Ian McEwan wirft dermaßen viel schriftstellerisches Können in die Waagschale, dass er gar nicht in der Lage ist, einen wirklich schlechten Roman zu fabrizieren. Und doch packt er in sein neuestes Werk „Honig“ ein paar Zutaten, die zumindest dazu führen, dass dieses Werk nicht ganz an Vorgänger wie etwa „Saturday“ oder „Solar“ heranreicht: Das Thema „Kalter Krieg“, Spionage und die obskuren Machenschaften irgendwelcher Geheimdienste in den 70er-Jahren eignet sich vielleicht noch für verregnete und nostalgische Samstagabende, an denen die x-te Wiederholung irgendeines James-Bond-Klassikers mit Roger Moore läuft, aber für einen brandneuen Roman aus dem Jahre 2013 scheint das Thema denn doch etwas angestaubt. Weiterlesen
andreas-schröter
Louis Begley: Erinnerungen an eine Ehe
Louis Begleys neuer Roman spielt – wie schon seine bekannten Schmidt-Romane – in der New Yorker Upper Class. Man trinkt Unmengen teuren Wein, geht ständig in Restaurants oder auf Partys und weiß nicht, wie man bloß den Schnee aus der Einfahrt kriegen soll, wenn die Bediensteten frei haben.
Echte Sorgen hat man in diesen Kreisen nur, wenn man aus Versehen die falsche Frau geheiratet hat – so wie Thomas, dessen zänkische und alles in allem unerträgliche Frau Lucy ihm das Leben zur Hölle macht. Erst als sie ihn mit einem Schweizer Sadisten betrügt, wird es ihm denn doch zu bunt und er verlässt sie. Weiterlesen
Mario Vargas Llosa: Ein diskreter Held
Einen richtig schönen Schmöker über Themen wie Liebe, Verrat, Rache, Moral, Ehre und Unbeugsamkeit hat der peruanisch-spanische Literatur-Nobelpreisträger von 2010, Mario Vargas Llosa, geschrieben. „Ein diskreter Held“ erzählt zwei Parallelgeschichten, die erst ganz am Ende zusammenkommen. Während Don Felícito Ärger mit Schutzgelderpressern hat, erfährt Rigoberto kurz vor seinem Ruhestand, dass sein Chef Ismael seine um 38 Jahre jüngere Haushälterin heiraten will. Rigoberto soll Trauzeuge werden. Doch dagegen haben Ismaels Söhne etwas, die sich um ihr Erbe betrogen sehen. Sie setzen nicht nur ihren Vater, sondern auch Rigoberto massiv unter Druck. Vergebens. Beide Geschichten haben somit ältere Männer als Hauptfiguren, die allen äußeren Einflüssen zum Trotz unbeirrt ihren Weg gehen. Weiterlesen
Olaf Kühl: Der wahre Sohn
Bis auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2013 hat es der zweite Roman eines Mannes geschafft, der bisher vor allem als deutsch-polnischer Übersetzer bekannt ist und als solcher 2005 sogar mit einem einschlägigen Preis ausgezeichnet worden ist: Olaf Kühl.
„Der wahre Sohn“ heißt sein neues Buch. Es handelt von einem Mann namens Konrad, der sich in den 90er-Jahren für eine deutsche Versicherung in Kiew auf die Suche nach einem gestohlenen Mercedes 500 SE macht. Schon bald muss er jedoch feststellen, dass der Halter des Wagens kürzlich gestorben ist. Weiterlesen
Urs Widmer: Reise an den Rand des Universums
Mit
einer Autobiographie hat es der Schweizer Urs Widmer in diesem Jahr immerhin auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft. In „Reise an den Rand des Universums“ beschreibt der 1938 geborene Autor seine ersten 30 Lebensjahre bis 1968.
Dazu gehören Kindheitserinnerungen mit Familienurlauben in den Bergen oder die Angst davor, dass auch die Schweiz von den Deutschen überfallen und in den Zweiten Weltkrieg hineingezogen wird – eine Angst, die der Autor schon als Kind mitbekommt.
Später kommen die ersten Liebschaften hinzu sowie Erfahrungen im Studium in Basel, Montpellier und Paris. Weiterlesen