Miguel Silva: Die Tote von Nazaré

Urlaub am Meer – das ist genau, was Maren jetzt braucht. Ruhe und Erholung nach einem langen Klinikaufenthalt und einer längeren Zeit im Koma. Bei einem Banküberfall war Hauptkommissarin Maren Berger angeschossen worden, eine Kugel musste aus ihrem Kopf entfernt werden. Keiner kann sagen, wie schnell sie sich davon erholen wird. Deshalb jetzt Nazaré, wo es – wie Maren gehört oder geträumt hat – die höchsten Wellen gibt, gerade auch im Winter. Ein Paradies für Surfer und Kitesurfer. Dazu gehört Maren zwar nicht, aber vom Strand aus zuzuschauen, das stellt sie sich beruhigend vor.

Ihre Ruhe währt allerdings nicht allzu lange. Eines Morgens, als sie gerade auf dem Weg zum berühmten Praia do Norte ist, wo die Wellen am besten sein sollen, findet sie bei der Surferstatue die Leiche einer jungen Frau. Maren verständigt sofort die örtliche Polizei. Als sie allerdings mit den Beamten zurückkommt, ist die Tote verschwunden. Die Beamten halten sie wahrscheinlich für eine durchgeknallte deutsche Touristin, aber das ist Maren egal. Sie weiß, was sie gesehen hat, und sie erinnert sich auch, dass sie die junge Frau am Abend zuvor in einem Café gesehen hat. Einzig Inspector Joao Ferreira glaubt Marens Aussage und interessiert sich für ihren Bericht. Ferreira spricht gut Deutsch, was es einfacher macht, außerdem macht er einen kompetenten und sympathischen Eindruck, Maren fasst Vertrauen zu ihm.

Das braucht sie auch, denn es dauert nicht lange, bis ein zweiter Toter ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht und Maren das Gefühl hat, mitten in eine Sache hineingezogen zu werden, die sie nicht einordnen kann. Ihre Erinnerungen an die Zeit vor dem Banküberfall sind noch nicht wieder da – sie hat keine Ahnung, was passiert war und woran sie gearbeitet hat. Aber alles deutet nach und nach darauf hin, dass die Morde in Nazaré und der Banküberfall in einer Verbindung stehen, die Maren unbedingt aufdecken möchte. Die deutschen Kollegen, die nach dem zweiten Mord, bei dem ein Kölner Kollege das Opfer war, in Nazaré eingetroffen sind, machen Maren zwar unmissverständlich klar, dass sie sich raushalten soll, aber das kann und will Maren nicht. Auch Ferreira ist hellhörig, welche Verbindungen es gibt. Für Maren wird die Lage immer gefährlicher, sie bekommt Drohschreiben und ist in der Ferienwohnung nicht mehr sicher. Sie wird sogar eines Mordes verdächtigt und hat alle Mühe, ihre Unschuld zu beweisen. Mit riskanten Alleingängen, mit der nicht offiziellen Unterstützung von Ferreira und der Hilfe von eigentlich Fremden deckt Maren eine Reihe illegaler Geschäfte auf: Machtmissbrauch, Drogenhandel und letztlich eben auch Mord. Ferreira und Maren werden zu einem guten Team.

Eine packende Geschichte, flüssig geschrieben, nachvollziehbar erzählt, die Gegenwart und Vergangenheit aus Marens Sicht gut vereint, sympathische Charaktere, auch „die Bösen“ sind plastisch und authentisch dargestellt. Eine idyllische Kulisse.

Miguel Silva: Die Tote von Nazaré
Aufbau-Verlage, Februar 2026
318 Seiten, Taschenbuch, 16,00 Euro

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Ertz.

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