Was wäre, wenn …? Rund 150 Jahre vor Trumps alternativen Fakten hat der Meister der „alternativen Storylines“ das literarische Parkett betreten. Er liebt das Absurde, das Abgründige, die Varianten im scheinbar Bekannten. Er sprengt den Rahmen antiker Fabeln, entmystifiziert Mythen, macht nicht mal vor der Bibel halt. Joaquim Maria Machado de Assis dreht die Medaille herum und beleuchtet ihre Kehrseite. Was wäre, wenn der Teufel die Welt erschaffen hätte? War Noahs Arche dem Untergang geweiht? Hat die Seele ein Geschlecht?
Dreizehn ausgewählte Geschichten liefern Einblick in die schriftstellerische Bandbreite des Autors und sein herausragendes literarisches Wissen. Dazu gehören pseudohistorische Anekdoten, orientalische Märchen, Bibeltexte, Reiseberichte, politische Reden sowie Kurzgeschichten aus seiner Heimat Brasilien. Allein gemeinsam ist, dass Joaquim Maria Machado de Assis mit den Erwartungen der Leser spielt und uns eine zweite Ebene vor Augen führt, einen alternativen Verlauf der Handlung. Dabei steigt er sprachlich so gekonnt in das jeweilige Geschehen ein, dass die Grenzen zwischen Original und origineller Variation verschwimmen. Ein Vergnügen ist es allemal zu lesen. De Assis hat keinerlei Berührungsängste an historischen oder heiligen Schriften Hand anzulegen. Ein intertextueller, mutiger Quantensprung vom kritischen zum modernen Realismus. Heute gilt de Assis als Wegbereiter von Autoren wie Gabriel Garcia Marquez oder Jorge Luis Borges. Weiterlesen
nter Beobachter. Denn der Teufel steckt im Detail. Jede Szene verkörpert hier großes Kino, ob sie nun in prächtigen Landhäusern, Londoner Stadtwohnungen oder in den Kolonien des Empire spielt. Diese Sammlung hat das Prädikat „Meistererzählungen“ wahrhaftig verdient.



drei verschiedene Suspense-Ebenen machen das Buch zu einem Pageturner par excellence. Da geriet sogar Stephen King ins Schwärmen…
Erscheint ihre Mutter, sieht Thene rot! Dies liegt nicht nur an der stets signalfarbenroten, viel zu engen Garderobe ihrer Mutter. „Als wollte Mama nicht nur alle Menschen ihrem Willen unterwerfen, sondern auch alle Augen zwingen, sich immer nur auf sie zu richten“. Die 25jährige Thene, welche gerade in Oxford ihren Abschluss macht, stammt aus einer durchgeknallten Familie. Ein schwuler Vater, eine nudistisch veranlagte Oma, ein zaubernder Bruder. Der Roman liest sich wie eine einzige Aneinanderreihung skurriler Situationen und pointierter Streitgespräche! Für dieses makabre, irrwitzige Debüt wurde Nele Pollatschek mit dem Hölderlin Förderpreis ausgezeichnet.
