Ein hochverdienter Preisträger: Der Prix Goncourt Gewinner 2019 ist ein Roman, der uns Leser emotional sofort in seinen Bann zieht. Dies liegt vor allem an dem hervorragend entworfenen Hauptakteur Paul Hansen, dem der Autor die vielen Licht- und Schattenseiten des Menschseins auf den Leib geschrieben hat. Dubois hat einen „literarischen Adam vor dem Sündenfall“ geschaffen. Einen Menschen, der sein Leben lang Gutes getan hat, doch eines Tages jemanden umbringen will. Wie konnte es dazu kommen?
Diese Kernfrage treibt von Anfang an den Plot voran und uns Leser um. Was ist dem Protagonisten Furchtbares zugestoßen, das ihn zu so einer Tat hingerissen hat? Dubois lässt Paul aus dem Gefängnis heraus in Rückblenden von seinem Leben erzählen. Dabei schafft er konträre Bilder, die sich ins Bewusstsein einprägen und Pauls Absturz umso mehr verdeutlichen. Er erinnert sich an Szenen seiner Kindheit, während sein Zellenkollege, ein Hells Angels Mitglied, vor seinen Augen auf der Toilette defäkiert. Wie kann man unter solchen Umständen seine Würde bewahren? Wie die Hoffnung nicht verlieren? Weiterlesen




ten abhängig machen. Folge: Bald kursiert in den Büros der Stadt die so genannte „BAD-Liste“ mit den Namen von Männern, die durch übergriffiges Verhalten negativ aufgefallen sind. Jede Frau kann entsprechende Namen eintragen, um andere Kolleginnen davor zu warnen.

Selbstbestimmtheit oder Scheiterhaufen? Der auf historischen Begebenheiten beruhende Roman Vardø schildert diesen Konflikt in beeindruckender Weise. Am Weihnachtstag 1617 zieht vor dem norwegischen Küstendorf Vardø wie aus dem Nichts ein gewaltiger Sturm auf. Dieser löscht mit einem Schlag alle 40 Männer des kleinen Ortes aus, die gerade zum Fischen aufs Meer hinausgefahren sind. Zurück bleiben die Frauen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen, um nicht während des langen Winters zu verhungern. Sie beginnen die Rentiere zu hüten, die Felder zu bestellen, Handel mit Schiffsleuten zu betreiben und wagen sich sogar selbst mit Fischerbooten aufs Meer hinaus. Bislang eine hundertprozentige Männerdomäne. Das kann nicht mit rechten Dingen zugehen! Denn emanzipierte Frauen, die keinem Manne Untertan sind, passen nicht in das patriarchalische Weltbild der Herrscher und Kleriker. Noch dazu, wo in diesem entlegenen Teil Norwegens die indigene Bevölkerung der Sami alte Riten pflegen, die als pures Teufelswerk abgetan werden. Folge: Absalom Cornet, der bereits in Schottland Hexenprozesse geleitet hat, wird nach Vardø geschickt, um den Ort wieder „gottgefällig“ zu machen. Für manche Frauen hat dies fürchterliche Konsequenzen…