Peter Michalzik: 1900

Tolstoi will sein Land verschenken. Johannes Guttzeit zieht als moderner Apostel durch die Lande und predigt die vegetarische Lebensweise. Nietzsches zarathustrische Philosophie wird zum Glauben einer neuen Zeit. In Zürich formt sich der Dadaismus. Auf dem Monte Verità in Ascona tanzen langhaarige Menschen den „Tanz an die Sonne“ – nackt, frei, ekstatisch. Um 1900 bildet sich eine Gegenbewegung zur zunehmenden Industrialisierung. Die eigene Selbstentfaltung steht im Vordergrund. Peter Michalzik folgt den schillerndsten Figuren dieser Epoche. Er gibt Anekdoten zum Besten, die es nicht in unsere Geschichtsbücher geschafft haben. Sehr unterhaltsam!

Von Philosophie bis Politik: Selten haben „gehaltvolle“ Bereiche so viel Spaß gemacht, wie in diesem Buch. Der Autor versieht seine Informationen mit einem humoristischen Unterton, der hervorragend zu den besonderen Akteuren passt. Wussten Sie, dass Nietzsche mit beginnendem Wahn seine Briefe mit „Der Gekreuzigte“ oder „Dionysos“ unterschrieb? Oder dass Kafka in Mailand ein Bordell besuchte, um die Damen lediglich aus der Ferne zu beobachten? Weiterlesen

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Katrine Engberg: Kopenhagen-Serie 01: Krokodilwächter

Ein sehr spannender Thriller aus Skandinavien: Julie ist jung, hübsch und gerade erst vom Land nach Kopenhagen gezogen, um dort Literatur zu studieren. Doch ihre Pläne kann sie niemals verwirklichen. Sie wird ermordet aufgefunden. Pikantes Detail: Der Täter hat ihr mit einem Messer ein merkwürdiges Muster ins Gesicht geritzt, teilweise als sie noch bei Bewusstsein war. Ein Zeichen? Ein irres Kunstwerk? Kommissar Jeppe Korner und seine Kollegin Anette Werner haben bald alle Hände voll zu tun. Es stellt sich heraus, dass die engelsgleiche Julie längst kein Unschuldslamm war. Vor ihrem Tod hat sie mit einem mysteriösen, älteren Fremden angebandelt. Dann präsentiert Julies Vermieterin Esther de Laurenti das Manuskript zu ihrem ersten Roman, in dem der Mord exakt so beschrieben wird. Wer hatte Zugang zu der Druckschrift? Die Liste der Verdächtigen wird immer länger, ein zweiter Mord passiert. Es stellt sich die Frage, ob die Tat nicht nur Mittel zum Zweck war, um eine ganz andere Person zu treffen. Weiterlesen

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Petra Hammesfahr: Als Luca verschwand

Ein neun Monate alter Junge verschwindet vor einer Drogerie. Wer könnte ein Motiv für diese grausame Tat haben? Zuerst geraten die Mutter sowie eine verwirrte Alte ins Visier der Ermittler. Doch gibt es Verbündete? Geht es um Lösegeld, Rache, menschliches Versagen? Weitere Personen streifen das Geschehen, mit Motiven, die im Dunkeln liegen. Durch gut gehütete Geheimnisse, mysteriöse Zufälle und Verluste, an denen sie zu zerbrechen drohen. Petra Hammersfahr ist ein exzellenter Pagetuner mit Gänsehautgarantie gelungen. Ohne blutiges Gemetzel schafft sie Horrorszenarien, die hinter Fassaden lauern. Subtil, einfühlsam und daher umso erschreckender.

Welche Mutter stellt ihr Baby mitten im Januar unbeaufsichtigt vor einer Drogerie ab, um ungestört Lippenstifte zu kaufen? Für die Ermittler ist Mel, die Mutter des verschwundenen Luca, von Anfang an verdächtig. Hat die offensichtlich überforderte Frau, deren ältester Sohn Max ebenso allein durch den Laden streift, ihr Kind getötet und will es nun als Entführung vertuschen? Zeugen haben jedoch auch die „verrückte Alte im Poncho“ am Kinderwagen beobachtet. Sie soll kleinen Kindern Süßigkeiten schenken und schon mehrmals Familien gestalkt haben. Max traf vor dem Kinderwagen zudem auf einen mysteriösen „Buhmann“, der ihn absichtlich erschreckt und somit abgelenkt hat. Weiterlesen

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Siina Tiuraniemi: Frischluftvergiftung bei minus 20 Grad

Junge finnische Literatur – wer verbindet sie nicht mit schrägen Charakteren, rabenschwarzem Humor und jeder Menge Alkohol und Drogen? „Frischluftvergiftung bei minus 20 Grad“ erfüllt diesbezüglich alle Erwartungen! Der eigenbrötlerische Student Miska wird von seiner Mutter gebeten, ihrer älteren Cousine im Pflegeheim einen Besuch abzustatten. Birgitta entpuppt sich als zynische Dame im Rollstuhl, die ihre Beine aufgrund eines Alkoholproblems verloren hat. Sie will Miska dazu bringen, ihr Schnaps und Marihuana ins Pflegeheim zu schmuggeln. Was als kleiner Gefallen beginnt, endet in einem großen Chaos…

Miska ist 24 Jahre alt, Vegetarier, studiert Geisteswissenschaften, trägt einen zotteligen Bart, ebensolche Haare, löcherige Jeans und würde eigentlich dem Ebenbild eines Hipsters entsprechen. Nur dass er absolut nicht hip ist. Wehleidig, introvertiert, chronisch pleite, mit Hang zum Autismus, ohne Entschluss- und Motivationskraft schleppt er sich durch den Tag. Bis ihn das Leben durch zwei Ereignisse aus seiner Lethargie wirft. Weiterlesen

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Hannah Rothschild: Die Launenhaftigkeit der Liebe

Der Scheich und die Sheikha von Alwabbi haben ein riesiges Luxusmuseum erbaut, ohne ein einziges Kunstwerk darin. Die russischen Zinn- und Kaliummagnaten Wladimir Antipowski und Dimitri Woldakow befinden sich in einem Wettstreit. Mrs. Appledore, eine achtzigjährige Grande Dame der Park Avenue, plant einen letzten Coup. Die französische Regierung will es zurück, doch die britische Regierung will es nicht hergeben. Sie alle finden in London zusammen, um sich bei einer Auktion „Die Launenhaftigkeit der Liebe“ zu sichern. Dieses lange verschollene Gemälde hat die Köchin Annie McDee in einem Trödelladen gefunden – nichts ahnend, dass sie damit in das Abenteuer ihres Lebens gerät. Hannah Rothschild ist ein amüsantes, spannendes Stück Literatur über die Kunst gelungen. Kein Wunder, entstammt sie doch der berühmten jüdischen Bankiersfamilie Rothschild, die auch durch ihre Kunstsammlungen zu Ruhm und Reichtum gelangte. Weiterlesen

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Stefan Bollmann: Monte Verità

Sie sind langhaarig, Vegetarier, Aussteiger, praktizieren freie Liebe und nacktes Sonnenbaden: Nein, die Rede ist nicht von den 1968ern. Die Rede ist von den Bewohnern des Monte Verità, jenem Ort über dem Lago Maggiore bei Ascona, der zwischen 1900 und 1920 Hotspot von Anarchisten, Rebellen, Freidenkern, Künstlern und Naturmenschen war. Körper, Geist und Seele wieder in Einklang bringen. Raus aus dem steifen Korsett, den industrialisierten und verdreckten Großstädten. Rein in eine Selbstversorger-Kommune, die Freiheit und Selbstentfaltung verspricht. Stefan Bollmann folgt der illustren Gründertruppe und ihren Gästen, von Hermann Hesse bis Käthe Kruse. Er zeigt, dass das Vermächtnis des Monte Verità noch Generationen später weltweit Früchte trägt. Sogar sprichwörtlich: Denn ohne diese Reformbewegung hätte Steve Jobs seine Firma nicht Apple genannt! Weiterlesen

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Ulrich Alexander Boschwitz: Der Reisende (1939)

9. November 1938: In nur wenigen Stunden und Tagen verliert der wohlhabende und angesehene jüdische Kaufmann Otto Silbermann einfach alles. Wohnung, Geschäft, Familie, Grundrechte. Mit seinem Restvermögen von 30.000 Reichsmark flüchtet er quer durch Deutschland, unschlüssig, an wen er sich noch wenden soll. Seine jüdischen Freunde werden nach und nach verhaftet, sein arischer Schwager verwehrt ihm Asyl. Silbermann hofft darauf, dass der in Paris lebender Sohn ihm ein Visum besorgen kann. Doch dieser Plan scheitert ebenso wie ein missglückter Fluchtversuch über die belgische Grenze. So „emigriert“ Silbermann in die Deutsche Reichsbahn, lässt sich ziellos von Bahnhof zu Bahnhof treiben, begegnet den unterschiedlichsten Menschen und rutscht immer tiefer in sein unaufhaltsames Verderben.

Wie lange braucht es, um einen Menschen zu brechen? In dem Roman von Ulrich Alexander Boschwitz geht dies erschreckend schnell. Binnen weniger Tage verliert seine Figur Silbermann alles, was er sich erarbeitet hat und was ihn als menschliches Wesen auszeichnet. Weiterlesen

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Bernhard Schlink: Olga

Außergewöhnliche Liebesgeschichte, hervorragende Charakterstudie und ein gelungenes Gesellschaftsporträt: Bernhard Schlink hat in diesem Roman wieder zum großen Wurf ausgeholt. Wie schon in seinem Weltbesteller „Der Vorleser“ bleibt die Liebe hier so leidenschaftlich wie unerfüllt. Es geht um die Sehnsüchte von Menschen, die andere Wege einschlagen, als der Rest ihrer Zeit. Auch die ersten Triebe des beginnenden Faschismus, der sogar in guten, „aufrechten“ Menschen Wurzeln fasst, werden meisterlich dargestellt. Olga hat das Zeug, zu einer der ganz großen Frauenfiguren der Weltliteratur aufzusteigen.

Herbert ist ein Junge, der viel rennt. Olga ist ein Mädchen, das gerne dasteht und zuschaut. Sie lernen sich als Kinder kennen. Nach dem Tod der Eltern wird Olga Ende des 19. Jahrhunderts von Breslau zur Großmutter aufs Land nach Pommern gebracht. Dort lebt Herbert mit seiner Schwester Viktoria in herrschaftlichen Verhältnissen. Seinen Eltern gehört ein großer Gutshof samt Fabrik. Trotz unterschiedlicher Herkunft werden die Drei zu Freunden. Doch als die Heranwachsenden Gefühle füreinander entwickeln, Weiterlesen

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Thea Dorn: Die Unglückseligen

Lassen Sie sich durch den Buchtitel nicht täuschen: In diesem Roman gibt es jede Menge zum Lachen, Staunen, Wundern. Thea Dorn ist ein teuflisch gutes und rundum wahnwitziges Meisterwerk gelungen: Die Humangenetikerin Johanna sucht einen Weg zur Unsterblichkeit. Sie trifft den 1776 geborenen Physiker Johann Ritter. Allerdings leidet der verschrobene Einsiedler unter dem „Joch“ seiner Unsterblichkeit. Diese kuriose Ausgangssituation sorgt für geniale Dialoge und überraschende Wendungen. Der Clou: Ein allwissender Erzähler kommentiert das Geschehen in mittelalterlichem Jargon. Ist es ist der Beelzebub höchstselbst? Er nutzt die Gunst der Stunde, um ein paar Vorurteile aus der Welt zu schaffen …

Die ehrgeizige und vernunftbegabte Molekularbiologin Johanna plant die Menschheit von ihrem größten Übel zu befreien: der Sterblichkeit. Was ihr mit Zebrafischen und Mäusen bereits im Ansatz gelungen ist, steht plötzlich in Menschengestalt vor ihr an einer Supermarktkasse: Johann Ritter, ehemaliger Physiker, vor 250 Jahren geboren. Weiterlesen

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Alex Kava: Sturzflug

Ein Afghanistanveteran, der sich aus dem 19. Stockwerk eines Hotels in den Tod stürzt. Ein See, bedeckt mit Hunderten von toten Wasservögeln. Mysteriöse Grippefälle in New York und Chicago – was haben all diese Vorfälle miteinander zu tun? Alex Kavas spannender Thriller nimmt sich des brandheißen Themas „Biowaffen“ an. Durch den spannenden Plot führt uns einer der wohl sympathischsten Ermittler der momentanen Krimiliteratur: Ryder Creed, ausgebildeter Trainer für Spürhunde, gewinnt samt seinen vierbeinigen Kollegen nicht nur das Herz der FBI-Profilerin Maggie O’Dell, sondern auch das der Leser.

Ein schweißüberströmter Mann irrt durch New York. Er hustet blutigen Auswurf in ein Taschentuch. Ob Fahrstuhlknöpfe, Speisekarten, Türklinken… er wurde instruiert, möglichst viele Flächen zu berühren. Doch als ihn im Restaurant ein kleiner Junge darum bittet, ihm einen Strohhalm zu reichen, zögert der Mann. Dient das, was er hier tut, wirklich einer guten Sache?

Gleich im ersten Kapitel schafft Autorin Alex Kava ein bedrohliches Szenario, das seine Leser in seinen Bann zieht. Weiterlesen

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