Gavin Extence: Libellen im Kopf

Schon im Roman „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“ war ich angenehm überrascht von der Nähe, die der Autor zu seinem Protagonisten herstellt. In „Libellen im Kopf“ hat er das fast noch perfektioniert. Die eher erfolglose Journalistin Abby findet ihren toten Nachbarn Simon, als sie sich eine Dose Tomaten ausborgen will. Was sich wie der Anfang eines Krimis liest, ist jedoch nur der Beginn einer Abwärtsspirale in Abbys Innerem, die zunächst steil aufwärts zu zeigen scheint. Abby verarbeitet das Erlebnis in einem Artikel, sie macht das auf eine sehr persönliche Art und Weise und verknüpft es mit ihrem eigenen Empfinden. Das kommt zunächst gut an. Ebenso wie der Folgeartikel, der noch persönlicher wird, aber in der Hauptsache nur ihr engeres Umfeld verärgert. Weiterlesen

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Carmen Korn: Töchter einer neuen Zeit

Sie sind noch jung, als der Große Krieg endete, wie man den Ersten Weltkrieg zu ihrer Zeit nannte, einer Zeit, in der man sich nicht vorstellen konnte, dass sich wo etwas noch einmal wiederholen könnte. Um vier Frauen geht es in diesem Roman. Henny und Käthe gehen zur Hebammenschule, Lina muss auf ihren Bruder aufpassen, weil die Eltern im letzten Kriegswinter verhungerten, um die Kinder überleben zu lassen und Ida ist zwar privilegiert aufgewachsen, aber auch in den Zwanzigern ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Geschichten der vier Frauen verweben sich miteinander im Laufe der Jahre, gemeinsam mit ihnen erlebt der Leser eine Reise durch die Zeit, die einen nicht mehr loslässt. Weiterlesen

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Volker Kutscher: Lunapark

Es gibt ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass der Roman ziemlich gut ist. Ich konnte ungefähr zehn Seiten davon nicht ertragen. Das ist mir schon lange – eigentlich noch nie passiert. Aber die Szene in der Dr. M. Gereon Rath den Ernst der Lage erklärt und dabei ein unschuldiges Wesen tötet, ist mir unter die Haut gegangen. Es kündigte sich schon so drei bis vier Seiten vorher an, dass diese Szene einfach zu idyllisch war, dass das nicht gut ausgehen würde und doch kam es dann völlig unvorbereitet. So schreibt man Spannung. In den Jahren der Vorbereitung zu Holocaust, während Menschen verschwinden und politische Morde an der Tagesordnung sind, gelingt dem Autor noch so ein Turn (den ich ihm bis zum Ende jedes seiner Bücher übel nehmen werde), trotzdem: WOW. Weiterlesen

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David Safier: Traumprinz

Man kann sich den perfekten Mann nicht nur backen, man kann ihn sich auch malen. Wenn man eine tibetanische Lederkladde klaut, die verzaubert ist und bei Missbrauch die ganze Welt zerstören kann. Und dann noch reinmalt. Diese Erfahrung macht jedenfalls die Comiczeichnerin Nellie, als sie am höchsten Punkt des Liebeskummers ihren Traumprinzen in die Kladde malt. Der steht am nächsten Morgen mitsamt Schwert vor ihrer Tür. Und versucht sich im modernen Berlin zurechtzufinden.

Jetzt ist ja weder der Versuch mittelalterliche Helden in die Jetztzeit zu transferieren noch das entkommen derselben aus Büchern in die Realität ein ganz neuer Gedanke. Weiterlesen

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Nele Neuhaus: Im Wald, gelesen von Julia Nachtmann

neuhausAls „Bodensteins persönlichster Fall“ wird dieser achte Krimiband von Nele Neuhaus um das Krimiduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff beworben. In der Tat führt eine Mordserie die beiden in von Bodensteins Heimatort Ruppertshain. Er kannte entweder die Opfer selber oder zumindest die Familien der Opfer. Das ist auch kein Wunder bei einem derart kleinen Ort. Aber was steckt hinter den Morden? Die Geschichte führt ganz weit zurück, bis zu einem kleinen Jungen, der bereits jetzt schon tolerant und gerechtigkeitssuchend ist und sich ausgerechnet mit dem ausgestoßenen Artur anfreundet – und mit einem geretteten Fuchswelpen. Bis die beiden eines Tages verschwinden und niemand herausfindet, was geschehen ist. Weiterlesen

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Sebastian Fitzek: Das Paket, gelesen von Simon Jäger

paketEndlich mal wieder ein typischer Fitzek. Spannend, verwirrend, mit Aha-Effekt. Emma Stein ist selbst Psychiaterin, was ja eigentlich ihre Glaubwürdigkeit erhöhen sollte. „Das Paket“ ist aus ihrer Sicht erzählt. Ganz zu Anfang, wird sie während eines Kongresses in einem Hotelzimmer vergewaltigt. Obwohl das Zimmer hinterher verschwunden ist und die Polizei ihr kein Wort glaubt, glaubt ihr der Leser, der die Szene ja aus ihrer Sicht miterlebt hat. Aber ihr Leben wird immer verworrener, sie zieht sich zurück, traut sich nicht mehr aus dem Haus (Hut ab dafür, sich für einen kranken Hund zu überwinden) und dann hinterlässt der Postbote auch noch ein Paket für einen ihr völlig unbekannten Nachbarn. Weiterlesen

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Tilmann Röhrig: Die Flügel der Freiheit, gelesen von Wolfgang Berger

tilmanLuther verbirgt sich als Junker Jörg auf der Wartburg. Dort kämpft er nicht nur mit der Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche, sondern auch mit seinen Gedärmen. Genauso wie es im inneren des deutschen Reiches gärt und zwickt, denn die Menschen sind auf den Gedanken und den Geschmack der Freiheit gekommen. Da überbringt der junge Barthel Briefe, die Luther zurück nach Wittenberg treiben. Aber ist der Aufstand noch aufzuhalten, soll er überhaupt aufgehalten werden? Und was plant Thomas Münzer? Weiterlesen

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Elisabeth Hermann: Die Mühle, gelesen von Laura Maire

muehleDas ist mir lange nicht mehr passiert, dass ich bei einem Hörbuch vor Spannung nicht einschlafen konnte. Und am Ende leicht verärgert war, was aber nicht mit dem Ende zusammenhing. Fangen wir mal vorne an. Cool war Lana in ihrer Schulzeit in einem Kaff am Ende der Welt nicht wirklich. Sofort nach dem Abi hat es sie nach Berlin verschlagen und hier trifft sie zufällig auf ein Mitglied der einstmals coolen Clique „The Court“, der sich sofort auf der Treppe den Fuß bricht und ihr eine Einladung nach Karlsbad schenkt, bei der die gesamte Clique eingeladen ist. Lana kann nicht widerstehen.

Sie sind in einem exklusiven Hotel untergebracht, man spricht und schweigt über alte Zeiten und es folgt ein geplanter Ausflug, der sehr schnell dramatisch wird. Der einzige Rückweg bricht zusammen, Mitglieder verschwinden und tauchen manchmal wieder auf und die Clique flüchtet sich in eine alte Mühle in den Bergen. Dort wird es von Stunde zu Stunde unheimlicher und mörderischer. Weiterlesen

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Richard Dübell: Die Krone des Schicksals

duebellUm den Edelstein Orphanus ranken sich fast so viele Legenden wie um die Heilige Lanze. Aus den Tränen der Jungfrau Maria vor dem Kreuz soll er einst entstanden sein, wer ihn in der Krone trägt, wäre unschlagbar. 1204 stielt der junge Walther von der Vogelweide den Stern aus Konstantinopel für seinen Herrn und Gönner Phillip von Schwaben. Vier Jahre später plant Phillip damit seinem ausgesuchten Nachfolger Friedrich  den Weg ein bißchen weniger steinig zu machen, und bittet Walther für den Übergabeabend ein Lied auf den Stein zu dichten. Aber Walther hat gleich kein gutes Gefühl bei der Sache, ihm ist der Stein unheimlich, der den, der ihn unrechtmäßig trägt, verderben soll. Der Übergabeabend endet in einer völligen Katastrophe, die Frau, die Walther liebt und nie lieben durfte stirbt an seiner Stelle und der Stein verschwindet. Weiterlesen

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Kevin Sands: Der Blackthorne Code 01: Das Vermächtnis des Alchemisten

blackObwohl Cover, Titel und Klappentext auf einen Fantasie-Roman hindeuten, ist „Der Blackthorne Code“ doch ein historischer Jugendroman. Es fand sich zumindest nichts im Text, was am Ende als übernatürlich durchgehen könnte. Allerdings sind die Fähigkeiten der Alchemisten sehr viel besser, als ich es erwarten würde, aber ok, nix ist dabei völlig undenkbar.

Christopher Rowe ist ein Waisenjunge in London und betrachtet es als ausgesprochenes Glück, dass der Apotheker Benedict Blackthorne ihn als Lehrling aufgenommen hat. Christopher ist pfiffig und Blackthorne weiß das zu schätzen, obwohl es so manches mal zu Situationen kommt, die etwas … explosiv sind. Weiterlesen

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