Kelly Barnhill: Das Mächen, das den Mond trank, gelesen von Simon Jäger

Jedes Jahr kommt in die an Trauer und Verzweiflung nicht arme Protektoratsstadt noch weitereTrauer hinzu. Jedes Jahr zur gleichen Zeit müssen sie das jeweils jüngste Kind im umliegenden Sumpf zurücklassen und die Hexe holt es sich, um dafür die Stadt ein weiteres Jahr zu verschonen. Die Hexe dagegen wundert sich über die seltsamen Stadtbewohner, die einmal im Jahr ein Kind aussetzen. Was müssen das nur für herzlose Menschen sein. Sie holt das Kind, damit es im Sumpf nicht umkommt, tränkt es mit Sternenlicht und bringt es bei kinderlosen Paaren in der nächsten, glücklicheren Stadt unter. Was für ein grausamer Kreislauf.

Und was für ein bezauberndes Hörbuch. Liebevoll vorgetragen von Simon Jäger ist es ein Märchen, eine Geschichte über Mut und Veränderung, aber auch über den Lauf der Zeit. Denn eines Tages geht etwas schief. Weiterlesen

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Stefano Mancuso: Pflanzenrevolution

„Pflanzenrevolution“ ist das jüngste Buch des Biologen und Pflanzenforschers Stefano Mancuso. Mancuso hat sich in den letzten Jahren unter anderem mit seinem Werk „Die Intelligenz der Pflanzen“ auch in Deutschland einen Namen gemacht. Er ist Professor an der Universität Florenz und leitet dort das Laboratorio Internazionale di Neurobiologia Vegetale.

Zum Buch: Ist uns Menschen eigentlich klar, welche Bedeutung Pflanzen für uns haben? Den Meisten ist das vermutlich gar nicht bewusst. Blumen, Bäume und Sträucher werden doch oft genug nur als leblose Gebilde in unserer Umwelt wahrgenommen. Dabei könnten wir ohne den Sauerstoff, den sie produzieren, nicht atmen. Unsere Autos könnten ohne das Öl nicht fahren, das vor Millionen von Jahren als Sonnenenergie von Pflanzen gespeichert wurde und uns nun als fossiler Brennstoff zur Verfügung steht. Mit Kohle und Gas verhält es sich ebenso. Die Aufzählung ließe sich mit Holz als einem der noch immer wichtigsten Baumaterialien oder den pflanzlichen Bestandteilen vieler Medikamente fast beliebig fortsetzen. Weiterlesen

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Horst Eckert: Der Preis des Todes

25 Jahre ging Sarah ihrem Vater aus dem Weg. Damals hatte er sie und ihre Mutter verlassen.  25 Jahre hat sie ihr Leben ohne ihn gelebt, bis der Zufall ihre Wege kreuzt.

Nach der Ermordung ihres Freundes Christian steht sie ihrem Vater im Präsidium gegenüber. Der Düsseldorfer Kommissar Sellin ist inzwischen alt und grau geworden und untersucht gerade den Mord an einer jungen Frau. Sein neuer Fall und der Tod von Christian Wagner haben zwei Gemeinsamkeiten. Beide Opfer kannten sich über eine Hilfsorganisation und waren in Dadaab, dem größten afrikanischen Flüchtlingslager. Während der Tod des Staatssekretärs Christian Wagner mediale Wellen schlägt, interessiert sich kaum einer für junge Frau.

Nach 25 Jahren braucht Sarah ihren Vater. Er verfügt über Insiderinformationen, die ihr für die Suche nach Christians Mörder fehlen. Im Gegenzug berichtet Sarah ihm die Ergebnisse ihrer Recherchen. Vater und Tochter kommen sich dabei näher und geraten, ohne es zu ahnen, in den Fokus einer kriminellen Organisation. Deren Wirkungskreis ist erschreckend groß und vernichtend zugleich. Weiterlesen

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Gin Phillips: Nachtwild, gelesen von Andrea Sawatzki u.a.

Boah, was für ein Ritt durch die Nacht. Gin Phillips versteht es, die Spannung mit kleinen Randbemerkungen bis ins Unerträgliche aufzubauen und dann zu halten bis zum Schluss. Dabei fängt alles ganz harmlos an. Mit einem Zoobesuch. Joan geht gerne mit ihrem kleinen Sohn Lincoln in den Zoo, sie beobachten die Menschen und Tiere, der phantasiebegabte Lincoln spielt mit seinen Figuren, ein schöner Tag. Gerade als sie auf dem Weg zum Ausgang sind, fallen Schüsse, die Joan zunächst nicht zuordnen kann. Bis sie die ersten Leichen findet. Der Weg zum Ausgang ist versperrt, sie ist gezwungen, sich mit ihrem kleinen Sohn zu verstecken und die Nacht auszuharren. Was dann folgt, ist sowohl spannend als auch grauenhaft. Joan verändert sich. Ihr Denken, sogar ihre Werte verändern sich, denn es gibt nur noch einen Grundsatz: Lincoln muss überleben. Dafür ist Joan bereit, die Sicherheit anderer Menschen zu opfern. Weiterlesen

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Jorge Amado: Tote See (1936)

Jorge Amado (Jahrgang 1912), der große brasilianische Schriftsteller, starb 2001. Er hinterließ eine Vielzahl von Büchern, in denen er über sein Heimatland Brasilien und die Menschen dort schrieb. Amado war Kommunist und wurde in Brasilien verfolgt. Er lebte viele Jahre, u.a. in Europa, im Exil. „Tote See“ erschien erstmals 1936 unter dem Titel „Mar Morto“. Amado selbst bezeichnete es als sein „liebstes Buch“. Der S. Fischer Verlag hat am 26. April 2018 eine Neuauflage des Buches in einer Übersetzung von Karin von Schweder-Schreiner herausgebracht.

In „Tote See“ erzählt Jorge Amado die Geschichte von Lívia und Guma, dem Saveirofahrer in der Bucht von Salvador da Bahia im Nordosten Brasiliens. Und von Iemanjá, der Meeresgöttin, die sich erst dann den Männern zeigt und sie in ihr Gefolge aufnimmt, wenn sie im Meer sterben.

Gumercindo, Guma genannt, hat das Handwerk des Saveirofahrens (Saveiros sind traditionelle brasilianische Segelboote, die Waren und Lasten transportieren) von seinem Onkel Francisco gelernt. Sein Vater Frederico ist im Meer umgekommen. Seine Mutter hat die Familie verlassen. Weiterlesen

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Denis Johnson: Die Großzügigkeit der Meerjungfrau

Der 2017 gestorbene hochdekorierte amerikanische Schriftsteller Denis Johnson hat der literarischen Welt einen Band mit fünf Erzählungen hinterlassen: „Die Großzügigkeit der Meerjungfrau“. In allen Geschichten stehen Menschen im Vordergrund, die gerade eine Krise zu bewältigen haben oder am Ende ihres Lebens stehen – so wie Darcy, ein Schriftsteller, der als alter Mann allein in seinem Elend lebt und die Geister längst verstorbener Familienangehöriger sieht. Oder wie Mark, ein hochangesehener Dichter, der literarische Preise absahnt, aber gleichzeitig von dem Wahn besessen ist, Elvis Presley sei ab dem Jahr 1958 durch seinen tot geglaubten Zwillingsbruder ersetzt worden. Er gibt tausende von Dollar für angebliche Dokumente aus, die diese Verschwörungstheorie stützen.

Denis Johnson war sicherlich ein brillanter Schreiber, der tief in die Seelen seiner Figuren blicken konnte und seinen Büchern auf diese Weise einen enormen Tiefgang verlieh. Und doch wird „Die Großzügigkeit der Meerjungfrau“ nicht jedem Leser gefallen. Weiterlesen

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Carol Rifka Brunt: Sag den Wölfen, ich bin zu Hause

June ist 14 Jahre alt, als ihr Onkel Finn an AIDS stirbt. Mitte der 1980er Jahre ist das noch eine Schlagzeile wert und man weiß mit dieser sonderbaren Krankheit nicht umzugehen. Es wird im Bereich der Medizin geforscht, doch die Überlebenschancen erkrankter Menschen ist gering. Für June bricht damit eine Welt zusammen. Denn Finn war für sie mehr als ein Onkel. Er war ihr bester Freund und – das würde sie allerdings vor niemandem offen zugeben – auch ihre erste große Liebe. June und Finn waren immer ein eingeschworenes Team, selbst ihre Mutter, Finns Schwester, und ihre eigene Schwester Greta konnten sich nicht dazwischendrängen. Mit Finns Tod muss June allerdings nicht nur den Verlust verkraften, sondern auch erfahren, dass es in Finns Leben Dinge gab, über die sie nichts wusste. Wer zum Beispiel ist dieser Toby, der behauptet, seit Jahren mit Finn in einem Bett geschlafen zu haben? Sie hat noch nie von Toby gehört, ihn nie gesehen, auch nicht, wenn sie mit Schwester und Mutter in Finns winziger Wohnung zu Besuch war. Weiterlesen

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Marie Benedict: Frau Einstein

Zürich, 1896: Mileva Marić hat ein Ziel. Sie möchte einen Universitätsabschluss in Physik schaffen und das als Frau! In Zürich werden der jungen Serbin dazu viele Möglichkeiten gegeben. Zumindest sind Frauen von den Studiengängen nicht offiziell ausgeschlossen, leicht ist es für Mileva allerdings trotzdem nicht. Viele Männer wollen ihr Steine in den Weg legen und ihr das Leben schwermachen. Nur dieser Albert Einstein, der scheint ihr vom ersten Tag an wohlgesinnt. Er ist ein Kommilitone und bietet ihr bald Zusammenarbeit für ein Projekt an. Aber von Männern wollte sich Mileva fernhalten, viel wichtiger ist ihr die Physik und all die Wunder, die sie bereithält. Noch so viel ist unerforscht und Mileva würde gerne auch ihrem Namen Bedeutung verleihen und etwas Bahnbrechendes entdecken. Albert Einstein allerdings lässt nicht locker.

Mileva Marić ist die erste Ehefrau von Albert Einstein. Sie steht im Mittelpunkt des Romans, ihr Weg ins Studium, das Kennenlernen von Einstein, ihre Ehe. Immer wieder wird dabei deutlich, dass sie aber auch eine eigenständige Person war, mit eigenen Zielen, Träumen und Wünschen. Weiterlesen

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Richard Russo: Immergleiche Wege

Pulitzer-Preisträger Richard Russo hat ein Buch mit vier Erzählungen geschrieben, in denen Akademiker im Mittelpunkt stehen, die bereits etwas älter sind. Sie müssen feststellen, dass sie ihr Plus an Lebenserfahrung nicht davor bewahrt, Rückschläge einzustecken. Eine Uni-Dozentin sieht sich mit einem Plagiatsfall konfrontiert, ein Immobilienmakler ist an Krebs erkrankt und ein Drehbuchautor wird von der Filmbranche böse hintergangen.

Die längste Geschichte handelt von einem Englisch-Professor, der sich in Venedig verliert. Diese Geschichte, die womöglich die stärkste im ganzen Buch ist, hat Parallelen zu der berühmten Thomas-Mann-Novelle „Der Tod in Venedig“. Unser Held hat Schwierigkeiten mit seinem Handy, er verirrt sich und weiß nicht recht, wie er mit den Avancen einer Frau umgehen soll, die zu seiner Reisegruppe gehört. Weiterlesen

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Poznanski & Strobel: Invisible, gelesen von Christiane Marx u.a.

Wie erkennt man eine Mordserie, wenn es kein offensichtliches Motiv, immer andere – bekannte – Täter gibt und dazu Opfer, die scheinbar so gar nichts miteinander zu tun haben? Kriminalkommissarin Nina Salomon erkennt genau darin das Gemeinsame: die scheinbare Wahllosigkeit der Opfer und natürlich die immer gleiche Fassungslosigkeit der Täter. Da ist der Chirurg, der auf seinen Patienten während der Operation mit dem Skalpell einsticht, da ist der junge Mann, der auf offener Straße förmlich erschlagen wird. Und allen Täter ist doch etwas gemeinsam: Sie sind unglaublich wütend auf die Opfer – obwohl sie sie in den meisten Fällen sogar nur flüchtig kannten.

Gemeinsam mit ihrem Partner Daniel Buchholz kommt sie zu der Überzeugung, dass es noch einen weiteren, quasi einen übergeordneten Täter geben muß, der alle anderen steuert. Aber wie? Und warum? Weiterlesen

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