Philippe Amar: Victor, Lily und der Weg nach Hause

Mit viel Geschick umschifft der Autor alle Kitschklippen in seinem Roman um einen Waisenjungen, der sich eine neue Mutter über ein Datingportal suchen willVictor ist 12 und lebt bei seiner geliebten Pflegemutter Annie. Seine Eltern hat er nie kennengelernt. Das Licht der Welt erblickte er bei einer anonymen Geburt, ohne dass seine Mutter eine Spur zurückgelassen hätte, mit der er sie finden könnte. Sein Vater war ihm zwar bekannt und er hat auch mit ihm korrespondiert, doch ist er jung gestorben, so dass sie sich nie begegnen konnten.

Nun soll Victor zu Adoptiveltern kommen, denn Annie ist herzkrank und kann künftig nicht mehr für ihn sorgen. Doch Victor will sich nicht wie ein fügsames Lamm neuen Eltern zuführen lassen, er will selbst entscheiden, wer seine Mutter sein soll.

Also erstellt er mit Hilfe seiner Freunde ein erfundenes Profil von sich auf ein Datingportal. Auf diese Weise lernt er Lily kennen. Sie ist Patissière in einem Nobelrestaurant, hat diverse schlechte Erfahrungen mit auf diesem Weg zustande gekommenen Dates hinter sich. Außerdem hat auch sie eine schwierige Familiengeschichte zu verarbeiten. Sie steht Victors Ansinnen daher eher skeptisch bis ablehnend gegenüber. Doch er lässt nicht locker, sondern stattdessen all seine Verführungskünste spielen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Christoffer Holst: Gefährliche Mittsommernacht

Krimi oder Romanze? Auch als Autor mit analysierendem Blick auf Inhalt und Stil wird mir erst zur Mitte des Romans klar, wo der Genre-Schwerpunkt dieses Cross-Over-Romans von Christoffer Holst liegt oder liegen soll. Dafür werden sofort wohltuende Assoziationen wach: Von Smørrebrød (dem Klang der Ortsnamen wegen, obwohl die Geschichte in Schweden spielt) hin zu Bestsellern aus dem Heyne-Verlag. Wegen der Ich-Perspektive und der Ironie, die einem aus jeder Zeile entgegenlacht, vergleiche ich die „Gefährliche Mittsommernacht“ unwillkürlich mit Karsten Dusses Reihe „Achtsam morden“.

Aus Frust über das Ende ihrer Beziehung entflieht die Journalistin Camilla Storm, genannt Cilla, der Großstadt Stockholm auf die winzige Insel Bullholmen, wo sie in ein Schrebergartenhäuschen einzieht. Gleich in der ersten, der Mittsommernacht beobachtet sie den heftigen Wortwechsel eines jungen Paares. Am nächsten Morgen wird die Leiche des Mädchens am Badestrand aus dem Wasser geborgen, und Cilla muss dem Polizisten Adam Rede und Antwort stehen. Das Knistern zwischen ihr und dem attraktiven Ermittler macht die Lösung des Falles nicht einfacher. Weder von der Suche nach Spuren und Motiv noch von der Achterbahn ihrer Gefühle her. Auch nicht nach einem zweiten Mord. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Safia Monney: Ich traf Gott und Sie heißt Miranda

Maike Sander ist eine anerkannte Wissenschaftlerin in der Genforschung. Trotzdem hat sie gerade keine gute Zeit, denn ihr Forschungsauftrag läuft aus und scheitert nicht nur am fehlenden Geld, sondern auch an Ergebnissen. Könnte sie die Uhr zurückdrehen, hätte sie nie für ihren Kollegen und Liebhaber Matthias recherchiert. Sie hätte die Zeit für ihre eigene Forschung genutzt.

Kurz vor Weihnachten erfährt sie von Matthias Veröffentlichung in einer renommierten Fachzeitschrift. Die Publikation über seinen Erfolg hat nur einen Schönheitsfehler. Maikes Name fehlt in seinem Artikel. Während er sich erneut Forschungsgelder sichert, geht Maike leer aus.

Am gleichen Tag ist sie zu einer Taufe eingeladen, wo sie unter anderem Mirandas Weg kreuzt. Die selbstbewusste Frau, der Konventionen völlig egal sind, beginnt sofort Maikes Leben umzukrempeln. Miranda nimmt sich auch sonst jede Freiheit, denn sie ist Gott höchst persönlich. Und Gott hat für Maike einen heiklen Auftrag.

In ihrem dritten Roman thematisiert die Schriftstellerin und Drehbuchautorin Safia Monney die Facetten der Weiblichkeit, in dem sie mit Klischees spielt und dies auf die Spitze treibt. Wie der Titel es schon verrät, nimmt die Autorin auch christliche Vorstellungen auseinander. Das Rollenbild zwischen Mann und Frau überträgt sie auch auf Gott und den Teufel, der gerade unter Liebeskummer und Eifersucht leidet. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Rena Fischer: Das Lied der Wölfe

Kaya hat Gründe, dem Leben in Deutschland entfliehen zu wollen. Die junge Wolfsforscherin nimmt das Angebot des schottischen Milliardärs Allistair an, im Hochland sein Wolfsprojekt zu betreuen. Die Briten haben nicht weniger Vorurteile gegen freilaufende Wölfe als die deutschen Landwirte, aber noch liegt Allistairs Projekt hinter Zäunen und beschränkt sich auf ein Pärchen. Ebenfalls in dem Herrenhaus, in dem Kaya untergebracht ist, wohnt Allistairs Sohn Nevis, der sich dort von den Verletzungen erholen soll, die er während seiner Soldateneinsätze erlitten hat – den physischen und den psychischen. Nevis fühlt sich durch das Projekt seines Vaters unter Druck gesetzt und versucht alles, um nicht mit hineingezogen zu werden.

Rena Fischer erzählt uns die Geschichte aus zwei Perspektiven: aus Kayas und aus Nevis. So erfahren wir nach und nach, was die beiden auch innerlich umtreibt. Sie haben beide mit eigenen Dämonen zu kämpfen und nähern sich doch Schritt für Schritt an. Denn Kaya kann Nevis mit ihrer Begeisterung mitreißen und sie verhält sich so ganz anders, als die Frauen, die Nevis bislang kannte. Trotzdem ist diese Geschichte sehr viel mehr, als eine Highlander-Liebesgeschichte mit Wölfen. Denn die Autorin hat hervorragend recherchiert, sich sowohl mit der modernen Wolfsforschung, den Gründen für die Ablehnung in der Bevölkerung für alles was „Wolf“ heißt, als auch mit den Auswirkungen des Krieges auf den Menschen auseinandergesetzt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Christine Cazon: Lange Schatten über der Côte d‘Azur

Mit „Lange Schatten über der Côte d’Azur“ ist nun der achte Band der Krimireihe um Kommissar Léon Duval bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Wie der Titel schon besagt, spielt auch die Handlung dieses Romans an der Côte d‘Azur. Genauer gesagt in Cannes. Dort lebt und arbeitet Kommissar Duval zusammen mit seiner Lebensgefährtin Annie und seiner kleinen Tochter Julie.

Duval wird auf den historischen Friedhof Le Grand Jas in Cannes gerufen, wo auf dem Grab einer 1942 verstorbenen Familie jüdischer Herkunft die Leiche eines Mannes gefunden wurde. Die Identität des Toten ist zunächst unbekannt. Hinweise auf den Täter oder die Tatwaffe sind auch nicht zu finden. Daher beginnt Duval mit seinen Nachforschungen, indem der versucht, mehr über das Grab und die verstorbene Familie herauszufinden. Dabei taucht er immer tiefer in die französische Geschichte dieser Zeit und die Judenverfolgung ein.

Da ich die vorherigen Bände der Serie nicht kannte, war ich gespannt, wie mir der Einstieg gelingen würde. Es war völlig unproblematisch. Die Autorin schreibt leicht und locker, Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Ingo Schulze: Tasso im Irrenhaus

Ein literarisches Schmankerl für Kunstliebhaber und Freunde feiner, intellektueller Spitzen! In diesen drei Erzählungen von Ingo Schulze spielt die Kunst eine wesentliche Rolle. Was sagt sie uns wirklich? Auch das intellektuelle Umfeld nimmt Raum ein, welches er in herrlich entlarvenden Dialogen zeichnet. Man debattiert über Hochgeistiges, offenbart dabei Tiefemotionales. Komik und Tragik halten sich in Schulzes Prosa gekonnt die Waage. Am Ende stellt sich die Frage: Sind die Verrückten im Irrenhaus – oder tummeln sie sich draußen herum?

Die drei im Band versammelten Erzählungen wurden von Schulze bereits in Literaturzeitschriften veröffentlicht, entfalten ihre ganze Kraft aber in gebündelter Form. Der Autor selbst bezeichnet sie als Reflexionen eines Künstlers über drei Kunstwerke. In der ersten Erzählung „Das Deutschlandgerät“ handelt es sich um eine Installation von Reinhold Mucha, die 1990 für den Deutschland-Pavillon auf der Biennale in Venedig aufgebaut und später in Düsseldorf reinstalliert wurde. Der Schriftsteller B.C. erkennt sich in dem Kunstwerk wieder. Auch für ihn bedarf es einer Re-Installierung, da seine Worte plötzlich „falsch im Raum stehen“. Als Dissident war er einst aus der DDR in den Westen gekommen. Er hat erfahren, dass man als Person oder Schriftsteller nicht einfach so versetzt werden kann, ohne in einen anderen Kontext gerückt zu werden. Für Worte, für die er einst gefeiert wurde, wird er heute verurteilt. Hier wie dort fühlt sich B.C. nicht zugehörig. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Marcy Dermansky: Wirklich nett

Becca, Jonathan und Rachel Klein sind eine wirklich nette amerikanische Bilderbuchfamilie – wohlhabend, mit großem Haus, Garten, Swimmingpool und dem Pudel Posey. Bis Jonathan eine Affäre mit der jungen Pilotin Mandy beginnt und aus der beschaulichen Kleinstadt in Connecticut in ihr kleines Appartement nach New York zieht. Becca ist sauer. Wie konnte er sie verlassen, wo doch gerade Posey gestorben ist? „Er schuldet mir was. Dieser Arsch mit Ohren.“ (Seite 58) Nämlich das Haus, in das sie ihre ganze Persönlichkeit gesteckt hat.

Dann steht auch noch dieser verrückte Junge mit einer Waffe in ihrem Klassenzimmer in der Grundschule, in der sie unterrichtet. Doch sie regelt die Sache ohne Blutvergießen, genauso wie sie alles regelt: souverän und äußerlich gelassen. Dass es in ihr ganz anders aussieht, zeigt sich auch daran, dass ihre Yoga-Übungen beinahe exzessiv ausdehnt – bis sie im Yogastudio zu den „Älteren“ gezählt wird. Und dann bringt Rachel in den College-Ferien auch noch einen neuen Pudel mit: Princess, den Hund ihres Professors Zahid Azzam, der sie in kreativem Schreiben unterrichtet, der vor Jahren einen Bestseller geschrieben hat und mit dem sie wirklich netten Sex hatte. Er musste zu seiner Großmutter nach Pakistan fahren, die im Sterben liegt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kel Kade: Gefallene Helden

Eine archaische Fantasy-Welt, Magie und eine Prophezeiung – so beginnt es, die Rettung der Menschen des Königreiches – nur, dass es dieses Mal aber auch so richtig in die Hose geht. Aufgewachsen ist unser verheissener Held weitab von den Zentren der Macht – den Königshof hat Mathias ebenso wenig gesehen, wie die Zitadelle der Magi -, so lebt er, mit seiner Pflege-Omi, in einem kleinen Dorf im tiefen Wald. Zusammen mit seinem Freund, dem angehenden Forstmann Aaslo muss er lernen und üben – den Kampf ebenso wie komische Gesänge und Tänze. Damit er nicht so allein ist, nötigt er seinen Freund die komischen Sachen auch über sich ergehen zu lassen – auch wenn diesem alles ein wenig, ja gut, deutlich schwerer fällt, als Mathias, dem fast alles einfach von der Hand geht.

Ihre Leben scheinen vorgezeichnet – da Jeder ihn und seine offene Art mag, wird Mathias wohl eines Tages Dorfvorsteher werden, Aaslo seine Jugendliebe, für die er schon ein Haus, natürlich im tiefen Wald baut, ehelichen. Doch erstens kommt es – na, sie kennen den Spruch ja. Als eine schwer verwundete Frau im Dorf auftaucht, ist es der Hochmagierin, die Mathias aufzieht und beschützt klar, dass die friedliche Zeit vorbei ist. Die Prophezeiung spricht von einer Invasion – einem alles verheerenden Krieg, den nur ein Mann, Mathias eben, aufhalten kann. So haben es die Götter und Schicksalsweberinnen entscheiden – das steht fest. Sie machen sich, Hals über Kopf auf den Weg, werden angegriffen – und dann geht aber so alles schief. Mathias wird, trotz dem zur Hilfe herbeigeeilten Aaslo, getötet – der Auserwählte ist tot, die Schlacht noch vor ihrem Beginn verloren. Aaslo übernimmt die Aufgabe, dem König vom Tod des verheissenen Retters zu unterrichten. Damit man ihm auch glaubt, nimmt er den abgeschlagenen und magisch konservierten Kopf seines Freundes im Beutel mit. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

H. J. Welch: Rosavia Royals 02: Royaler Retter

Als Prinz ist es für Cas nicht einfach. Seine Zeit besteht daraus, internationale Beziehungen zu pflegen, sich bei Staatsterminen blicken zu lassen und hinter seinen Brüdern aufzuräumen. Alles was er sich wünscht, ist ein ganz normales Leben, in dem niemand ihn kennt. Für Matty ist ein solches Leben Alltag, als er mit seiner Nichte ins Land kommt. Niemals würde der unsichere junge Mann Aufmerksamkeit erregen oder im Mittelpunkt stehen wollen. Die beiden können unterschiedlicher nicht sein, doch als Matty unverhofft Hilfe braucht, ist es gerade Cas, der alles tut, um ihm zu helfen. Die beiden kommen sich näher, doch Matty weiß nicht, dass Cas der Prinz des Landes ist. Kann diese Liebe dennoch Bestand haben?

„Royaler Retter“ ist der zweite Teil der Rosavia Royals Reihe. Sehr gefallen hat mir die Dynamik, welche sich nach und nach zwischen den Protagonisten entwickelte und die Geschichte sehr lebendig gemacht hat. Was mir weniger gut gefallen hat, war, dass die beiden an einigen Stellen wirklich flach wirkten, was es für mich schwer machte, mich voll und ganz in die Story eintauchen zu lassen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Alida Leimbach: Tod unterm Nierentisch

In einer interessanten Zeit lässt die Autorin ihren Kriminalroman spielen. 1954, während der Fußballweltmeisterschaft, wird in Osnabrück ein angesehener Friseur erschossen. Nicht nur unter den Kunden, auch innerhalb seiner Familie gibt es reichlich Verdächtige. Derer annehmen muss sich Kommissar Johann Conradi. Dieser wird nicht nur durch seinen unsympathischen Vorgesetzen genervt, er leidet auch noch immer heftig unter dem Tod seiner Frau und seines Kindes, die bei einem Bombenangriff während des Krieges starben.

Rolf Schmalstieg, das Mordopfer, lebt in einer sogenannten „Onkel-Ehe“ mit Lieselotte zusammen. Sie hat drei Kinder aus ihrer Ehe mit Otto Korittke, der nicht aus dem Krieg heimkehrte und den sie für tot erklären ließ, und zwei Kinder von Rolf.

Doch am Tag vor dem Mord steht Otto plötzlich im Frisiersalon. Aber nicht nur Otto gerät in Verdacht, auch Lieselottes Sohn Karl hätte ein Motiv, seinen „Stiefvater“ zu töten. Ebenso wie ein ehemaliger Soldat, der von Rolf im Krieg im Stich gelassen worden war. Bis es dem Kommissar gelingt, die Spuren richtig zu deuten, die Motive zu beleuchten, vergehen etliche Tage. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: