Aimee Molloy: Die Mutter

Sie nennen sich die Mai-Mütter, fast zur gleichen Zeit entbinden sie und sie treffen sich regelmäßig in Brooklyn im Park auf einen gesunden Drink und zum Erfahrungsaustausch. Eines Tages beschließen sie, einen Abend, nur einen Abend, einmal wieder ausgehen, Stress vergessen, wieder ohne Baby lachen. Für eine von Ihnen endet das mit dem Verlust des Babys. Aber was steckt dahinter? Eine überforderte Mutter? Ein abgewiesener Liebhaber? Oder ein ganz anderes Verbrechen?

„Die Mutter“ ist ein gut aufgebauter Psychothriller, dessen Ende so nicht voraussehbar war. Er ist durchweg spannend und gut zu lesen. Das ist nicht selbstverständlichen, denn Aimee Molloy hat noch einen anderen Aspekt eingebaut: Die Schwierigkeiten frischgebackener Mütter in Amerika, den irren Spagat zwischen Mutterschaft und Beruf und Leidenschaft. Einige der Mai-Mütter müssen oder wollen wieder arbeiten, andere haben das nicht nötig, wieder andere wollen das nicht, haben aber mit dem Einkommen des Mannes zu kämpfen. Weiterlesen

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Dana von Suffrin: Otto

Otto hat ein bewegtes Leben hinter sich. Seine Erlebnisse, und vermutlich auch sein unerbittlicher Charakter, haben ihn zu einen Familienpatriarchen gemacht, der seinen Töchtern das Leben nie wirklich leicht gemacht hat. Jetzt in hohem Alter ist er ein Pflegefall geworden und das macht ihn beinahe zu einem Tyrannen. Er kann nicht mehr, also müssen seine Töchter – immer und jederzeit. Tochter Timna nimmt das nicht ganz so gelassen, wie sie gerne würde.

Der Roman ist voller Humor, voller Rückblicke auf ein bewegtes Leben, wie Otto einzelne Erlebnisse seinen Töchtern erzählt hat, aber auch, wie sie ihre Kindheit empfunden haben. Der Schreibstil der Autorin ist toll und obwohl das Dritte Reich ein Teil von Ottos Leben war, wird es zwar thematisiert, aber nicht herausgehoben. Ein sehr emotionales Buch, über einen Abschied, bei dem das Bleiben schon nicht einfach war und der trotzdem schwerfällt. Weiterlesen

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Christine Brand: Blind, gelesen von Martina Treger

Nathaniel ist blind. Normalerweise kommt er gut zurecht, aber es gibt so das eine oder andere, bei dem er gerne jemanden Sehenden um Rat fragen würde. Die Farbe der Krawatte zum Beispiel. Dafür gibt es eine App: „be my eyes“. Die App ruft eine Reihe von registrierten Nutzern an, und der Erste der sich meldet, wird mit Nathaniel verbunden. Per Kamera kann er dann bei was auch immer helfen. Eines Tages endet eine solche Hilfestellung mit einem gellenden Schrei der Frau am anderen Ende und Verbindungsabbruch. Natürlich kann etwas völlig harmloses dahinter stecken, aber Nathaniel lässt die Sache keine Ruhe. Die Polizei glaubt ihm zwar, sieht aber keinen Handlungsbedarf und auch keine Möglichkeit. Denn für die Nutzer sind die anderen Nutzer anonym, da es Zufall ist, wer von den Angerufenen zuerst ans Telefon geht, hat selbst der App-Betreiber kaum Möglichkeiten, die Identität festzustellen – und für eine Privatmann schon mal gar nicht. Gemeinsam mit einer Freundin, der Journalistin Milla macht Nathaniel sich trotzdem auf die Suche – und taucht dabei tief in seine Vergangenheit. Weiterlesen

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Ben Aaronovitch: Die Glocke von Whitechapel

Mit der „Gocke von Whitechapel“ ist Zauberlehrling Peter Grant endlich wieder mit einer längeren Geschichte als der enttäuschenden letzten zurück. Bei diesem nun 7. Band ist es allerdings endgültig hoffnungslos, erst damit anzufangen, dazu wird einfach viel zu viel Vorwissen vorausgesetzt, um der Handlung noch folgen zu können. Der „Gesichtslose“ ist enttarnt, ist jedoch mit Hilfe seiner Gehilfin, ausgerechnet Peters ehemaliger Kollegin Lesley, wieder entkommen. Und dieser Mal ist sein Ziel nicht kleiner als die Zerstörung ganz Londons.

In dem Buch geht es um Peter und seine Liebe zu einer Flüssin, es geht um alte Schuld und neue Herausforderungen. Das Folley ist in den Kreisen der Metropolitan Police zumindest, sagen wir mal – zur Kenntnis genommen. Und die Zauberei entwickelt sich langsam zu einer Grantschen Familientradition. All das ist mit dem gewohnten Witz erzählt, man amüsiert sich köstlich während man dieses Buch liest.

Aber: Bei den ersten Büchern der Reihe, hatte man immer den Eindruck, dass die Geschichte auf ein großes Ganzes zuläuft. Dass es irgendwann ein hypergeniales Ende der Reihe geben würde, was auch immer Ben Aaronovitch sich dafür ausdenken könnte. Weiterlesen

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Julia Kröhn: Das Modehaus: Töchter der Freiheit

Julia Kröhn erzählt die Geschichten der Frauen des „Modehaus König“ vom Beginn des letzten Jahrhunderts bis in die 70er Jahre hinein. Dabei bedient sie sich einer interessanten Erzähltechnik. Die Geschichte wird eingerahmt von einem Brief der Urenkelin, die etwa in unserer Zeit lebt, dann werden abwechselnd die Erzählstränge von Mutter, Tochter und Enkelin bedient. Dadurch weiß man schon sehr früh, dass das Modehaus die diversen Kriege letztlich doch überlebt hat, es nimmt dem Buch aber nicht die Spannung, weil Julia Kröhn sehr geschickt mit der Frage nach dem „wie“ und „wer“ arbeitet.

Der Titel allerdings es eher irreführend. Es geht gar nicht so sehr um das Modehaus und wirklich nur am Rande um die Schwierigkeiten und Lösungen, als kleines Modehaus erst mit den neuen Moden und dann mit dem Versandhandel und den großen Kaufhäusern konkurrieren zu müssen. Es geht um drei Frauen in verschiedenen Epochen, die jede ihre eigene Herausforderung zu meistern hat. Fanny zu Beginn des Jahrhunderts muss sich durchsetzen, weil sie moderne Mode für moderne Frauen entwerfen möchte. Weiterlesen

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Jeff Kinney: Ruperts Tagebuch – Zu nett für diese Welt!: Jetzt rede ich!

Rupert ist bekannt als der „beste“ Freund von Greg, dem tagebuchschreibenden selbsternannten Superhirn aus den „Greg’s“ Tagebüchern. Rupert kommt dabei ja nicht immer gut weg und jetzt möchte er halt seine Sicht der Dinge schildern. Das kommt bei Greg gar nicht gut an, Tagebuchschreiben ist schließlich „sein“ Ding (es war in Wirklichkeit die Idee seiner Mutter, wenn ich mich recht entsinne. Da Rupert, wie schon im Titel angekündigt, viel zu gut für diese Welt ist, lässt er sich recht schnell überreden, dann doch über Greg zu schreiben. Sozusagen schon mal den Biografieentwurf für die spätere Berühmtheit.

Mit der Sichtweise von Rupert gelingt es Jeff Kinney, Greg’s Tagebüchern doch noch mal eine neue Seite abzugewinnen. Weiterlesen

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Maureen Johnson: Ellingham Academy – Was geschah mit Alice?

Ich muss zugeben, ich bin voreingenommen. Das Buch hatte mich in dem Augenblick, als ich begriffen habe, dass Stevie sich unabhängig von ihren Eltern in die Ellingham Academy einschreiben konnte. Allein schon die Passage im Auto auf dem Weg zur Academy ließ mich vor Neid erblassen: Ich will da auch hin. Die Ellinham Academy ist eine Stiftung zu Ehren der vor vielen Jahren verschwundenen Tochter des reichen Gründers: Alice. Sie wurde in den 1930ern entführt und ist nie wieder aufgetaucht. Kurz danach gründete ihr gramgeplagter Vater die Academy um Talente aus dem ganzen Land die Gelegenheit zur Ausbildung zu bieten: alles umsonst. In ihrer normalen Umgebung wird Stevie höchstens milde belächelt. Sie weiß alles über Kriminalromane, über Fallstudien, über das Lösen von Rätseln. Sie möchte später gerne zum FBI, aber ihre Eltern nehmen sie nicht ernst, verstehen sie nicht und interessieren sich eigentlich sowieso nur für sich. Deswegen bewirbt sie sich in Ellingham und gibt in ihrer Bewerbung an, den uralten Kriminalfall um Alice lösen zu wollen. Das wird härter, als sie glaubte. Weiterlesen

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Serena Valentino: Die Schönste im ganzen Land

Sie gilt als die Böse. Die böse Stiefmutter, die böse Königin und überhaupt als böse. Aber warum ist sie wie sie ist? Gab es da einen Grund für, oder wurde sie einfach böse geboren? Das Buch ist ein Band aus der Reihe Disney-Villains und die ganze Reihe beschäftigt sich mit dem Schicksal der verschiedenen Bösewichte aus Disney-Filmen. In diesem Fall geht es um Schneewittchens Stiefmutter und ihren berühmten Spiegel. Sie wollte ihn doch haben, oder? Sie hat es doch geliebt, ihn immer wieder zu befragen, oder? Dieser Roman erzählt ihre Geschichte. Wie sie nach einer traurigen Kindheit endlich den König heiratete. Wie sehr sie ihn liebe. Wie sie an seinem Tod zerbrach. Und wie der Spiegel ihr eben nicht beistand.

Einst liebte sie Schneewittchen, heiß und innig. Sie war ihr das Kostbarste auf der Welt. Weiterlesen

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Marissa Meyer: Renegades 02: Geheimnisvoller Feind

In diesem zweiten Band der Reihe hat Nova ihr Ziel aus dem ersten Band „Gefährlicher Freund“ erreicht. Sie ist Teil der Renegade-Truppe geworden, geht bei ihren Einsätzen mit nach draußen und hat sogar Freunde gefunden. Dabei ist sie doch nach wie vor eine überzeugte Anarchistin und will nur das Regime der Renegades beenden helfen.  Aber es ist nicht so einfach, wie es scheint. Ihr Truppführer Adrian wird zu mehr als einem Freund, dabei hat er auch seine Geheimnisse. Er heißt nicht umsonst Sketch, jede seiner Zeichnungen kann er zum Leben erwecken. Aber noch mehr: Er hat herausgefunden, dass er sich Superkräfte selbst tätowieren kann und diese dann ein- und ausschalten, wie er möchte. So wurde er zum Wächter, aber der Wächter wird zum Problem für ihn.

Marissa Meyer hat mit Gatlon, den Renegades und den Anarchisten wieder eine ganz eigene Welt geschaffen, die so anders ist und wo die Menschen doch so wie wir sind. Es ist eine Welt, in der junge Menschen an alten Regeln und Gegebenheiten verzweifeln können. Weiterlesen

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Grady Hendrix: Der Exorzismus der Gretchen Lang

Huch, was war das denn? Der Roman spielt in einer High-School, mit Teenagern, aber es ist gewiss kein Jugendbuch. Ist der Horror echt, oder findet er nur in den Köpfen der Protagonisten statt?

Gretchen Lang ist eine Musterschülerin, die aus einer eher strengen Familie kommt. Trotzdem oder gerade deswegen ist sie Abbys beste Freundin. Das ändert sich auch nicht, als Abbys Familie verarmt. Die Mädchen leben manchmal in zwei Welten, aber sie halten zusammen, komme was da wolle. Und es kommt was. Nach einem Drogentrip ist Gretchen plötzlich nicht mehr dieselbe. Wir schreiben das Jahr 1988, was den Umgang mit LSD erklärt. Gretchen wird erst krank und dann boshaft. Sie verleumdet Freunde, reitet sie tief in Ungemach rein und manipuliert so sehr, dass sie eine ehemalige Freundin beinahe in den Selbstmord treibt. Was ist nur los mit ihr, fragt sich Abby, ist sie möglicherweise gar von einem Dämon besessen? Oder bildet Abby sich das alles nur ein und Gretchen sagt die Wahrheit? Weiterlesen

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