Hazel Prior: Miss Veronica und das Wunder der Pinguine

Veronica McCreedy ist fünfundachtzig Jahre alt und ziemlich einsam. Sie legt Wert auf gutes Benehmen, Eleganz und darauf, dass man sie auf ihrem Landsitz in Schottland in Ruhe lässt. Abgesehen davon, dass sie zu einigem Reichtum gekommen ist, hat es das Leben nicht allzu gut mit ihr gemeint. Andere Menschen sind ihr ein Gräuel. Sie verschließt sich so sehr, dass sie nicht imstande ist, wahre Freundlichkeit zu erkennen. Für ihre Haushälterin Eileen beispielsweise hat sie nur eine etwas mitleidige Verachtung übrig, dabei meint es Eileen wirklich gut mit ihr. Veronica verbringt ihre Tage damit, Tee zu trinken, Kreuzworträtsel zu lösen, Rosen in Vasen zu arrangieren und Eileen Anweisungen zu erteilen. Das Altwerden macht ihr zu schaffen, doch das würde sie niemals zugeben. Eines Tages bringt Eileen zufällig eine Holzkiste aus der Rumpelkammer zum Vorschein. Darin befinden sich Erinnerungsstücke an Veronicas Jugend, die sie am liebsten für immer unter Verschluss gehalten hätte. Nach einigem Zögern öffnet sie die Kiste und liest ihre alten Tagebücher. Im Fernsehen läuft eine Dokumentation über Pinguine und eine Forschungsstation in der Antarktis. Beides zusammen löst in Veronica merkwürdige Ideen aus: Sie möchte in ihrem Leben noch etwas bewirken, sie will unbedingt die Pinguine mit eigenen Augen sehen und sie muss herausfinden, ob sie doch noch Angehörige hat. Wenn sich Veronica etwas in den Kopf gesetzt hat, lässt sie sich durch nichts und niemanden davon abbringen. Weiterlesen

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Jamie Wheal: Next Level Living

Der englische Originaltitel könnte passender nicht sein: „Recapture the Rapture: Rethinking God, Sex, and Death in a World That’s Lost Its Mind“.

Auf 514 Seiten offenbart der Autor ein intensives Transformationsprogramm, das Traumata heilt, Inspiration steigert und uns dabei hilft, aufzuwachen, endlich erwachsen zu werden und für eine Welt einzustehen, die uns alle braucht.

Denn wenn wir uns spirituell weiterhin nicht weiterentwickeln „[…] und anderen das Feld überlassen, wird uns nichts anderes übrig bleiben, als auf einem ausgelaugten Planeten Mad Max zu spielen, während eine Handvoll Tech-Tycoons ihr Bewusstsein auf Computer laden oder sich einen der letzten Flüge ins All sichern.“ [S. 19]

Seite um Seite, Wort für Wort, habe ich all das wertvolle Wissen aufgesaugt, denn der Autor holt „radikale“ Forschung aus ihren Nischen heraus und wendet sie auf den Mainstream an. Weiterlesen

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Katharina Fuchs: Unser kostbares Leben

Ein gut recherchiertes Buch zu lesen, kann interessant sein und Freude machen. Wenn die Detailverliebtheit aber auf die Spitze getrieben wird und die Informationen die Leserin erschlagen, wird diese Freude entscheidend getrübt.

Da hilft es auch nicht, dass die erzählte Zeit besonders interessant und insbesondere politisch hochspannend war. Katharina Fuchs, mit ihren früheren Romanen, die sich vielfach a

n ihrer eigenen Geschichte orientieren, auf den Bestsellerlisten präsent, schildert in aller Ausführlichkeit das Leben dreier Mädchen, beginnend in den 70er und 80er Jahren.

Die Ereignisse, um die sich der Roman dreht, geschehen in einer Kleinstadt im Rhein-Main-Gebiet. Im Mittelpunkt dieser Geschehnisse stehen die Mädchen Minka, Tochter des Bürgermeisters, und Caro, deren Vater die Schokoladenfabrik im Ort betreibt. Die Dritte ist Claire, ein Mädchen aus Vietnam, welches von Caros Familie adoptiert wird. Weiterlesen

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Elena Ferrante: Tage des Verlassenwerdens

Die Originalausgabe von „Tage des Verlassenwerdens“ erschien  bereits 2003 und ist Elena Ferrantes zweiter Roman. Schon nach wenigen Zeilen ist man gefangen in der traurigen Geschichte mit einer unglücklichen Protagonistin, die bis zum Ende nicht mehr loslässt.

Diesmal nimmt Ferrante uns mit in die Tiefen des Gemütszustandes einer verlassenen Frau. Die achtunddreißigjährige Olga lebt mit ihrer Familie in Turin. Mit ihrem Mann Mario ist sie seit fünfzehn Jahren glücklich verheiratet, die beiden haben zwei Kinder, einen Hund, eine schöne Wohnung. Olgas Leben und das ihrer Familie ist intakt, bis Mario sich für eine jüngere Frau entscheidet und die Familie verlässt. Damit bricht eine Welt für  Olga zusammen, denn damit hatte sie niemals gerechnet. Von einem Tag auf den anderen steht sie mitten in einem Scherbenhaufen. Von nun an durchlebt Olga einen schmerzhaften Prozess, bei dem die Leser alle Stationen ihrer Krise, das ganze Elend physischer und psychischer Zerrüttung in ihren Einzelteilen mitfühlen. Weiterlesen

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Marc Cameron: Tom Clancy: Das Reich der Macht

Thriller leben von Hektik, da ist „Die Welt der Macht“ keine Ausnahme. Wie setze ich eine Handlung um Menschenhandel, Prostitution und politische Ränkespiele um? Mit der Beschreibung von Gewalt und einer passenden derben Sprache.

Während ein chinesischer Minister mit seinen Vertrauten Intrigen zum Wohle Chinas und zu seinem eigenen spinnt, setzt Amerikas Präsident Jack Ryan senior alles daran, seine Geheimdienste möglichst im Vorfeld jedes Vorgehen gegen die Vereinigten Staaten aufdecken zu lassen. Zur selben Zeit bekämpft Jack Ryan junior in den USA einen chinesischen Mädchenhändlerring. Irgendwann laufen die Handlungsfäden zusammen.

Thriller leben von Hektik, ihnen ist immanent, dass der Leser nicht zum Atemholen kommen, sondern das Buch in einem Rutsch durchlesen soll. Auch Marc Cameron als Nachfolgeautor des 2013 verstorbenen Tom Clancy hält sich strikt an diese Regel. Egal, wer in der komplexen Handlung im jeweiligen Kapitel das Heft in der Hand hält, er trägt dazu bei, dass sich die Ereignisse überschlagen. Weiterlesen

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Heidi Sævareid: Am Ende der Polarnacht

Heidi  Sævareid (Jahrgang 1984) ist eine norwegische Autorin, die bislang dreimal für ihre Jugendromane für den Bragepreis nominiert war. „Am Ende der Polarnachtist ihr erster Roman für Erwachsene. Man merkt, dass sie weiß, wovon sie schreibt. – Der Roman spielt in der Zeit von 1957 und spiegelt die detailgetreuen Schilderungen der Landschaft und des Lebens in Spitzbergen.

Vor allem der Winter fordert viel von den Menschen, die in der dunklen Polartundra leben, ab. So ist es nicht verwunderlich, dass eine junge Frau wie die zugereiste  Protagonistin Eivor, immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Nicht nur, dass Eivor ihre gewohnte Umgebung in Oslo mit ihrem Bekannten- und Freundeskreis – vertraute Menschen, die ihr in der kalten Fremde fehlen,  hinter sich gelassen hat. Neue Kontakte zu knüpfen fällt hier nicht leicht. Dass die Bewohner Spitzbergens ein besonderer Menschenschlag sind, bekommt Eivor schnell zu spüren.   Zum Glück gibt es die Huskyhündin Jossa, die Eivor einen gewissen Halt gibt.

Das so gänzlich andere Leben im hohen Norden wird immer wieder zu einer Herausforderung für die junge Frau. Wie es sich tatsächlich lebt  mit Temperaturen von minus 30 Grad und wie es sich anfühlt, die Insel im Winter nicht verlassen zu können, konnte sie sich zuvor nicht richtig vorstellen. Weiterlesen

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Alice Oseman: Loveless

„Ich habe mich immer einsam gefühlt. Ich denke, viele Menschen fühlen sich einsam. […] Mein ganzes Teenagerleben fühlte ich mich jedes Mal einsam, wenn ich ein Paar auf der Party sah, oder zwei Menschen, die sich vor dem Schultor küssten. […] Und ich fühlte mich noch einsamer, als ich anfing zu verstehen, dass ich das nie erleben würde.“ (S. 336)

Die achtzehnjährige Georgia ist schon lange verwirrt und glaubt, sie sei im Vergleich zu den anderen Klassenkameraden irgendwie komisch. Wenn sie nur den Grund hierfür wüsste. Vielleicht liegt es an ihrer Schüchternheit und geringen Selbstsicherheit. Während alle Mädchen in ihrer Klasse sexuelle Erfahrungen sammeln, gehört sie zu den Ungeküssten.

In der Uni soll nun alles anders werden. Georgia will sich verlieben, neue Freunde finden und ganz viel Spaß haben. Weiterlesen

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Dai Sijie: Die lange Reise des Yong Cheng

Der in Frankreich lebende chinesische Autor Dai Sijie ist 2001 durch seinen später auch verfilmten Roman „Balzac und die kleine chinesische Schneiderin“ bekannt geworden. In seinem neuesten Werk „Die lange Reise des Yong Sheng“ widmet er sich dem Leben seines Großvaters, der zum ersten christlichen Pastor der chinesischen Stadt Putian wurde.

Es gibt einige schöne Stellen in diesem Buch – zum Beispiel wenn der kleine Yong Sheng im strömenden Regen seiner Lehrerin Mary Gummistiefel hinterherträgt oder wenn er später als Pastor ein riesiges Arche-Noah-Fresko auf ein Gebäude malt.

​Aber insgesamt ist dieser Roman eine Enttäuschung. Vielleicht liegt das daran, dass der Autor zu viel in ihn hineinpackt. Er hastet durch so viele Stationen im Leben seines Helden, dass sie zwangläufig an der Oberfläche bleiben müssen. Der ganze Roman wirkt wie eine Aneinanderreihung einzelner Episoden, nicht aber wie ein geschlossenes Ganzes. Weiterlesen

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Zoran Drvenkar: Wir: Die süßen Schlampen

Sie sind so oberflächlich wie eine Pfütze am Straßenrand und schauen auf ihre Handys, als wären es Navigationsgeräte, ohne die sie nicht wüssten, wo sie nach dem Film hingehen sollen. Sie haben zu viel, und weil sie zu viel haben, wollen sie mehr und mehr, denn sie kennen es nicht anders. Sie sind gierig, […].“ (Nessi, Zitat S. 35)

Mich reizten an diesem Thriller der ansprechende Klappentext und die Zeilen auf dem Buchrücken. Denn die sechszehnjährigen Mädchen wirken in der Story wirklich unantastbar, unsterblich und unzertrennlich.

Als ich mit dem Lesen begonnen habe, ist mir dann nach 67 Seiten aufgefallen, dass mir die Geschichte bekannt vorkommt. Also habe ich in meinem Bücherregal gesucht und bin auf den Thriller „Du“ (VÖ: 2012) vom selben Autor gestoßen, den ich damals abgebrochen hatte, da er mir persönlich zu langatmig und verworren war. Weiterlesen

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Thorsten Körner: Die Kanzlerin am Dönerstand

Vermutlich gibt es bereits unzählige Bücher über Angela Merkel und sehr wahrscheinlich werden im Laufe der nächsten Jahre noch viel mehr dazukommen. Dennoch bin ich überzeugt, dass dieses hier etwas Besonderes ist und bleiben wird.

Torsten Körner, der mir durch sein Buch „In der Männerrepublik“ bekannt wurde, das ich letztes Jahr lesen durfte, legt hier etliche spannende, unterhaltsame, hintergründige Miniaturen aus dem Leben unserer inzwischen Alt-Kanzlerin vor.

Der Autor ist nicht erst durch sein oben genanntes Buch und den inzwischen dazu entstandenen Film bekannt geworden. Er ist Schriftsteller, Journalist, Kritiker und Dokumentarfilmer. Und eines kann ich sagen: er kann verdammt gut schreiben.

Wir erleben Angela Merkel im vorliegenden Buch nicht nur am Dönerstand, wo sie ganz und gar unprätentiös ihr Essen bestellt und mit dem Ladeninhaber einen Plausch hält. Torsten Körner zeigt uns die Frau hinter der Kanzlerin, zeigt uns ihre Geschichte, erklärt, wie sie wurde. Woraus sie ihre Kraft zieht, wo ihre Wurzeln liegen. Und vor allem erfahren wir bei der Lektüre dieser Streiflichter, was diese Frau auch zu ertragen hatte, insbesondere am Anfang ihrer Karriere in der BRD, in der CDU, inmitten all der Alpha-Männer. Weiterlesen

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