Kris van Steenberge: Verlangen

Die Geschichte der Familie Duponselle beginnt etwa 1880 mit dem Mädchen Elisabeth, der Tochter des Schmiedes in dem belgischen Dorf Woesten. Zum Leidwesen der Eltern liebt sie das eigenständige Denken und darf keine weiterführende Schule besuchen. Denn in den Augen der Mutter ist Elisabeths Hilfe beim Klöppeln wichtiger als Bildung. Ihr Lernwillen bleibt und auch der Wunsch, aus der Enge des Dorfes auszubrechen. Als Elisabeth den jungen Arzt Guillaume kennenlernt, sieht sie ihre Chance. Doch Guillaume nimmt sie nach der Hochzeit nicht mit in die Stadt, sondern zieht in ihr Elternhaus ein, um dort zu praktizieren. Schon bald wird sie Mutter von Zwillingen, von denen der Zweitgeborene schwer verunstaltet ist. Daran leidet nicht nur die Ehe. Elisabeths sehnlichster Wunsch, woanders ihr Glück zu suchen, scheint ein unerreichbares Ziel zu bleiben. Weiterlesen

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Hella Haasse: Der schwarze See (1948)

seeAuf Java in den zwanziger, dreißiger Jahren sind die Grenzen zwischen den holländischen Kolonialherren und den verarmten Einheimischen genau definiert. Als die Frau des Verwalters einer Teeplantage und die Frau des Aufsehers im gleichen Jahr einen Sohn gebären, werden diese Grenzen durchlässig. Denn die beiden Jungen wachsen zusammen auf, spielen, essen das Gleiche und werden beste, unzertrennliche Freunde. Eines Tages sollen die Freunde unterschiedliche Schulen besuchen. Mit dem erzwungenen Aufbrechen der Gemeinsamkeiten werden die vorgegebenen Grenzen wieder hergestellt. Doch dabei bleibt es nicht. Weiterlesen

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Jason Reynolds & Brendan Kiely: Nichts ist okay!

okay»… Wehrt euch nicht. Widersprecht nicht. Hebt die Hände. Haltet den Mund. Tut einfach alles, was sie von euch verlangen, dann passiert euch nichts.« (S. 302)

Dies sind die Ratschläge eines schwarzen Polizisten an seine beiden Söhne. Er kennt sich aus. Er weiß, was passieren kann, wenn seine weißen Kollegen von dunkelhäutigen, bedrohlich aussehenden Menschen umgeben sind. Der Vater kennt seine eigene Nervosität und die der Kollegen, die in einem verrufenen Stadtviertel für Ordnung sorgen. Früher lebten in dieser Gegend mehr Weiße als Schwarze, Inzwischen hat sich das Verhältnis umgekehrt.

Der sechzehnjährige Rashad hält sich an die väterlichen Regeln, auch an einem bestimmten Freitagabend im Supermarkt. Ein Missverständnis, ein übereifriger Polizist und Rashads Leben ist ein anderes.  Weiterlesen

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Karolina Ramqvist: Die weiße Stadt

ramqvistDer Winter in Schweden ist noch nicht vorbei. Überall Schnee, Eis und Kälte. Nach dem Tod ihres Partners lebt Karin mit ihrer kleinen Tochter Dream in der Villa am Rande der Stadt. Während sie stillt und mit ihrer neuen Situation als Witwe überfordert ist, bricht ihr Leben auseinander. Kein Geld, kein Strom, kein Telefon und zu allem Übel werden ihr Haus und Auto in wenigen Tagen zwangsgeräumt beziehungsweise gepfändet.
Mit einer Familie im Rücken könnte sie einen neuen Anfang finden. Weiterlesen

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Daniel Scholten: Denksport Deutsch

denksportIst es möglich, ein Buch über Grammatik zu rezensieren? Regeln sind Regeln sind Regeln. Man kann sie in Nachschlagewerken nachlesen.

Welche Funktion hat ein Wort im Satz, wie verhalten sich Artikel und Endungen; was sagen Verben über Zeit und Subjekt aus? Alles ist genauso eindeutig wie in der Mathematik. 1 + 1 = 2.

Was unbestritten ist, weckt keine Neugierde.

Da im Volksmund Mäuse mit Speck gefangen werden, fängt der Sprachwissenschaftler und Autor Daniel Scholten seine Leser mit dem Untertitel: Wer hat bloß die Gabel zur Frau und den Löffel zum Mann gemacht? Da liegt es auf der Hand, wenn er im ersten Teil das Spiel mit den Geschlechtern für eine Antwort nutzt. Weiterlesen

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Bastian Asdonk: Mitten im Land

landEs gibt Menschen, die über einen Neuanfang nachdenken. Die Idee vom stressfreien Leben auf dem Land übt auf den Ich-Erzähler einen so großen Reiz aus, dass er den Sprung ins Ungewisse wagt.

Ein alleinstehendes Haus an einem Waldsee ist das neue Zuhause. Nicht weit davon entfernt befindet sich ein Dorf mit einer eingeschworenen Gemeinschaft, die dem Neuling mit Argwohn begegnet. Und einige von ihnen irritieren ihn mehr, als ihm lieb ist.

Anfangs gefällt dem Erzähler die selbst gewählte Isolation, auch wenn ihn die Instandsetzungsarbeiten überfordern. Allergien und die ungewohnte körperliche Arbeit lenken von der Einsamkeit ab, bis ihn das jährliche Sommerfest ins Dorf lockt. Weiterlesen

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Anne Tyler: Kleine Abschiede

abschiedIst es Mut oder Verzweiflung, als Delia am Strand die Familie verlässt? Ohne Worte und Ankündigung verschwindet sie und landet per Zufall in der Stadt Bay Borough. Kurz nach ihrer Ankunft kauft sie Kleidung, weil sie noch immer ihre Badesachen trägt. Sie findet ein Zimmer zur Untermiete, eine Arbeit als Bürokraft bei einem unangenehmen Anwalt. Aus ihrem Provisorium wird ein kleines, eigenständiges Leben, zu dem allmählich Freundschaften hinzukommen. Irgendwann hat nicht nur die Polizei verstanden, dass hinter Delias Weggehen kein Verbrechen steckt. Die Familie schweigt, und Delia ist verletzt und befreit zugleich. Nach über einem Jahr erhält sie von ihrer Tochter die Einladung zu ihrer Hochzeit. Den offenen Fragen kann sie nun nicht mehr aus dem Weg gehen. Weiterlesen

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John Marsden: Morgen war Krieg

krieg»… Corrie und ich sagten, wir wollten in den Busch und während der Weihnachtsferien einige Tage wie Wilde leben« (S. 9)

Aus der Idee wird ein Plan und schnell ein Erfolg bei den Eltern. Zu siebt fahren die Jugendlichen in die Berge, zu einem zugewachsenen Tal, das »die Hölle« genannt wird. Und während sie unter Bäumen faulenzen und Spaß haben, findet eine Invasion statt. Ihre Eltern, fast die gesamte Bevölkerung der Umgebung werden gefangen genommen. Als die Erzählerin Elli und ihre Freude heimkehren, finden sie verlassene Häuser, verhungerte Haustiere und an manchen Stellen Kampfspuren. Völlig auf sich gestellt, planen sie ein Verweilen in der Hölle. Dies kann nur funktionieren, wenn sie mehr über die Armee und das Schicksal ihrer Familien erfahren. Von jetzt auf gleich müssen sie um ihr Überleben kämpfen, dass unweigerlich Folgen haben wird. Weiterlesen

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Rebecca West: Die Rückkehr (1918)

westIm Ersten Weltkrieg kursierte ein geflügelter Witz:

»Hilf mir, alter Knabe, ich hab‘ keine Beine mehr!«

… »Ich kann nicht, alter Knabe, ich hab‘ keine Hände mehr!«

Rebecca West schrieb im Alter von 24 Jahren ihren Debütroman »Die Rückkehr«, der 1918 veröffentlicht wurde. Während ihre Kollegen über das Leiden der Soldaten berichteten, erzählt die Autorin aus der Perspektive einer finanziell abhängigen, unverheirateten Frau im Alter von 35 Jahren.

Jenny lebt im Haushalt ihres Cousins Chris. Zusammen mit Kitty, der Ehefrau, wartet sie auf seine Lebenszeichen von der Front. Nach wochenlangem Bangen taucht die Arbeiterin Margaret auf, die Nachrichten bringt. So nach und nach erfahren sie alle Umstände seiner Krankheit. Durch Granateneinschläge wurde Chris traumatisiert, so dass seine Erinnerungen an die letzten fünfzehn Jahre verdrängt sind. Weiterlesen

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John Williams: Augustus

augustusDie Geschichte

…. von Octavius, dem späteren Augustus, könnte ein Märchen sein. Er wird von seinem Onkel, Julius Cäsar, adoptiert, und die ganze römische Welt scheint ihm zu Füßen zu liegen. Doch dann wird Julius ermordet. Es ist ein Mord, hinter dem eine politische Verschwörung im großen Stil steckt. Zu diesem Zeitpunkt ist Octavius 19 Jahre alt, kränklich, schmächtig, jemand, dem die Philosophen mehr liegen als der Kampf und das Schwert.

»… Der Junge, der die Zukunft nicht kennt, hält das Leben für eine Art episches Abenteuer, eine Odyssee über fremde Meere und unbekannte Inseln, auf der er seine Kraft erproben und beweisen kann, um so seine Unsterblichkeit zu entdecken.« (S. 400)

Die Realität sieht anders aus. Traditionell müssen die Erben eines verstorbenen Herrschers mit einem plötzlichen und unfreiwilligen Ableben rechnen.  Weiterlesen

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