Christian Huber erzählt in „Solange ein Streichholz brennt“ von zwei Menschen, die aus völlig unterschiedlichen Lebensrealitäten stammen – und sich dennoch annähern. Bohm lebt auf der Straße, Alina arbeitet für einen Fernsehsender, steckt jedoch beruflich wie privat in einer Sackgasse. Ihr Aufeinandertreffen ist zunächst ein beruflicher Zufall – sie soll eine Fernseh-Reportage über Obdachlosigkeit erstellen –, entwickelt sich aber zu einer Geschichte über Nähe, Verletzlichkeit und die Hoffnung auf einen Neuanfang.
Der Roman greift damit ein Thema auf, das im literarischen Mainstream oft nur am Rand vorkommt: das Leben ohne festen Wohnsitz. Huber verbindet diesen Blick mit einer kritischen Perspektive auf die Medienwelt, die hier wenig schmeichelhaft dargestellt wird.
Im Detail überzeugt das jedoch nicht durchgehend. Vor allem die Nebenfiguren bleiben auffallend schematisch. Die Mitarbeitenden in Alinas Sender erscheinen fast ausschließlich als kalte, karrieregetriebene Gegenspieler. Differenzierungen fehlen weitgehend. Das schmälert die Glaubwürdigkeit des Dargestellten.
Auch die Handlung greift stellenweise zu stark auf Zufälle zurück. Dass ausgerechnet eine Kneipenschlägerei und die Verletzung von Bohms Hund den entscheidenden Impuls für die Zusammenarbeit der Hauptfiguren liefern, wirkt konstruiert.
Dennoch entfaltet der Roman eine gewisse Sogwirkung – vor allem im letzten Drittel. Hier gewinnt die Geschichte an emotionaler Tiefe. Das Finale ist stimmig und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Gerade weil der Roman zuvor längere Zeit eher im soliden Mittelfeld verharrt, fällt dieser gelungene Schluss besonders positiv ins Gewicht.
Unterm Strich ist „Solange ein Streichholz brennt“ kein durchgehend überzeugender Roman, aber einer mit spürbarem Engagement, sozialem Blick und einem starken Ende. Wer sich für Geschichten interessiert, die persönliche Schicksale mit gesellschaftlichen Fragen verbinden, findet hier eine lesenswerte Annäherung.
Christian Huber: Solange ein Streichholz brennt
dtv, März 2026
352 Seiten, gebundene Ausgabe, 23 Euro
Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.
