J. Paul Henderson: Letzter Bus nach Coffeeville

busNaja, das ist mal wieder ein Straßenroman, ein Unterwegsbuch oder auch ein roadmovie. Kann man bestimmt verfilmen. Allerdings würde ich nicht gerne das Drehbuch schreiben. Eine Truppe ist von irgendwo nach nirgendwo unterwegs und die jeweilige Geschichte der Teilnehmer dieses irren Trips wird bis in den letzten Winkel ausgeleuchtet. Hier würde es für eben ein Drehbuch schon schwer.  Soviel unglaubliches nimmt man mit auf diese Fahrt, und da weiß ich gar nicht wo man anfangen – und wo man aufhören soll. Weiterlesen

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Ian McEwan: Nussschale

nussschaleWas für eine gute Idee: Der britische Erfolgsautor Ian McEwan erzählt seinen neuen Roman „Nussschale“ aus der Sicht eines frühreifen und äußerst verständigen Embryos im Mutterleib. Der Kleine muss mit ansehen – beziehungsweise hören –, wie seine Mutter und deren fieser Lover planen, den sympathischen Vater des Kindes um die Ecke zu bringen, um das Haus, das diesem Vater gehört, gewinnbringend verkaufen zu können …

McEwans inhaltlich an Shakespeares Hamlet angelehnter Kurzroman ist äußerst witzig und amüsant, weil der Embryo mit Lebensweisheiten aufwartet, die selbst einem Erwachsenen einen hohen Intelligenzgrad bescheinigen würden. Weiterlesen

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Karolina Ramqvist: Die weiße Stadt

ramqvistDer Winter in Schweden ist noch nicht vorbei. Überall Schnee, Eis und Kälte. Nach dem Tod ihres Partners lebt Karin mit ihrer kleinen Tochter Dream in der Villa am Rande der Stadt. Während sie stillt und mit ihrer neuen Situation als Witwe überfordert ist, bricht ihr Leben auseinander. Kein Geld, kein Strom, kein Telefon und zu allem Übel werden ihr Haus und Auto in wenigen Tagen zwangsgeräumt beziehungsweise gepfändet.
Mit einer Familie im Rücken könnte sie einen neuen Anfang finden. Weiterlesen

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Charles Hodges: Alte Schule

alteWas waren das für schöne Zeiten damals, als in den Siebzigern so wunderbare Detektiv – Serien im Fernsehen zu sehen waren wie Simon Templar, Detektiv Rockford oder als deutsches Pendant Percy Stewart. Diese alten Haudegen hatten eines gemeinsam: sie waren gleichzeitig elegant, gentlemenlike und Frauenhelden und damls noch recht ansehnlich. Gespielt von Roger Moore, James Garner oder Claus Wilcke. TV Hits mit teilweise über 50% Einschaltquoten. Jetzt sind 40 Jahre vorbei, und ich weiß nicht mal, ob die Herren überhaupt noch leben. Einer gibt jedenfalls nicht auf: Tom Knight, ganz Detektiv der alten Schule und er ist auch selbst hoch in den Siebzigern. Aber einer der das Leben liebt und den Frauen immer noch nachstellt. Weiterlesen

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Magnus Mills: Das Paradies, möglicherweise

Das Paradies moeglicherweise von Magnus MillsSimplifikation. Mit diesem Wort lässt sich der Aufbau des erstaunlichen Buches treffend beschreiben. Ein Feld, ein Fluss, ein paar Zelte samt Bewohnern, die kommen und gehen. Mehr braucht es nicht für einen Mikro-Kosmos, in dem die wichtigsten Fragen der Gesellschaft angestoßen werden. Wie im Großen, so im Kleinen. Selten wurde dieser Leitsatz aus den Hermetischen Schriften radikaler und kreativer umgesetzt.

Es gibt einen Ich-Erzähler, den Humanisten. Daneben einen Eremiten, eine schöne Frau, eine Gruppe von Abenteurern und einen seltsamen Mann, gehüllt in weiße, wallende Gewänder. Sie alle ziehen auf eine Wiese, das „Große Feld“, von dem es heißt, dass sich hier bedeutsame Dinge ereignen werden. Weiterlesen

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Jonathan Safran Foer: Hier bin ich

foerNach seinen ersten beiden gefeierten Romanen „Alles ist erleuchtet“ (2002) und „Extrem laut und unglaublich nah“ (2005) hat der US-amerikanische Autor Jonathan Safran Foer elf Jahre geschwiegen. Jetzt ist sein neues Werk, ein 700-Seiten-Wälzer, unter dem Titel „Hier bin ich“ erschienen.

Es geht um gleich zwei große Themen: den langsamen Verfall einer Ehe und das Verhältnis amerikanischer Juden zu Israel.

Beeindruckend ist vor allem der Ehe-Teil. Mit allergrößter Genauigkeit seziert der 1977 geborene Autor – oft über Dialoge – das Auseinanderdriften von Jacob und Julia Bloch, die drei gemeinsame Söhne haben. Weiterlesen

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A. F. Th. van der Heijden: Das Biest

biestDer niederländische Schriftsteller Adrianus (Adri) Franciscus Theodorus van der Heijden, geboren 1951, ist in der Nähe von Eindhoven aufgewachsen und lebt heute in Amsterdam. Zuletzt erschien 2011 bei Suhrkamp „Tonio – Ein Requiemroman“, den der Autor nach dem plötzlichen Unfalltod seines einzigen Sohnes Tonio verfasste. Bekannt geworden ist Adri van der Heijden hierzulande vor allem durch seinen mit Preisen ausgezeichneten Romanzyklus „Die zahnlose Zeit“, in dem er ein Porträt der Nachkriegsgeschichte in den Niederlanden zeichnet. Auf die Figur Albert Egberts aus diesem Zyklus stößt der Lesende nun auch in dem neuen Roman „Das Biest“, der im September aus dem Suhrkamp Verlag in die Buchläden kam. Weiterlesen

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Helle Helle: Wenn du magst

magstHelle Helles Schreibstil ist unverkennbar eigenwillig geprägt:  Kurze, prägnante Sätze mit detailliert geschilderten Handlungsabläufen. Die Gewichtung liegt im bloßen Agieren der Figuren, im Auslassen des Wesentlichen, im Erzählen von Geschichten in der eigentlichen Geschichte.

Mit meist kindlicher Naivität schlittern ihre Figuren in Ausnahmesituationen hinein, die sie dann irgendwie meistern müssen. Irgendwie denkt man dabei immer, das gibt es doch gar nicht und weiß gleichzeitig, dass die Agierenden gar nicht anders können. Weiterlesen

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Katharina Hagena: Das Geräusch des Lichts

lichtFünf Menschen sitzen im Wartezimmer eines Neurologen. Für alle ersinnt sich eine der Wartenden eine Geschichte. Was dabei herauskommt, geht weit über die bloße – bzw. geniale Fabulierkunst der Autorin hinaus, die uns so ganz nebenbei Wissenswertes und Erstaunliches über das Nordlicht und über Moose erläutert.

Indirekt sind die Geschichten miteinander verwoben. Was sie gemeinsam haben ist, dass alle Protagonisten mit dem Verlust eines Menschen klarkommen müssen und der Ort, an dem sich alles abspielt: die kanadische Provinz Alberta.

Zum einen ist da die Biologin Daphne, die fasziniert ist von Moosen und sich mit dem Mikroskop in ihre Mooslandschaft zurückzieht. Weiterlesen

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Steve Toltz: Fließsand oder Eine todsichere Anleitung zum Scheitern

Fliesssand oder Eine todsichere Anleitung zum Scheitern von Steve ToltzDer König der Loser, der Weltmeister des Desasters ist Held in Steve Toltz‘ Roman „Fließsand oder eine todsichere Anleitung zum Scheitern.“ Aldo heißt der Unglücksrabe, der im Laufe dieser gut 520 Seiten so ziemlich jede Katastrophe erlebt, die sich denken lässt. Er wird mehrfach unschuldig der Vergewaltigung oder des Mordes beschuldigt, scheitert mit wirklich jeder neuen Geschäftsidee und vermasselt schließlich sogar einen Selbstmordversuch aufs Dramatischste.

Es geht dem 1972 geborenen australischen Schriftsteller dabei nicht um billigen Klamauk. „Fließsand“ ist ein hochliterarischer Roman, der nicht nur lustig ist, sondern vor sprachlichem Einfallsreichtum nur so funkelt und sich ganz nebenbei philosophischen und religiösen Fragestellungen widmet. Weiterlesen

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