Anja Wedershoven: Im Schatten der Kopfweiden

Ich durfte die Mönchengladbacher Autorin Anja Wedershoven 2013 kennenlernen, als ihr erstes Buch „Schürfwunden“ erschien. Das Romandebüt über die Umsiedlungen im Zusammenhang mit dem Kohletagebau Garzweiler hatte mich fasziniert und begeistert. Daher habe ich mich gefreut, als ich entdeckte, dass jetzt von ihr ein Krimi bei emons erschienen ist.

„Im Schatten der Kopfweiden“ erzählt von dem Mord an einer jungen Kinderärztin, die in Geldern am Niederrhein zwischen Mülltonnen gefunden wurde. In dem Fall ermittelt zusammen mit ihren Kollegen die junge, gerade aus Berlin in ihre alte Heimat zurückgekehrte Kommissarin Johanna Brenner. Ziemlich schnell kommen die Beamten auf die Spur eines Stalkers, der die Kinderärztin verfolgte und sie belästigte. Doch ist das der einzig mögliche Täter?

Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven berichtet, die manchmal etwas unvermittelt wechseln. Da ist einmal die Kommissarin, Johanna, die nicht so ganz freiwillig an den Niederrhein zurückkehrte. In Berlin, wo sie die letzten Jahre verbrachte, hatte es einen dramatischen Vorfall gegeben, der zu ihrer Versetzung führte. Zum anderen verfolgen wir die Handlung aus der Sicht von Axel, Johannas Kollegen, der ihr zunächst offen und freundlich begegnet, nach und nach aber doch auch Vorbehalte entwickelt. Weiterlesen

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Rotraut Schöberl (Hrsg.): Mord auf leisen Pfoten. Kriminell gute Katzengeschichten

Haben Sie eine Katze? Die Frage führt natürlich in die Irre, müsste es nicht heißen: Hat eine Katze Sie? Statistisch nachgewiesen ist: Katzen sind die beliebtesten Haustiere, noch vor dem Hund. Entsprechend viele Katzenbücher bevölkern die Bücherregale dieser Welt. Das, so erzählt die Herausgeberin in ihrer Einleitung, war ihr bewusst. Allerdings gäbe es noch eine Lücke: eine Katzenkrimi-Anthologie.

Gedacht, gesagt, getan – mit „Mord auf leisen Pfoten“ aus dem Residenz Verlag liegt eine solche nun vor. Kriminell gute Katzengeschichte sind hier versammelt. Gut bekannte Autoren wie Agatha Christie und Edgar Allan Poe bis hin zu zeitgenössischen Autoren haben hier ihre Katzenaffinität in Kurzgeschichten und Erzählungen fließen lassen.

Übrigens deutlich mehr Autorinnen als Autoren. Meine These: Katzen können besser mit Frauen. Männer sind für Katzen eine Art Sklave, der für Essen sorgt und Türen öffnet. Jedenfalls ist es so bei mir zu Hause.

Gestartet wird die Anthologie klassisch gut mit den Geschichten „Madame Phlois Sünde“ von Lilian Jackson Brown, „Entdeckung im Tunnel“ von Rita Mae Brown & Sneaky Pie Brown, Agatha Christies „Der seltsame Fall des Sir Arthur Carmichael“ und Patricia Highsmiths „Mings fetteste Beute“.

Livia Klingls „Katzenmord“ bestätigt die weiter oben geäußerte These zum Verhältnis von Katze zu Frauchen und Männchen. Das Leben von Katzen-Protagonistin und Frauchen war perfekt und glücklich bis Manfred seinen uneleganten Gang in Frauchens Leben setzte. Leicht und sprachlich ausgereift erzählt Klingl, warum Manfred dies hätte besser sein lassen sollen. Weiterlesen

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Sebastian Fitzek (Hrsg.): Identität 1142: 23 Quarantäne-Kurzkrimis

Zufälligerweise las ich diese Anthologie ausgerechnet am Halloween-Wochenende. Und das hat sowas von gepasst. Denn die Texte, die hier versammelt wurden, sind spannend, gruselig, komplex und richtig gut geschrieben.

Das Ganze ist ein besonderes und wirklich gelungenes Projekt. Mitten in der ersten Corona-Welle rief der bekannte Krimiautor Sebastian Fitzek in Instagram dazu auf, unter dem Motto #wirschreibenzuhause Kurzkrimis zu schreiben. Vorgegeben waren ganz genaue Parameter, nämlich:

das Thema Identität
jemand findet ein fremdes Handy mit Fotos von sich selbst darauf
die Hauptfigur hat ein dunkles Geheimnis
das Motiv ist Rache
der Gegner leidet unter dem genannten Geheimnis noch immer.

Insgesamt 1142 Geschichten wurden eingereicht, aus denen die Jury, bestehend aus etlichen hochrenommierten deutschsprachigen Krimiautor*innen, 13 Texte für diesen Band auswählten. Zusätzlich steuerten 10 bekannte Autor*innen, wie z.B. Charlotte Link, Ursula Poznanski, Frank Schätzing, Romy Hausmann und natürlich Sebastian Fitzek selbst, eigene Kurzkrimis bei, die allerdings nur das erste der Parameter erfüllen mussten. Weiterlesen

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G.S. Locke: Neon – Er tötet dich

Was ist die originellste Methode für einen Romanhelden, sich selbst zu töten? Für Detective Chief Inspector Matt Jackson ist es jene, bei der man einen Auftragskiller auf sich selbst hetzt. Mit exakter Tötungsfrist. Bis zum vereinbarten Mordzeitpunkt macht er es sich in der Gesellschaft von zwei Flaschen Scotch bequem.

Detective Jackson trauert um seine Frau. Sie wurde von einem Serienkiller im Haus der Jacksons getötet. Von einem Mann, dem ausgerechnet der Detective auf der Spur war.

Kurz vor dem Zeitpunkt, an dem ihn der Auftragskiller töten soll, findet Jackson eine wichtige Spur, die ihn vielleicht zum Mörder seiner Frau führt. Wie aber bestellt man einen Auftragskiller ab, wenn der nicht ans Telefon geht?

Nun, irgendwie schafft es der Detective, dieses Problem zu lösen, denn andernfalls wäre der Roman an dieser Stelle zu einem unbefriedigenden Ende gekommen. Der Auftragskiller ist im Übrigen eine Frau, Iris Palmer, die ihre eigenen Probleme hat. Die sind es auch, die sie dazu verleiten, gemeinsame Sache mit Jackson zu machen. Diese beiden jagen jetzt Neon, den Serienmörder von Birmingham, der so genannt wird, weil er die Tatorte mit Neon-Reklame ausgestaltet. Weiterlesen

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Jo Nesbø: Ihr Königreich

Der norwegische Bestsellerautor Jo Nesbø (Jahrgang 1960) schreibt erfolgreiche Krimis. Vor allem die Bücher mit seinem Ermittler Harry Hole sind sehr bekannt. Nesbø kann aber auch ohne ihn, wie zuletzt mit „Macbeth“ (2018), den er im Rahmen des Shakespeare-Projektes von Hogarth Press neu erzählte. Und jetzt wieder mit dem Kriminalroman „Ihr Königreich“, der am 2. September 2020 in einer Übersetzung von Günther Frauenlob bei Ullstein Buchverlage erschienen ist.

Kein Harry Hole in „Ihr Königreich“, stattdessen zwei norwegische Brüder als Protagonisten: Roy und Carl Opgard aus einem norwegischen Dorf in den Bergen haben ihre Eltern früh verloren. Roy, der ältere der beiden Brüder, versucht sich um Carl zu kümmern. Er wird Automechaniker und Tankstellenpächter in ihrem Heimatort Os, Carl geht in die USA und studiert. Nach etlichen Jahren kommt er mit seiner Frau Shannon und großen Plänen nach Os zurück. Carl will ein Wellnesshotel im Dorf bauen. Roy steht der Rückkehr mit gemischten Gefühlen gegenüber. Er freut sich auf seinen jüngeren Bruder, aber er befürchtet, dass alte Geschichten wieder aufgewärmt werden. Und er interessiert sich ein bisschen zu sehr für Carls Ehefrau aus Barbados. Carl gewinnt die Bürger von Os für sein Bauprojekt. Doch dann treten Schwierigkeiten auf und Roy muss seinem Bruder, wie immer, aus der Patsche helfen. Weiterlesen

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Volker Klüpfel & Michael Kobr: Funkenmord

Kluftinger bleibt sich treu. Oder vielmehr Klüpfel und Kobr bleiben sich treu. Denn auch in diesem neuesten Band um den kauzigen Allgäuer Kommissar bleibt alles beim Alten. Und das bezieht sich diesmal sogar auf den Kriminalfall, den Kluftiger und sein Team zu lösen haben.

Der Roman schließt fast nahtlos an den Vorgängerband „Kluftiger“ an. Das Manko dabei: wer diesen nicht gelesen hat oder bei wem die Lektüre schon etwas länger her ist, hat einige Probleme, der Handlung zu folgen. Denn es wird wenig erläutert oder nacherzählt, so dass denen, die den vorherigen Band nicht kennen, der Hintergrund fehlt. Das erschwert mir natürlich auch ein wenig die inhaltliche Zusammenfassung von „Funkenmord“, denn die ist kaum möglich, ohne bei „Kluftinger“ zu spoilern.

Kommissar Kluftinger hadert diesmal sehr mit sich, denn er hat vor mehr als dreißig Jahren den Falschen für einen Mord ins Gefängnis gebracht. Das hatte sich in dem Roman „Kluftinger“ herausgestellt und dort hatte Kluftinger dem sterbenden fälschlich Verurteilten versprochen, den wahren Täter zu finden. Seine Kollegen zeigen dafür zuerst wenig Verständnis, zumal sie noch immer den tragischen Tod ihres Kollegen und Freundes Strobl verarbeiten müssen. Weiterlesen

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Ragnar Jónasson: Nebel

Im Grunde ist es ja eine wirklich ungewöhnliche und überraschende Idee, eine Trilogie rückwärts zu erzählen (oder doch mindestens zu veröffentlichen). Das Ganze hat aber einen entscheidenden Nachteil: die Spannung geht dabei definitiv verloren. Der vorliegende Band „Nebel“ ist nun der dritte Teil der Trilogie um die isländische Kommissarin Hulda und er erzählt den Anfang ihrer privaten Geschichte, die in den beiden vorherigen Bänden, die ich ebenfalls rezensieren durfte, bereits ausführlich thematisiert wurde. Daneben dreht sich der Roman um einen Mordfall mit mindestens zwei Toten.

Wie auch in den vorhergehenden Bänden „Dunkel“ und „Insel“ erschafft der Autor mit großem Geschick und prägnanten Worten die unheimliche und dramatische Atmosphäre der isländischen rauen, harten Natur und schildert deren Gefahren drastisch und bildhaft. Und auch die inneren Gefahren, die Zerrissenheit, die Depressionen und psychischen Schäden, die die Menschen, nicht zuletzt aufgrund der Landschaft und des Klimas, erleiden, beschreibt Ragnar Jónasson in so plastischen, aufregenden Bildern, dass die Leserin manches Mal die Kälte und Einsamkeit am eigenen Leib zu spüren scheint.

Wir erfahren nun, was mit Huldas Tochter geschah und in Andeutungen den Grund für ihren Selbstmord. Damit beginnt der Roman und erzählt dann in Rückblenden die Wochen vor diesem schrecklichen Moment. Parallel wird die Handlung weitergeführt, Hulda ist nach ein paar Wochen Auszeit wieder zur Arbeit gekommen, weil sie dort den Tod ihrer Tochter besser verarbeiten zu können glaubt. Weiterlesen

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Christine Stemmermann (Hrsg.): Gefährliche Ferien – Kanada

Die Abenteuer in dieser Geschichtensammlung spielen sich nicht nur in der kanadischen Wildnis ab, sie schwelen zwischen den Menschen. Insgesamt sechzehn Storys mit den verschiedensten Kulissen wurden hierfür ausgewählt. Einige der Titel kennt man und hat sie vielleicht auch schon gelesen, wie den Auszug aus Jakob Arjounis Roman „Magic Hoffmann“, einen Ausschnitt aus John Irvings „Letzte Nacht in Twisted River“, Alice Munros Geschichte „Das gefundene Boot“ aus ihrem Erzählband „Was ich dir schon immer sagen wollte“ oder die Geschichte „Hochwasser“ aus Joyce Carol Oates Erzählband „Grenzüberschreitungen“. Weitere Autoren sind Leonard Cohen („Das Lieblingsspiel“), Margaret Atwood („Das Labrador-Fiasko“), Brian Moore („Schwarzrock“) uvm..

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Håkan Nesser: Barbarotti und der schwermütige Busfahrer

Der Schwede Håkan Nesser (Jahrgang 1950) ist ein bekannter und viel gelesener Schriftsteller von Kriminalromanen. In schöner Regelmäßigkeit veröffentlicht er seine Bücher. So erschien am 28. September 2020 sein neuester Krimi mit dem Titel „Barbarotti und der schwermütige Busfahrer“ in einer Übersetzung aus dem Schwedischen von Paul Berf bei btb.

Die Kriminalinspektoren Gunnar Barbarotti und Eva Backmann haben sich wegen einer internen Ermittlung beurlauben lassen. Eva Backmann hatte während eines nächtlichen Einsatzes wegen Brandstiftung von ihrer Schusswaffe Gebrauch gemacht. Dabei erschoss sie einen der Täter.

Nun reisen sie nach Gotland, um Abstand zu gewinnen und das Ergebnis der Ermittlungen abzuwarten. Barbarotti und Backmann sind nicht nur Kollegen, sie leben inzwischen auch zusammen. Auf dem Dorfplatz von Valleviken meint Gunnar Barbarotti einen Mann wieder zu erkennen, der vor Jahren in einem anderen Fall eine Rolle gespielt hatte.

Ein Busfahrer suchte sie damals auf, weil er Drohbriefe erhalten hatte. Dieser Mann, Albin Runge, war sechs Jahre zuvor mit seinem Bus in einen Unfall verwickelt, bei dem viele Schüler und eine Mutter ums Leben kamen. Die beiden Inspektoren versuchten den oder die Schreiber der Briefe zu ermitteln, waren jedoch nicht erfolgreich. Zum Jahrestag des Unfalls verschwand Albin Runge mit seiner Frau Karin Sylwander. Sie meldete ihn später vermisst. Seine Leiche wurde nie gefunden. Nach einiger Zeit wurde Albin Runge für tot erklärt und der Fall abgeschlossen. Weiterlesen

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Daniel E. Palu: Tod im Alten Land

Daniel E. Palus Erstlingsroman „Tod im Alten Land“ führt LeserInnen wie Protagonist Hauptkommissar Gabriele Berlotti in die als Obstanbaugebiet bekannte Region nahe Hamburg. Berlotti gibt sich betont ambivalent: Auf der einen Seite freut es ihn, die Heimat wiederzusehen, alten Freunden zu begegnen und sich um den Vater kümmern zu können. Auf der anderen Seite stehen seine leicht demente, unwiderstehlich energiegeladene Mutter und die Erinnerung an seine tote Schwester.

Berlotti ist ein Kind italienischer Eltern, liebt Espresso, Pizza und andere italienische Köstlichkeiten. Dabei fühlt er sich weder als Italiener noch als Deutscher. Der Hauptkommissar ist Norddeutscher und ein Kriminalist von herausragendem Ruf, fährt einen Fiat, ist geschieden und hält nichts von Techtelmechtel im Kollegenkreis.

Gleich zu Beginn wird Berlotti zu einem Mordfall gerufen. Der Fall spielt im Journalistenmilieu im Vorfeld der Hamburger Bürgerschaftswahlen und thematisiert zeitgemäß Rechtspopulismus und Fake-Fakten. Weiterlesen

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