Im neuesten Comic-Buch-Abenteuer findet Jeff Kinney wieder zu den Ursprüngen der Greg Reihe zurück und mir hat das gut gefallen. War es im ersten Band ein Tagebuch, mit dem Gregs Mom ihn zu einem besseren Menschen machen wollte, so ist es in Band 11 ein Hobby, dass sie von ihm verlangt. Dabei hat Greg gerade erst – nicht ganz freiwillig – Lektüre gefunden , die ihn zu einem regelmäßigen Leser machen könnte: Die Schlotterbein-Romane von Reiner Grusel. Aber seine Mom möchte, dass er etwas „kreatives“ macht und außerdem steht gerade Halloween vor der Tür. Was bietet sich also besser an, als einen Horrorfilm zu drehen. Da Gregs Ego es zwar durchaus zulassen würde, Regie und Rollen gleichzeitig zu übernehmen, er aber einsehen muss, dass er unmöglich gleichzeitig vor und hinter der Kamera sein kann, muss sein bester Freund Rupert als Hauptdarsteller herhalten. Das ist – wie fast alles, was mit Rupert zu tun hat – nicht nur eine gute Idee. Weiterlesen
regina-lindemann
Ursula Poznanski: Elanus, gelesen von Jens Wawrczeck
Jona ist 17 Jahre alt und ein Supergenie. Zumindest in naturwissenschaftlicher, insbesondere mathematischer Hinsicht. Er wurde mit Stipendium auf eine Eliteuniversität aufgenommen und selbst da langweilt er sich in den Anfängerkursen. Leider erstreckt sich sein Genie nicht auch auf seine sozialen Kompetenzen und so eckt er immer und überall an und gerät sehr schnell in die Rolle des Mobbingopfers oder zumindest die die Rolle dessen, der sich so fühlt. Dabei ist er es, der auf den Nerven seiner Umwelt herumtrampelt, er ist ein Besserwisser und Klugscheißer und hält damit auch nicht hinter dem Berg. Als Ausgleich hat er sich „Elanus“ angeschafft, eine Drohne, mit der er all die heimlich beobachten kann, die ihm in seinen Augen Böses wollen. Weiterlesen
Gavin Extence: Libellen im Kopf
Schon im Roman „Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat“ war ich angenehm überrascht von der Nähe, die der Autor zu seinem Protagonisten herstellt. In „Libellen im Kopf“ hat er das fast noch perfektioniert. Die eher erfolglose Journalistin Abby findet ihren toten Nachbarn Simon, als sie sich eine Dose Tomaten ausborgen will. Was sich wie der Anfang eines Krimis liest, ist jedoch nur der Beginn einer Abwärtsspirale in Abbys Innerem, die zunächst steil aufwärts zu zeigen scheint. Abby verarbeitet das Erlebnis in einem Artikel, sie macht das auf eine sehr persönliche Art und Weise und verknüpft es mit ihrem eigenen Empfinden. Das kommt zunächst gut an. Ebenso wie der Folgeartikel, der noch persönlicher wird, aber in der Hauptsache nur ihr engeres Umfeld verärgert. Weiterlesen
Carmen Korn: Töchter einer neuen Zeit
Sie sind noch jung, als der Große Krieg endete, wie man den Ersten Weltkrieg zu ihrer Zeit nannte, einer Zeit, in der man sich nicht vorstellen konnte, dass sich wo etwas noch einmal wiederholen könnte. Um vier Frauen geht es in diesem Roman. Henny und Käthe gehen zur Hebammenschule, Lina muss auf ihren Bruder aufpassen, weil die Eltern im letzten Kriegswinter verhungerten, um die Kinder überleben zu lassen und Ida ist zwar privilegiert aufgewachsen, aber auch in den Zwanzigern ist nicht alles Gold, was glänzt. Die Geschichten der vier Frauen verweben sich miteinander im Laufe der Jahre, gemeinsam mit ihnen erlebt der Leser eine Reise durch die Zeit, die einen nicht mehr loslässt. Weiterlesen
Volker Kutscher: Lunapark
Es gibt ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass der Roman ziemlich gut ist. Ich konnte ungefähr zehn Seiten davon nicht ertragen. Das ist mir schon lange – eigentlich noch nie passiert. Aber die Szene in der Dr. M. Gereon Rath den Ernst der Lage erklärt und dabei ein unschuldiges Wesen tötet, ist mir unter die Haut gegangen. Es kündigte sich schon so drei bis vier Seiten vorher an, dass diese Szene einfach zu idyllisch war, dass das nicht gut ausgehen würde und doch kam es dann völlig unvorbereitet. So schreibt man Spannung. In den Jahren der Vorbereitung zu Holocaust, während Menschen verschwinden und politische Morde an der Tagesordnung sind, gelingt dem Autor noch so ein Turn (den ich ihm bis zum Ende jedes seiner Bücher übel nehmen werde), trotzdem: WOW. Weiterlesen
David Safier: Traumprinz
Man kann sich den perfekten Mann nicht nur backen, man kann ihn sich auch malen. Wenn man eine tibetanische Lederkladde klaut, die verzaubert ist und bei Missbrauch die ganze Welt zerstören kann. Und dann noch reinmalt. Diese Erfahrung macht jedenfalls die Comiczeichnerin Nellie, als sie am höchsten Punkt des Liebeskummers ihren Traumprinzen in die Kladde malt. Der steht am nächsten Morgen mitsamt Schwert vor ihrer Tür. Und versucht sich im modernen Berlin zurechtzufinden.
Jetzt ist ja weder der Versuch mittelalterliche Helden in die Jetztzeit zu transferieren noch das entkommen derselben aus Büchern in die Realität ein ganz neuer Gedanke. Weiterlesen
Nele Neuhaus: Im Wald, gelesen von Julia Nachtmann
Als „Bodensteins persönlichster Fall“ wird dieser achte Krimiband von Nele Neuhaus um das Krimiduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff beworben. In der Tat führt eine Mordserie die beiden in von Bodensteins Heimatort Ruppertshain. Er kannte entweder die Opfer selber oder zumindest die Familien der Opfer. Das ist auch kein Wunder bei einem derart kleinen Ort. Aber was steckt hinter den Morden? Die Geschichte führt ganz weit zurück, bis zu einem kleinen Jungen, der bereits jetzt schon tolerant und gerechtigkeitssuchend ist und sich ausgerechnet mit dem ausgestoßenen Artur anfreundet – und mit einem geretteten Fuchswelpen. Bis die beiden eines Tages verschwinden und niemand herausfindet, was geschehen ist. Weiterlesen
Sebastian Fitzek: Das Paket, gelesen von Simon Jäger
Endlich mal wieder ein typischer Fitzek. Spannend, verwirrend, mit Aha-Effekt. Emma Stein ist selbst Psychiaterin, was ja eigentlich ihre Glaubwürdigkeit erhöhen sollte. „Das Paket“ ist aus ihrer Sicht erzählt. Ganz zu Anfang, wird sie während eines Kongresses in einem Hotelzimmer vergewaltigt. Obwohl das Zimmer hinterher verschwunden ist und die Polizei ihr kein Wort glaubt, glaubt ihr der Leser, der die Szene ja aus ihrer Sicht miterlebt hat. Aber ihr Leben wird immer verworrener, sie zieht sich zurück, traut sich nicht mehr aus dem Haus (Hut ab dafür, sich für einen kranken Hund zu überwinden) und dann hinterlässt der Postbote auch noch ein Paket für einen ihr völlig unbekannten Nachbarn. Weiterlesen
Tilmann Röhrig: Die Flügel der Freiheit, gelesen von Wolfgang Berger
Luther verbirgt sich als Junker Jörg auf der Wartburg. Dort kämpft er nicht nur mit der Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche, sondern auch mit seinen Gedärmen. Genauso wie es im inneren des deutschen Reiches gärt und zwickt, denn die Menschen sind auf den Gedanken und den Geschmack der Freiheit gekommen. Da überbringt der junge Barthel Briefe, die Luther zurück nach Wittenberg treiben. Aber ist der Aufstand noch aufzuhalten, soll er überhaupt aufgehalten werden? Und was plant Thomas Münzer? Weiterlesen
Elisabeth Hermann: Die Mühle, gelesen von Laura Maire
Das ist mir lange nicht mehr passiert, dass ich bei einem Hörbuch vor Spannung nicht einschlafen konnte. Und am Ende leicht verärgert war, was aber nicht mit dem Ende zusammenhing. Fangen wir mal vorne an. Cool war Lana in ihrer Schulzeit in einem Kaff am Ende der Welt nicht wirklich. Sofort nach dem Abi hat es sie nach Berlin verschlagen und hier trifft sie zufällig auf ein Mitglied der einstmals coolen Clique „The Court“, der sich sofort auf der Treppe den Fuß bricht und ihr eine Einladung nach Karlsbad schenkt, bei der die gesamte Clique eingeladen ist. Lana kann nicht widerstehen.
Sie sind in einem exklusiven Hotel untergebracht, man spricht und schweigt über alte Zeiten und es folgt ein geplanter Ausflug, der sehr schnell dramatisch wird. Der einzige Rückweg bricht zusammen, Mitglieder verschwinden und tauchen manchmal wieder auf und die Clique flüchtet sich in eine alte Mühle in den Bergen. Dort wird es von Stunde zu Stunde unheimlicher und mörderischer. Weiterlesen