aufgenommene Details einen Bezug zu den historischen Begebenheiten in Nordfriesland herstellt.

Die Verknüpfung von Fiktion und wahrer Geschichte gelingt, weil sich der Autor einer präzisen Sprache bedienen kann, dank deren Ausdruckskraft der Leser mit dem Protagonisten mitfiebern kann.

Spreckelsen wurde 1967 in Kronberg im Taunus geboren. Er arbeitet als Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Tilman Spreckelsen hat bereits mehrere Anthologien mit Gedichten und Geschichten veröffentlicht. Sein erster Storm Krimi, „Das Nordseegrab“ erschien 2015 im Fischer Verlag. Offensichtlich hat er sein persönliches Krimigenre gefunden. Auch darum weil der Leser spürt, dass Tilman Spreckelsen weiß, worüber er schreibt. Seine Beschreibungen Husums und Nordfrieslands im Jahr 1844 wirken authentisch. Gekonnt nimmt er den Lesenden mit in diese Zeit. Dabei gibt der Autor Einblick in die Legenden, Lebensgewohnheiten und Denkstrukturen dieser Küstenlandschaft. Der studierte Germanist und Historiker legt  wert darauf, seiner Leserschaft die  „graue Stadt am Meer“ einladend zu beschreiben. Dabei helfen ihm seine Protagonisten der Anwalt Theodor Storm und sein Schreiber Peter Söt, aus dessen Sicht der Plot geschrieben ist. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Karine Tuil: Menschliche Dinge

Was passiert, wenn die Welt der Reichen, Schönen und Erfolgreichen plötzlich Risse bekommt, das seziert die 1972 geborene französische Autorin Karine Tuil aufs Allerfeinste.

In ihrem sehr lesenswerten Roman „Menschliche Dinge“ sieht sich der Elitestudent Alexandre Farel plötzlich mit einem Vergewaltigungsvorwurf konfrontiert. Er stammt aus einem priviligierten Elternhaus, in dem der berufliche Erfolg über allem steht. Sein Vater ist der egoistische und skrupellose Fernsehmoderator Jean, der sich mit deutlich jüngeren Geliebten vergnügt und für den beruflichen Erfolg über die sprichwörtlichen Leichen geht. Seine Mutter ist die erfolgreiche feministische Sachbuch-Autorin Claire. Auch diese beiden Figuren und ihr (verkorkstes) Liebesleben spielen eine zentrale Rolle im Roman.

Dann läuft eine Party, bei der Drogen und Alkohol im Spiel sind, aus dem Ruder. Alexandre bedrängt die völlig unerfahrene Mila sexuell, die aus einem streng gläubigen jüdischen Elternhaus stammt. Sie ist völlig verzweifelt und erstattet Anzeige. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Nadia Terranova: Der Morgen, an dem mein Vater aufstand und verschwand

Ständig werden Menschen vermisst, viele von ihnen tauchen in absehbarer Zeit auf. Und dann gibt es die Menschen, die scheinbar spurlos aus dem Leben ihrer Familien verschwinden. Ida kann sich noch gut an den Morgen erinnern, als ihr Vater verschwand. Um 6.16 Uhr klingelte sein Wecker. Er schlug so fest auf ihn, dass er stehen blieb. Sebastiano stand auf, kleidete sich an und ging wortlos aus dem Haus. Als Ida kurz darauf aufwachte und sich für die Schule fertig machte, bemerkte sie das Fehlen des Vaters. Sie ahnte Schlimmes, doch die Dreizehnjährige beschloss, abzuwarten und zur Schule zu gehen. Inzwischen sind dreiundzwanzig Jahre vergangen. Der alte Wecker steht noch immer auf 6.16 Uhr, und das Bett des Vaters ist leer. Ida fühlt sich schuldig und kann den Verlust nicht überwinden.

So bald wie möglich zog sie nach Rom und heiratete. Inzwischen will ihre Mutter aufräumen, die einst gemeinsame Wohnung instandsetzen lassen. Eher widerwillig fährt Ida von Rom nach Messina.

„… Ich war naiv genug gewesen, zu glauben, dass wir ohne die Bosheiten auskommen würden, die jahrelang geschwiegen hatten, doch weder die Distanz noch das Alter hatte die Wut eindämmen können, die uns verband.“ (S. 106)

Mit den Instandsetzungsarbeiten wird auch die schwierige Mutter-Tochter-Beziehung bearbeitet. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: