Bastian Asdonk: Mitten im Land

landEs gibt Menschen, die über einen Neuanfang nachdenken. Die Idee vom stressfreien Leben auf dem Land übt auf den Ich-Erzähler einen so großen Reiz aus, dass er den Sprung ins Ungewisse wagt.

Ein alleinstehendes Haus an einem Waldsee ist das neue Zuhause. Nicht weit davon entfernt befindet sich ein Dorf mit einer eingeschworenen Gemeinschaft, die dem Neuling mit Argwohn begegnet. Und einige von ihnen irritieren ihn mehr, als ihm lieb ist.

Anfangs gefällt dem Erzähler die selbst gewählte Isolation, auch wenn ihn die Instandsetzungsarbeiten überfordern. Allergien und die ungewohnte körperliche Arbeit lenken von der Einsamkeit ab, bis ihn das jährliche Sommerfest ins Dorf lockt. Weiterlesen

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Ulrich Effenhauser: Brand

brandIm Umschlagtext heißt es etwas vollmundig “Effenhauser bringt auf gekonnte Weise verschiedene Zeitebenen und historische Ereignisse zusammen“ (Werner Jung). Aber, genau das Gegenteil hätte ich als Kritik über diesen Roman geschrieben! Man kommt einfach nicht rein, durch diese ständigen Sprünge und Zeithorizonte kommt es zu einer Verwischung, die ermüdet. Ich gehe sogar noch weiter, die jegliche Spannung nach und nach aus dem Roman zerrt. Ich habe verstanden, dass es im weitesten Sinne um die Entwicklung der Atombombe geht (die Gruppe um den Physiker Heisenberg im Nazi – Deutschland) und dass nach dem Zusammenbruch des 3. Reiches sich Ost und West im kalten Krieg um die besten Atomphysiker balgten. Weiterlesen

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Terézia Mora: Die Liebe unter Aliens

Die Liebe unter Aliens von Terezia MoraDie Ungarin Terézia Mora (Jahrgang 1971) lebt seit den 1990er Jahren in Berlin. Neben dem Schreiben arbeitet sie als Übersetzerin aus dem Ungarischen. Für ihre Romane und Erzählungen wurde sie u.a. mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

Nach ihrem Debüterfolg mit den Erzählungen „Seltsame Materie“ (1999) erschien Ende September im Luchterhand Literaturverlag ihr neuester Erzählband „Die Liebe unter Aliens“. In einem Interview sagte Terézia Mora einmal, dass das Schreiben von Erzählungen wie eine „Frischzellenkur“ zwischen den Romanen wirke. Und herausgekommen sind zehn wunderbare Erzählungen. Weiterlesen

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Antoine Laurain: Das Bild aus meinem Traum

antonIn einer Zeit, in der Helden Handys haben und sich in modernen Zeiten mit aktuellen Problemen herumschlagen, setzt der Franzose Antoine Laurain mit seinen wundervollen Büchern einen schönen nostalgischen Kontrast.

Nach den Bestsellern „Liebe mit zwei Unbekannten“ und „Der Hut des Präsidenten“ ist nun sein Roman „Das Bild aus meinem Traum“ erschienen. – Es ist wieder ein charmantes Buch mit leichtem französischem Parfüm und einer liebenswerten Hauptfigur.

Dieser Pierre-Francois Chaumont ist Rechtsanwalt und sammelt Antiquitäten. Weil seine Frau Charlotte die für unansehnliches Gerümpel hält, muss er seine Schätze in seinem Zimmer einsperren. Weiterlesen

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Siri Hustvedt: Die gleißende Welt

siriSiri Hustvedt verlangt viel ab von ihren Lesern in diesem Roman, der sich wieder einmal in der Kunstwelt abspielt. Gleichzeitig verarbeitet sie darin ihr umfassendes Wissen über Literatur, Kunst, Psychologie und Neurowissenschaften, prangert die Benachteiligung der Frau in der Kunstszene an, gewährt Einblicke in selbige und kompromittiert.

Hustvedt jongliert mit höchst komplexen Andeutungen und Metaphern, die man aber nicht alle verstehen muss und kann. Der Titel Die gleißende Welt ist dem gleichnamigen utopischen Roman von Margaret Cavendish, die im 17. Jahrhundert als eine der ersten Frauen unter eigenem Namen publizierte, entnommen.

Die Protagonistin des Romans ist die Künstlerin Harriet Burdon, die als reiche Witwe eines Kunsthändlers in Brooklyn lebt. In ihrer Erinnerung an den verstorbenen Vater und an den verstorbenen Ehemann verarbeitet sie Trauer, indem sie unermüdlich Kunstwerke gestaltet. Weiterlesen

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Anne Tyler: Kleine Abschiede

abschiedIst es Mut oder Verzweiflung, als Delia am Strand die Familie verlässt? Ohne Worte und Ankündigung verschwindet sie und landet per Zufall in der Stadt Bay Borough. Kurz nach ihrer Ankunft kauft sie Kleidung, weil sie noch immer ihre Badesachen trägt. Sie findet ein Zimmer zur Untermiete, eine Arbeit als Bürokraft bei einem unangenehmen Anwalt. Aus ihrem Provisorium wird ein kleines, eigenständiges Leben, zu dem allmählich Freundschaften hinzukommen. Irgendwann hat nicht nur die Polizei verstanden, dass hinter Delias Weggehen kein Verbrechen steckt. Die Familie schweigt, und Delia ist verletzt und befreit zugleich. Nach über einem Jahr erhält sie von ihrer Tochter die Einladung zu ihrer Hochzeit. Den offenen Fragen kann sie nun nicht mehr aus dem Weg gehen. Weiterlesen

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Gerhard Stadelmaier: Umbruch

bruhcNach seiner Pensionierung 2015 hat sich der legendäre Theaterkritiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Gerhard Stadelmaier, keineswegs auf die faule Haut gelegt, sondern seinen ersten Roman verfasst. „Umbruch“ heißt er, ist laut Verlag eine „literarische Autobiographie“ und beschreibt die ersten und mittleren Jahre des Autors bei der Zeitung.

In diesem Buch dürften nicht nur Zeitungsleute – aber die natürlich besonders – allerlei Interessantes finden: zum Beispiel über die Allmacht eines Lokalchefs in den 60er und 70er Jahren, der von den Anwohnern halb ehrfurchtsvoll, halb spöttisch „das Herrgöttle“ genannt wurde. Obwohl Stadelmaier ihn nicht nennt, dürfte sein Herkunftsort Schwäbisch Gmünd gemeint sein.

Später wechselt er ins Feuilleton der Stuttgarter Zeitung, die im Roman „Landeszeitung“ heißt. Dort lernt er die skurrilen und zum Teil etwas weltfremden Kollegen in ihrem (Elfenbein)-Turm kennen und beschreibt, wie sie sich den Anfeindungen der Redakteure aus den anderen (bodenständigeren) Ressorts erwehren müssen. Weiterlesen

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Jeremy Massey: Die letzten vier Tage des Paddy Buckley

Die letzten vier Tage des Paddy Buckley von Jeremy MasseyPaddy Buckley arbeitet als Bestatter in Dublin. An einem schicksalsschweren Oktobertag befördert er – unfreiwillig – zwei ganz und gar untote Menschen ins Erdreich. Zuerst vögelt er eine attraktive, trauernde Witwe bis zum Herzinfarkt. Von dem Vorfall aufgewühlt, übersieht er einen Passanten und überfährt ihn. Zu dumm, dass es sich hierbei um Dolan Cullen handelt, den Bruder des gefürchtesten Unterweltgangsters von ganz Irland, der auf blutige Rache sinnt. Beide Vorfälle versucht Paddy zu vertuschen. Doch ausgerechnet seine Firma soll die Beerdigungen ausrichten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Wahrheit ans Tageslicht kommt. Paddys Tage auf Erden scheinen gezählt… Weiterlesen

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Don DeLillo: Null K

nullEinen schwerverdaulichen Brocken serviert uns der mittlerweile fast 80-jährige amerikanische Autor Don DeLillo mit seinem neuen Roman „Null K“.

Ein Mann namens Jeffrey – im Roman der Ich-Erzähler – reist zu einem Ort irgendwo in der Wüste, wo die neue, schwerkranke Frau des Vaters eingefroren werden soll, um sie später, wenn die Medizin es erlaubt, aufzutauen und zu heilen. Kryonik heißt dieses Verfahren in der Fachsprache, dem sich in den 1960er-Jahren erstmals ein Mensch unterzog.

Klingt interessant, ist es aber in der Umsetzung Don DeLillos nicht. Der Autor verliert sich in nebulösen Kapiteln, die zum Teil philosophische Reflexionen über den Tod, zum Teil Erinnerungen aus dem Vorleben des Ich-Erzählers beinhalten, zu selten aber mit dem unmittelbar bevorstehenden Prozess zu tun haben. Weiterlesen

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Christoph Ransmayr: Cox: oder Der Lauf der Zeit

coxDas ist ein Roman, den ich nicht gerne rezensieren würde, wäre er mir vorgelegt worden, mit genau dieser Bitte darum. Das liegt an einem ständigen Unbehagen, der Unlust, das Buch immer wieder in die Hand nehmen (zu) müssen – weil es mich doch streckenweise sehr langweilte. Es gibt viele Bücher mit hochtrabenden Titeln die, sagen wir, die ZEIT, als philosophische, quasi metaphysische Dominante nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Denn die Zeit ist und bleibt ewig ein Rätsel. Obwohl es die Relativitätstheorie schon lange gibt, die Ungleichheit der Zeit,  die Quantenphysik, die Masse und das endlose Universum mit seiner Mehrdimensionalität. Jetzt könnte man banal weitermachen, denn die milden Einsichten wie „Alle Uhren gehen anders“ oder „Was ist schon Zeit? Man kann trödeln und trödeln – es wird einfach nicht früher!“ kann man auch ganz lustig an den Mann bringen. So, und jetzt Ransmayr. Weiterlesen

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