Roshani Chokshi: Die silbernen Schlangen

Wir befinden uns im Europa des Jahres 1889. Im Schatten der Weltausstellung hat der Lebemann, Mäzen und Behèmian Séverin Montagnet-Alarie schon einmal gegen eine höchst geheime Organisation gekämpft. Letztlich ging es darum, die Schergen des gefallenen Hauses daran zu hindern, dem Orden von Babel bestimmte Relikte zu entreissen und sich damit zu Weltherrschern aufzuschwingen. Der tragische Kampf kostete Séverin seinen geliebten Bruder, brachte ihn und seine drei Verbündete aber auch auf die Spur eines verschollenen Artefakts. Im schlafenden Palast soll es zu finden sein – die Rede ist vom dem sagenumwobenen Buch der göttlichen Lyrik, mit dessen Hilfe sich Menschen zu Göttern erheben können. Einst, einer der obersten Steine im legendären Turm zu Babel hätte das Artefakt, so es denn überhaupt existiert, die Macht, die Welt buchstäblich aus ihren Angeln zu heben und sie neu zu schaffen.

Die Suche führt sie tief in den Osten – es geht in die Eiswüste Süd-Sibiriens. Hier, nahe Irkutsk am Baikalsee soll die Schlafende Palast mit seinen märchenhaften Schätzen zu finden sein. Begleitet von Abgesandten des Ordens von Babel machen sich unsere Freunde auf, die Spur bis an ihr Ende zu verfolgen – und finden weit mehr, als erwartet … Weiterlesen

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Tove Ditlevsen: Kindheit

„Kindheit“ ist der erste Teil der autofiktionalen Kopenhagen-Trilogie. Die Ich-Erzählerin Tove ist genau ein Jahr später geboren als die Autorin Tove Ditlevsen. Sie wirkt authentisch, verlässlich, doch es bleibt den Leserinnen überlassen zu ergründen, was wahrhaft erinnert ist und was Fiktion.

Tove wächst in den 1920er Jahren in einem Arbeiterviertel in Kopenhagen auf, in einer Gegend, wo Männer in den Höfen trinken und Mädchen viel zu früh schwanger werden. Die Verhältnisse der Familie sind äußerst bescheiden und verschlechtern sich noch, als der Vater die Arbeit als Heizer verliert. Die Mutter ist unnahbar und unzufrieden mit ihrem Leben. Tove versteht die Mutter nicht und setzt doch alles daran, eine noch so kleine liebevolle Geste zu erhaschen. An schlechten Tagen macht sich Tove am besten unsichtbar, um nur nicht den Zorn der Mutter auf sich zu ziehen. Überhaupt ist Tove schon als Kind eine Meisterin der Täuschung. Niemand soll von dem Gesang in ihrem Inneren erfahren, wenn sie schöne Worte hört, von den Gedichten, die sie heimlich in ihr Poesiealbum schreibt. Deshalb stellt sie sich dumm. Sie fühlt sich auch oft dumm, denn sie weiß nicht, wie man spielt. Mit anderen Kindern kann sie wenig anfangen, bis sie Ruth kennenlernt. Weiterlesen

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Benedict Wells: Hard Land

Fünf Jahre hat es gedauert, bis Benedict Wells‘ neuer Roman Hard Land bei seinem Hausverlag Diogenes erschienen ist. Zuvor hatte er mit seinem Erfolgsroman Vom Ende der Einsamkeit, der über eineinhalb Jahre auf der Bestsellerliste stand, die eigene Messlatte sehr hoch gelegt. Schon aus diesem Grund darf man auf Hard Land gespannt sein.

Zum Inhalt: Die Handlung ist im Jahr 1985 in der fiktiven, recht gewöhnlichen Kleinstadt Grady im US-Bundesstaat Missouri angesiedelt. Hier spielt die typische Coming-of-Age-Geschichte des Protagonisten Sam.

Für den fünfzehnjährigen Sam bricht ein einschneidender Sommer mit vielen Facetten aus Glück und Leid an. Doch nicht nur Sams ureigene, von Unsicherheiten und Ängsten behaftete Welt ist im Umbruch; auch in seiner Familie ist vieles aus dem Lot.

Über die Ferienzeit nimmt Sam einen Job im Kino von Grady an. Hier kann er den Problemen im Elternhaus entfliehen. Hier findet er auch endlich Freunde die ihn akzeptieren und in ihre Clique aufnehmen, obwohl er einige Jahre jünger ist. Mit seinen neuen Freunden taucht er in eine andere Lebenswelt ein. Weiterlesen

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Mary Adkins: Das Privileg

Das Schicksal von drei jungen Frauen steht im Mittelpunkt des Romans von Mary Adkins, deren Debüt „Wenn du das hier liest“ ich mit großem Vergnügen im vergangenen Jahr lesen durfte. Im Gegensatz zu jenem Buch ist das vorliegende sehr viel ernster.

„Das Privileg“ schildert die Ereignisse am Carter College, wo Bea und Annie ihr Studium beginnen und Stayja in der Cafeteria arbeitet. Alle drei sind gewissermaßen am Scheideweg, müssen Entscheidungen hinsichtlich ihres Lebensweges treffen, müssen sich selbst kennenlernen und müssen vor allem lernen, sich zu behaupten.

Annie, durch einen Brand nicht nur an den Beinen vernarbt, erwirbt dank ihres Fagottspiels ein Stipendium. Sie ist schüchtern und ihr fehlt es an Selbstbewusstsein. Als sich Tyler, der Sohn reicher Eltern, für sie zu interessieren scheint, fühlt sie sich geschmeichelt. Doch ein Zusammensein in seinem Zimmer eskaliert und am Ende bezichtigt sie ihn der Vergewaltigung.

Bea, Tochter einer schwarzen Ärztin und eines ihr unbekannten weißen Vaters, studiert Jura und schwärmt für einen der Dozenten. Dieser verhilft ihr zu einer Aufgabe als studentische Beraterin für in Schwierigkeiten geratene Kommilitonen. So kommt Bea mit Tyler in Berührung, den sie bei der college-internen Untersuchung des Vergewaltigungsvorwurfs beraten soll. Sie steht ihm zwar loyal zu Seite, doch innerlich nagen Zweifel an ihr, ob sie auf der richtigen Seite steht. Weiterlesen

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Garry Disher: Hope Hill Drive

Constable Paul Hirschhausen, genannt Hirsch, wurde vor einem Jahr in Sydney degradiert. Darüber hinaus musste er sich seine Versetzung gefallen lassen. In der australischen Kleinstadt Tiverton fährt er allein Streife und kümmert sich um alle Vorfälle im wenig besiedelten Buschland. Ausgerechnet zur Weihnachtszeit werden Ponys abgeschlachtet oder verletzt, und kaum haben die Medien dieses Ereignis in Szene gesetzt, findet Hirsch zwei Mordopfer.Das beschauliche Leben in Tiverton hat sich schlagartig in ein Minenfeld verwandelt.

Wer den erfolgreichen Krimiautoren Garry Disher noch nicht kennengelernt hat, dürfte mehr als nur einen Krimiautoren verpasst haben. Sein aktuelles Buch, erneut von Peter Torberg übersetzt, beginnt – wie all seine wunderbaren Geschichten – in den ländlichen Bereichen von Südaustralien. Abgesehen von dem einzigartigen Lokalkolorit begleitet man einen Einzelgänger, der auf kriminelle Machenschaften stößt, die mitunter zu einer Gewissensfrage werden. Aus der Perspektive von Hirsch erfährt der Leser in einer chronologisch aufgebauten Geschichte, wie der Constable unter der brennenden Dezemberhitze unterschiedliche Bewohner befragt. Unter der kritischen Beobachtung seiner Vorgesetzten und deren Dienstherren aus Sydney sucht der in Ungnade gefallene Hirsch Kleinkriminelle, vermisste Kinder und Mörder. Dabei findet er mehr heraus, als für sein Wohlbefinden gut ist. Weiterlesen

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Jihyun Kim: Sommer

In Südkorea ist endlich Sommer geworden.Trotzdem sieht man von schräg oben eine Stadt nur in zarten beige-grau Tönen. Sogar die wenigen Bäume fallen zwischen den Hochhäusern kaum auf. Das Leben auf der Straße ist scheinbar zum Erliegen gekommen. Die Illustratorin Jihyun Kim zeigt eine dreiköpfige Familie mit ihrem Hund. Während die Eltern in ihrer Stadtwohnung geschäftig aufräumen, spielt ein kleiner Junge in seinem Zimmer alleine auf dem Boden hockend. Er liebt Autos und malt gerne.

Und dann geht die Reise los. Raus aus der Stadt, über den Fluss, durch einen Wald zu den Großeltern.

Dieser Sommertag wird für den kleinen Jungen zu einem besonderen Abenteuer.

Seit zehn Jahren arbeitet Jihyun Kim als Illustratorin und Grafikerin. Sommer ist ein Bilderbuch, das die Betrachter ganz ohne Worte erreicht. Dies liegt vor allem an den zart ausgestalteten Bildern. Jedes einzelne stellt eine harmonische Szene dar, die eine Familie vorstellt. Ohne Überladen zu wirken, zeigen die Bilder in ihren Details den liebevollen Umgang aller Beteiligten. Als der kleine Junge mit seinem Hund die Umgebung erkundet, geschieht dies völlig angstfrei und ohne Vorurteile. Weiterlesen

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Barney Norris: Die Jahre ohne uns

„Die Jahre ohne uns“ des britischen Autors Barney Norris handelt von zwei älteren Menschen, die auf ihr Leben zurückblicken, das für sie nicht optimal verlaufen ist. Der Roman teilt sich im Wesentlichen in zwei Hälften, die zunächst rein gar nichts miteinander zu tun haben – es folgt noch ein kurzer dritter Teil. Der erste Part besteht aus Selbstreflexionen der Frau. Sie ist einsam und findet nur in der Gartenarbeit etwas Freude. Besonders betrauert sie den Verlust ihres Vaters, der offenbar – genau wird es nicht erläutert – wegen einer psychischen Erkrankung die Familie verlassen hat, als unsere Ich-Erzählerin sieben Jahre alt war. Auch ihren Mann hat sie später schon kurz nach der Heirat verloren.

Diese rund 100 Seiten kommen arg freudlos und wehleidig daher, und man muss ich etwas hindurchquälen. Das wird in Teil zwei leider nicht besser. Weiterlesen

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Stefano Mancuso: Die Pflanzen und ihre Rechte: Eine Charta zur Erhaltung unserer Natur

Viele LeserInnen dürfte der Titel irritieren. Warum sollten Pflanzen Rechte haben, wenn sie in unserem Bewusstsein zu den Dingen gehören, die man unter anderem kaufen, wegschmeißen, züchten, essen, einpflanzen, jäten, fällen, beschneiden kann. Pflanzen sind selbst bei oberflächlicher Betrachtung Lebewesen. Sie können wachsen, sich fortpflanzen und haben eine bestimmte Lebensdauer. Ihre Fähigkeiten gehen jedoch noch um ein vielfaches weiter. „… Pflanzen nehmen Licht, Temperatur, Schwerkraft, chemische Verbindungen, elektrische Felder, Berührungen, Schall und vieles andere wahr, was sie äußerst empfindsam für ihre Umgebung macht.“ (S. 119) Sie sind ein Synonym für Leben, weil ohne sie die meisten Lebensformen undenkbar wären.

In unseren Gesetzen haben wir Menschenrechte verankert. Es gibt inzwischen auch viele Fürsprecher, die den Tieren Rechte geben. Ob Artenschutz oder artgerechte Haltung, für beides gibt es verbindliche Vorschriften. Nur bei den Pflanzen nicht, obwohl ohne ihre Fotosynthese das Leben auf der Erde ganz anders aussähe.

„… nur mit ihnen zusammen können wir weiter existieren. Darüber sollten wir uns immer im Klaren sein.“ (S. 13/14)

Und weil Stefano Mancuso Pflanzen am Herzen liegen, beschloss er, ihr Fürsprecher zu werden, in dem er der kühnen Idee Raum gab, die Rechte der Pflanzen zu entwerfen. Er stellt nun seine Charta des Lebens vor. Zu jedem der acht erstellten Artikel schrieb er nachvollziehbare Begründungen, die wachrütteln und zum Nachdenken anregen. Weiterlesen

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Wolfgang Schorlau: Kreuzberg Blues

Spannend, politisch und hochaktuell – mit „Kreuzberg Blues“ veröffentlicht Wolfgang Schorlau bereits den zehnten Band der Kriminalreihe um Privatermittler Georg Dengler. Wie immer hat der Fall einen stark gesellschaftlichen und politischen Bezug. Diesmal geht es für Dengler in die Hauptstadt, mitten nach Kreuzberg, wo er mit den Tücken des Berliner Wohnungsmarkts konfrontiert wird und miterlebt, wie sich das neuartige Coronavirus in Deutschland ausbreitet.

Georg Dengler ist selbstständiger Privatermittler in Stuttgart. Eines Nachts bekommt seine Partnerin Olga einen Anruf aus Berlin: Das Kind einer Freundin wurde in der eigenen Wohnung von einer Ratte angefallen und die Bewohner des Mietshauses sind sich sicher, dass der Bauunternehmer Kröger hinter diesem Vorfall steckt. Im angespannten Berliner Wohnungsmarkt will Kröger die Immobilie „entmieten“, um seinen Profit durch eine Neuvermietung zu steigern – anscheinend schreckt er dafür auch nicht vor kriminellen Methoden zurück. Olga zögert nicht lange und macht sich mit Dengler auf den Weg in die Hauptstadt, um ihrer Freundin zu Hilfe zu eilen. Vor Ort zeigt sich das wahre Ausmaß der Situation.

Während Dengler in die Welt der Berliner Immobilien-Unternehmen eintaucht, deren Vorstände scheinbar nicht skrupelloser und durchtriebener sein könnten, geht Olga dem aggressiven Verhalten der ausgesetzten Ratten auf die Spur. Weiterlesen

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Patrícia Melo: Gestapelte Frauen

„… Carla war tot. Rita war tot. Meine Mutter war tot. Um mich herum stapelten sich die toten Frauen. All die Namen, die ich in meinem Heft notiert hatte. All die vergeudeten Leben.“ (S. 207)

Die junge Anwältin und Ich-Erzählerin könnte in São Paulo Karriere machen, doch ihr Engagement gilt den Frauen, die gewaltsam gestorben sind. Es sind viel zu viele Fälle, in denen die Täter straffrei ausgehen. Sie kennt die Choreographie der Gewalt zu genau. Zuerst kommen harte Worte und Beleidigungen, dann Handgreiflichkeiten, die bis zum Mord ausufern.

Kurz bevor sie sich nach Acre schicken läßt, einem Ort im Amazonasgebiet, bekannt für Kautschukgewinnung, Drogenhandel und der landesweit höchsten Sterberate für Frauen, erlebt sie ein ähnliches Muster für Bedrohung bei ihrem Freund. Seine grundlose Eifersucht, eine Ohrfeige und Beschimpfungen wollen zu ihrem Traummann so gar nicht passen. Der Auftrag, Daten für ein Buch über Gerichtsfälle zu sammeln, schenkt ihr die nötige Distanz. Sie fühlt sich wieder sicher, bis sie einem etablierten System der Gewalt gegenübersteht. Der brutale Mord einer 14-jährigen Ureinwohnerin durch drei junge weiße Männer aus der oberen Gesellschaftsschicht zeigt der Erzählerin, wie Justiz, Strafverfolgung und Presse für die Freilassung und den guten Ruf der Angeklagten sorgen.

Der Kontakt zu der Familie des Opfers führt die Erzählerin in den Urwald, und sie begreift, dass viel mehr auf dem Spiel steht als die Rechte der Opfer. Sie muss sich erinnern, Verdrängtes aus ihrer Kindheit zerren, um den Tod ihrer Mutter zu verarbeiten. Weiterlesen

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