Kent Nerburn: Nicht Wolf nicht Hund. Auf vergessenen Pfaden mit einem alten Indianer

In diesem Buch wird unterhaltsam der authentische Versuch einer Annäherung an die indianische Kultur beschrieben.

Bereits 1994 wurde Nicht Wolf nicht Hund in den USA verlegt und avancierte dort zum Bestseller. In Großbritannien wurde das Buch  2017 neu herausgebracht. Hierzu hat Robert Plant, der Sänger von Led Zeppelin ein Vorwort verfasst.

Der Autor Kent Nerburn ist Ethnologe und Theologe. Nach einem Telefonanruf sucht er den alten Lakota-Indianer Dan auf Bitten von  dessen Tochter Wenonah in einem Reservat auf. Dan möchte, dass Kent Nerburn die Geschichte seines Volkes aus Sichtweise eines Indianers und nicht aus Sicht der Weißen für die Nachwelt aufzeigt und niederschreibt. Hierzu übergibt Dan an Kent Nerburn einen Schuhkarton mit Notizen, die er über lange Jahre angereichert hat. Alle Aufzeichnungen wie Briefe, Zeitungsausschnitte, Fotos oder schnelles Gekritzel auf Servietten, liegen wild durcheinander in dem Karton. Hieraus eine Story zu entwickeln erweist sich für Kent Nerburn als schwierig. Weiterlesen

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Jess Jochimsen: Abschlussball

„… Geschichten kann man nicht erklären. Man kann sie nur erzählen.“ (S. 249)

Martens Geschichte beginnt mit einer Verweigerung. Als kleiner Junge wohnt er in einem Haus, in dem es ständig zu laut ist. Nie findet er Ruhe, und keiner versteht sein Bedürfnis. In ihm wächst der Gedanke heran, schneller zu altern als Gleichaltrige. Und weil er es sich fest vorstellt, ist auch sein Körper mit diesem Gedanken im Einklang. Wer schnell altert, wird früh sterben, denkt Marten. Er schließt mit seinem Leben ab und wartet geduldig auf sein frühes Ende. Marten wird trotzdem erwachsen und ohne es zunächst zu begreifen, beginnt er sein Leben neu zu definieren.

Der 1970 geborene Jess Jochimsen dürfte für viele kein Unbekannter sein, denn seit 1992 tritt der Kabarettist und Autor mal auf Bühnen, mal im Fernsehen auf. 2000 erschien sein erster Roman. Was den Leser im Abschlussball erwartet, könnte man im übertragenen Sinne mit einem wundersamen Märchenroman umschreiben. Marten, ein junger Mann, zieht aus, um sich beziehungsweise den richtigen Ton in seinem Leben zu finden mit allem, was dazugehört: Schicksal, Drama, Humor und dem Kabarettisten sei Dank viel Aberwitziges. Weiterlesen

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Winnie M Li: Nein

Als die 29-jährige Vivian, Amerikanerin chinesischer Eltern, und der 15-jährige Johnny aufeinandertreffen, verändert sich das Leben beider für immer. Denn für Johnny hat das Wort Nein keine Bedeutung und er vergewaltigt Vivian in einem beliebten Ausflugspark in der Nähe von Belfast. Danach geht er seiner Wege, sie wollte es schließlich auch und hat versprochen, niemandem etwas zu sagen. Dass er nur wenige Stunden später von der Polizei gesucht wird, war so nicht geplant. Er flüchtet zu einem Freund. Vivian muss unterdessen Fragen über Fragen beantworten, immer wieder das Geschehene schildern und beschämende Untersuchungen über sich ergehen lassen.

Winnie M Li schreibt in „Nein“ unter anderem eigene Erfahrungen nieder. Sie selbst war vor vielen Jahren auch Opfer einer Vergewaltigung und auch sonst ist ihr ihre Hauptfigur Vivian nicht unähnlich. Sie selbst stammt aus Taiwan, ist Amerikanerin und liebt – wie Vivian – das Reisen. Ein spannendes Interview mit der Autorin gibt es auf Jetzt.de zu lesen. Der Roman „Nein“ entstand auch aus der Motivation heraus, die Gedanken eines Täters näher zu beleuchten. Weiterlesen

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Luca Di Fulvio: Als das Leben unsere Träume fand

Als ihr Vater stirbt, atmet Rosetta zunächst auf: Sie muss keine Schläge mehr von ihm befürchten. Der elterliche Hof geht auf sie über und sie plant, ihn selbst zu bewirtschaften. Doch der Baron Rivalta de Neroli will ihr Land und bald beginnen seine Leute, Rosetta zu drangsalieren. Auch die Bewohner des Dorfes wenden sich gegen Rosetta, aus Angst vor dem Baron und aus Unverständnis: Wie kommt eine junge Frau im Jahr 1912 in Sizilien dazu, so selbständig zu sein zu wollen? Das ist doch wider die Natur. Und so schauen alle weg oder machen sogar mit, als sich die Lage immer weiter zuspitzt und der Baron seine Männer darauf ansetzt, Rosettas Willen zu brechen. Fast gelingt das auch, doch sie ist stärker, als alle denken. Der Baron bekommt zwar ihr Land, aber er muss persönlich dafür bluten. Rosetta kann fliehen, aber ihr mächtiger Widersacher bleibt ihr auf den Fersen.

Nicht weit entfernt in Palermo legt sich Rocco mit dem Mafiaboss an, für den sein Vater die Drecksarbeit erledigt hat. Doch Rocco möchte nicht werden, wie sein Vater. Er will sein Geld auf ehrliche Art und Weise verdienen und träumt davon, Mechaniker zu werden. Am Ende bleibt ihm nur der Aufbruch in die „neue Welt“ nach Argentinien, um dem langen Arm von Don Mimì Zappacosta zu entkommen. Allerdings gibt es auch in Buenos Aires einen Zappacosta, mit dem er sich herumschlagen muss. Weiterlesen

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Margaret Atwood: Hexensaat

Felix, in eigentlicher Bedeutung „der Glückliche“, hat nicht viel mit seinem Vornamen gemein. Der einst erfolgreiche Theaterregisseur wurde nach dem Tod von Frau und Tochter beruflich ausgebootet und um seinen Job gebracht. Nur der Sinn nach Rache hält ihm am Leben. Dafür lässt sich Felix etwas ganz Besonderes einfallen… Margaret Atwood hat einen faszinierenden „Story-in-Story“-Plot entworfen. Denn Felix‘ Rache orientiert sich an Shakespeares Theaterstück „Der Sturm“. Diesen will Felix tatsächlich inszenieren, aber nicht mit herkömmlichen Schauspielern, sondern mit den Insassen einer Strafanstalt. Diese irrwitzige Ausgangslage meistert Atwood mit viel Einfallsreichtum, einem atemberaubenden Aufbau und viel lakonischen Witz. Nicht nur für Shakespeare Liebhaber ist dieser Roman ein Muss!

Felix ist das erfolgreiche Enfant terrible des Makeshiweg-Festivals in Kanada und bekannt für seine Inszenierungen, die gerne Grenzen überschreiten. Ein Genie, das ganz in seinem Beruf aufgeht. Doch private Schicksalsschläge werfen ihn aus seiner Bahn. Zuerst stirbt seine Frau, zwei Jahre später seine Tochter Miranda an einer zu spät erkannten Meningitis. Felix wird von Schuldgefühlen zerfressen. Hätte sich ihr Tod vermeiden lassen, wenn er öfters zu Hause und aufmerksamer gewesen wäre? Weiterlesen

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Andrea Camilleri: Gewisse Momente

Der italienische Schriftsteller und Regisseur Andrea Camilleri (Jahrgang 1925) hat zu seinem neunzigsten Geburtstag 2015 eine Sammlung von Geschichten über Begegnungen und Bücher, die in seinem Leben eine große Bedeutung gespielt haben, unter dem Originaltitel „Certi Momenti“ veröffentlicht. Nun ist dieses Buch, im Deutschen heißt es „Gewisse Momente“, am 18. Dezember 2018 im Rowohlt Verlag in einer Übersetzung von Annette Kopetzki erschienen.

Darin versammelt Andrea Camilleri kurze Geschichten von bekannten und unbekannten Persönlichkeiten und der Literatur, die sein Leben geprägt haben.

Sei es die Beichte bei Bischof Piccione vor Camilleris Hochzeit, die sich zu einem dreistündigen Gespräch entwickelte oder die unglücklichen Begegnungen mit dem Filmregisseur Pier Paolo Pasolini. Camilleri beschreibt Erlebnisse während der Zeit des Faschismus, wie die Geschichte von „David, genannt Pippo“ und die anrührende Wiederbegegnung mit dem jüdischen Mitschüler, den Camilleri tot glaubte, Ende der 1980er Jahre. Ein Buch mit dem Titel „So lebt der Mensch“ von André Malraux macht aus Camilleri mitten im Faschismus (1942) einen Mann „mit kommunistischen Ideen“. Zum Abschluss des schmalen Bandes erzählt er über das traurige Schicksal der Prostituierten Foffa. Weiterlesen

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Grace Pailey: Ungeheure Veränderungen in letzter Minute: Storys

Der Titel ist Programm: Paileys Geschichten beginnen alltäglich, offenbaren jedoch schon bald das Ungewöhnliche. Mal subtil, mal mit einem Paukenschlag. In ihren Kurzgeschichten geht es um eine Stadt und eine Zeit, die beide von Veränderungen geprägt sind. In New York City gehen in den sechziger Jahren Hippies, Junkies, Jugendliche, Bürgerrechtler, Feministinnen, Kapitalisten, Sozialisten, Weiße und Schwarze auf die Straße, um für das Große und Ganze oder die kleinen Belange ihres Alltags zu kämpfen. Ihre oft dramatischen Hintergründe versieht Pailey mit einem klugen Sinn für Humor. Das Absurde des Alltags betrachtet sie aus gesunder Distanz, ihre Stärke ist die Beobachtungsgabe, ihre Sprache nimmt durch die Klarheit sofort gefangen. Oder wie es die Protagonistin der Kurzgeschichte „Ganz einfach“ ausdrückt: „Sie würden mich sicher gerne kennenlernen. Ich war eine Frau, die ihre Jugend ausgekostet hat.“

Die aus einer jüdischen Einwohnerfamilie stammende Grace Pailey rückt dabei vor allem die Frauen in den Fokus ihrer Geschichten. Diese Frauen müssen ihren Mann stehen. Auffallend oft werden sie von selbigen verlassen, schlagen sich mit ihren Kindern allein durch. Weiterlesen

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Ellen Sandberg: Der Verrat

Als Pias Schwester Nane ohne ihr Wissen nach 20 Jahren Haft entlassen wird und auf dem Weingut von Pias Familie auftaucht, steht die Welt Kopf. Pias älterer Ehemann Thomas erleidet einen Schlaganfall und kommt ins Krankenhaus und plötzlich braucht das Weingut für längere Zeit eine andere Führung. Thomas‘ Kinder treten auf den Plan. Und alle sind auf einmal wieder interessiert, was vor 20 Jahren wirklich geschah, als Thomas‘ Sohn Henning zu Tode kam. Nane hat 20 Jahre im Gefängnis gesessen. Wegen Mord. Mord an Henning. Doch was passierte in der Sommernacht 1998 wirklich?

Inge Löhning, die hier unter dem Pseudonym Ellen Sandberg schreibt, begeisterte Ende 2017 mit „Die Vergessenen“ ihre Leserinnen und Leser. Mit „Der Verrat“ strickt sie eine neue Geschichte. Auch hier hat die Vergangenheit, wenn auch die jüngere Vergangenheit einer einzigen Familie, einen großen Stellenwert. Vor 20 Jahren passierte ein Unglück, welches Thomas‘ Sohn Henning zu Tode brachte. Weiterlesen

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Gabor Laczko: Der Berg, der nie bestiegen wurde

Béla wird in Budapest geboren, als der 2. Weltkrieg tobt. Schon als kleiner Junge bekommt er hautnah zu spüren, was der Krieg mit sich bringt: Gewalt und Terror, Armut und Vertreibung. Den Vater, der erst als Offizier an der Front ist, dann in Kriegsgefangenschaft gerät und später in den Westen flieht, lernt er erst als Jugendlicher richtig kennen. Bis dahin taucht er nur sporadisch in seinem Leben auf. Gemeinsam mit der Mutter und seinem jüngeren Bruder bewältigt Béla den Alltag im sozialistischen Ungarn und erlebt auch hier Willkür, Verfolgung und Machtmissbrauch, bis der Familie mit Unterstützung eines Nachbarn die Flucht nach Österreich gelingt.

Nachhaltig prägen Béla in seiner Kindheit die morgendlichen Ausflüge mit Guszti bàcsi, einem mit der Familie befreundeten Mann, der sich ab und zu der Kinder annimmt. Bei Sonnenaufgang auf einem Berg zu stehen und zu sehen, wie die Welt sich erhellt, löst Glücksgefühle in Béla aus, denen er bis zu seinem Tod nachjagt. Sein Ziel ist es, den Berg, von dessen Gipfel aus er den Sinn des Lebens entdeckt, zu finden und zu besteigen. Weiterlesen

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Annie Ernaux: Erinnerung eines Mädchens

Die achtzehnjährige Annie Duchesne kann es kaum erwarten, ihrem behüteten Elternhaus zu entfliehen, um in ihren Ferien als Betreuerin in einer Ferienkolonie zu arbeiten. Zuvor hat Annie ihr Dorf nie verlassen. Ihre Eltern, die einen Krämerladen führen, verwöhnten ihr einziges Kind, das zu Hause nie etwas arbeiten musste, stets. Im Gegenzug fehlt dem Mädchen der Blick über den Tellerrand in das Leben, wie es um sie herum stattfindet und in andere Milieus hinein. Sie kann nicht mit einem Telefon umgehen, hat noch nie geduscht oder gebadet, weil in ihrem bäuerlich-katholisch geprägten Zuhause einfach andere Gepflogenheiten und Gegebenheiten üblich sind. Alles, was sie über die Welt weiß, hat sie sich aus Büchern angelesen. Überhaupt ist Annie ein überdurchschnittlich intelligentes Mädchen, das sich von ihrer einfachen Familie abhebt. Nun aber will sie endlich einen Jungen kennenlernen und sich verlieben. – Genau dies passiert dann auch.

Zumindest redet Annie sich geradezu obsessiv ein, in den jungen Lehrer H. verliebt zu sein. Tatsächlich aber findet H. in Annie lediglich ein gefügiges Opfer seiner sexuellen Bedürfnisse.  Annie, die bislang keine Kontakte zu Jungen hatte, unterwirft sich in ihrer Unerfahrenheit H., der sie nur benutzt, wodurch sie sich zum Gespött der anderen macht. Weiterlesen

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