Karosh Taha: Gulistan

Gulistan“ ist der Name einer Frau, die als Kurdin unter Saddam Husseins diktatorischem Regime im Irak lebt und dort ein Schattendasein fristet. Ihr Mann Çiya arbeitet als Schneider. Als er plötzlich verschwindet, beginnt mit Gulistans verzweifelter Suche nach ihm die Beschreibung von unermesslichem Leid. Als sie Çiya endlich bei einer Versammlung wiederbegegnet, trägt er die Uniform von Saddam Hussein als dessen Doppelgänger. Gulistan wird verhaftet und ihr Martyrium, bei dem sie fast den Verstand verliert, beginnt. Selbst ihre Schwangerschaft hält sie für eine Farce. Durch die Geburt ihres Kindes wachsen dann ein unerschütterlicher Wille und neue Kraft in ihr.

Gulistans schwer nachvollziehbare Ausdrucksform, in der sie immer wieder in die dritte Person oder erste Person Plural fällt, klingt wie fremdgesteuert. Die Autorin hat diese Sprachweise gezielt eingesetzt. Sie soll die Entfremdung der Figuren in sich spürbar machen und auf diese Weise vermitteln, dass diese Sprache aus einer anderen Zeit, von einem anderen Ort kommt. Wie Karosh Taha in einem Interview darlegt, ist dies ein Versuch, das Deutsche im Kurdischen und das Kurdische im Deutschen zu finden. Beide Sprachen sollen sich im lyrischen Ton der Erzählung treffen. 

Karosh Taha wurde 1987 im Nordirak geboren und floh mit ihrer Familie Mitte der neunziger Jahre vor Saddam Husseins Regime.

Gulistan ist Karosh Tahas dritter Roman. Ihr literarisches Schaffen wurde mit vielen Preisen ausgezeichnet. Unter anderem mit der Alfred-Döblin-Medaille oder der Nominierung für den Ulla-Hahn-Preis.

Gulistan ist ein zutiefst politisches und gleichzeitig poetisches Buch. Karosh Taha will mit diesem Roman auf das Leid der Menschen, die unter Gewaltherrschaft leben, aufmerksam machen. Die Angst der Menschen spiegelt sich in fast jedem Satz.

Verwirrend und bedrückend.

Karosh Taha: Gulistan.
DuMont, August 2026.
240 Seiten, gebundenes Buch, 24,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.

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