Jan Weiler: Das Vogelhaus

„Die Erben wollen das Haus nicht. Was ihn an diesem Gedanken erstaunt, ist die Annahme, dass dort einmal Kinder gewesen sind. Dabei war das kein Ort für fröhliches Lachen, keiner für Farben, keiner für Kuchenduft. Aber es gab das Zimmer. Das schon. Das verbotene Zimmer.“

Leonard Beck führt ein unaufgeregtes Leben in Berlin. Das einzig Spannende darin passiert in den Stücken, die er als Dramaturg für eine Theaterinszenierung aufbereitet. Als er einen Brief von seiner Mutter erhält, gerät seine ruhige Welt ins Wanken: In der elterlichen Kleinstadt steht ein altes Haus zum Verkauf. Ein Haus, das vor vielen Jahren in Leonard und seinen damaligen Zivildienstkollegen das blanke Entsetzen ausgelöst hat. Doch waren die wilden Spekulationen, die sie damals anstellten, wirklich nur einem jugendlichen Übermut geschuldet oder sind in dem Haus einst tatsächlich grausame Verbrechen begangen worden? Als Leonard unerwartet seine Stelle verliert, reist er Hals über Kopf zu seinen Eltern und stellt sich der Vergangenheit und mit ihr jenen Erinnerungen, die er bisher verdrängt hat.

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Woody Brown: Ein ganz normales Wunder

„Es ist, als gäbe es da eine unsichtbare Linie der Behinderung, und wenn du auf der falschen Seite bist, machen sich nicht einmal die Mobber über dich lustig. Du bist so weit außerhalb, dass es einfach nicht mehr lustig ist.“

Eigentlich wollte Walter studieren. Doch nach dem überraschenden Tod des Vaters muss seine Mutter in die Erwerbstätigkeit zurückkehren und kann nicht mehr die Unterstützung leisten, die Walter als non-verbaler Autist benötigt, um im universitären Umfeld zurechtzukommen. Bei Upward Bound, einer Tagesstätte für behinderte Teenager und Erwachsene, gibt es niemanden, der sein Potenzial erkennt oder sich die Zeit nehmen könnte, mit ihm per Buchstabentafel zu kommunizieren. Stattdessen werden die „Schützlinge“, wie der Einrichtungsleiter sie bezeichnet haben möchte, mit einem ewig gleichen Ablauf aus Spielen für Kleinkinder und sinnentleerten Ausflügen beschäftigt. Mehrere Angestellte bei Upward Bound versuchen, frischen Wind in die verstaubte Routine zu bringen, und setzen sich für einen menschenwürdigen Umgang ein. Als jedoch das ungewöhnliche, wenngleich harmlose Verhalten eines ausgebüxten Schützlings ins Visier einer Polizeistreife gerät, kommt es zu einer Katastrophe.

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Heinrich Steinfest: Die Linkshänderinnen

„Es lag eine Art hoffnungsfrohe Art von Erfolg über dem ganzen Unternehmen, das ja genau genommen durch den Tod von Noras Eltern, durch die Betrügereien von Ruths Mann sowie die wissenschaftlich-privaten Querelen Tildas in Heidelberg begründet worden war. Als würde aus einem tiefen Unglück ein triumphales Gewächs hochschießen.“

Sie könnten unterschiedlicher kaum sein: Ruth, orientierungslos nach der Trennung von ihrem untreuen Ehemann, Wissenschaftlerin Tilda und die abergläubische Nora. Nach einem Zwischenfall müssen sie auf andere Plätze im Flugzeug ausweichen und kommen als Sitznachbarinnen ins Gespräch. Nora sieht eine Bestimmung in dieser zufälligen Begegnung, doch die einzige Gemeinsamkeit scheint zu sein, dass die Frauen Linkshänderinnen sind. Als sich einige Zeit später alle drei nach einem Neuanfang sehnen, entsteht die Idee einer gemeinsamen Cocktailbar, deren Gerätschaften und Abläufe vollständig auf Linkshändigkeit ausgerichtet sind. In einem österreichischen Dorf angesiedelt, ist es wieder einem Zufall zu verdanken, dass diese Bar – Elsbeths Hoffnung – zu Ruhm und überregionaler Bekanntheit aufsteigt.
Als eine Gruppe französischer Fachleute auf den Gebieten der Floristik und der Psychoanalyse – zusammengebracht durch eine zufällige Doppelbuchung des Tagungsraumes im örtlichen Hotel – nach einem abendlichen Umtrunk bei den „Elsbeth-Frauen“ spurlos verschwindet, ruft das nicht nur die Polizei, sondern auch die internationale Presse auf den Plan. Doch der Zufall – oder das Schicksal, wenn es nach Nora geht – ist den Protagonistinnen erneut hold und beschert ihnen neben so manchem Liebesglück auch die Auflösung nicht nur dieses einen scheinbar unlösbaren Kriminalfalls.

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Annette Mingels: Evas Tochter

Eines Tages steht ein Zelt auf dem Fußweg, direkt vor dem schicksten Grundstück der Straße, der Villa der Familie von Clüver. Es wird beobachtet, es wird getuschelt, und schon bald wissen alle, wer dort das Lager aufgeschlagen hat: Sophie, die unangepasste Tochter der von Clüvers, seit Jahren verschwunden und seit jeher als schwierig bekannt. Ist es ein beabsichtigter Affront gegenüber den Eltern oder Heimweh, das die junge Frau zur Rückkehr bewogen hat?

Auf der Suche nach einem eigenen Platz in der Welt

Die Bewohnerinnen der Straße begegnen Sophie auf unterschiedliche Weise – neugierig, mitfühlend oder abweisend. Sie kommen ins Grübeln über ihr eigenes Leben und so manche fragt sich, ob der Weg, den sie gerade geht, wirklich der richtige für sie ist oder ob es an der Zeit wäre, mutiger, aufrichtiger, unbequemer zu werden.

„Und dass sie wirklich geglaubt hatte, sie könnte alles auf einmal haben: die Kinder, die Kunst, vielleicht sogar Erfolg. Dass sie es, wenn sie ehrlich war, immer noch glaubte. Als wäre sie naiv. Oder ein Mann.“

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Leodora Darlington: The Exes

„Auch wenn sich mein Männergeschmack allmählich verbessert, habe ich doch noch viel an mir zu arbeiten. Zu viel, als dass ich mir erlauben dürfte, einer neuen Person nahezukommen.“

Keine Fragen über die Vergangenheit stellen – nur unter dieser Voraussetzung kann sich Natalie zögerlich auf die Liebesbeziehung mit ihrem Chef James einlassen. Endlich scheint ihre Suche nach dem Richtigen erfolgreich gewesen zu sein, denn anders als seine Vorgänger ist James rücksichtsvoll und kultiviert. Das leise Gespür von Gefahr in seiner Gegenwart schiebt sie beiseite. Dann jedoch bringt James Natalie um ihr Erspartes und es tauchen alte Briefe von Natalie an ihre drei Ex-Freunde auf, die nach der Trennung einen baldigen Tod fanden. Natalie ist gezwungen, sich mit Geschehnissen auseinanderzusetzen, die sie für immer vergessen wollte. Das gegenseitige Misstrauen wächst. Doch wer von beiden ist hier das Monster?

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Franziska Jebens: Über der Brandung

„Ich will kein gutes Ende, sondern einen neuen Anfang.“

Viel mehr als diesen Leitsatz hat eine junge Autorin nicht im Gepäck, als sie sich – vom Leben und von der Liebe enttäuscht – eines Wintertages aus dem tristen Berlin auf den Weg macht, um dem Strudel ihrer ruhelosen Gedanken zu entfliehen. Durch Zufall landet sie auf einer griechischen Kykladeninsel. Umgeben von wilder Natur trifft sie auf Menschen, die noch wirkliche Lebenslust empfinden und ihren eigenen Weg gehen. In der älteren Hera, einst selbst einer verzweifelten Lage entkommen, findet sie eine weise Mentorin und lernt nach und nach, sich selbst wieder zu spüren.

„Dort, wo die Wellen mal wild und tosend, mal sanft und leise das Ufer berühren. Wo der Sand in der Abendsonne golden schimmert und das Meer dich, mal türkis, mal himmelblau, dazu verlockt, in seine salzigen Fluten einzutauchen.“

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Caro Claire Burke: Yesteryear

Zwischen Tradition und Illusion …

„Manchmal wird mir fast schlecht, wenn ich darüber nachdenke, wie erfüllend – nein, wie perfekt mein Leben ist und wie gut mir alles gelingt.“

Natalie Heller Mills spaltet die Gemüter, wenn Millionen von Menschen auf Instagram verfolgen, wie Natalie genau das Leben lebt, das sie sich immer erträumt hat: inmitten einer weitläufigen Berglandschaft kümmert sie sich hingebungsvoll um ihre stetig wachsende Kinderschar, bestellt leichtfüßig Haus und Hof der Selbstversorger-Farm und genießt in stiller Ergebenheit die liebevollen Aufmerksamkeiten ihres umwerfenden Vorzeigeehemanns.
Doch eines Morgens erwacht Natalie auf einer Anno 1855-Version ihrer Farm. Wie kann das möglich sein und wie soll sie ihre haus- und ehefraulichen Pflichten ohne Kontakt zur Außenwelt, ohne Angestellte und ohne die vor den Kameras verborgenen Hightech-Geräte erfüllen?

Auf den ersten Seiten wirkt Natalies Erzählung auf so überzogene Art überzuckert, dass ich mich fragte, ob sie das wirklich ernst meinen könne. So dauert es auch nicht lange, bis ein Blick hinter die Kulissen die inszenierte Nostalgie-Sehnsucht als das entlarvt, was sie ist: eine Inszenierung. Statt Naturverbundenheit, Romantik und Entschleunigung sehen wir Ausbeutung von geheimen Hilfsarbeitskräften und inkompetenten Nannys, eine zerrüttete Ehe und einen Strudel aus religiösem Wahn, politischem Kalkül und selbstgerechter Verbitterung.

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Matt Haig: Die Mitternachtsreise

Eine Zugfahrt Richtung Vergangenheit

Wenn ein Roman mit dem Tod des Protagonisten beginnt, ist dieser in den meisten Fällen nicht auf natürliche Weise eingetreten, und uns erwartet im weiteren Verlauf der Geschichte die kriminologische Aufklärung dieses und eventuell weiterer Verbrechen.
Nicht so in Die Mitternachtsreise: Wir begegnen dem einundachtzigjährigen Wilbur Budd zwar zunächst an seinem Todestag, doch ist sein Ende zugleich auch der Anfang seiner Fahrt mit dem Mitternachtszug. Von diesem Zug aus kann Wilbur wichtige Stationen seiner Vergangenheit besuchen und sein jüngeres Ich in Schlüsselszenen seines Lebens beobachten. Das Ziel: im Reinen mit sich selbst in die Ewigkeit überzugehen.
Für die Rückschau vom Jenseits aus gibt es jedoch gewisse Regeln, deren Einhaltung für das Zeitengefüge von äußerster Bedeutung ist. Aber was wäre, wenn Wilbur ihnen zum Trotz versuchen würde, die Vergangenheit zu ändern?

„Um ein gutes Leben zu führen, sollte man wissen, wann man Erwartungen einfach ignorieren muss. Auch wenn das bedeutet, die Regeln zu brechen.“

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