Paolo Giordano: Der menschliche Körper

peoDer italienische Schriftsteller Paolo Giordano, geboren 1982, ist 2008 mit seinem Erstling „Die Einsamkeit der Primzahlen“ bekannt geworden. Unter dem etwas irreführenden Titel „Der menschliche Körper“ lässt er nun ein Werk folgen, in dem er eine Gruppe Soldaten in Afghanistan auf eine heikle Mission schickt.

Und schon nach wenigen Seiten ist der Leser ganz nah bei diesen Soldaten, spürt ihre Langeweile, ihre Sehnsucht nach den Freundinnen zu Hause und ihre Angst, als sie einmal aus der Ferne beschossen werden. Man findet den egoistischen Stabsgefreiten Cederna unsympathisch, leidet mit dem Muttersöhnchen Ietri, und hofft, dass die einzige Soldatin Zampieri bald besser schießen lernt – um nur einige zu nennen. Weiterlesen

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Graeme Simsion: Das Rosie-Projekt

simEin Mensch mit Asperger-Syndrom hat Schwierigkeiten, Gefühle zu empfinden. Alles Zwischenmenschliche ist ihm ein Gräuel. Wenn so jemand – wie in Graeme Simsions Roman „Das Rosie-Projekt“ – versucht, etwas so Emotionales zu tun wie auf Brautschau zu gehen, dann ist die Situationskomik vorbestimmt. Und so geschieht’s im höchst unterhaltsamen, lesenswerten und witzigen Buch des australischen Autors.

Don Tillman ist Genforscher, leidet unwissentlich am Asperger-Syndrom und sucht die Frau fürs Leben. Letzteres tut er mit einem gut ausgeklügelten 17-seitigen Fragebogen. Doch dann trifft er Rosie, die bei fast allen Fragen durchfällt. Weiterlesen

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Herman Koch: Odessa Star

odeVon dem 1953 geborenen niederländischen Autor Herman Koch sind in Deutschland bisher zwei Romane erschienen: „Angerichtet“ und „Sommerhaus mit Swimmingpool“. Nun hat der Kiepenheuer-&-Witsch-Verlag ein drittes Werk Kochs übersetzen lassen, das im Original bereits 2003 erschienen ist, also vor den beiden erstgenannten – „Odessa Star“.

Es handelt von einem 47-jährigen Mann namens Fred, der mitten in seiner Midlife-Crisis einen alten Schulfreund wiedertrifft und sich fortan magisch von ihm angezogen fühlt. Doch die Coolness, die den Wiedergefundenen umgibt, hat ihren Preis … Weiterlesen

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Rachel Joyce: Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte

rachRachel Joyce ist 2012 mit ihrem ersten Roman „Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry“ ein Weltbestseller gelungen. Nur ein Jahr später legt die 1962 geborene britische Autorin den nächsten Schmöker vor: „Das Jahr, das zwei Sekunden brauchte“. Und auch dieses Buch hat das Zeug dazu, wieder mächtig für Furore zu sorgen.

Es geht um einen kleineren Verkehrsunfall im Nebel – jene titelgebenden zwei Sekunden Unaufmerksamkeit –, der das Leben einer ganzen Familie zerstört oder komplett verändert, obwohl gar nicht viel passiert. Diana, die selbst aus zweifelhaften Familienverhältnissen stammt, ist mit ihrer Rolle als Oberschichtenmutter – mit Luxushaus und Luxuswagen – komplett überfordert. Weiterlesen

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Padgett Powell: Schrottplatz der gebrochenen Herzen

schrHarry Rowohlt persönlich hat eine Geschichtensammlung des amerikanischen Autors Padgett Powell übersetzt, die im Original bereits 1996 erschienen ist. „Schrottplatz der gebrochenen Herzen“ heißt das Werk.

Die ersten drei Geschichten sind unglaublich stark: enorm witzig, von einer Sprachgewalt, die schier atemlos macht, und getragen von einer Haltung, die viel Sympathie für die Loser der Gesellschaft in Amerikas Südstaaten zeigt, beziehungsweise für diejenigen, die die ausgetretenen Pfade verlassen möchten: eine gut situierte Frau, die Sex mit einem Jüngling sucht, einen Psychopathen, der Angst davor hat, mit seinem Wohnwagen im Erdboden zu versinken, und einige mehr. Weiterlesen

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Marco Missiroli: Das Lächeln des Elefanten

andDrama, Drama, Drama – was der 1981 geborene italienische Autor Marco Missiroli an menschlichen Tragödien in seinen Roman „Das Lächeln des Elefanten“ packt, reicht für eine 20-teilige Soap-Opera-Serie. Da gibt es einen Vater mit einem schwerstbehinderten Sohn, eine Mutter mit einem geistig behinderten Sohn, sterbende Kinder und gleich mehrere Selbstmorde, um nur einiges zu nennen – und das alles auf nur 250 Seiten. Weiterlesen

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Alice Munro: Liebes Leben

aliIm Oktober 2013 hat die kanadische Autorin Alice Munro den Literaturnobelpreis erhalten, nun liegt ihr neuester Erzählband unter dem Titel „Liebes Leben“ auch auf Deutsch vor. Das Buch vereint 14 feinfühlige und psychologisch gut beobachtete Erzählungen, von denen die letzten vier autobiografischer Natur sind.

Obwohl der Titel anderes vermuten lässt, geht es in diesen Geschichten nicht nur um die Liebe – aber auch. Und oft sind es nur Nuancen, die über Freud oder Leid im komplizierten Geflecht der menschlichen Beziehungen entscheiden. Weiterlesen

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Richard C. Morais: Buddha in Brooklyn

ostOst trifft West – von diesem vielbeschriebenen Gegensatz lebt auch Richard C. Morais‘ Roman „Buddha in Brooklyn“. Oda, der in einem abgeschiedenen buddhistischen Orden in Japan aufgewachsen ist, wird nach New York versetzt, um dort einen Tempel aufzubauen und eine kleine buddhistische Gemeinde zu betreuen.

Es lässt sich denken, dass das nicht ohne Komplikationen und Kulturschocks auf beiden Seiten abgeht – zumal Oda alles andere als gerne seine neue Stelle antritt. Diese Konstellation erinnert ein bisschen an den französischen Erfolgsfilm „Willkommen bei den Sch’tis“: Mann wird versetzt, und zunächst sträubt sich alles in ihm gegen sein neues Umfeld, doch am Ende will er gar nicht wieder weg. Dazu trägt in diesem Fall auch die junge Jennifer bei … Weiterlesen

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Rawi Hage: Spinnen füttern

rawiUnterhaltsam, amüsant, dabei manchmal etwas rau, aber immer voller Herzenswärme, das ist „Spinnen füttern“ – ein Buch des 1964 geborenen libanesisch-kanadischen Autors Rawi Hage.

Fly ist Taxifahrer. Nachts streift er auf der Suche nach Fahrgästen durch die Straßen und trifft dabei auf Prostituierte, Drogendealer, Bettler oder jemanden, der gerade aus dem Irrenhaus entlassen worden ist.

Wie ein moderner Robin Hood hilft Fly allen Bedürftigen, tut sich dabei allerdings schwer, auch für sich selbst ein wenig Glück zu finden: Seine Nachbarin Zainab, die er heiß und innig verehrt, weist seine Annäherungsversuche hartnäckig ab.

„Spinnen füttern“ ist ein Buch, das von seinen vielen kleinen Geschichtchen lebt, die der Autor immer wieder in 1001-Nacht-Manier einstreut.

Rawi Hage: Spinnen füttern.
Piper, Oktober 2013.
304 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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Robert Goolrick: Das Ende der Welt, wie wir sie kennen

robAls äußerst harte und erschütternde Lebensbeichte entpuppt sich Robert Goolricks autobiografisches Buch „Das Ende der Welt, wie wir sie kennen“.

Bei den ersten Zeilen denkt man noch, es gehe „nur“ um Alkoholismus, doch dann stellt sich heraus, dass das eigentliche Thema des Buches ein ganz anderes ist: Kindesmissbrauch. Der Autor ist im Alter von vier Jahren von seinem betrunkenen Vater vergewaltigt worden, während seine ebenfalls betrunkene Mutter zugesehen hat. Seine Großmutter, der der blutende Junge am nächsten Tag von dem Vorfall erzählt, reagiert nicht weiter. Sie sagt nur, dass er es niemandem erzählen dürfe, weil sonst etwas Schlimmes geschehe. Weiterlesen

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