Was für ein Buch. Ich tauche ein in den Wechsel der Ereignisse, versinke im Strudel von Verlieren und Wiederfinden, stehe staunend vor Gedankengebäuden und Sprachkunstwerken. Hin und wieder blitzt etwas Vertrautes auf, ich fühle mich erkannt. Oft genug fühle ich mich fremd.
„Die Fremde“ von Claudia Durastanti ist ein erstaunliches Buch. Jetzt, am Ende des letzten Kapitels, frage ich mich: Was habe ich gelesen, was war der Plan und wo das Ziel?
Zuerst und vor allem: Es handelt sich um eine wahre Geschichte. Die Ich-Erzählerin entrollt vor den Augen des Lesers die Welt ihrer Familie, ein Puzzle aus Orten und Ereignissen. „Die Geschichte einer Familie ähnelt eher einer topographischen Karte als einem Roman“, lese ich und sehe Schicht um Schicht ein kraftvolles und facettenreiches Bild vor mir entstehen, Banales, Schönes, Abgründiges; Wut, Glück, Alltag. Woher kommen wir, was macht uns aus, welche Verletzungen tragen wir mit uns herum? Was macht uns stark?
Claudia Durastanti erzählt uns die Geschichte ihrer Familie: Italienische Vorfahren, in den 60er Jahren ausgewandert und in Bensonhurst/Brooklyn neu begonnen. Sie verwebt Beziehungsfäden zu einem dichten Geflecht aus Banalem und Besonderem, aus Liebe und Wut und Alltag; ein Muster aus eigenen Erinnerungen und Berichten. Weiterlesen




