Helen Garner: Drei Söhne: Ein Mordprozess

dreiIn Australien sorgte ein Prozess für viel Medienrummel. 2005, am Abend des Vatertages, fuhr Robert Farquharson mit seinen drei Söhnen zu seiner Exfrau. Sein alter Wagen verließ unter merkwürdigen Umständen die Straße, rollte in einer langgezogenen Kurve einen Abhang hinunter, kollidierte mit dem Ende eines Zaunes und touchierte Büsche. Danach versank er mit seinen Insassen in einem Baggersee. Die drei Jungen ertranken, Robert, der Vater, konnte sich retten.

Im Verlauf der nächsten zehn Jahre versucht das Gericht die Ungereimten zu klären, während der angeklagte Vater stets seine Unschuld beteuert.

Viele Zeugen werden ausgiebig verhört und dabei vom Verteidiger oder Staatsanwalt mit zahlreichen Fangfragen irritiert. Jeder von ihnen tappt in die Falle, beginnt zu zweifeln. Einige verlassen demoralisiert ihre ursprüngliche Aussage, weil sie auf einmal ihrer Wahrnehmung misstrauen. Und nach jeder weiteren Befragung scheint es eine andere Perspektive auf die Wahrheit zu geben. Weiterlesen

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Gabriele Tergit: Käsebier erobert den Kurfürstendamm (1931)

tergit„Mensch, ist Liebe schön“, singt der Chansonsänger Georg Käsebier 1929 in Berlin, und eine Zeitungsredaktion, der noch ein paar Zeilen fehlen, empfiehlt den Sänger und seinen Auftritt in der Hasenheide. Damit beginnt der Großstadtroman der Gerichtsreporterin und Schriftstellerin Gabriele Tergit. Ereignisse werden losgetreten, die Käsebier nicht mehr beeinflussen kann, er will einfach nur singen, aber was nun geschieht ist mehr, als er selber in der Hand hat.

Plötzlich will die Berliner High Society Käsebier singen hören, seine Auftritte werden zum Event, der Schmalz seiner Texte populär. Es gibt Käsebier-Puppen und er bekommt einen Vertrag bei der UFA, schließlich hat der Tonfilm Einzug gehalten. Weiterlesen

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Charlotte Link: Die Entscheidung

Die Entscheidung von Charlotte Link„Die Entscheidung“, wie der neue Krimi von Charlotte Link heißt, gibt es in dem gewohnt spannenden Thriller der Bestseller-Autorin nicht. Es sind mehrere Entscheidungen von den Hauptfiguren, die zu einer Kette von Unglücken und schließlich vier Ermordeten führen.

Es ist wieder ein absolut fesselnder und lesenswerter Roman der deutschen Königin der Kriminalliteratur: hoch spannend und toll geschrieben. Diesmal hat Charlotte Link den Schauplatz ihrer Krimis gewechselt, lässt nicht in England, sondern in Südfrankreich morden. Aber sie erzählt wieder mehrere Geschichten parallel und verwebt sie kunstvoll und logisch zu einer. Es geht diesmal um Menschenhandel und Zwangsprostitution von Mädchen aus Bulgarien und Rumänien. Weiterlesen

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Christopher Kloeble: Die unsterbliche Familie Salz

salzMehr als 100 Jahre umfasst der Roman des deutschen Autors Christoph Kloeble, „Die unsterbliche Familie Salz“. Darin geht’s um eine Familie, der viele Jahre das prunkvolle Leipziger Hotel „Fürstenhof“ gehört hat. Der Clou dabei: den Fürstenhof gibt’s wirklich, die Familie Salz nicht.

Alles beginnt im Jahre 1914, als der unsympathische und herrische „Herr Salz“ den Fürstenhof kauft und seine widerspenstige Tochter Lola eine Rolle beim Tod ihrer schwerkranken Mutter spielt. Weitere Stationen sind Lolas strapaziöse und schicksalhafte Odyssee durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg mit zwei kleinen Kindern, das unglückliche Leben ihrer alkoholabhängigen Tochter Aveline in den 60er-Jahren, die Wendezeit, als Kurt Salz den Fürstenhof aus DDR-Staatsbesitz zurückerhält und sich in eine um Jahrzehnte jüngere Frau verliebt, und schließlich das Jahr 2015, das aus der Sicht von Kurts Tochter Emma geschrieben ist. Ganz am Ende gibt’s sogar noch einen kleinen Ausblick auf das Jahr 2027 mit einem Brief von Emmas Tochter Tara an ihre Mutter. Weiterlesen

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Harper Lee: Gehe hin, stelle einen Wächter (1957)

wachAls die US-Schriftstellerin Harper Lee im Februar 2016 wenige Wochen vor ihrem neunzigsten Geburtstag verstarb, zog ihr Name noch einmal die Aufmerksamkeit der Nachrichtenwelt auf sich.

Mit ihrem ersten Roman Wer die Nachtigall stört, hatte Harper Lee gleich den begehrten Pulitzer-Preis gewonnen.

Harper Lee hat Gehe hin, stelle einen Wächter noch vor ihrem Erfolgsroman Wer die Nachtigall stört geschrieben, doch es war nicht der richtige Zeitpunkt, diesen Roman zu veröffentlichen. Harper Lee’s Agenten lehnten das Manuskript 1957 ab. Die Autorin schrieb weiter, versetzte ihre Protagonisten zurück in die Jahre ihrer Kindheit und so entstand Wer die Nachtigall stört. Weiterlesen

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J. Ryan Stradal: Die Geheimnisse der Küche des Mittleren Westens

stradalWas sich liest wie der Titel eines Kochbuchs, ist (fast) reine Belletristik. Aber der Autor hat – wie der Titel vermuten lässt, einige Menüpläne und Rezepte in den Plot eingebaut, denn die Handlung dreht sich um Kulinarisches, ums Kochen, um Regionalität und Nachhaltigkeit von Lebensmitteln, ums Genießen, um Kochwettbewerbe….

Der Roman setzt sich aus mehreren Geschichten zusammen, deren Figuren irgendwie mit der Hauptprotagonistin Eva verwoben sind. Doch liest man so manch Überflüssiges, was nicht wirklich dazu beiträgt, den Roman voranzutreiben. Einige Figuren verlieren sich zu sehr in Nebenhandlungen, dass man sich fragt, warum hier nicht mehr herauslektoriert wurde.

Zum Inhalt: Evas Geschmacksknospen werden durch ihren Vater, der Koch ist, bereits als sie erst wenige Wochen alt ist, für außergewöhnliche kulinarische Genüsse sensibilisiert. Ihre Mutter Cynthia kann mit dem kleinen Kind nichts anfangen und verlässt die junge Familie kurze Zeit nach Evas Geburt. Weiterlesen

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Paul Theroux: Der Fremde im Palazzo d’Oro

Der Fremde im Palazzo dOro von Paul TherouxTaormina, Sizilien, anno 1962: Gil Mariner, ein junger Student, streift durch die Straßen und entdeckt ein elegantes Paar auf der Terrasse des Nobelhotels „Palazzo d’Oro“. Die goldblonde Frau, geschätzte Mitte Dreißig, in ein weißes Kleid gehüllt und trotz der Hitze Spitzenhandschuhe tragend, erregt das Interesse des 21-Jährigen. Er weiß sofort: „Ich will euer Leben leben.“ Ein bittersüßer Wunsch, der sich durch ein unmoralisches Angebot erfüllen soll. Bald findet sich der naive Amerikaner in einem amourösen Wechselspiel aus Dominanz und Unterwerfung wieder. Denn Griffin, die mondäne deutsche Gräfin mit den zwei Gesichtern, hütet ein unglaubliches Geheimnis. Weiterlesen

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Fredrik Backman: Britt-Marie war hier, gelesen von Heikko Deutschmann

brittBritt-Marie war ihr Leben lang angepasst. Angepasst an die Gesellschaft, in der sie nur als Hausfrau lebte. Angepasst an ihre Mutter, die ihr bis zu ihrem Tod das Gefühl vermittelte, bei diesem Autounfall in der Kindheit sei die falsche Tochter gestorben. Angepasst an einen Mann, der meint, sie brauche doch keinen Beruf. Jetzt ist sie 63 und findet heraus, dass ihr Mann sie betrügt. Sie geht.

Aber was macht man mit 63, wenn man plötzlich allein dasteht? Britt-Marie geht zur Arbeitsvermittlung und bleibt hartnäckig, bis man ihr eine Stelle als Hausmeisterin in Borg vermittelt. Borg? Borg ist das Überbleibsel einer Stadt, die einmal eine Zukunft hatte. Jetzt ist nichts geblieben außer einer großen Straße, die die meisten Einwohner am liebsten zur Flucht nutzen würden und – der Fußball. Weiterlesen

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Ilona Andrews: Stadt der Finsternis 09: Ein neuer Morgen

ilonaWillkommen in Atlanta, Georgia, der Südstaatenmetropole, von der es einst hieß, dass man hier, und nur hier, den Süden in seiner ursprünglichen Form kennen- und lieben lernen könne. Seitdem vor einigen Jahrzehnten die Magie die Welt zurückerobert hat, ist alles ein wenig, nein viel anders geworden, als vorher. In der Technikphase funktionieren Motoren, Elektronik und moderne Geräte noch, sobald die Magiewelle die Welt überrollt, ist man auf Tiere als Fortbewegungsmittel und auf Hieb- und Stichwaffen zur Verteidigung angewiesen.

Kate Daniels hat sich dieser Welt bestens angepasst. Ihr Ziehvater lehrte sie zu kämpfen und zu überleben – und hat aus ihr nicht nur eine fast unschlagbare Schwertkämpferin, sondern auch eine Frau geformt, die ihre Kräfte überlegt einzusetzen weiß. Seitdem sie, um ihren unsterblichen, gottähnlichen Vater davon abzuhalten Atlanta als ihr Reich beansprucht hat, hat die Frau, die einst als Rudelführerin der Werwesen fungierte noch mehr Probleme am Hals. Weiterlesen

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Paul Pen: Glühwürmchen, glüh

gluehDer Protagonist von Paul Pens „Glühwürmchen, glüh“ ist 10 Jahre alt und hat noch niemals die Sonne gesehen. Vor etwas über 10 Jahren ist seine Familie in einen Keller gezogen und hat diesen seitdem nicht verlassen. Tag für Tag lebt er auf engstem Raum mit seinen beiden volljährigen Geschwistern, einem Bruder und einer Schwester, seiner blinden Oma und seinen beiden Elternteilen. Zu Beginn des Erzählten bringt seine Schwester außerdem einen kleinen Jungen im Keller zur Welt. Tag für Tag verbringt der Protagonist damit, sich die Welt auszumalen und Bücher zu lesen, die Naturphänomene, Insekten oder Tiere im Allgemeinen beschreiben. Als ein Glühwürmchen durch einen Spalt geflattert kommt, kann er es kaum fassen und schöpft neue Hoffnung, dass da draußen doch noch mehr ist. Weiterlesen

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