Hilkje Hänel: Ein Fall für Alexandra Gode 01: Engel der Erlösung

In Berlin werden kurz hintereinander fünf Frauenleichen aufgefunden – geschlagen, misshandelt und erstickt. Ihre Körper weisen auch Verletzungen und Narben älteren Datums auf. Bald steht fest, dass sie über Jahre hinweg Opfer häuslicher Gewalt geworden sind. Die eigenbrötlerische Hauptkommissarin Alexandra Gode wird mit den Fällen betreut. Geraten zunächst die jeweiligen Ehemänner unter Verdacht, wird mit jedem neuen und exakt gleich ausgeführten Tötungsdelikt ersichtlich, dass ein Zusammenhang bestehen muss. Ein Serienmörder? Aber was ist sein Motiv? Alex, sonst für ihre unverblümte und direkte Art bekannt, stößt an ihre Grenzen. Der Fall reißt Wunden aus ihrer Kindheit auf. Ihr neuer Partner Markus Lepke macht die Ermittlungsarbeit ebenfalls nicht leichter.

Die Zutaten dieses Thrillers sind nicht neu, zum Beispiel die traumatisierte Hauptkommissarin oder die aufkeimende Romanze zwischen den Ermittlern. Dennoch hat die Autorin ihre Zutaten geschmackvoll angerichtet und mit aktuellen, neuen Toppings versehen. Weiterlesen

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Juli Zeh: Leere Herzen

Juli Zeh hat sich das wohl furchterregendste aller Szenarien herausgesucht – jenes der nahen Zukunft. Wo hört die Dystopie auf, wo fängt die mögliche Realität an? „Leere Herzen“ spielt 2025 in Deutschland. Nach Angela Merkels Rücktritt hat die BBB (Besorgte Bürger Bewegung) die Regierung übernommen. Es gibt das Bedingungslose Grundeinkommen, Europa steht kurz vor der Auflösung, demokratische Grundrechte werden kaum merklich „vereinfacht“. Ehemalige Großstadthipster betreiben gepflegten Eskapismus und strömen in die überschaubaren Mittelstädte. Es sind zynische Nichtwähler wie Britta, jeglicher Illusion beraubt. Nur dass Britta daraus Kapital schlägt. Ihre Psychotherapiepraxis „Die Brücke“ filtert das Internet nach suizidgefährdeten Personen. Durchlaufen diese 12 Stadien ohne geheilt zu werden, werden sie an Organisationen vermittelt, die Selbstmordattentäter gebrauchen können – von Islamisten bis Umweltaktivisten. Weiterlesen

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Michael Cunningham: Ein wilder Schwan

So haben Sie Märchen noch nie gelesen: sexy, abgrundtief böse, nachdenklich stimmend, menschlich absurd und unfassbar komisch! Michael Cunningham erzählt die Vorgeschichten der Protagonisten und das, was nach dem vermeintlichen Happy End passiert. Er nimmt die Perspektive von Hexen und Kinderräubern ein, ruft Verständnis für all jene Underdogs hervor, die bislang in den eindimensional konzipierten Plots zu kurz kamen. Es ist schon fast ein Sakrileg, mit welchem Chuzpe er sich über das literarische Kulturgut von Generationen hermacht! Der Autor bringt Farbe in die Schwarz-Weiß-Malerei von Gut und Böse. Ein Genuss für Märchenliebhaber und Märchenhasser gleichermaßen. Weiterlesen

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Mavis Doriel Hay: Geheimnis in Rot (1936)

Mit „Geheimnis in Rot“ setzt der Klett-Verlag seine nostalgische Weihnachtskrimi-Reihe fort und hat sich wieder einmal ein echtes Juwel herausgepickt. Der 1936 entstandene Roman – mitten in der „Goldenen Ära“ der britischen Kriminalliteratur – punktet mit stimmungsvollem Setting. Der winterliche Landsitz, die adligen Akteure und das Flair der 30er Jahre bereiten klassisches Krimivergnügen der guten alten Schule. Sir Osmond Melbury trommelt seine ganze Familie an Weihnachten zusammen. Ein böser Fehler: Kaum hat die Bescherung begonnen, wird er mit einer Kugel im Kopf aufgefunden. Mord! Colonel Halstock hat bei der Aufklärung des Falles alle Hände voll zu tun: Bei näherer Betrachtung könnten einige Familienmitglieder ein Interesse am vorzeitigen Ableben des Patriarchen gehabt haben … Weiterlesen

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Minna Lindgren: Der Todesfall der Woche

Tod, Demenz und Pflegeheim – wohl niemand außer den Finnen versteht es, derartige Themen schwarzhumorig, schonungslos und warmherzig zugleich aufzubereiten. Im „Abendhain“ vertreiben sich die über 90-jährigen Heimbewohnerinnen Siiri, Irma und Anna-Lisa mit Canasta, Stuhlgymnastik und Rotweintrinken den Tag. Auch die Frage, wen es von den Nachbarn diese Woche dahingerafft hat, bietet Gelegenheit für anregende Unterhaltungen. Bis der junge Kantinenkoch Tero stirbt, den Patienten merkwürdige Medikamente untergejubelt werden und ein mysteriöser „Höllenengel“ mit Lederjacke und Motorrad in ihr Leben tritt. Plötzlich befindet sich Siiri in einem Abenteuer, in dem sie ihre Freiheit verteidigen muss.

Die drei rüstigen Freundinnen bilden neben einem ehemaligen Botschafter, der stets auf Beerdigungen einschlafenden Krempenhutdame sowie dem Ehepaar Partanen, welches jeden Nachmittag lautstarken Sex praktiziert Weiterlesen

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Lilli Beck: Glück und Glas

„Glück und Glas, wie leicht bricht das?“ Der auf diesem Sprichwort basierende Buchtitel hätte nicht treffender gewählt sein können. Denn die ungleichen Freundinnen Marion und Hannelore werden beide am 7. Mai 1945 in Deutschland geboren, durchleben entbehrungsreiche Nachkriegsjahre, Studentenunruhen, erste Emanzipationsschritte, Aufstieg und Fall, Lieben und Entlieben. Eine wunderbare Frauenfreundschaft und eine nostalgische Zeitreise durch Deutschland.

Sie könnten nicht unterschiedlicher sein: Hannelore stammt aus einer wohlhabenden Schuhfabrikantenfamilie, Marions Mutter muss sich hochschwanger – durch Bombardements obdachlos geworden und mit einem Ehemann in Kriegsgefangenschaft – allein durchschlagen. Weiterlesen

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Lauren A. Forry: Abigale Hall

Nachkriegsdrama, Horrorstory, Psychothriller – „Abigale Hale“ ist hochgradig spannend!  Lauren A. Forry hat in ihrem Debütroman den richtigen Ton getroffen, wofür sie mit dem Faber und Faber Creative Writing Prize ausgezeichnet wurde. Dieser Roman packt das Grauen auf mehreren Ebenen – auf der übernatürlichen, realen und psychologischen.

1947: In Londons Straßen herrscht der alltägliche Nachkriegshorror. Zwischen zerbombten Ruinen und langen Warteschlange vor Ausgabe der Lebensmittelrationen, tummeln sich Menschen, denen ihre persönlichen Kriegstraumata ins Gesicht geschrieben stehen: Kriegsversehrte, Witwen und Waisen. Zu letzteren gehören auch die 17-jährige Eliza und ihre fünf Jahre jüngere Schwester Rebecca. Sie haben ihre Eltern verloren und leben seitdem bei ihrer Tante Bess. Diese hat die beiden zwar pflichtschuldig aufgenommen, hegt aber kaum Sympathien für die ihr anvertrauten Nichten. Weiterlesen

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Emma Garnier: Grand Hotel Angst

Geistergeschichten spielen im Normalfall in abgelegenen englischen Landhäusern, in herbstlicher Atmosphäre zwischen Hochnebel und Moor. Das geht auch anders, dachte sich Autorin Emma Garnier und verlegte ihre Geschichte zur Frühlingszeit an die italienische Adria – den Ort Bordighera, der sich 1899 vom einstigen Fischerdorf zum noblen Tourismusziel für den europäischen (Geld-) Adel entwickelt hat. Im luxuriösen Grand Hotel Angst reisen die junge Nell und ihr Ehemann Oliver an. Sie wollen hier ihre Flitterwochen verbringen. Doch das Honeymoon-Feeling währt nicht lange. Nell ähnelt einer gewissen Lucrezia, die unter ungeklärten Umständen starb und durchs Haus spuken soll. Seltsame Vorkommnisse, unheilvolle Visionen, die dubiosen Geschäftspartner ihres Ehemannes: Nell muss schnell feststellen, dass nichts so ist, wie es scheint – und stellt eigene Nachforschungen an. Weiterlesen

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Lucia Berlin: Was ich sonst noch verpasst habe

Lucia Berlin – ein Name, der nach einer angesagten Bloggerin aus der Hauptstadt klingt. Tatsächlich handelt es sich um eine US-amerikanische Autorin, die im Stil von Raymond Carver große Literatur in kleine Szenen verpackt. Szenen, die erschüttern, unterhalten, verblüffen, nachwirken. Die Autorin wurde 1936 in Alaska geboren und starb 2004 in Kalifornien. Ihre Protagonisten sind Alkoholiker, Einwanderer, Krankenschwestern, Putzfrauen, Sekretärinnen, Alleinerziehende, Frauen, die im Alltag ihren Mann stehen müssen. Zum Glück wurde Berlins Literatur posthum wiederentdeckt. Sonst hätten WIR Leser etwas Großartiges verpasst! Allein im Jahr 2015 erhielt ihre Prosa den California Book Award und zählte zu den „TOP 10 Books“ der New York Times. Weiterlesen

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Marco Missiroli: Obszönes Verhalten an privaten Orten

Gleich die erste Szene gereicht dem Buchtitel zur Ehre: Libero Marsell ertappt seine Mutter im Nebenzimmer beim Fellatio mit Papas bestem Freund. Dieses Trauma lässt ihn nicht mehr los. Der Roman begleitet den zwölfjährigen Jungen, der 1975 mit seiner Familie von Mailand nach Paris zieht, bis ins Erwachsenenalter hinein. Durch erlesene Szenen verfolgen wir Liberos Mannwerdung, von der Entdeckung der Selbstbefriedigung zur Auslebung geheimer Fantasien. Elegant und intelligent erzählt, gelingt dem Autor eine literarische Reifeprüfung der besonderen Art.

Nach Liberos „erotischer Taufe“ steht fest: Mittels eines Orgasmus‘ will er sich künftig von allem Kummer befreien! Der Kummer hält dennoch Einzug in seinen Alltag: Er muss seine Freunde in Italien zurücklassen und leidet unter seiner „Unsichtbarkeit“: Mädchen sehen in ihm nur einen platonischen Kumpel. Weiterlesen

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