Wo Libby Andersch ist, ist bestimmt auch was im Schwange. Oder umgekehrt: Wo was passiert ist, ist Libby, die pfiffige Rentnerin, nicht weit. Diesmal schließt sie sich einem Klassenausflug ihres so genannten Zieh-Enkels Noah an und reist nach Diessenhofen, wo sie mit ihrem Chor einen Auftritt im ehemaligen Katharinenkloster hat. Diese kleine Reise verbindet sie mit einem Ausflug zum Rheinfall, wo sie zuletzt vor vielen Jahren gewesen ist.
Bei einer Rundfahrt lernt sie die junge Schottin Alison Luke kennen, die zufällig auch in der gleichen Pension wie Libby abgestiegen ist. Mit ihr verabredet sie sich für einen Karaoke-Abend in einer kleinen Bar im recht überschaubaren Ort, von dessen einstigem Glanz nicht mehr viel zu spüren ist. Hotels geschlossen, verwahrlost, Geschäfte gibt es keine mehr, lediglich die kleine, gemütliche Pension bietet Touristen Unterkunft. Libby und Alison verbringen einen netten Abend zusammen, den sie auf dem Zimmer mit einem guten Gespräch und einem Absacker beenden. Bei diesem Gespräch erzählt Alison, dass sie gar nicht nur als Touristin unterwegs ist, sondern weil ihre schottische Großmutter ihr Besitz am Rhein vermacht hat. Am nächsten Morgen ist nicht nur Alison verschwunden, auch der Besitzer der Bar wird tot aufgefunden. Angeblich Selbstmord. Libby, die sich auch mit Willy, dem Barbesitzer, unterhalten hatte, kann sich nicht vorstellen, dass er sich das Leben genommen haben soll.
Auch die Besitzerin der Pension hat ihre Zweifel. Dass auch Alison verschwunden ist, erschreckt Libby umso mehr. Immerhin könnte sie mit den Erbansprüchen dem ein oder anderen Immobilienbesitzer im Ort Probleme bereiten. Libby hat also wieder „einen Fall“ zu lösen, zumal die örtliche Polizei nicht allzu aktiv wird. Libby recherchiert und gräbt im Archiv, um herauszufinden, um welches Stück Land es sich bei Alisons Erbe handeln könnte und stößt dabei auf einiges, was im Ort im Argen liegt.
Ein leichter Krimi, der sich so wegliest. Die Figur der Libby Andersch ist recht anschaulich beschrieben, man sieht sie durchaus vor sich, die rüstige, neugierige Rentnerin, die trotz der schmerzenden Hüfte vor keiner Anstrengung scheut, wenn sie sich mal verbissen hat.
Gabriela Kasperski: Tödlicher Rheinfall: Ein Fall für Libby Andersch
Dörlemann, Mai 2026
192 Seiten, Taschenbuch, 21,90 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.
