Der Winter in Schweden ist noch nicht vorbei. Überall Schnee, Eis und Kälte. Nach dem Tod ihres Partners lebt Karin mit ihrer kleinen Tochter Dream in der Villa am Rande der Stadt. Während sie stillt und mit ihrer neuen Situation als Witwe überfordert ist, bricht ihr Leben auseinander. Kein Geld, kein Strom, kein Telefon und zu allem Übel werden ihr Haus und Auto in wenigen Tagen zwangsgeräumt beziehungsweise gepfändet.
Mit einer Familie im Rücken könnte sie einen neuen Anfang finden. Weiterlesen
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Daniel Scholten: Denksport Deutsch
Ist es möglich, ein Buch über Grammatik zu rezensieren? Regeln sind Regeln sind Regeln. Man kann sie in Nachschlagewerken nachlesen.
Welche Funktion hat ein Wort im Satz, wie verhalten sich Artikel und Endungen; was sagen Verben über Zeit und Subjekt aus? Alles ist genauso eindeutig wie in der Mathematik. 1 + 1 = 2.
Was unbestritten ist, weckt keine Neugierde.
Da im Volksmund Mäuse mit Speck gefangen werden, fängt der Sprachwissenschaftler und Autor Daniel Scholten seine Leser mit dem Untertitel: Wer hat bloß die Gabel zur Frau und den Löffel zum Mann gemacht? Da liegt es auf der Hand, wenn er im ersten Teil das Spiel mit den Geschlechtern für eine Antwort nutzt. Weiterlesen
Bastian Asdonk: Mitten im Land
Es gibt Menschen, die über einen Neuanfang nachdenken. Die Idee vom stressfreien Leben auf dem Land übt auf den Ich-Erzähler einen so großen Reiz aus, dass er den Sprung ins Ungewisse wagt.
Ein alleinstehendes Haus an einem Waldsee ist das neue Zuhause. Nicht weit davon entfernt befindet sich ein Dorf mit einer eingeschworenen Gemeinschaft, die dem Neuling mit Argwohn begegnet. Und einige von ihnen irritieren ihn mehr, als ihm lieb ist.
Anfangs gefällt dem Erzähler die selbst gewählte Isolation, auch wenn ihn die Instandsetzungsarbeiten überfordern. Allergien und die ungewohnte körperliche Arbeit lenken von der Einsamkeit ab, bis ihn das jährliche Sommerfest ins Dorf lockt. Weiterlesen
Anne Tyler: Kleine Abschiede
Ist es Mut oder Verzweiflung, als Delia am Strand die Familie verlässt? Ohne Worte und Ankündigung verschwindet sie und landet per Zufall in der Stadt Bay Borough. Kurz nach ihrer Ankunft kauft sie Kleidung, weil sie noch immer ihre Badesachen trägt. Sie findet ein Zimmer zur Untermiete, eine Arbeit als Bürokraft bei einem unangenehmen Anwalt. Aus ihrem Provisorium wird ein kleines, eigenständiges Leben, zu dem allmählich Freundschaften hinzukommen. Irgendwann hat nicht nur die Polizei verstanden, dass hinter Delias Weggehen kein Verbrechen steckt. Die Familie schweigt, und Delia ist verletzt und befreit zugleich. Nach über einem Jahr erhält sie von ihrer Tochter die Einladung zu ihrer Hochzeit. Den offenen Fragen kann sie nun nicht mehr aus dem Weg gehen. Weiterlesen
John Marsden: Morgen war Krieg
»… Corrie und ich sagten, wir wollten in den Busch und während der Weihnachtsferien einige Tage wie Wilde leben« (S. 9)
Aus der Idee wird ein Plan und schnell ein Erfolg bei den Eltern. Zu siebt fahren die Jugendlichen in die Berge, zu einem zugewachsenen Tal, das »die Hölle« genannt wird. Und während sie unter Bäumen faulenzen und Spaß haben, findet eine Invasion statt. Ihre Eltern, fast die gesamte Bevölkerung der Umgebung werden gefangen genommen. Als die Erzählerin Elli und ihre Freude heimkehren, finden sie verlassene Häuser, verhungerte Haustiere und an manchen Stellen Kampfspuren. Völlig auf sich gestellt, planen sie ein Verweilen in der Hölle. Dies kann nur funktionieren, wenn sie mehr über die Armee und das Schicksal ihrer Familien erfahren. Von jetzt auf gleich müssen sie um ihr Überleben kämpfen, dass unweigerlich Folgen haben wird. Weiterlesen
Rebecca West: Die Rückkehr (1918)
Im Ersten Weltkrieg kursierte ein geflügelter Witz:
»Hilf mir, alter Knabe, ich hab‘ keine Beine mehr!«
… »Ich kann nicht, alter Knabe, ich hab‘ keine Hände mehr!«
Rebecca West schrieb im Alter von 24 Jahren ihren Debütroman »Die Rückkehr«, der 1918 veröffentlicht wurde. Während ihre Kollegen über das Leiden der Soldaten berichteten, erzählt die Autorin aus der Perspektive einer finanziell abhängigen, unverheirateten Frau im Alter von 35 Jahren.
Jenny lebt im Haushalt ihres Cousins Chris. Zusammen mit Kitty, der Ehefrau, wartet sie auf seine Lebenszeichen von der Front. Nach wochenlangem Bangen taucht die Arbeiterin Margaret auf, die Nachrichten bringt. So nach und nach erfahren sie alle Umstände seiner Krankheit. Durch Granateneinschläge wurde Chris traumatisiert, so dass seine Erinnerungen an die letzten fünfzehn Jahre verdrängt sind. Weiterlesen
John Williams: Augustus
…. von Octavius, dem späteren Augustus, könnte ein Märchen sein. Er wird von seinem Onkel, Julius Cäsar, adoptiert, und die ganze römische Welt scheint ihm zu Füßen zu liegen. Doch dann wird Julius ermordet. Es ist ein Mord, hinter dem eine politische Verschwörung im großen Stil steckt. Zu diesem Zeitpunkt ist Octavius 19 Jahre alt, kränklich, schmächtig, jemand, dem die Philosophen mehr liegen als der Kampf und das Schwert.
»… Der Junge, der die Zukunft nicht kennt, hält das Leben für eine Art episches Abenteuer, eine Odyssee über fremde Meere und unbekannte Inseln, auf der er seine Kraft erproben und beweisen kann, um so seine Unsterblichkeit zu entdecken.« (S. 400)
Die Realität sieht anders aus. Traditionell müssen die Erben eines verstorbenen Herrschers mit einem plötzlichen und unfreiwilligen Ableben rechnen. Weiterlesen
Helen Garner: Drei Söhne: Ein Mordprozess
In Australien sorgte ein Prozess für viel Medienrummel. 2005, am Abend des Vatertages, fuhr Robert Farquharson mit seinen drei Söhnen zu seiner Exfrau. Sein alter Wagen verließ unter merkwürdigen Umständen die Straße, rollte in einer langgezogenen Kurve einen Abhang hinunter, kollidierte mit dem Ende eines Zaunes und touchierte Büsche. Danach versank er mit seinen Insassen in einem Baggersee. Die drei Jungen ertranken, Robert, der Vater, konnte sich retten.
Im Verlauf der nächsten zehn Jahre versucht das Gericht die Ungereimten zu klären, während der angeklagte Vater stets seine Unschuld beteuert.
Viele Zeugen werden ausgiebig verhört und dabei vom Verteidiger oder Staatsanwalt mit zahlreichen Fangfragen irritiert. Jeder von ihnen tappt in die Falle, beginnt zu zweifeln. Einige verlassen demoralisiert ihre ursprüngliche Aussage, weil sie auf einmal ihrer Wahrnehmung misstrauen. Und nach jeder weiteren Befragung scheint es eine andere Perspektive auf die Wahrheit zu geben. Weiterlesen
Frans Kellendonk: Buchstabe und Geist (1982)
»… Alles liegt immer an einem selbst. Du wolltest nicht mehr so wichtig sein. Du wolltest dich verlieren und dein Leben retten. Du kamst, um ein Mensch unter Menschen zu werden, in der Hoffnung, deine Glasglocke der Eitelkeit würde zerbrechen. Es ist dir nicht gelungen. Und du glaubst, es wird niemals gelingen.» (S. 140/141)
Felix Mandaat jagt einem Geist hinterher. Er ist so flüchtig, dass er ihn noch nicht einmal zu benennen vermag. Vergeblich suchte er sein Glück in der Dichtkunst. Und dann, kurz vor seinem dreißigsten Geburtstag sollen ihm die Menschen helfen. Die Vertretungsstelle in der Bibliothek entwickelt sich jedoch nicht so, wie er hofft. Aus irgendeinem Grund bleibt er zwischen den vielen, schriftstellerisch tätigen Kollegen der Außenseiter. Zusammen mit ihren eigenen Büchern haben sie in den Hallen eine geistige Heimat gefunden, einen Hort der Gelehrsamkeit. Mandaats anfängliches Unbehagen bleibt. Allmählich verändert die Arbeit in diesem alten Gemäuer seine Wahrnehmung. Weiterlesen
Vendela Vida: Des Tauchers leere Kleider
In
ihrem Reiseführer steht, sie solle Marrakesch direkt nach der Ankunft verlassen. Die Erzählerin beschließt, die erste Nacht in der Stadt zu bleiben. Kurz nach dem Einchecken im Hotel wird ihr Rucksack gestohlen. Mit der Übermüdung im Körper, ohne Bargeld, Kreditkarte und Pass scheinen ihre Fluchtpläne zu scheitern. Doch als die Polizei ihr am nächsten Tag den Rucksack einer anderen Frau präsentiert, greift sie nach ihm wie nach dem berühmten Strohhalm. Auch für ihre finanziellen Engpässe gibt es unerwartet Hilfe. Ein Job als Lichtdouble für einen amerikanischen Filmstar wird ihr angeboten. Durch ihre Ähnlichkeit mit dem Star stürzt sie viel zu schnell über neue Fallstricke. Weiterlesen
