Lukas Hoffmann: Wodka und Tigerente

Alexander Gruber, 16 Jahre alt, ist der einzige Sohn eines erfolgreichen Heidelberger Unternehmers – die Firma Gruber Energy handelt mit Öl und Gas und hat Kontakte nach Russland. Seine Mutter kennt er nicht und der Vater war nie bereit, das GEheinmis um sie zu lüften.

Als Alexander eines Abends spät nach Hause kommt, hört er einen Knall und findet wenig später seinen Vater schwer verletzt in seinem Arbeitszimmer. Mit letzter Kraft kann Gruber Senior seinem Sohn eine Ziffernfolge aufsagen und stirbt kurz darauf. Alexander wird klar, dass er sich schon bald im Fokus von Polizei, Presse und Klatsch und Tratsch wiederfinden wird. Dieser Gedanke versetzt ihn in Panik und er flieht überstürzt in Vaters altem himmelblauen 2CV zu seinem einzigen Freund Totti nach Wien.

Dort findet er heraus, dass die Ziffernfolge eine Telefonnummer ist, deren Vorwahl zu Russland gehört. Er wählt die Nummer, erfährt Überraschendes und begibt sich daraufhin mit Totti, der im Tigerlook umlackierten Ente und gefälschten Papieren auf eine abenteuerliche Reise, die die Jungs quer durch Russland und benachbarte Staaten führt. Weiterlesen

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Herman van Veen: Es regnet im Radio

Ein Leben in Liedern. Für den niederländischen Liedermacher und Autor Herman van Veen sind Musik und Verse ein Wegweiser und Gerüst für Erinnerungen. Nat King Cole lässt Bilder aus Kindertagen, von Mutter und Vater, entstehen. Der Rap am Geburtstag des 19-jährigen Enkels lässt Wehmut aufkommen „If I had a hammer“ mit Trini Lopez bringt viele Jahre vorher Schwung ins Jugendleben. Und was hat eigentlich Rotkäppchen mit Michael Jacksons „Thriller“ zu tun?

„Es regnet im Radio – Von Liedern und Erinnerungen“ heißt das Buch, mit dem ich Herman van Veen neu entdecke. Bisher kannte ich den Musiker und Kinderbuchautoren. Nun erlebe ich einen humorvollen Erzähler, einen Menschen, der das Staunen nie verlernt hat und der mit offenen Augen und voller Neugier seine Umgebung betrachtet.

Der Autor erzählt im Plauderton aus seinem Leben, knüpft Assoziationsketten und verbindet Vergangenes und Gegenwärtiges, von der Kindheit in den Nachkriegsjahren bis zur aktuellen Corona-Krise. Er schreibt von Menschen und Ereignissen, persönliche Erlebnisse spiegeln sich in historischem oder aktuellem Geschehen.   Weiterlesen

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Hannah Mumby: Elefanten

Sie haben ein langes Leben, sie können Gefühle ausdrücken, sich an Ereignisse erinnern und Informationen weitergeben – Elefanten sind dem Menschen viel ähnlicher, als uns bewusst ist. Sie können sich sogar im Spiegel erkennen und verfügen damit über ein Ich-Bewusstsein.

Hannah Mumby geht in ihrem Buch weit über eine rein wissenschaftliche Beschreibung einer Spezies hinaus. Sie zeigt Individuen mit charakteristischen Eigenschaften und unterschiedlichen Lebenswegen. Jeder Elefant ist eine Persönlichkeit mit Vorlieben, Gewohnheiten und einer eigenen Lebensgeschichte.

Mit dem Ziel, Unterschiede und Gemeinsamkeiten in den Lebenszyklen verschiedener Tiere zu untersuchen, begann die Verhaltensbiologin mit der Erforschung der sanften Riesen und erlag ihrer Faszination. In Afrika beobachtete sie die Tiere in freier Wildbahn. In ihrem Buch beschreibt sie Verhalten und Zusammenleben – die von einer Matriarchin geführten Familien aus Elefantenkühen und ihren Kälbern und die in eher lockeren Gruppen umherziehenden Bullen. Ich erfahre, dass Elefanten ähnliche Sozialstrukturen aufweisen wie auch wir Menschen, sie kennen die Mitglieder ihrer Gruppe und wissen um den Platz eines jeden. Weiterlesen

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Frank Schätzing: Was, wenn wir einfach die Welt retten?

Wir leben in einem Thriller. Wem das noch nicht aufgefallen ist, der sollte sich vor Augen halten, dass ein Thriller immer in scheinbar geregelter Harmonie beginnt. Das gilt auch für die Klimakrise. Sie ist schwer fassbar, weil wir noch immer den Eindruck haben, normal weiterleben zu können. Gut, es gibt erste Anzeichen einer Katastrophe, doch sie werden ignoriert oder anderen Ursachen zugeschrieben. Und doch, das Eis schmilzt schneller, die Sommer werden immer trockener, die Stürme häufiger und heftiger. Es kommt der Punkt, an dem wir die Bedrohung nicht mehr verdrängen können und dann ist guter Rat teuer. Hier kommt Frank Schätzing ins Spiel: „Nun, wenn sie Thriller lieben, wissen Sie, was als Einziges gegen Bedrohungen hilft: sie zu verstehen.“ (S.16)

Dafür braucht es Wissen. Frank Schätzing hat mit seinem Buch einen Überblick über Fakten, Begriffe und Szenarien geschaffen. Er analysiert den aktuellen Stand, erklärt den Unterschied zwischen natürlichem und menschengemachten Klimawandel. Dazu reist er an verschiedene Orte der Erde, die symbolisch für Folgen der Erderwärmung stehen. Ich erfahre, was Kippelemente und Kipppunkte sind, wo sie sich befinden und wo Kipppunkte bereits überschritten wurden. Das bedeutet, dass ein System so sehr aus dem Gleichgewicht geraten ist, dass es nicht mehr in seinen ursprünglichen Zustand zurückfindet. Weiterlesen

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Kerstin Gulden: Fair Play: Spiel mit, sonst verlierst du alles!

Was wäre, wenn jeder auf unseren Social-Media-Accounts zu erkennen könnte, wie sehr wir die Umwelt belasten? Jeder hat ein CO2-Budget, und wenn das überschritten wird, färbt sich ein Icon rot.

Mit dieser Idee treten die Schüler einer 11.Klasse in Berlin beim Förderwettbewerb des Berliner Senats zum Thema „Dürresommer und Mikroplastik – sind wir noch zu retten?“ an. Ein Experiment beginnt, drei Monate Laufzeit, jeder an der Schule darf mitmachen. Die vier Verantwortlichen könnten unterschiedlicher nicht sein: Kera war früher bei Umwelt-Demos dabei, bis sie erkannt hat, dass doch nichts geschieht – sie hatte die Idee. Sie ist auch die einzige, für die von Anfang an der Klimaschutzgedanke eine Rolle spielt. Max ist gut in Kunst und will mit seiner Teilnahme die Versetzung und sein Abi retten. Er entwirft ganz nebenbei ein Logo und den Namen: Fair Play. Elodie ist Influencerin und hat schon jetzt fünfstellige Abonnentenzahlen, aber das Image beginnt ein wenig zu bröckeln und so kommt ihr das Projekt entgegen, um sich neu zu inszenieren. Leonard ist Computerspezialist und Mobbingopfer, er programmiert die App, mit der sich bald die Hälfte der Schüler dem Diktat eines Energie-Verbrauchs-Rechners unterwirft. Das Ziel besteht darin, dass das gemeinsame Klimakonto der Schule am Ende der drei Monate im grünen Bereich ist. Weiterlesen

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Mary MacLane: Meine Freundin Annabel Lee (1903)

Irgendwann zu Beginn des 20.Jahrhunderts beginnt in Boston eine ungewöhnliche Freundschaft.

„Annabel Lee gleicht niemandem, den ihr je gekannt habt. Sie ist so ziemlich niemandem ähnlich. Manchmal kann ich eine feine, bewusste Liebe, die von ihren Fingerspitzen auf meine Stirn übergeht, fast spüren. Und dann bin ich, mit meinen einundzwanzig Jahren, einfach nur hin und weg.“

Das Buch „Meine Freundin Annabel Lee“ erschien 1903, da war die Autorin tatsächlich gerade 21 Jahre alt und schon kein unbeschriebenes Blatt mehr. Ihren ersten Roman – „Ich erwarte die Ankunft des Teufels“ schrieb sie mit 19 Jahren und wurde mit einem Schlag berühmt. Der in Tagebuchform verfasste Versuch, in narzisstischer Selbstüberhöhung und provokanter Gesellschaftskritik aus der Enge der Kleinstadt Butte/Montana auszubrechen, war ein voller Erfolg. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Bücher ermöglichten der jungen Autorin, der Provinz den Rücken zuzukehren. Weiterlesen

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Juli Zeh: Über Menschen

April 2020. Dora steht mit einem rostigen Spaten auf dem Flurstück, welches zu dem alten Gutsverwalterhaus gehört, und gräbt um. Irgendwann soll aus der von Brombeeren und Ahornschösslingen überwucherten Fläche ein Garten werden.

Sie ist aufs Land geflohen, nachdem ihr in Berlin alles über den Kopf gewachsen war. Vor allem das Zusammenleben mit Robert war unerträglich geworden. Sie mochte sich nicht länger seinem übereifrigen Reglementierungszwang unterwerfen. Robert, der zum Klimaschützer-Guru avanciert ist, der enthusiastisch seinen Lebensstil ändert, immer bestrebt, nicht nur den eigenen, sondern auch den ´CO2-Fußabdruck seiner Mitmenschen zu reduzieren, aber zu einer Demo mit Greta Thunberg auch mal fliegt. Robert, der sich im Besitz der absoluten Wahrheit wähnt und Zweifel nicht duldet. Der schon ein „Aber“ als Rebellion gegen die Vernunft wertet.

Dora sind absolute Wahrheiten suspekt. Sie beharrt auf ihrem Recht, zu zweifeln und nachzufragen. „Sie hat keine Lust auf den Kampf ums Rechthaben und will nicht Teil einer Meinungsmannschaft sein.“ (Seite 21) Es wird immer schwieriger, mit Robert ein normales Gespräch zu führen. Dora empfindet das Zusammenleben mit ihm als anstrengend. Sie lachen kaum noch miteinander.

„Dann kam Corona, und Robert entdeckte seine wahre Berufung.“ (Seite 23) Als er versucht, Dora die Spaziergänge mit ihrer Hündin zu verbieten, ist für sie die Grenze erreicht. Sie packt ihre Sachen. Weiterlesen

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Claudia Durastanti: Die Fremde

Was für ein Buch. Ich tauche ein in den Wechsel der Ereignisse, versinke im Strudel von Verlieren und Wiederfinden, stehe staunend vor Gedankengebäuden und Sprachkunstwerken. Hin und wieder blitzt etwas Vertrautes auf, ich fühle mich erkannt. Oft genug fühle ich mich fremd.

„Die Fremde“ von Claudia Durastanti ist ein erstaunliches Buch. Jetzt, am Ende des letzten Kapitels, frage ich mich: Was habe ich gelesen, was war der Plan und wo das Ziel?

Zuerst und vor allem: Es handelt sich um eine wahre Geschichte. Die Ich-Erzählerin entrollt vor den Augen des Lesers die Welt ihrer Familie, ein Puzzle aus Orten und Ereignissen. „Die Geschichte einer Familie ähnelt eher einer topographischen Karte als einem Roman“, lese ich und sehe Schicht um Schicht ein kraftvolles und facettenreiches Bild vor mir entstehen, Banales, Schönes, Abgründiges; Wut, Glück, Alltag. Woher kommen wir, was macht uns aus, welche Verletzungen tragen wir mit uns herum? Was macht uns stark?

Claudia Durastanti erzählt uns die Geschichte ihrer Familie: Italienische Vorfahren, in den 60er Jahren ausgewandert und in Bensonhurst/Brooklyn neu begonnen. Sie verwebt Beziehungsfäden zu einem dichten Geflecht aus Banalem und Besonderem, aus Liebe und Wut und Alltag; ein Muster aus eigenen Erinnerungen und Berichten. Weiterlesen

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Klaus Englert: Wie wir wohnen werden: Die Entwicklung der Wohnung und die Architektur von morgen

Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Es korreliert mit unserem Bedürfnis nach Schutz und Geborgenheit, aber auch immer mehr mit unserem Wunsch nach Individualität und nach Repräsentation – Wohnungen sind ein Spiegel unseres Lebensstils. Zudem verbringen wir auch einen großen Teil unseres Lebens im privaten Umfeld – das ist der Ort, wo wir uns erholen, soziale Beziehungen ausleben, Interessen pflegen

Grund genug, sich mit den Wohnungen von morgen zu beschäftigen, könnte man meinen. Doch in seinem Buch „Wie wir wohnen werden“ setzt Klaus Englert den Fokus auf die Probleme, die mit steigendem Wohnraumbedarf immer dringlicher werden.

Guter Wohnraum wird teurer. Vor allem in den großen Städten haben international agierende Immobilieninvestoren das Gewinnpotential von Bebauungsflächen erkannt und ständig steigende Mieten verschärfen die Wohnungsnot. Vor allem an den Rändern der Städte entstanden Wohnwüsten – Einfamilienhaussiedlungen ohne Infrastruktur – oder einfallslose Neubaugebiete. Somit wird Wohnen zum sozialen Problem. Im Vorwort zum Buch umreißt Klaus Englert „die Misere des Wohnungsmarktes“. Weiterlesen

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Mary Shelley: Der letzte Mensch (1826)

Wir schreiben das Jahr 2089. In Europa wütet eine besonders ansteckende Form der Pest. Jeder der erkrankt, ist dem Tod geweiht. Nein, ich habe mich nicht verschrieben und ich habe mir das auch nicht ausgedacht, weil es gerade so schön passt. Das war Mary Shelley, bekannt vor allem durch „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“, welche im Jahre 1826 den Roman „Der letzte Mensch“, die erste Dystopie der Weltliteratur, veröffentlichte. Seit Februar 2021 liegt nun die erste vollständige deutsche Übersetzung vor.

Die Geschichte spielt gegen Ende des 21. Jahrhunderts. Der letzte englische König hat sein Amt niedergelegt, England ist eine Republik. Der Ich-Erzähler Lionel Verney, Sohn eines verarmten Adligen, wächst gemeinsam mit seiner Schwester Perdita als verachteter Waisenjunge auf. Als er beim Wildern auf Adrian, den Sohn des Königs trifft, nimmt dieser ihn freundlich auf und es entsteht eine tiefe Freundschaft zwischen den Geschwistern, Adrian und dessen Schwester Idris. Bald kommt Lord Raymond als Fünfter im Bunde dazu. Er heiratet Perdita und auch Lionel und Idris werden ein Paar. Die jungen Leute verbringen glückliche Tage auf Schloss Windsor, sie beschäftigen sich mit Literatur und Philosophie und engagieren sich politisch, angetrieben von dem Wunsch, das Leben aller besser zu machen. Weiterlesen

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