Shawn Vestal: Loretta

Loretta beschließt im Alter von vierzehn Jahren, dass sie mehr möchte als Bibelsprüche und Askese. Nachts fährt sie heimlich mit ihrer Freundin zu den einschlägig bekannten Treffpunkten, wo sie mit anderen Jugendlichen Alkohol trinkt, Musik hört und sich verliebt. Als sie von einem ihrer nächtlichen Ausflüge zurückkehrt, wartet ihr Vater in ihrem Zimmer auf sie. Natürlich ist der Ruf der streng gläubigen Mormonen-Familie in Gefahr und ein schnelles Handeln erforderlich.

Loretta wird die zweite Ehefrau von Dean, der bereits mit seiner ersten Frau Ruth Kinder hat. Ihr neues Leben entwickelt sich zu einem Alptraum und einer endlosen Strafe. Harte körperliche Arbeit, ein liebloses Zuhause, keine Schule, keine Ausbildung und nach ihrem sechzehnten Geburtstag regelmäßig Sex mit Dean, ihrem wesentlich älteren, dicken Ehemann. Weiterlesen

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Yvonne Hofstetter: Das Ende der Demokratie

Was ist Digitalisierung, und was ist Internet? Ohne groß über die Hintergründe nachzudenken, benutzt fast jeder beides und genießt die Annehmlichkeiten. In der Praxis gibt es den Zugang zu einem Computernetzwerk oder Regelwerke diverser Kommunikationsprotokolle, die durch Codes und Softwaredesigns gelenkt werden. Was im ersten Fall wie ein Akt des freien Willens aussieht, ändert sich im zweiten Fall. Dort unterwirft sich der Anwender entweder den vorgegebenen Regeln oder verzichtet auf bestimmte Leistungen. Friss oder stirb. Ja oder Nein. Ein Vielleicht öffnet keine Türen, die als Schlüssel persönliche Daten verlangen. Laut Yvonne Hofstetter entsteht ein Informationskapitalismus, der von den Spuren der Anwender im Internet genährt wird. Weiterlesen

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Willem Frederik Hermans: Die Dunkelkammer des Damokles (1955)

Henris Lebensgeschichte ist keine normale Biografie. Als er ein Kind ist, tötet seine Mutter den Vater. Er selbst wird dadurch zu einem Außenseiter, dem Sohn einer verrückten Mörderin. In der Pubertät bleibt die Stimme hoch und der Wuchs klein. Auf die übliche Gesichtsbehaarung wartet Henri vergeblich. Sein Gesicht bleibt mädchenhaft. Er lernt Judo, so dass jeder Angriff seiner Mitschüler ins Leere geht. Am Anfang des Krieges rutscht er in den Widerstand, um gegen die deutschen Besatzer zu kämpfen. Weil er für den Dienst an der Waffe zu klein geraten ist, folgt er einem gewissen Dorbeck, der ihm zum Verwechseln ähnelt. Immer wieder tötet er auf dessen Anweisung. Weiterlesen

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Claudia Piñeiro: Ein wenig Glück

Eine defekte Bahnschranke in Temperley, Argentinien, teilt Marilés Leben in ein davor und danach. Wer die Schienen passiert, schaut zuerst zur Bahnhofsseite, die eine weite Sicht erlaubt. Auf der anderen Seite des Übergangs überblickt man 200 Meter der Schienenstrecke. Jeder überquert den Bahnübergang vorsichtig, erst recht wenn die Schranken unten sind und das Warnlicht blinkt. Alle wissen von der defekten Anlage. Nie ist etwas passiert. Als Marilé den anderen Fahrzeugen über die Schienen folgt, geschieht das Unglück. Mitten auf dem Bahnübergang versagt der Motor ihres Wagen, während ein Zug anrauscht. Auf der Rückbank sitzen ihr sechsjähriger Sohn und dessen Klassenkamerad. Leider kann sie nur ihren Sohn retten. Nach dem Unglück beginnt die Zeit der Anfeindungen, des Hasses. Weiterlesen

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E. M. Forster: Die Maschine steht still (1909)

Wie könnte der Mensch in 100 Jahren aussehen und leben? Es gibt zahlreiche Autoren, die ein Bild der Zerstörung, Angst und Hoffnungslosigkeit erschaffen haben.

M. Forsters Blick auf die Zukunft war ebenfalls nicht paradiesisch. Auch wenn Vashti ihr Zuhause für vollkommen hält. Ein vollautomatisiertes Zimmer unter der Erde ist ihr Fleckchen Heimat. Als ihr Sohn Kuno sie zu einem Besuch überredet, überwindet sie ihre Angst vor der Sonne und der Erdoberfläche. Dabei kann sie sich ein eigenes Bild machen. Und was sie durch ein Fenster des Luftschiffes sieht, ist ihr genauso fremd wie Kunos Bericht. Ohne Erlaubnis DER MASCHINE sei er nach oben geklettert. Zu Vashtis Überraschung überlebte er seinen Ausflug ins Freie, und seine Theorie treibt sie in die Flucht. Weiterlesen

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Kris van Steenberge: Verlangen

Die Geschichte der Familie Duponselle beginnt etwa 1880 mit dem Mädchen Elisabeth, der Tochter des Schmiedes in dem belgischen Dorf Woesten. Zum Leidwesen der Eltern liebt sie das eigenständige Denken und darf keine weiterführende Schule besuchen. Denn in den Augen der Mutter ist Elisabeths Hilfe beim Klöppeln wichtiger als Bildung. Ihr Lernwillen bleibt und auch der Wunsch, aus der Enge des Dorfes auszubrechen. Als Elisabeth den jungen Arzt Guillaume kennenlernt, sieht sie ihre Chance. Doch Guillaume nimmt sie nach der Hochzeit nicht mit in die Stadt, sondern zieht in ihr Elternhaus ein, um dort zu praktizieren. Schon bald wird sie Mutter von Zwillingen, von denen der Zweitgeborene schwer verunstaltet ist. Daran leidet nicht nur die Ehe. Elisabeths sehnlichster Wunsch, woanders ihr Glück zu suchen, scheint ein unerreichbares Ziel zu bleiben. Weiterlesen

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Hella Haasse: Der schwarze See (1948)

seeAuf Java in den zwanziger, dreißiger Jahren sind die Grenzen zwischen den holländischen Kolonialherren und den verarmten Einheimischen genau definiert. Als die Frau des Verwalters einer Teeplantage und die Frau des Aufsehers im gleichen Jahr einen Sohn gebären, werden diese Grenzen durchlässig. Denn die beiden Jungen wachsen zusammen auf, spielen, essen das Gleiche und werden beste, unzertrennliche Freunde. Eines Tages sollen die Freunde unterschiedliche Schulen besuchen. Mit dem erzwungenen Aufbrechen der Gemeinsamkeiten werden die vorgegebenen Grenzen wieder hergestellt. Doch dabei bleibt es nicht. Weiterlesen

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Jason Reynolds & Brendan Kiely: Nichts ist okay!

okay»… Wehrt euch nicht. Widersprecht nicht. Hebt die Hände. Haltet den Mund. Tut einfach alles, was sie von euch verlangen, dann passiert euch nichts.« (S. 302)

Dies sind die Ratschläge eines schwarzen Polizisten an seine beiden Söhne. Er kennt sich aus. Er weiß, was passieren kann, wenn seine weißen Kollegen von dunkelhäutigen, bedrohlich aussehenden Menschen umgeben sind. Der Vater kennt seine eigene Nervosität und die der Kollegen, die in einem verrufenen Stadtviertel für Ordnung sorgen. Früher lebten in dieser Gegend mehr Weiße als Schwarze, Inzwischen hat sich das Verhältnis umgekehrt.

Der sechzehnjährige Rashad hält sich an die väterlichen Regeln, auch an einem bestimmten Freitagabend im Supermarkt. Ein Missverständnis, ein übereifriger Polizist und Rashads Leben ist ein anderes.  Weiterlesen

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Karolina Ramqvist: Die weiße Stadt

ramqvistDer Winter in Schweden ist noch nicht vorbei. Überall Schnee, Eis und Kälte. Nach dem Tod ihres Partners lebt Karin mit ihrer kleinen Tochter Dream in der Villa am Rande der Stadt. Während sie stillt und mit ihrer neuen Situation als Witwe überfordert ist, bricht ihr Leben auseinander. Kein Geld, kein Strom, kein Telefon und zu allem Übel werden ihr Haus und Auto in wenigen Tagen zwangsgeräumt beziehungsweise gepfändet.
Mit einer Familie im Rücken könnte sie einen neuen Anfang finden. Weiterlesen

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Daniel Scholten: Denksport Deutsch

denksportIst es möglich, ein Buch über Grammatik zu rezensieren? Regeln sind Regeln sind Regeln. Man kann sie in Nachschlagewerken nachlesen.

Welche Funktion hat ein Wort im Satz, wie verhalten sich Artikel und Endungen; was sagen Verben über Zeit und Subjekt aus? Alles ist genauso eindeutig wie in der Mathematik. 1 + 1 = 2.

Was unbestritten ist, weckt keine Neugierde.

Da im Volksmund Mäuse mit Speck gefangen werden, fängt der Sprachwissenschaftler und Autor Daniel Scholten seine Leser mit dem Untertitel: Wer hat bloß die Gabel zur Frau und den Löffel zum Mann gemacht? Da liegt es auf der Hand, wenn er im ersten Teil das Spiel mit den Geschlechtern für eine Antwort nutzt. Weiterlesen

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