Géraldine Dalban-Moreynas: An Liebe stirbst du nicht

So etwas muss man mögen, sich darauf einlassen. Das ist mir leider nicht gelungen.

Das lag aber nicht am Stil der Autorin. Im Gegenteil, der war erfrischend anders, kühl, distanziert, analytisch. Fast wie der Bericht einer Wissenschaftlerin, die ein Forschungsobjekt beobachtet. Oder wie das Tagebuch eines Verhaltensforschers, der die Reaktionen der Probanden unter die Lupe nimmt. Dazu trägt besonders bei, dass die Protagonisten einmal mehr namenlos bleiben, es gibt nur eine Sie und einen Er.

Was mir an diesem Roman so gar nicht zusagt, ist das Gleiche, was mich auch an dem berühmten Roman „Liebesleben“ von Zeruya Shalev so gestört hat: die Handelnden befinden sich in einer Blase, es findet außerhalb ihrer eigenen Befindlichkeiten und Bedürfnisse nichts statt. Wobei diese Bedürfnisse für die beiden Beteiligten über allem stehen, ohne Rücksicht auf Verluste. So etwas mag es sicher geben, für mich ist das dennoch zu unrealistisch, zu weit weg vom „normalen“ Leben und zu weit weg von „normalen“ Menschen.

All das führt dazu, dass mir die Protagonisten fremd blieben, ich konnte keine Empathie entwickeln, mich weder in sie hineinversetzen noch nimmt mich ihr Schicksal irgendwie für sie ein. Weiterlesen →

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Hannah Lynn: Wer will schon ewig leben

Was für ein aberwitzig witziges Buch. Die Autorin lässt ihrer überbordenden Fantasie freien Lauf und heraus kommt ein gelungener Roman um einen seit 200 Jahren in der Zwischenwelt festsitzenden armen Tropf.

Dieser arme Kerl heißt Walter Augustus und er hängt so lange in dieser Zwischenwelt fest, so lange sich auf der Erde noch irgendjemand an ihn erinnert. Nun hat er Aussicht auf Aufstieg ins Jenseits, denn die letzte Nachfahrin seiner Familie liegt im Sterben und Walter hat die große Hoffnung, dass sich danach niemand mehr an ihn erinnern wird. Doch er hat sich zu früh gefreut. Denn Walter, seinerzeit Hufschmied von Beruf, hat zu Lebzeiten Gedichte verfasst, die ein wohlmeinender Adliger heimlich drucken ließ. Aufgrund eines, nennen wir es Unfalls, bleibt von diesen Bänden nur ein einziger erhalten. Und dieses Exemplar gelangt nun in unserer Zeit in die Hände von Letty, einer schüchternen, etwas übergewichtigen Schuhverkäuferin und Hobbybäckerin mit einem zu großen Hang zu Süßigkeiten. Also muss Walter nun alles daransetzen, dieses letzte Exemplar seiner Gedichte zu vernichten und die Erinnerung an seinen Namen aus Lettys Gedächtnis zu löschen.

Unterstützung bekommt er dabei von dem ebenfalls in die Zwischenwelt zurückkatapultierten Pemberton, denn diesem war Walters Gedichtband gewidmet, sowie von Hector, einem reichlich sonderbaren Gesellen, der von wirren Ideen und absurden Ideen nur so sprudelt. Weiterlesen →

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Wiebke von Carolsfeld: Das Haus in der Claremont Street

Ein weiteres Debüt aus Kanada. Und was für eins. Die in Deutschland geborene Autorin, die als Regisseurin preisgekrönte Filme drehte, erzählt uns in ihrem fesselnden Roman das Psychogramm einer Familie. Dabei zeichnet sie so wunderbare Figuren und entwirft so bildhafte Szenen, dass die Leserin manches Mal nicht weiß, ob sie lachen oder weinen soll.

Die Familie, um die es geht, besteht aus so präzisen wie individuellen Charakteren, deren liebenswerte Egozentrik, würde man diesen Menschen im echten Leben begegnen, einen doch gelegentlich auf die nächste verfügbare Palme treiben würde.

Dabei dreht sich alles um den kleinen Tom, 9 Jahre alt und schwer traumatisiert. Seit er mitbekam, wie sein Vater seine Mutter erschlug und anschließend sich selbst erschoss, spricht er kein Wort. Er verkriecht sich in sich selbst, saugt permanent an seinem Daumen und fügt sich immer wieder möglichst heftige Schmerzen zu. Tom kommt zuerst zu seiner Tante Sonya, der ältesten Schwester seiner Mutter. Doch sie scheitert an dem Verhalten des Jungen, ist sie doch mit sich selbst ganz und gar nicht im Reinen.

Daraufhin wird Tom bei Rose einquartiert, der zweiten Schwester seiner Mutter. Diese lebt zusammen mit ihrem 15-jährigen Sohn Nick und ihrem Bruder Will in ihrem ehemaligen Elternhaus. Weiterlesen →

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Nick Hornby: Just like you

Mir über diesen neuen Roman des beliebten und renommierten Autors ein Urteil zu bilden, fällt mir nicht leicht. Das Thema ist spannend und aktuell, der Stil ist erfrischend wie immer bei ihm und dennoch stellt mich das Buch nicht gänzlich zufrieden.

Das liegt vor allem an der Dialoglastigkeit. Der ganze Roman besteht größtenteils aus Dialogen, aus Gesprächen zu zweit, zu dritt. Bekanntlich sind ja etliche der Bücher von Nick Hornby erfolgreich verfilmt worden. Und da liegt meines Erachtens die Crux: der Roman wirkt wie ein Drehbuch, allerdings ohne die Regieanweisungen zu den Dialogen. Damit will ich sagen, dass die Gespräche über viele Seiten dahinplätschern, die Menschen dabei gerne aneinander vorbeireden oder die Botschaften zwischen den Zeilen verstecken, aber das „Leben“ beim Sprechen fehlt. Elizabeth George nennt das, was ich hier vermisst habe, in ihrem Buch Wort für Wort die „Geschwätzvermeidungsstrategie“. Dabei sind die Dialoge, wie immer bei diesem Autor, sehr spritzig, lebensecht, realistisch. So sprechen die Menschen heute, so reden Mütter mit ihren Söhnen, Frauen mit ihren Männern, Freundinnen miteinander.

Daneben verfolgt die Leserin die Handlung durch die Gedanken der Protagonisten, entweder aus der Sicht von Lucy oder aus dem Blickwinkel von Joseph, dem jungen Mann, in den sie sich verliebt. Weiterlesen →

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Andreas Wagner: Jahresringe

Schon wieder ein erstaunliches Debüt. Andreas Wagner, der aus der Region stammt, über die er schreibt, erzählt uns eine Geschichte über Flucht und Vertreibung, über Heimatverlust und Heimatsuche und er erzählt die Geschichte des Braunkohletagebaus zwischen Aachen und Köln. Der Autor hat dabei einen ganz eigenwilligen Stil, manchmal tiefgründig, manchmal mystisch, mal skurril und mal hochspannend.

Leonore Klimkeit flieht in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs „so weit nach Westen wie möglich“. Sie gibt vor, 21 Jahre alt zu sein, obgleich sie viele Jahre jünger ist, als sie Ostpreußen verlassen muss und schließlich nach einer zwei Jahre währenden Flucht in dem kleinen Ort Lich-Steinstraß in der Nähe von Jülich landet. Trotz der sehr heftigen und viele Jahre anhaltenden Ablehnung durch die Dorfbewohner als „Flüchtling“ findet sie Aufnahme bei Hannes Immerath und seiner Mutter. Hannes, oder Jean, wie er genannt wird, ist der Bäcker des Dorfes. Im Laufe der Jahre übernimmt Leonore nach und nach die Arbeit von Jean und erbt schließlich seinen Laden und die Backstube.

Sie bringt einen unehelichen Sohn, Paul, zur Welt, was zu noch mehr Ausgrenzung im Ort führt. Leonore fühlt sich so richtig heimisch nur, wenn sie im Wald ist. Der riesige und uralte Bürgewald schenkt ihr Geborgenheit und Zuflucht. Hier kann sie träumen und „schweben“, hier findet sie Ruhe und Kraft. Weiterlesen →

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Dani Atkins: Wohin der Himmel uns führt

Wer die Bücher von Dani Atkins liest, weiß, was sie erwartet. Wer die Bücher von Dani Atkins liest, weiß, dass sie Taschentücher brauchen wird und dass es rührselig zugehen wird. So auch in diesem neuen Roman, in dem sich die Autorin ein wirklich heikles Thema vorgenommen hat.

Die Geschichte wird erzählt aus den Perspektiven der beiden jungen Frauen Izzy und Beth. Beth hat vor einigen Jahren ihren geliebten Mann Tim durch Krebs verloren. Bevor er starb haben sie drei Embryonen kryokonserviert, damit sie auch dann Kinder bekommen könnten, falls er durch die Krebsbehandlung unfruchtbar würde. Zwei Versuche sind bisher fehlgeschlagen, als Beth nun den Entschluss fasst, den dritten verbliebenen Embryo austragen zu wollen.

Izzy, deren Mann Pete vor kurzem ausgezogen ist, weil es in ihrer Ehe kriselt, ist eine überbesorgte Mutter und behütet den 8-jährigen Sohn Noah wie ihren Augapfel. Auch Izzy und Pete hatten Embryos eingefroren, aus einem von ihnen ist Noah entstanden.

Als Beth in der entsprechenden Klinik vorstellig wird, entdeckt man dort einen schweren, vor Jahren geschehenen Fehler: Die Embryos waren vertauscht worden, und Beths Kind war von Izzy ausgetragen worden. Es wuchs seit 8 Jahren bei Izzy und Pete als deren Sohn heran. Weiterlesen →

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Sophie Bienvenu: Sam ist weg

Sophie Bienvenu – was für ein schöner Name – hat einen herzberührenden und zugleich optimistischen Roman geschrieben. Es ist einer dieser Romane, die vor allem wegen der Hauptfigur in Erinnerung bleiben. Und damit eine Antwort auf die immer mal wieder gestellte Frage, wie wichtig für einen Roman die sorgfältige Ausarbeitung der Charaktere ist.

Sie erzählt uns die Geschichte von Mathieu, einem jungen Mann auf den Straßen von Montreal, der alles verloren hat im Leben außer seiner geliebten Hündin Sam. Mathieu hat etliche tiefgreifende Erlebnisse hinter sich, die ihn zu einem Leben auf der Straße zwingen. Einzig dank Sam erlebt er Wärme, Zuwendung und Liebe.

Doch eines Tages ist Sam plötzlich verschwunden. Darüber geht Mathieu fast zugrunde. Er beginnt sie zu suchen, taucht ein in Abgründe der Großstadt, lernt aber auch Hilfsbereitschaft und Unterstützung kennen. Während seiner Suche erinnert er sich an seine Kindheit und Jugend, vor allem an seine Mutter. Er begreift, was er besaß, was er verlor und er begreift, was Schicksal ist, unabwendbar, unergründbar. Weiterlesen →

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Rye Curtis: Cloris

Cloris ist der Vorname der einen Protagonistin dieses wirklich erstaunlichen Romandebüts des jungen Texaners Rye Curtis. Cloris Waldrip ist 72 Jahre alt, als sie sich zusammen mit ihrem Mann, den sie stets nur Mr.Waldrip nennt, auf einen Rundflug über die Bitterroot Mountains begibt. Doch das kleine Flugzeug stürzt mitten in der Wildnis ab und nur Cloris überlebt, so gut wie unverletzt. Nur mit ihrer Handtasche, dem Pullover des toten Piloten und einigen Karamellbonbons bricht sie auf, in der Hoffnung auf Rettung.

Die zweite beeindruckende Protagonistin ist Debra Lewis, Rangerin im National Forrest. Als sie von dem Flugzeugabsturz erfährt, glaubt sie als Einzige fest daran, dass Cloris überlebt hat und macht sich auf die Suche nach ihr.

Cloris kommt aufgrund ihres Alters und weil ihr jede Kenntnis von Überlebensstrategien in freier Natur fehlen, nur sehr langsam voran. Doch es scheint, als hielte jemand seine schützende Hand über sie. Irgendwer hilft ihr, Feuer zu entzünden, versorgt sie mit Essbarem und bewahrt sie vor Unfällen. Es dauert lange, bis sich ihr geheimnisvoller Beschützer zu erkennen gibt und sie mit ihm Freundschaft schließen kann. Weiterlesen →

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

John Bolton: Der Raum, in dem alles geschah

Kurze Zeit nach seinem Rücktritt (oder seiner Entlassung?), aber noch vor der Präsidentschaftswahl in den USA erschien John Boltons Buch. John Bolton war 519 Tage lang Nationaler Sicherheitsberater des amerikanischen Präsidenten – amtlich „Assistant to the President for National Security Affairs“. In dieser Funktion hatte er engen Kontakt zu Trump und war maßgeblich an Entscheidungen des Präsidenten beteiligt, die weitreichende internationale Bedeutung hatten und noch haben.

Das Buch ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern greift in 15 Kapiteln jeweils ein weltpolitisch bedeutsames Thema auf, wie die Annäherung an Nordkorea, die Sanktionen gegen den Iran oder gegen Syrien, die Teilnahme am G7-Gipfel, um nur einige zu nennen.

Für ein Honorar von 2 Millionen USD, so ist zu lesen, berichtet Bolton als Insider aus der Herzkammer der amerikanischen Machtzentrale, dem Oval Office, eben dem „Raum, in dem alles geschah“, über Machtmissbrauch, Amtsanmaßung, politische Inkompetenz und rechtswidrige Handlungen. Basierend auf seinen minutiösen Notizen und Protokollen zeichnet er die Konturen der Persönlichkeit des mächtigsten Mannes der Welt mit groben Strichen nach. Allerdings ist vieles davon auch schon anderswo geschrieben und kommentiert worden. Weiterlesen →

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Nina George: Die Schönheit der Nacht

Bisher bin ich ein wirklicher Fan der Bücher von Nina George. Ihre im Süden Frankreichs spielenden, warmherzigen Romane haben mich oft berührt und lange nachgehallt.

Mit diesem Roman allerdings komme ich nicht zurecht. Die Handlung, so man das Geschehen so nennen kann, tritt vollkommen zurück hinter den Grübeleien und den philosophischen Betrachtungen der Protagonistin, und zwar in einem Ausmaß, dass es für mich schwer zu ertragen war.

Claire ist eine renommierte Verhaltensbiologin, verheiratet mit Gilles und Mutter von Nicolas. Claire gestattet sich wiederholt One-Day-Stands in einem Hotel, die ihr nichts bedeuten, für sie aber wichtig sind. Ihr Verhältnis zu ihrem Mann ist brüchig und von Zweifeln geprägt, obwohl er ihr mit viel Verständnis begegnet. Eines Tages, Claire hat wieder eine „verbotene Stunde“ in einem Hotel verbracht, trifft sie beim Verlassen des Zimmers ein Zimmermädchen, das sie beobachtet. Am selben Abend stellt ihr Sohn Nicolas genau diese junge Frau als die Frau seines Lebens seinen Eltern vor. Weiterlesen →

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: