Ingrid Noll: Goldschatz

Gegenstrom: So nennt sich eine alternative Studenten-WG, die Konsum ablehnt und auf Nachhaltigkeit setzt. Protagonistin Trixie hat das verfallene Bauernhaus ihrer Großtante geerbt. Statt es abreißen zu lassen, möchte sie es renovieren, da sie überzeugt ist, dass alte Gebäude eine Seele haben. Dieses waghalsige Vorhaben ruft sowohl bei Trixies Eltern, als auch bei diversen Handwerken Kopfschütteln hervor. Gemeinsam mit ihren vier Freunden will es Trixie der Wegwerfgesellschaft zeigen! Doch der Fund von mysteriösen Goldtalern und den Gebeinen eines Toten setzt der Landhausidylle ein Ende. Und was ist von Herrn Gläser zu halten, dem unheimlichen Nachbarn, der irgendwie in die Sache verwickelt ist?

Trixies Mitbewohner sind zum einen ihr fester Freund Henry, größter Verfechter der Konsumkritik, wortreicher Ideologieführer und Halbschotte. Hinzu kommen der gutaussende Frauenschwarm und Musiker Oliver, Trixies beste Freundin Saskia sowie die fleißige Martina, eine Pfarrerstochter mit Hang zur Esoterik. Bei dieser charakterlichen Gemengelage scheinen Konflikte vorprogrammiert. Aber zunächst stürzen sich alle gemeinsam in die Renovierungsarbeiten, schmieden Pläne und versuchen den entrümpelten Trödel auf Flohmärkten zu verkaufen. Ganz ohne Geld geht es nicht. Die Fenster sind undicht, es gibt keine Zentralheizung und nur ein Badezimmer. Daneben soll ein Gemüsegarten zur autarken Selbstversorgung entstehen. Weiterlesen

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Sarah Kuttner: Kurt

Als Jana mit Kurt zusammenzieht, lernt sie auch dessen gleichnamigen Sohn Kurt aus seiner früheren Beziehung kennen. Der kleine Kurt ist seitdem im wöchentlichen Wechsel bei Papa Kurt und seiner Mama. In den Wochen, die der Junge bei ihnen verbringt, lernt Jana den kleinen Kerl kennen und lieben. „Ich kann meinen Kurt nicht ohne seinen Kurt haben, er gehört dazu. Schon immer. […] Also habe ich jetzt ein Haus und zwei Kurts.“ (Zitat Kapitel I) Alles scheint in bester Ordnung, als die Welt der Erwachsenen durch ein Unglück aus den Fugen gerät. Kurt verletzt sich in der Schule tödlich und stirbt. Zurück bleibt eine Lücke im Leben von Jana und dem großen Kurt. Sie weiß nicht, wie sie mit Kurts Trauer umgehen soll.

Sarah Kuttners neuer Roman „Kurt“ befasst sich intensiv mit dem Thema Trauer. Dabei ist das Gelesene aber bei weitem nicht so schwere Kost wie man denken mag. Es existiert im Roman auch viel Wortwitz und alles ist von Liebe umgeben. Es gelingt der Autorin perfekt, die einzelnen Szenen auf den Punkt zu bringen, ohne zu viel oder zu wenig zu schreiben. Weiterlesen

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Debra Johnson: Von A wie allein bis Z wie zusammen

Die Schwestern Poppy und Rose sind am Boden zerstört, als sie hören, dass ihre Mutter nach langen Wochen des Leidens an einer Krankheit gestorben ist. Warum hat sie ihre Töchter nicht informiert, damit diese sich von ihr verabschieden können? Zurückgeladen hat an Andrea nur eine Kiste mit verschiedenen Aufgaben für die beiden Frauen, die seit Jahren zueinander keinen Kontakt mehr haben. Andrea hofft, dass die beiden durch die ihnen gestellten Aufgaben wieder zueinanderfinden können und sich versöhnen. Es beginnt eine mehr als schmerzhafte Reise in die Vergangenheit, auf der sich die beiden Frauen nicht nur mit der Schwester, sondern auch mit ihrem eigenen Ich konfrontiert sehen.

Das Jahr ist noch jung und doch möchte ich behaupten, mein Jahreshighlight schon gefunden zu haben. „Von A wie allein bis Z wie zusammen“ hat zumindest die besten Chancen darauf. Die Geschichte ist gefühlvoll, ohne kitschig zu werden, anrührend, ohne es zu sehr zu übertreiben. Man lernt Poppy, Rose und auch Andrea, die zum Start des Romans bereits verstorben ist, sehr genau kennen. Weiterlesen

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Lukas Rietzschel: Mit der Faust in die Welt schlagen

Der Roman beginnt 2001 und arbeitet sich bis in die Nähe der Gegenwart vor. Phillip und Tobias sind zwei Brüder, die in der tiefsten Provinz Ostsachsens aufwachsen. Zuerst sieht alles nach Aufbruch und Zukunft aus, die Eltern bauen ein Haus (das sich als längeres Projekt als der Berliner Flughafen erweist), die Welt scheint den jungen offen zu stehen. Aber sie leben in der Provinz, es gibt fast nichts, keine Schule, keine Unterhaltung, nur die Dorfgemeinschaft. Als die beiden älter werden, entwickeln sie sich auseinander, haben unterschiedliche Wertvorstellungen, aber in beiden wächst die Wut auf ihr Leben, das sich scheinbar fernab von allem abspielt was spannend und vielversprechend ist.

Ich wollte dieses Buch unbedingt lesen, weil mich das Thema interessiert hat. Wieso schließt sich ein Jugendlicher rechtsradikalen Organisationen an? Bloß weil es nichts anderes gibt? Ich wollte eine literarische Erklärung. Weniger für die Wut, die im Osten herrscht, das kann ich nachvollziehen, aber für die Eskalationen. Leider fand ich nicht, dass das Buch die versprochene Erklärung geliefert hat. Weiterlesen

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Siri Hustvedt: Damals

Siri Hustvedt begibt sich in Damals auf die Spuren der Vergangenheit ihrer Protagonistin, einer etwas über sechzigjährigen Schriftstellerin – womit sie eine von vielen  Parallelen zu ihrer eigenen Person knüpft. Dieser sicher stark autobiografisch geprägte Roman spiegelt die reale Gegenwart mit fiktiven Gedankeneinschüben und öffnet Fenster in das Gewesene mit Seiten aus Tagebuchaufzeichnungen einer Schriftstellerin als junges Mädchen.

Die Protagonistin, eine junge Frau aus Minnesota mit den Initialen S. H. zieht nach New York um. Ein Jahr Zeit hat sie sich gesetzt, um währenddessen einen Roman in Form einer Detektivgeschichte zu Ende zu bringen. Anschließend will sie Literatur studieren. Dass Sherlock Holmes in ihrer Detektivgeschichte dieselben Initialen wie sie selbst aufweist, ist dabei wohl kein Zufall. Denn wie Sherlock Holmes begibt S. H. sich auf Spurensuche, feilt ihr Wissen aus und entwickelt sich weiter. S. H. verbringt viel Zeit in Bibliotheken. Während ihrer Erkundungstrips durch die Stadt saugt sie Bilder, Geräusche und Gerüche wie ein Schwamm in sich auf. Sie hat sich in ein winziges Appartement eingemietet und als ihr Geld knapp wird, durchsucht sie Abfalleimer nach Essbarem. Sie lauscht durch die Wand den verstörenden Gesprächen ihrer Zimmernachbarin, Weiterlesen

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Joe Mungo Reed: Wir wollen nach oben

Allen, die Radrennen mögen, sei dieses Buch bedingt empfohlen, allen anderen nicht.

Solomon, der Ich-Erzähler, ist Radrenn-Profi. In seinem Team hat er jedoch nicht die Aufgabe zu gewinnen, er ist – wie viele andere auch – dazu da, seinem Kapitän Fabrice während der Tour de France zu helfen. Er muss für ihn Wasser holen und ihm Windschatten geben.

Aber weil die Leistungen der gesamten Mannschaft nicht stimmen, verfällt Teamchef Rafael auf die Idee, es mit Doping zu versuchen.

Obwohl dieser Roman nicht unbedingt dick ist, tritt er doch lange auf der Stelle – oder in die Pedale, um beim Thema zu bleiben. Die Radrennfahrer fahren ihre Tour, was gelegentlich stupide ist, und haben abseits davon ebenfalls ein eher langweiliges Leben in verschiedenen Hotels. Diese Langeweile überträgt sich zum Teil auf die Lektüre selbst. Es geht kaum voran in diesem Buch, und es fehlt lange an Spannung. Weiterlesen

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Jon Cohen: Die wundersame Mission des Harry Crane

Der Vater der 10-jährigen Oriana ist gestorben und seitdem verkriecht sie sich mehr und mehr in eine Traumwelt. Ist ihr Vater wirklich ein Engel oder nur verwandelt und irgendwie kann man es schaffen, dass er zu ihr und der Mutter zurückkommt? Auch Harry Crane steht vor einem emotionalen Abgrund. Bei einem schrecklichen und tragischen Unfall ist seine Frau Beth gestorben und seitdem hat er jeden Halt verloren. Vom Pech verfolgt trifft er in seinen geliebten Wäldern auf die umherstreifende Oriana. Kann Harry Oriana vielleicht auf der Suche nach der Wahrheit helfen? Oder ist es vielmehr Oriana, die Harry helfen kann?

Jon Cohen entwirft in „Die wundersame Mission des Harry Crane“ eine wirklich tragische Geschichte. Während Harry gegen den Willen seiner Frau Beth in einen Kiosk verschwindet, wird sie von einem Stahlträger erschlagen. Orianas Vater kippt einfach nach einer Hirnblutung auf einem Feld um und niemand kann ihm mehr helfen. Weiterlesen

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Johanna Adorján: Männer: Einige von vielen

Die Journalistin und Schriftstellerin Johanna Adorján hatte bis Ende 2018 eine wöchentliche Kolumne mit dem schlichten Titel „Männer“ in der Süddeutschen Zeitung. Darin porträtierte sie alle möglichen Vertreter des männlichen Geschlechts: Prominente, ehemalige Liebhaber, Laute, Leise, Dumme, Witzige, Sympathische und sehr Unsympathische. Nun ist das Ganze als Buch erschienen.

Lothar Matthäus kommt zum Beispiel vor – als „absurdester Mann“, der der Autorin und einer Freundin einfiel – mit seiner, so die Autorin“ kaum zu übertreffenden „Kritik des Konjunktivs“: „Wäre, wäre Fahrradkette.“

Oder der Regisseur Volker Schöndorff. Der habe mal eine Veranstaltung mit einer Autorin über ihr neues Buch moderiert, ohne auch nur den Hauch einer Ahnung gehabt zu haben, um was es darin überhaupt ging. Weiterlesen

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Lawrence Osborne: Welch schöne Tiere wir sind

Seit vielen Jahren verbringt die britische Familie Codrington den Sommer auf der griechischen Insel Hydra. Jimmie verdient sein Geld vor allem mit Kunst und ein paar anderen Geschäften, bei denen er sich ungern in die Karten schauen lässt. Gemeinsam mit seiner zweiten Frau Phaine pflegt er Kontakt zu den alten Bohemiens, die die Insel bevölkern und lässt keine der elitären Gesellschaften aus. Die wohlhabenden Ausländer bleiben bis auf wenige Ausnahmen unter sich.

„Das Alleinsein war etwas, das ihnen nichts bedeutete“, denkt sich Naomi, Jimmies Tochter aus erster Ehe, die überraschend in diesem heißen Sommer mit ins Ferienhaus einzieht. Mit ihrer Stiefmutter kann sie überhaupt nichts anfangen. Und auch die Beziehung zum Vater kriselt.

Naomi, die als Anwältin in London arbeitete, wurde ihr Job gekündigt. Was sich genau zugetragen hat, bleibt im Dunkeln. Sie lässt sich treiben, geht frühmorgens schwimmen, kifft ab und an und genießt die griechische Küche. Die Insel kennt sie wie ihre Westentasche. Schon als Kind hat sie alle verborgenen Winkel erkundet. Als sie die Amerikanerin Sam kennenlernt, die mit ihrer Familie Urlaub macht, nimmt sie diese in den Schlepptau und streift an der Küste und im Landesinneren umher. Weiterlesen

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Robert Dinsdale: Die kleinen Wunder von Mayfair

London, 1906: Als Cathy in einer Zeitung eine Annonce entdeckt, scheint die ihre letzte Rettung. Denn Cathy ist jung und schwanger. Ihre Eltern wollen sie zwingen, das Baby nach der Geburt abzugeben und so zu tun, als wäre nichts gewesen. Die Annonce allerdings verspricht Rettung, denn man kann in der Vorweihnachtszeit in einem Londoner Spielzeugladen anheuern. Papa Jacks Emporium. Der Laden öffnet mit dem ersten Frost und schließt im Frühjahr, wenn die Schneeglöckchen zu blühen beginnen. Wenigstens ein Vierteljahr Arbeit und Ruhe, Cathy macht sich auf ins Emporium und ahnt nicht, dass das ihr Leben für immer verändern wird.

Papa Jacks Emporium ist ein besonderer, fast magischer Spielzeugladen. Die Spielzeuge sind mit besonderem Talent von Papa Jack und seinen eben gerade volljährigen Söhnen hergestellt. Sie scheinen lebendig und verzaubern das Publikum. Das Emporium ist gerade in der Vorweihnachtszeit übervoll mit Kindern und interessierten Kunden. Weiterlesen

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