Hannah Lynn: Wer will schon ewig leben

Was für ein aberwitzig witziges Buch. Die Autorin lässt ihrer überbordenden Fantasie freien Lauf und heraus kommt ein gelungener Roman um einen seit 200 Jahren in der Zwischenwelt festsitzenden armen Tropf.

Dieser arme Kerl heißt Walter Augustus und er hängt so lange in dieser Zwischenwelt fest, so lange sich auf der Erde noch irgendjemand an ihn erinnert. Nun hat er Aussicht auf Aufstieg ins Jenseits, denn die letzte Nachfahrin seiner Familie liegt im Sterben und Walter hat die große Hoffnung, dass sich danach niemand mehr an ihn erinnern wird. Doch er hat sich zu früh gefreut. Denn Walter, seinerzeit Hufschmied von Beruf, hat zu Lebzeiten Gedichte verfasst, die ein wohlmeinender Adliger heimlich drucken ließ. Aufgrund eines, nennen wir es Unfalls, bleibt von diesen Bänden nur ein einziger erhalten. Und dieses Exemplar gelangt nun in unserer Zeit in die Hände von Letty, einer schüchternen, etwas übergewichtigen Schuhverkäuferin und Hobbybäckerin mit einem zu großen Hang zu Süßigkeiten. Also muss Walter nun alles daransetzen, dieses letzte Exemplar seiner Gedichte zu vernichten und die Erinnerung an seinen Namen aus Lettys Gedächtnis zu löschen.

Unterstützung bekommt er dabei von dem ebenfalls in die Zwischenwelt zurückkatapultierten Pemberton, denn diesem war Walters Gedichtband gewidmet, sowie von Hector, einem reichlich sonderbaren Gesellen, der von wirren Ideen und absurden Ideen nur so sprudelt. Weiterlesen

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Juan Francisco Ferrándiz: Die Kathedrale des Himmels

Ein Buch mit mehr als 700 Seiten lässt LeserInnen auf ein episches Werk hoffen. Sie werden nicht enttäuscht. Ferrándiz Historien-Epos spielt im 9. Jahrhundert in der Spanischen Mark. Barcelona ist hier die südlichste Bastion der Christenheit und immer wieder den Angriffen der Sarazenen ausgesetzt. Wenig hilfreich ist in dieser Situation, dass der Adel nicht nur zerstritten, sondern auch überaus skrupellos ist.

Der junge Geistliche Frodoi wird überraschend neuer Bischof der Stadt und Region und empfindet dies anfangs eher als Strafe denn als Belobigung. Seine neue Würde ist mit scheinbar unlösbaren Aufgaben verbunden: Fertigstellung des Baus der Kathedrale von Barcelona und Befriedigung der Region. Doch Frodoi beschließt, die Aufgaben mutig anzugehen und führt bei seinem Einzug in die katalonische Stadt einen Zug neuer Siedler mit sich.

Unter diesen befinden sich auch Elisia und Gali. Sie haben sich dem neuen Bischof angeschlossen, um ihren Traum von einer eigenen Herberge zu verwirklichen.

Wie zu erwarten ist, hat es Frodoi, bei aller Entschlossen- und Klugheit, nicht einfach. Mächtige Gegner stellen sich seinen Plänen in den Weg und ob er seiner neuen Verbündeten, der Adeligen Goda, die ebenso schön wie geheimnisvoll ist, trauen kann, bleibt lange fraglich. Weiterlesen

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Abdel Hafed Benotman: Müllmann auf Schafott

Rau, manchmal brutal, ausgestattet mit viel Galgenhumor und nie gekünstelt – das ist der im französischen Original bereits 2003 entstandene Roman „Müllmann auf Schafott“ von Abdel Hafed Benotman, der nun, übersetzt von Lena Müller, auch auf Deutsch erschienen ist.

Der junge Fafa wächst mit seiner Familie, zu der Vater, Mutter und drei Geschwister gehören, in einem Pariser Vorort auf. Seine Eltern können nicht lesen und schreiben. Die Erziehung besteht ausschließlich aus immer härteren Prügelorgien vom Vater, während die Mutter Schübe von Wahnsinn erleidet.

In der Schule muss sich Fafa, dessen Familie aus Algerien stammt, mit Rassismus auseinandersetzen. Mehr und mehr entwickelt er sich zum Kleinkriminellen, der zuerst Spielzeugautos klaut und später in Wohnungen einbricht. Weiterlesen

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Sabine Rückert: Verbrechen: Echte Kriminalfälle aus Deutschland

Seit 2018 gestaltet Sabine Rückert zusammen mit ihrem Kollegen Andreas Sentker den erfolgreichen Podcast ZEIT Verbrechen, in dem sie spektakuläre Kriminalfälle aus Deutschland aufgreift. Auch im gleichnamigen Magazin Zeit Verbrechen, sind diese Kriminalfälle, die teilweise schon viele Jahre zurückliegen, wegen ihrer besonderen Dramatik aber noch immer in den Köpfen vieler Menschen  sind, nachzulesen. Nun gibt es das Buch hierzu.

Sabine Rückert sitzt durch ihre zwanzigjährige Tätigkeit als Gerichtsreporterin am Puls der Verbrechen. Sie wohnte Gerichtsverhandlungen bei und stellte eigene Nachforschungen zu Tätern und Opfern an. So hatte sie immer einen nahen Zugang zu den Taten, in die sie die Leser*innen in vielfältiger Weise eintauchen lässt. Ob Familiengewalt, Kindesmisshandlung, politische Tat, Verkehrsdelikt, Mord, jahrelange Pein oder sekundenschneller Tod – immer ist es ein Blick hinter die Kulissen der Verbrechen, bei denen Sabine Rückert sich mit der Psyche der Menschen in unserer Gesellschaft und mit unserem Justizsystem auseinandersetzt. Durch die Realität der Geschehnisse und ihre Mitwisserschaft um das Böse werden die Leser*innen  mit der gesamten Dramatik der zehn hier geschilderten entsetzlichen Taten konfrontiert. Weiterlesen

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Tatsuya Endo: Spy x Family 01

In Spy x Family begleiten wir den Geheimagenten Twilight, der sich einer neuen Mission stellen muss. Um einen Konflikt zwischen dem Westen und dem Osten zu verhindern, muss er an seine Zielperson herankommen. Diese ist jedoch recht kontaktscheu und so führt der einzige Weg über dessen Sohn, welcher die Eden Academy besucht, eine Schule für die Oberschicht. Das Problem an der Sache? Twilight braucht ein Kind und eine Frau noch dazu, denn die Aufnahmekriterien sind hart und nur perfekte Familien werden angenommen.

Kurzerhand adoptiert Twilight die sechsjährige Anya aus dem Waisenhaus und heiratet die Rathausangestellte Yor. Was er nicht ahnt ist, dass Anya Gedanken lesen kann und Yor eine Auftragskillerin ist. Chaos ist in dieser Familie vorprogrammiert!

Mir persönlich hat dieser Manga sehr gut gefallen. Diese ungewöhnliche Familie nicht ins Herz zu schließen, war mir absolut unmöglich. Jeder der Drei ist einzigartig und nimmt Abstand von jedem Klischee. Vor allem Yor war mir durch ihre unsichere Art sehr sympathisch.

Die Familiengefühle, welche Twilight innerhalb des ersten Bandes gegenüber Anya und Yor aufbaut, sind zum Dahinschmelzen und ich konnte ein Lächeln während des Lesens nicht aus meinem Gesicht verbannen. Weiterlesen

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Håkan Nesser: Barbarotti und der schwermütige Busfahrer

Der Schwede Håkan Nesser (Jahrgang 1950) ist ein bekannter und viel gelesener Schriftsteller von Kriminalromanen. In schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht er seine Bücher. So erschien am 28. September 2020 sein neuester Krimi mit dem Titel „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ in einer Übersetzung aus dem Schwedischen von Paul Berf bei btb.

Die Kriminalinspektoren Gunnar Barbarotti und Eva Backmann haben sich wegen einer internen Ermittlung beurlauben lassen. Eva Backmann hatte während eines nächtlichen Einsatzes wegen Brandstiftung von ihrer Schusswaffe Gebrauch gemacht. Dabei erschoss sie einen der Täter.

Nun reisen sie nach Gotland, um Abstand zu gewinnen und das Ergebnis der Ermittlungen abzuwarten. Barbarotti und Backmann sind nicht nur Kollegen, sie leben inzwischen auch zusammen. Auf dem Dorfplatz von Valleviken meint Gunnar Barbarotti einen Mann wieder zu erkennen, der vor Jahren in einem anderen Fall eine Rolle gespielt hatte.

Ein Busfahrer suchte sie damals auf, weil er Drohbriefe erhalten hatte. Dieser Mann, Albin Runge, war sechs Jahre zuvor mit seinem Bus in einen Unfall verwickelt, bei dem viele Schüler und eine Mutter ums Leben kamen. Die beiden Inspektoren versuchten den oder die Schreiber der Briefe zu ermitteln, waren jedoch nicht erfolgreich. Zum Jahrestag des Unfalls verschwand Albin Runge mit seiner Frau Karin Sylwander. Sie meldete ihn später vermisst. Seine Leiche wurde nie gefunden. Nach einiger Zeit wurde Albin Runge für tot erklärt und der Fall abgeschlossen. Weiterlesen

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Jonty Howley: Männer weinen

„Es ist Okay zu weinen, egal wie groß du bist.“

Levi hat vor seinem ersten Tag an der neuen Schule ein wenig Angst. Sein Vater fühlt sich hilflos und  gibt seinem Sohn schließlich nur eins mit auf den Weg : „Männer weinen nicht“. Aber stimmt das wirklich? Auf seinem Spaziergang zur Schule begegnet Levi vielen – ganz unterschiedlichen – Männern, die weinen.

Die Illustrationen haben mich sofort angesprochen: Sie sind großflächig, äußerst detailliert und in zurückhaltenden Pastellfarben gestaltet. Levis Schulweg führt ihn an Promenade und Hafen entlang, durch einen Park hindurch und da gibt es für die kleinen Leser viel zu entdecken. Der Text hingegen ist sparsam eingesetzt, aber man versteht sofort, worum es geht.

Leider findet man auch heute noch in vielen Kinderbüchern stereotypes Verhalten von Männern und Frauen bzw. Mädchen und Jungen. Das fängt mit der Kleider-/ Farbwahl an und hört mit Verhaltensmustern auf. Weiterlesen

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Maryse Condé: Mein Lachen und Weinen: Wahre Geschichten aus meiner Kindheit

„Wahre Geschichten aus meiner Kindheit“ erzählt Maryse Condé in diesem Buch – und die sind so berührend wie unterhaltsam, so verstörend wie komisch. Das pure Leben. Zu Beginn erlauben die Eltern ihrer jüngsten Tochter Maryse – einer Nachzüglerin, die lange nach ihren sieben Geschwistern geboren ist – nur wenige selbständige Blicke über den Tellerrand. Einzig in der näheren Umgebung darf sie sich alleine bewegen, zur Vorschule gibt es für die ganze Kinderschar aus dem Viertel Begleitung durch ein Dienstmädchen. Aber das muss sorgfältig ausgewählt werden: Nicht zu übermütig soll es sein und nicht zu jung und Unterhaltungen mit Kavalieren an Straßenecken sind ebenfalls nicht gern gesehen.

Mit wem man selbst – und auch die Bediensteten – Umgang pflegt, ist wichtig. Schließlich gehören die Condés zur Oberschicht in Guadeloupe, wenn auch zur schwarzen. Die Mutter und der Vater haben sich hochgearbeitet und sind stolz auf ihre Leistung. Am liebsten würden sie in Frankreich leben. Was anderen eine verhasste Kolonialmacht ist, ist ihnen ein Traumland, das sie regelmäßig besuchen. Selbst 1946, kurz nach dem zweiten Weltkrieg, reisen sie mit ihrer kleinen Tochter dorthin und erleben den alltäglichen Rassismus, der scheinbar an ihnen abperlt, Maryse aber bestürzt. Nachdem ein Kellner sie für ihr gutes Französisch gelobt hat, weil er sie für Ausländer hält (oder einfach für ungebildet), entwickelt sich folgender Dialog: „‚Wir sind aber doch genauso Franzosen wie sie‘, seufzte mein Vater. ‚Französischer‘, trumpfte meine Mutter heftig auf. Zur Erklärung fügte sie hinzu: ‚Wir sind gebildeter. Wir haben bessere Manieren. Wir lesen mehr. Manche von ihnen sind nie aus Paris hinausgekommen, während wir den Mont-Saint-Michel, die Côte d’Azur und die Baskenküste kennen.‘“ (Kapitel „Familienporträt“, Seite 13) Weiterlesen

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Daniel E. Palu: Tod im Alten Land

Daniel E. Palus Erstlingsroman „Tod im Alten Land“ führt LeserInnen wie Protagonist Hauptkommissar Gabriele Berlotti in die als Obstanbaugebiet bekannte Region nahe Hamburg. Berlotti gibt sich betont ambivalent: Auf der einen Seite freut es ihn, die Heimat wiederzusehen, alten Freunden zu begegnen und sich um den Vater kümmern zu können. Auf der anderen Seite stehen seine leicht demente, unwiderstehlich energiegeladene Mutter und die Erinnerung an seine tote Schwester.

Berlotti ist ein Kind italienischer Eltern, liebt Espresso, Pizza und andere italienische Köstlichkeiten. Dabei fühlt er sich weder als Italiener noch als Deutscher. Der Hauptkommissar ist Norddeutscher und ein Kriminalist von herausragendem Ruf, fährt einen Fiat, ist geschieden und hält nichts von Techtelmechtel im Kollegenkreis.

Gleich zu Beginn wird Berlotti zu einem Mordfall gerufen. Der Fall spielt im Journalistenmilieu im Vorfeld der Hamburger Bürgerschaftswahlen und thematisiert zeitgemäß Rechtspopulismus und Fake-Fakten. Weiterlesen

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Samantha Shannon: Die Königin 02: Der Orden des geheimen Baumes

Zwei Reiche, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Der Westen wird seit Generationen von einer gottgleich verehrten Herrscherin geführt und geschützt. Es geht die Mär, dass das Reich so lange eine Königin von ihrem Geblüt auf dem Thron sitzt, vor den Drachen sicher sei. Einst, vor langer Zeit, in einem Krieg der ob seiner vielen Opfer nie vergessen wurde, schlugen die intelligenten Lindwürmer gnadenlos zu. Nur durch das mutige Entgegentreten der ersten der Berethnets konnte die Gefahr gebannt werden – so zumindest die Überlieferung. Seitdem schlafen die Drachen in den tiefen, schwarzen Meeren und warten auf die Zeit, da es wieder so weit ist, dass sie ihre grausame Herrschaft über die Reiche der Menschen antreten.

Königin Sabran Berethnet soll endlich ehelichen – so der Wunsch des gesamten Hofs, natürlich inklusive der grauen Eminenz, des Strippenziehers und Leiters des Geheimdiensts. Dass seit Monaten immer wieder versucht wird, die Königin zu meucheln hält eine ihrer Hofdamen ganz schön in Trab.

Ead wurde am Hof eingeschleust, um die Königin zu bewachen. Niemand darf wissen, dass sie die verpönten magische Kräfte ihr Eigen nennt, niemand, dass sie vom Orden des geheimen Baumes gesandt wurde. Als die Königin einen aufrechten Prinzen ehelicht und in anderen Umständen ist, feiert das ganze Land. Ein Festzug durch die Massen soll das frohe Ereignis gebührend feiern – eine Chance für die Attentäter erneut zuzuschlagen. Weiterlesen

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