Leodora Darlington: The Exes

„Auch wenn sich mein Männergeschmack allmählich verbessert, habe ich doch noch viel an mir zu arbeiten. Zu viel, als dass ich mir erlauben dürfte, einer neuen Person nahezukommen.“

Keine Fragen über die Vergangenheit stellen – nur unter dieser Voraussetzung kann sich Natalie zögerlich auf die Liebesbeziehung mit ihrem Chef James einlassen. Endlich scheint ihre Suche nach dem Richtigen erfolgreich gewesen zu sein, denn anders als seine Vorgänger ist James rücksichtsvoll und kultiviert. Das leise Gespür von Gefahr in seiner Gegenwart schiebt sie beiseite. Dann jedoch bringt James Natalie um ihr Erspartes und es tauchen alte Briefe von Natalie an ihre drei Ex-Freunde auf, die nach der Trennung einen baldigen Tod fanden. Natalie ist gezwungen, sich mit Geschehnissen auseinanderzusetzen, die sie für immer vergessen wollte. Das gegenseitige Misstrauen wächst. Doch wer von beiden ist hier das Monster?

Ein durchdachtes Katz- und Maus-Spiel …

Affären, Manipulation, toxische Beziehungen, Erpressung, Einbruch, Vergewaltigung, häusliche Gewalt, Mord, Drogenverabreichung, Mobbing, Cyberkriminalität – die Liste der Vergehen nimmt kein Ende. Und doch wirkt die Handlung authentisch. Das alles könnte genauso passieren und vieles passiert im Stillen, nebenbei. Natalie schildert zugleich nüchtern und innerlich völlig zerrissen. Sie traut sich selbst nicht mehr und irgendwann wusste ich auch als Leserin nicht mehr, welcher der Romanfiguren ich trauen sollte. So zieht sich eine feine Spannung durch die Handlung.
Ein interessanter Aspekt war der Blick auf romantische Beziehung und Sexualität aus der Perspektive von Natalie als junger schwarzer Frau, die wiederholt eine Über-Erotisierung und Fetischisierung aufgrund ihrer Hautfarbe erlebt. Diese und weitere Gesellschaftskritik schwingt leise zwischen den Zeilen mit. Sie drängt sich nicht vor die Handlung und wirkt dadurch umso nachhaltiger auf die Lesenden.

… Fragt sich nur: Wie viele Katzen gibt es in dieser Geschichte?

Ich lese nur noch selten Thriller. Meist sind mir die Beschreibungen zu grausig und die Aufklärung zu abgedreht. In The Exes gelingt es Leodora Darlington aber, ein Netz aus Unwägbarkeiten und Überraschungen zu spinnen, das mich in seinen Bann gezogen hat – ohne dass das Blut zwischen den Buchdeckeln hervorquillt. Anfangs war ich der Protagonistin noch einige Male einen Schritt voraus. Schon sah ich mich lässig abwinken, über die Rätsel hatte ich längst triumphiert. Doch die Auflösung war verworrener und vielschichtiger als zuerst angenommen und irgendwann staunte ich darüber, was die Geschichte noch alles bereithielt.
Meine Meinung zum Buch: Gelungen und spannend, ohne Schockeffekte und trotz der schwierigen Thematik nicht anstrengend zu lesen.

Leodora Darlington: The Exes
Insel Verlag, Februar 2026
464 Seiten, gebundene Ausgabe, 24,00 €

Diese Rezension wurde verfasst von Sabrina Rüdebusch.

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