In den vergangenen Jahren hat Bestseller-Autorin Hera Lind immer einen Frauenroman und eine wahre Geschichte, die das Leben schrieb, im Wechsel veröffentlicht. In ihrem neuen Roman „Verwandt in alle Ewigkeit“ verbindet sie beides. In erster Linie ist das jedoch ein Roman über ein aktuelles Thema: Alzheimer und seine Folgen für die Betroffenen und Angehörigen.
Kapitelweise abwechselnd erzählt Hera Lind die Lebensgeschichte von Uschi, die in den letzten Kriegstagen 1945 zur Welt kommt und an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze aufwächst. Uschi möchte Musik studieren, erlebt, wie die Mauer gebaut wird und findet ihr Glück in einer Neubausiedlung auf der westdeutschen Seite. Fast 70 Jahre später ist die Witwe an Alzheimer erkrankt. Weiterlesen
Belletristik
Laurent Seksik: Der Fall Eduard Einstein
Albert Einstein hatte zwei Söhne. Einer von ihnen – Eduard – war schizophren und verbrachte die Hälfte seines Lebens in einer psychiatrischen Anstalt in Zürich. Das Verhältnis von Vater und Sohn war schwierig. Albert hatte zeitweise offenbar sogar Angst, sich seinem Sohn, der zu unkontrollierten Ausbrüchen und Aggressionen gegenüber seinem Vater neigte, zu nähern. Ohnehin floh der Physik-Nobelpreisträger Ende 1932 vor den Nazis in die USA, sodass eine Begegnung mit Eduard schon rein räumlich aufwändig gewesen wäre. Weiterlesen
Norbert Leithold: Herrliche Zeiten
In seinem 520-Seiten-Wälzer „Herrliche Zeiten“ begleitet Norbert Leithold die Berliner Familie Kypscholl vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bis zur Studentenrevolte Ende der 60er-Jahre.
Die Geschwister Otto und Anna dienen sich den Nazis an: Er raubt im Namen der SS Kunstwerke aus den besetzten Gebieten, sie arbeitet in einem Lebensborn-Heim, wo es darum geht, im Sinne des nationalsozialistischen Rassenwahns arisch reine Menschen zu züchten. Auch mit Euthanasie, also der Ermordung von Menschen, die die Nazis als nicht lebenswert erachten, hat sie am Rande zu tun. Weiterlesen
Stefan Nink: Freitags in der Faulen Kobra
Beste Unterhaltung liefert auch der zweite Roman des Reisejournalisten Stefan Nink – „Freitags in der Faulen Kobra“. Es handelt sich dabei um die direkte Fortsetzung von Ninks Erstling „Donnerstags im Fetten Hecht“ aus dem Jahre 2012. Wieder muss der Lokalredakteur Siebeneisen aus Oer-Erkenschwick um die ganze Welt reisen, um eine Aufgabe zu erfüllen. Diesmal soll er für einen indischen Maharadscha die Einzelteile einer kleinen Figur finden, die angeblich Glück bringt. Der legendäre James Cook höchstpersönlich soll die Stücke im 18. Jahrhundert irgendwo auf dem Globus versteckt haben. Weiterlesen
Thommie Bayer: Die kurzen und die langen Jahre
Auch in seinem neuen Buch „Die kurzen und die langen Jahre“ siedelt Thommie Bayer den Protagonisten – wie könnte es auch anders sein – im Musikermilieu an.
Der zweiundzwanzigjährige Simon trifft an einer einsamen Waldhütte im Schwarzwald auf die um acht Jahre ältere Sylvie. – Ein geeigneter Platz um die Liebe des Lebens zu treffen, sollte man meinen. Doch es ist ein Doppelmord der die beiden dort zusammenführt. – Simons Vater und Sylvies Mann wurden an diesem Ort ermordet. Weiterlesen
Lori Nelson Spielman: Morgen kommt ein neuer Himmel
Die 34-jährige Brett ist am Boden zerstört. Erst vor wenigen Tagen ist ihre Mutter an einer schweren Krankheit gestorben und dann folgt der nächste Schlag: In deren Testament ist Brett nur spärlich bedacht. Sie wird nicht, wie gedacht, Firmenerbin, sondern erhält lediglich einen zerknitterten, alten Zettel. Ihre Lebensziele. Damals mit 14 Jahren. Und die übrig gebliebenen 10 Ziele soll sie innerhalb von einem Jahr in Angriff nehmen, um an ihren Teil des Erbes zu kommen. Hat man da noch Töne? Brett ist enttäuscht, ja, auch wütend ist sie. Wütend auf ihre Mutter und diese verdammten Ziele. Klar wünscht man sich mit 14 Jahren ein eigenes Pferd und Kinder, aber doch nicht mehr mit 34! Nach einigen Tagen der Verzweiflung schöpft Brett neuen Mut … Weiterlesen
Kristian Bang Foss: Der Tod fährt Audi
Diesmal liegt der junge carl‘s books-Verlag, in dem der so erfolgreiche „Hundertjährige“ erschienen ist, daneben. Kristian Bang Foss‘ „Der Tod fährt Audi“ ist weniger gelungen.
Der private Krankenpfleger Asger freundet sich mit seinem einzigen Patienten Waldemar an und bricht mit ihm 100 Seiten später zu einer Tour im VW-Bus von Dänemark nach Marokko auf. Dort will Waldemar, der gleich an mehreren Krankheiten leidet und nur wenige Schritte zu Fuß bewältigen kann, einen Wunderheiler treffen. Weiterlesen
Massimo Gramellini: Träum was Schönes
Der Inhalt des italienischen Bestsellers „Träum was Schönes“ von Massimo Gramellini, der jetzt auch auf Deutsch erscheint, ist schnell erzählt: Ein Junge verliert im Alter von nur neun Jahren seine Mutter und leidet zeitlebens darunter.
Der Verlust eines Elternteils im Kindesalter dürfte zum Schlimmsten gehören, was ein Mensch erleben kann, und es fällt schwer, über eine so intime Lebensbeichte, wie es dieses Buch darstellt, eine adäquate Rezension zu schreiben. Um das tun zu können, müsste man streng genommen ein entsprechendes psychologisches Vorwissen haben. Andernfalls wirkt der Versuch fast anmaßend. Weiterlesen
Mary Gaitskill: Der verschwundene Kater
Während Mary Gaitskill in der Toscana auf einem Rückzugsort für Literaten weilt, trifft sie an einem alten Bauernhaus auf eine Schar verwahrloster Katzen, denen sie helfen möchte.
Nur ein kleiner getigerter Kater lässt sich von ihr einfangen und zum Tierarzt bringen. Das Tier würde noch wochenlange Pflege benötigen, bis es wieder aufgepäppelt sei, sagt man ihr. Mary nimmt sich die Zeit wie selbstverständlich dafür. Der kleine Kater erobert ihr Herz, weil er so feinfühlig und zurückhaltend auf sie und das Leben reagiert. Mit der Zeit projiziert Mary viele ihrer Gedanken die sie aufarbeitet auf das Verhalten des Tieres, das ihr allzu oft wie menschlich vorkommt. Weiterlesen
Haruki Murakami: Die unheimliche Bibliothek
Er hat gelernt, seine Büchereibücher immer pünktlich zurückzugeben. Nur deswegen geht er zu so später Stunde überhaupt noch in die Bibliothek. Und er hat gelernt, zu gehorchen.. Deswegen folgt er dem Bibliothekar auch dann, als dieser ihn in ein Labyrinth im Keller führt Zwar wird er dort eingesperrt, aber es scheint eine Luxushaft zu sein, weit von Wasser und Brot entfernt. Dort trifft er den Schafmann und das stumme Mädchen. Und er findet einen Weg, mit dem Verlust, der ihn erwartet, fertig zu werden.
„Die unheimliche Bibliothek“ ist nur ein dünnes Bändchen, aber zu der Geschichte gibt es noch reichlich Illustrationen. Auf den ersten Blick erscheint die Geschichte so ganz anders als die großen Romane des Autors und doch ist sie es nicht. Weiterlesen