Rebecca Serle: In fünf Jahren

Rebecca Serle ist Autorin und Drehbuchschreiberin und lebt in New York und Los Angeles. Zu Beginn möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass dieses Buch in Amerika sehr gehyped wurde – und ja, es klingt wie eine Floskel, doch ich bin tatsächlich innerhalb von zwei Tagen durch die Seiten geflogen. Dabei habe ich mich direkt in den stilvoll-erfrischenden Schreibstil verliebt. Ich wurde süchtig! Denn rasant hat sich eine regelrechte Sogwirkung entwickelt und ich wurde in diesen bezaubernden, fiktiven Traum mitgerissen. Und nicht nur, weil die Autorin den Flash Forward, die Vorausblende, genutzt hat, damit sich die Geschichte magisch anfühlt.

Ich habe schon viel gelesen, doch Rebecca ist meiner Meinung nach eine der exzellentesten Geschichtenerzählerinnen überhaupt. Ab der ersten Sekunde wurde ich so sehr gepackt, dass ich vergessen habe, dass ich ein Buch lese. Ich muss anmerken, dass es keine heitere, unbeschwerte Liebesgeschichte ist, wie es vielleicht den Anschein erweckt. Sie hat auch keine typische romantische Storyline. Es geht viel tiefer, um die verschiedenen Arten von Liebe, die wir in unserem Leben haben (zur Familie, zu Freunden, zur Arbeit). Weiterlesen

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Elizabeth Lim: Die sechs Kraniche

Es ist der Tag der Verlobung von Prinzessin Shiori. Sie soll mit irgendeinem ihr unbekannten Typen aus dem Norden vermählt werden. Doch bevor es dazu kommt, überschlagen sich die Ereignisse. Shiori verbirgt seit langem ein magisches Talent, welches im Reich ihres Vaters allerdings verboten ist. Ihre Stiefmutter Raikama entdeckt die geheime Fähigkeit und verflucht Shiori und ihre sechs Brüder. Das Mädchen hat plötzlich eine Holzschale auf dem Kopf und darf nicht mehr sprechen. Nur ein Wort aus ihrem Mund und einer der sechs Brüder muss sterben. Die Brüder unterdessen verwandeln sich tagsüber in Kronenkraniche, nachts unter Schmerzen zurück in Menschen. Alle sieben werden außer Landes gebracht und Shiori muss sich als stumme Küchenhilfe Lina allein durchschlagen. Doch sie hat ein Ziel: Ihre Brüder retten und Raikama, die auf den Thron des Vaters schielt, das Handwerk legen. Daran wird eine lausige Holzschale sie nicht retten!

Für mich ist „Die sechs Kraniche“ einer der besten Jugendromane des Jahres. Eine sehr abwechslungsreich erzählte Geschichte, die sehr faszinierend aufgebaut ist. Shiori hält ihre magische Fähigkeit geheim. Weiterlesen

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Heinz Strunk: Ein Sommer in Niendorf

Ein Mann namens Roth nimmt sich eine dreimonatige Auszeit vom Job und mietet sich in einer Ferienwohnung mit Blick aufs Meer in Niendorf an der Ostsee ein. Dort will er in aller Ruhe einen großen Roman über seine Familie schreiben. Jetzt muss er nur noch die 44 Tonbänder mit den Interviews mit seinen Familienangehörigen durchhören – und los geht‘s.

Natürlich kommt alles ganz anders. Erstens hadert unser Möchtegern-Autor mit seinem Stoff, zweitens wird er mehr und mehr abgelenkt – zum Beispiel von einem grob gestrickten Proleten namens Breda und seiner dicklichen Freundin Simone, die Roth immer öfter zum abendlichen Saufen animieren – die aber auch mehr und mehr zu seinem einzigen sozialen Kontakt zur Außenwelt werden.

​Roth sackt immer weiter ab. Er hat mehr oder weniger einen Dauerkater, steigt unglücklich einer Kellnerin nach, lässt sich von einem Seniorenpaar durchfüttern und hat bei einem Ausflug nach Hause im Auto ein unschönes Erlebnis. Weiterlesen

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Sam Lloyd: Sturmopfer

An dem Tag, an dem ein gigantischer Sturm aufzieht und Lucy Lockes Heimat, den englischen Küstenort Skentel, attackiert, ergießt sich auch über ihre gesamte Familie ein Unheil, das sie zunächst nicht begreifen kann. Denn jede schlechte Nachricht weist in eine neue Richtung, die sie einfach nicht glauben will. Es darf einfach nicht sein, was der eine oder andere gerade behauptet. Die schlechten Nachrichten türmen sich auf wie die Wellen im aufgepeitschten Atlantik. Und es dauert fast zu lange, bis Lucy begreift, warum diese vielen Katastrophen ihr Leben zu zerstören drohen.

Wer schon Sam Lloyds Thriller über den Mädchenwald gelesen hat, weiß, dass der Autor starke Heldinnen in eine bösartige Geschichte platziert, die den normalen Alltagshorror weit in den Schatten stellt. Ein wahrgewordener Alptraum zerstört alles, was vorher sicher schien. Im Falle von Lucy sind da nicht nur Zweifel, ob ihr Mann etwas Wichtiges verheimlicht und die Frage, warum er sich und die Kinder in ernsthafte Gefahr gebracht hat. Weiterlesen

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J. L. Carr: Leben und Werk der Hetty Beauchamp (1988)

Die Zukunftsperspektive einer jungen Frau war in Großbritannien in den späten 80er Jahren oft dieselbe: Ein Leben im Schatten des Ehemannes ohne eigene Selbstverwirklichung. Dieser tristen Realität zum Trotz schildert der britische Bestsellerautor J. L. Carr in dem erstmalig 1988 erschienenen Roman „Leben und Werk der Hetty Beauchamp“ eine feministische Perspektive einer jungen Frau, die fest davon überzeugt ist, dass ihr Leben mehr zu bieten hat als zu heiraten, eine Familie zu gründen und dem Ehemann alle Wünsche zu erfüllen.

Die 18-jährige Hetty hat bald ihren Schulabschluss in der Tasche und möchte ihrer Bildung auch nach der Schule einen hohen Stellenwert beimessen. Vonseiten ihrer Eltern – besonders der ihres cholerischen Vaters – erfährt sie allerdings mehr Gegenwind als Unterstützung, besonders, was ihre Liebe zur Literatur angeht. Als jedoch ein gewaltiges Geheimnis an die Luft kommt, beschließt Hetty, fortan ihren eigenen Weg zu gehen.

Dass J. L. Carr in der damaligen Zeit die Perspektive einer selbstbestimmten Protagonistin beleuchtet, verdient Lob. Carr zeigt in seinem Roman realitätsnah, welche Rolle Frauen in der Gesellschaft und Familie zu der Zeit einnahmen und dass der Status quo eben nicht im Sinne aller Frauen war. Der Roman ist allein schon deshalb lesenswert, weil es interessant ist zu erfahren, wie ein feministischer Roman in den 80er Jahren umgesetzt wurde. Weiterlesen

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Marah Woolf: HexenSchwesternSaga 02: Sister of the Moon

Der Angriff der Dämonen auf die Erde ist nicht das Schlimmste, was Vianne und ihren Schwestern passiert. Die drei werden nämlich während dem Kampf entführt und an Regulus´ Hof gebracht – als Gefangene des Hochkönigs der Dämonen. Dieser verfolgt den bestialischen Plan, Hexen-Dämonen-Babys zu züchten, um eine unbesiegbare Rasse zu erschaffen, mit der es ihm gelingt, die ganze Welt einzunehmen. Die Schwestern sollen mit den meistbietenden Dämonen vermählt werden. Nur einen Ausweg bietet Regulus ihnen an: Wenn Vianne ihm drei schwarzmagische Artefakte aus dem Reich der Göttinnen beschafft, will er sie gehen lassen. Vianne ist nun hin und hergerissen, zwischen dem Wunsch, sich und ihre Familie zu retten und dem Wissen, dass die Artefakte Regulus helfen können, die Menschheit zu vernichten. Dennoch irrt sie tagtäglich durch die Gänge der Burg, in der Hoffnung, dass sich die Tür zum Götterreich öffnet und sie einmal mehr einlässt. Einfach, weil sie keinen anderen Ausweg sieht. Weil das immer noch besser ist, als tatenlos ihrem schrecklichen Schicksal entgegenzublicken und sich von der Tochter des Hochkönigs tyrannisieren zu lassen.Begleitet wird sie bei ihrer Suche von dem Dämon Arvand: Regulus rechte Hand und ausgerechnet der Dämonenfürst, mit dem die Loge einen Packt geschlossen hat – und betrogen wurde. Vianne ist es nicht möglich, ihm zu durchschauen: Er ist ihr Feind und der Grund für ihre Gefangenschaft. Aber warum unterrichtet er sie dann im Kämpfen und schützt sie vor Regulus Männern? Und warum fühlt sich der Umgang mit ihm so vertraut an, wenn sich ihre große Liebe ebenfalls hier in Gefangenschaft befindet?

Vianne muss die schwersten Entscheidungen ihres Lebens treffen. Weiterlesen

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Erik D. Schulz: Weltmacht ohne Menschen

Erik D. Schulz‘ KI-Thriller ist in der nahen Zukunft angesiedelt, im Jahr 2075. Das Nipah-Virus ist mutiert, es gibt das Moon- und das Mars-Village, Korea ist wiedervereinigt und es gibt ein Abkommen zur Abschaffung von Atomwaffen. Das Grundeinkommen ist eingeführt, Androcops sorgen für Ordnung auf den Straßen und das Gesundheitssystem in Deutschland macht KIs zu Kollegen des Menschen.

Schulz schafft hier ein atmosphärisches Near Future-Szenario, in dem der Arzt Philip Rogge -scheinbar zufällig- von Friedrich Cannavale aufgesucht wird, der am Ende des Romans eine Revolution ausgelöst haben wird, „die das Leben auf der Erde tiefgreifend verändert hat“. Diese Vorausschau baut Spannung auf, und der Arzt und Autor Schulz hält diese bis zum Schluss aufrecht.

Allerdings fragt man sich an dieser Stelle, warum Cannavale sich Rogge überhaupt anvertraut. Dies wird erst zum Ende des Romans aufgelöst und die scheinbare Ungereimtheit lässt den Leser nicht ganz los: „‚Sagen Sie, warum erzählen Sie mir das alles?‘, fragt Rogge zu Beginn der Ereignisse, und Cannavale antwortet nur: ‚Ich habe Vertrauen zu Ihnen.‘“ Weiterlesen

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Eric Berg: Die Toten von Fehmarn

Es hat etwas für sich, eine Krimireihe zu lesen. Man begegnet denselben Figuren wieder, kennt sie und ihre Stärken und Schwächen. Und man kennt den Autor bzw. die Autorin und weiß, was man erwarten darf. Eric Berg dagegen, trotzdem er hier die Reihe um die Journalistin Doro Kagel fortsetzt, ändert zwar seinen Schreibstil nicht, dennoch sind die einzelnen Romane dieser Serie recht unterschiedlich.

Manchen mochte ich sehr, fand beispielsweise „Die Mörderinsel“ unglaublich spannend und tiefschürfend. Andere, wie „Totendamm“ waren eher etwas durchschnittlich, auch überzeugten mich die Figuren damals nicht. Nun also ein weiterer Krimi, in welchem diesmal Doro Kagel sozusagen in eigener Sache ermittelt.

Denn sie taucht in ihre eigene Vergangenheit ein, als sie zum Begräbnis eines früheren Jugendfreundes zu Besuch nach Fehmarn kommt und bei ihrer Mutter unterschlüpft. Mit dieser verbindet sie ein sehr schwieriges Verhältnis, bei dem auch die Hilfe von Yim, Doros Ehemann, nicht viel ausrichtet. Weiterlesen

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Kristine Bilkau: Nebenan

Die deutsche Journalistin und Schriftstellerin Kristine Bilkau (Jahrgang 1974) hat nach ihrem Debütroman „Die Glücklichen“ aus dem Jahre 2015 und „Eine Liebe, in Gedanken“ (2018) nun ihren dritten Roman veröffentlicht. „Nebenan“ erschien am 8. März 2022 im Luchterhand Literaturverlag.

Darin leben Julia, Keramikerin, Ende dreißig mit unerfülltem Kinderwunsch, und ihr Mann Chris, Biologe, und Astrid, Ärztin, Anfang sechzig, kurz vor dem Ruhestand, und ihr Mann Andreas, ehemaliger Geschichtslehrer, in einem Dorf am Nord-Ostsee-Kanal. Julia und Chris sind aus Hamburg neu zugezogen. Astrid und Andreas leben schon ewig hier.

Julia hat in der nahen Kreisstadt, in der auch Astrid ihre Arztpraxis hat, einen Keramikladen aufgemacht. Aber sie fürchtet sich vor Kunden. Lieber verkauft sie ihre Produkte über das Internet. Dort surft sie stundenlang auf den Seiten von lauter „Happy Moms“ in ihren geschönten Familien und Haushalten und von einem Forum für Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch.

Astrid, Mutter von drei erwachsenen Kindern, sucht vergeblich seit einiger Zeit nach einem/r Nachfolger/in für ihre Hausarztpraxis. Sie kümmert sich um ihre alte Tante Elsa, bei der sie als Kind mit ihrer Mutter und ihrer Schwester gewohnt hat. Elsa ist eine Nachbarin von Julia und Chris. Weiterlesen

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Peter Heller: Die Lodge

Peter Hellers neuer Roman „Die Lodge“ ist ein regelrechter Abenteuerroman, der in einer abenteuerlichen Landschaft – der Wildnis Colorados angesiedelt ist. Überhaupt dominiert die urwüchsige Natur das Buch. Die Geschichte lebt geradezu von Gerüchen, Bildern, Geräuschen – und dem Fliegenfischen.

Zur Handlung: Der junge Jack nimmt einen Job als Guide für prominente und wohlhabende Gäste auf einer Luxuslodge an. Als versierter Fliegenfischer bekommt er die Sängerin Allison zugeteilt.

Zwischen Allison und Jack entwickelt sich bald ein Einvernehmen, das mehr als nur Sympathie ist. Sie verstehen sich auch ohne viele Worte und verbringen viele Stunden am Tag zusammen im Fluss um zu angeln.

Etwas stimmt nicht auf dem Gelände der Lodge, das wird Jack sehr schnell klar. Nicht nur, dass er gezwungen wird, seine private Waffe abzugeben. Unter anderem bringt Jack in Erfahrung, dass sein Vorgänger auf mysteriöse Weise verschwunden ist. Weiterlesen

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