Ein Wochenendhaus am See in Deutschlands Osten wird das neue Zuhause der Patchworkfamilie. Doch schon bald zeigt sich, dass die Idylle trügerisch ist: Das Haus erweist sich als nicht enden wollende Baustelle, im See macht sich zur besten Badesaison eine Blaualgenplage breit und die Bewohner der umliegenden Datschensiedlung sind mehr misstrauisch als nett.
Dann löst sich das Familienidyll in Luft auf. Längst ist nichts mehr wie es war, nichts ist übrig geblieben von der einstigen großen Liebe: „Nur Gift suppt in unsere Seelen“ (eBook S. 14). Viel zu lange schon ist das Haus bereits wieder unbewohnt. Jetzt erscheint es maroder denn je und im Garten hat sich ein wahrer Dschungel ausgebreitet. Trotz aller schöner Erinnerungen (das Leben als Familie mit den Kindern und schöne Stunden mit Freunden) ist nun der Zeitpunkt für einen Neuanfang gekommen.
Das Haus muss weg. Dann kann sich alles verändern. Doch der desolate Zustand verhindert einen schnellen Verkauf. Irgendwie muss dennoch so schnell wie möglich alles auf Vordermann gebracht werden.
Alla aus Moldawien und Bolek aus Polen entpuppen sich als die geeigneten Haus- und Gartensanierer. Wunderbar beschreibt Eva Menasse Allas außergewöhnliche Erscheinung und deren „sämige Zufriedenheit“ (eBook S. 18), die sich nach erfolgreich getaner Arbeit einstellt. Zusammen mit dem sehr speziellen Slang ihrer Sprache drückt sie der Moldawierin den Stempel eines Originals auf.
Die Gefühlslage der Erzählerin wie auch die Stimmungslage in der Datschensiedlung, die mehr oder weniger unheilvoll durch die Zeilen wabern, sind bestens beschrieben.
Die ungewöhnliche Idee von der Autorin, ihre Ich-Erzählerin Zwiegespräche mit dem Haus führen zu lassen und so die Vergangenheit in Rückblicken aufzurollen, verleiht der Geschichte Glaubwürdigkeit.
Eva Menasses Sprache ist klar und genau auf die Handlung abgestimmt. Hier passt alles.
Gelungener Gesellschaftsroman, in den die deutsch-deutsche Geschichte mit einfließt.
Witzig und tiefgründig.
Eva Menasse: Alleinruhelage.
KiWi, August 2026.
224 Seiten, gebundene Ausgabe, 23,00 Euro.
Diese Rezension wurde verfasst von Annegret Glock.
