Marlies van der Wel: Seesucht

Als Jonas zwei Jahre alt ist, lernt er das Meer und seine Bewohner kennen. Er ist von dieser ersten Erfahrung so begeistert, dass ihn die Liebe zum Wasser und seinen Bewohnern nicht mehr loslässt. Auch die Fischer, seine Retter in heiklen Situationen, sind mit dem Meer verbunden. Sie sind immer in der Nähe, wenn sich Jonas und die Fische begegnen, und manchmal spotten sie über seine Abenteuerlust.

Marlies van der Wel ist Trickfilmregisseurin und Illustratorin. Nachdem ihr Animationsfilm Jonas and the Sea ab 2016 mehrfach auf internationalen Festivals ausgezeichnet wurde, erscheint in diesem Jahr das eigenständige Bilderbuch zu Jonas‘ Seesucht. Die kurzen Textpassagen wurden von Birgit Erdmann aus dem Niederländischen übersetzt.

Der zunächst noch kleine Jonas fällt mit seiner kreisrunden Brille, der roten Mütze und dem rotgeringelten Pullover auf und bleibt seinem Kleidungsstil sein Leben lang treu. Sein offener, staunender Blick nimmt immer wieder Kontakt zu seinen Betrachtern auf, als wolle er jeden auf seine Reise mitnehmen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Robert Bloch: Psycho (1959)

Jeder kennt „Alfred Hitchcocks PSYCHO“ – den Film. Jeder Film hat ein Drehbuch, viele Drehbücher basieren auf einem Roman.  Sie haben Robert Blochs „Psycho“, erschienen 1959, noch nicht gelesen? Holen Sie es nach!

Der Thriller steigt direkt ein mit einer unheimlichen, verregneten Nacht: Norman Bates, ein verklemmter, unattraktiver Mann, leitet zusammen mit seiner Mutter ein abgelegenes Motel. Als sich durch lautes Klopfen scheinbar ein Gast ankündigt, erschreckt ihn das eher, als dass es ihn freut.

Kurz erhalten wir einen Einblick in sein absurdes Leben: Die allmächtige Mutter, das altmodische Haus, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint und in dem Norman versucht, durch Bücher wie „Das Reich der Inka“ und psychologische Abhandlungen den Bezug zur Welt da draußen nicht zu verlieren. Er wehrt sich vergeblich gegen das Urteil seiner Mutter, die Bücher seien böse und schmutzig: „Psychologie ist nicht schmutzig, Mutter!“

Ohne es zu ahnen, wird bald die Angestellte Mary den Weg zu Normans Motel finden. Sie hat 40.00 Dollar gestohlen und ist auf dem Weg zu ihrem Liebhaber, um mit ihm ein neues Leben zu beginnen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Johann Scheerer: Unheimlich nah

Johann Scheerer ist der Sohn von Jan-Philipp Reemtsma, dem Erben der Reemtsma Cigarettenfabriken, der 1996 entführt und gegen Zahlung eines Lösegeldes freigelassen wurde. Fortan konnten die Familienmitglieder keinen Schritt mehr gehen, ohne von Sicherheitsleuten bewacht zu werden.

In seinem autobiografischen Coming-of-Age-Roman „Unheimlich nah“ beschreibt Scheerer, wie sich diese Situation besonders für einen Heranwachsenden anfühlt. Wie wirkt es auf Schulfreunde, wenn nach Schulschluss immer die dunklen BWWs an der nächsten Straßenecke warten? Und wie, wenn es zum ersten Mal zu Zärtlichkeiten mit einem Mädchen kommt? Was macht es ganz generell mit einem Kind oder Jugendlichen, wenn er in einer martialischen Macho-Welt aus Waffen und zwar freundlichen, aber stets gewaltbereiten Männern mit Muskeln und Pistolen-Holster unter dem Jackett aufwächst? All diesen Fragen geht Johann Scheerer in seinem Roman nach. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Michael Engler & Julianna Swaney: Das alles ist Familie

Familie…eines der wichtigsten Themen überhaupt für Kinder. Aber was bedeutet das heutzutage?

Es gibt sie schon lange nicht mehr, die „klassische“ Familie aus Vater, Mutter, Kind. Es gibt die unterschiedlichsten Kombinationen und in diesem Bilderbuch für Kinder ab vier Jahren lernen wir sie alle kennen:  Das gleichgeschlechtliche Paar, die Patchworkfamilie, die internationale Familie, und die Großfamilie. Wir treffen auf ein unverheiratetes Paar, eine Familie mit einem Adoptionskind, und auf ein Mädchen, dessen Mutter gestorben ist und das nun allein mit seinem Vater lebt. Auch ein geschiedenes Paar kommt in der Geschichte vor und ein Elternpaar, das sich ständig streitet, um sich dann aber wieder zu versöhnen.

„Das alles ist Familie“ zeigt uns die ganze Vielfalt und versichert den kleinen Lesern, dass jede Familie genauso, wie sie ist, richtig ist. Dabei tauchen im Buch nicht nur unterschiedliche Nationen / Hautfarben auf, sondern auch ein Kind im Rollstuhl. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alexey Pehov: Das Reich der blauen Flamme 01: Der Gebannte

Vor langer, langer Zeit, Generationen ist es her, wandelten die Magier, göttergleich auf Erden. Sie schufen Rassen, sorgten für Lebensraum und für Frieden. Dann erschütterte ein Zwist die Idylle – verlustreiche, gnadenlos geführte Kriege löschten ganze Völker aus, die Magier selbst bekämpften sich, bis von ihnen keiner mehr übrig blieb. Seitdem sind die Menschen fast alleine in den Weiten des Landes. Wenn allerdings bei Nacht ein Mensch stirbt und sich die Flamme des Feuers blau färbt, dann weiß man, dass etwas Böses den noch warmen Leichnam übernommen hat. Etwas, das die Seele malträtiert, das auf Jagd nach Menschenfleisch geht, etwas, dem man den Weg ins Jenseits zeigen muss.

In dieser Welt begegnen wird drei Schicksalen – zusammengeführt von einem inzwischen mystischen Wesen, werden sie gezwungen, eine Reise zur legendären, lang vergessenen Hauptstadt der Reiche anzutreten. Theo ist eigentlich als Seiltänzer im Zirkus unterwegs. Als er ein uraltes magisches Artefakt findet und veräußert, erscheint ein Mal der Leere auf seinem Rücken – ein Zeichen dafür, dass er zur willenlosen Hülle für die dunkle Magie zu werden droht. Laviany gehört dem Nachtclan, einem Assassinenorden an, der sich aus einem einst magiebegabten Volk entwickelt hat. Als sie sich einseitig von diesem trennt, ist ihr Leben kein Staubkorn in der Wüste mehr wert – außer, sie kann den Anführer des Ordens aufspüren und töten. Dazu aber muss sie zunächst einmal dessen Aufenthaltsort kennen.  Scheron hat die Gabe, Untote zur Ruhe zu betten. Als ihr Kind verschwindet, tut sie alles, um ihren Zögling zu befreien – und wenn es notwenig ist, mit dem Gebannten, der seit Generationen allein gefangen in seiner alten Hauptstadt sitzt, zu reden, muss sie das Wagnis eingehen … Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Anna Mayr: Die Elenden

Liebe Mama, du hast Recht. Dieses Buch rührt an, beschäftigt, löst aus. Und weckt in mir den Wunsch und Drang, davon zu erzählen.

Wer Anna Mayr bereits als Autorin der Zeit kennt, hat allen Grund sich zu freuen. Denn sie schreibt nicht nur fantastische Artikel sondern vermag es, ihren Standpunkt auch in ihrem 2020 erschienenen Roman „Die Elenden“ anschaulich wiederzugeben.

Aufgewachsen in einem liebevollen Zuhause mit gebildeten Eltern lernte sie schon früh, was es bedeutet, arbeitslos zu sein. Denn sie selbst wurde als Kind Langzeitarbeitsloser bereits dieser Kategorie zugeordnet, musste als 11-Jährige mit dem gleichen Hartz-IV Gehalt wie ein Säugling leben, bekam mit 16 ihren ersten Brief vom Jobcenter und spürt noch heute die Unsicherheit, die eine Kindheit unter den in Deutschland herrschenden Repressionen gegenüber Arbeitslosen auslöst. Nehme ich den teuren Bio-Apfel oder doch das günstigere Kilo? Kann ich es mir leisten, Taxi zu fahren? Kaufe ich die Uhr für 12 oder für 140 Euro? Fragen wie diese beschäftigen die junge Frau noch immer und werden sie vermutlich niemals ganz loslassen. „Wünschen, Mehr-Wollen, am Kapitalismus teilnehmen, das sind auf gewisse Weise Kultur-Techniken, die man erst einmal verstehen und erlernen muss.“, beschreibt sie den Grund, der diese Unsicherheit in ihr auslöst.

Doch es sind nicht nur die eigenen Erfahrungen, die diesen Roman ganz besonders lesenswert machen. Es ist die stringent schlüssige Argumentation, mit der Mayr gekonnt die Missstände in Deutschlands Armutssystem aufdeckt und jede kleine Schraube untersucht, die bewirkt, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer größer wird. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Sam Lloyd: Der Mädchenwald

„Katastrophe ist ein Wort, das viel hübscher ist als seine Bedeutung, finde ich.“ (S. 52)

Ein Schachgenie wird während der Pause eines Wettkampfes überwältigt, betäubt und entführt. Irgendwann erwacht das Schachgenie in einem Keller im irgendwo. In dem abgeschlossenen Raum ist es stockdunkel, kalt und die im Boden verankerte Kette, an der das Schachgenie mit einer Handschelle verbunden ist, erlaubt nur einen kleinen Bewegungsradius. Das Schachgenie heißt Elissa und ist dreizehn Jahre alt.

Der Brite Sam Lloyd hat mit seinem Thriller eine mitreißende Geschichte vorgelegt, die von Katharina Naumann übersetzt wurde. Sein Sprachstil, die unterschiedlichen Elemente des Grauens und seine Charaktere sind so angelegt, dass man sie ohne weiteres in einem Bestseller von Stephen King vermuten könnte.

Drei Personen erzählen, wie sie Elissas Leid erleben. Zum einen erfährt man von Elissa, wie sie den ersten Schock überwindet und geschickt zu taktieren beginnt. Ihr gegenüber steht unter anderem der altklug wirkende Elijah, der zurückgezogen in der Nähe zu wohnen scheint. Schnell fällt er mit ungewöhnlichen Äußerungen auf. Elijah nennt zum Beispiel den benachbarten Wald Mädchenwald und einen darin befindlichen See Knöchelchensee. Doch in seiner überschaubaren Welt sind nicht nur Zauber, Geister und Märchen sondern auch Unsicherheit und Angst. Als er heimlich die gefangen genommene Elissa aufsucht, könnte er sie nicht nur theoretisch retten. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kerstin Sgonina: Als das Leben wieder schön wurde

1954, Nachkriegszeit in Hamburg. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, manche und mancher trägt schwer an der eigenen Vergangenheit, andere vertragen sich nicht mit der neuen Zeit.  Viele Lücken sind in den Straßenzügen, wo die Bombenschäden noch nicht beseitigt sind. Nicht jeder findet eine richtige Wohnung, viele hausen in den sogenannten Nissenhütten. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, doch vor allem die jungen Menschen sind auch voller Optimismus und hochfliegenden Plänen.

In dieses Hamburg kommt die junge Greta, Anfang Zwanzig, die nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter aus Stockholm zurückkehrt in die Stadt ihrer Geburt. Sie will zu ihrem Vater, der mit seiner Frau, Sohn und Tochter hier lebt und sie will ihre Mutter finden, die seit Anfang der Vierziger Jahre spurlos verschwunden ist.

Ihr Vater und seine neue Familie heißen sie nicht willkommen, umso froher ist Greta, zwei junge Frauen zu treffen, die ihr gute Freundinnen werden. Marieke, die aus Ostpreußen fliehen musste, ist eine Künstlerin mit Kamm und Schere, Trixie, die mit ihrer Mutter in einer eleganten Villa wohnt, eine Expertin in Modefragen. Greta, die in Schweden eine Ausbildung zur Kosmetikerin abgeschlossen hat und gerne neue Cremes und Lotionen kreiert, gründet mit den anderen beiden zusammen einen rollenden Schönheitssalon. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kirsten Boie: Dunkelnacht

Es ist April, fast Mai, ein Junge und ein Mädchen treffen sich, der erste Kuss im Mondschein verunglückt und eigentlich erzählt diese Szene schon von Mord, vom Krieg, von weißen Betttüchern, die eine friedliche Kapitulation symbolisieren sollen.

Schorsch, ein Junge aus dem bayerischen Penzberg, ist überzeugt, dass Deutschland auch nach vielen Jahren Krieg nicht kapitulieren darf, und erschrickt über das, was Marie ihm sagt: „Am besten, wir legen schon die Betttücher bereit“. Ist das Wehrkraftzersetzung? Und dann die Hoffnung: Könnte der Krieg bald vorbei sein?

Marie, die Tochter des Metzgers und Schorsch, Sohn des Polizeichefs, durchleben in Kirsten Boies Jugendbuch „Dunkelnacht“ die tatsächlichen Ereignisse der Tage vom 28. – 29. April 1945, zwei Tage vor Hitlers Selbstmord. Die Kleinstadtbewohner hören über das Radio, dass die „Freiheitsaktion Bayern“ das Ende des Krieges verkündet und einige Bürger handeln beherzt: Sie setzen den von den Nazis abgesetzten Bürgermeister wieder ein, versuchen zu verhindern, dass das Bergwerk gesprengt wird – ein Befehl, den es auszuführen gilt, falls die Stadt dem Feind in die Hände fällt – und wollen, dass die Kriegsgefangenen im Ort nicht in letzter Minute hingerichtet werden. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Raffaela Romagnolo: Bella Ciao

Er wurde zum Sommerhit 2018 gekürt. Doch während in den Clubs zu der elektronisch aufgepeppten Version von „Bella Ciao“ ausgelassen getanzt wurde, wusste kaum jemand um den ernsten Ursprung dieses Liedes. Bereits im 19. Jahrhundert galt es in Italien als Arbeiter- und Protestlied, wurde später zur Hymne der Partisanen im Kampf gegen die Faschisten. Um Widerstandskämpfer, (Familien-) Zusammenhalt und den Überlebenskampf im italienischen Piemont von 1900 bis 1946 dreht sich dieser mitreißende Pageturner von Raffaella Romagnolo. Die Autorin schafft es, Historie menschlich, politisch, sinnlich und sehr bewegend zu vermitteln. Ihre Geschichte um Entwurzelung, sozialer Ungerechtigkeit und Schicksal ist universell – bietet aber vor allem Italienliebhabern einen großen Mehrwert. Grandi emozioni, die lebensklug verpackt sind, fesseln von der ersten bis zur letzten Seite.

Borgo di Dentro im Jahr 1946: Das Land ist im Aufbruch, ächzt aber unter den Nachwirkungen des Zweiten Weltkrieges. Das Essen ist rationiert, die Straßen zerbombt, die Toten noch nicht gänzlich betrauert. Mittendrin spaziert eine wohlhabende Amerikanerin mit Seidenstümpfen, elegantem Cape und Hut. Was niemand ahnt: Es handelt sich um die 65-jährige Giulia Masca, die vor 45 Jahren diesen Ort während einer Nacht- und Nebelaktion verlassen hat. Nun möchte sie offene Rechnungen begleichen … oder sich nur mit ihrer Vergangenheit aussöhnen? Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: