„Gerechtigkeit ist Sprache.“ So beginnt das letzte Buch des international renommierten Literaturwissenschaftlers Werner Hamacher, der im vergangenen Jahr verstorben ist.
Viele der hier versammelten Texte, von denen er die meisten zunächst in Vorlesungen und Vorträgen seinen Zuhörern präsentierte, hatte er von Anfang an für eine gemeinsame Veröffentlichung geplant und konzipiert.
„Gerechtigkeit“, so präzisiert er einige Seiten weiter, „sofern sie in der Entscheidung für das Miteinanderleben im Reden beruht, ist Sprache.“
In seinen Studien und Analysen, in seinen Interpretationen und Gedankengängen geht er den verschiedensten Rechtstheorien im Hinblick auf Sprache und Gerechtigkeit, deren Zusammenhänge und Zusammenwirken auf den Grund. Dabei steigt er tief ein, seziert die Wörter und Sätze, setzt sich sehr detailliert mit ihren Bedeutungen und ihren Inhalten auseinander. In einer Reise durch die Zeit folgt er Platon und Aristoteles, Milton und Hobbes, Kant und Celan sowie weiteren Geistesgrößen.
Im 2. Kapitel beschäftigt er sich beispielsweise mit Schriften von Karl Marx und Hannah Arendt zu den Menschenrechten und bringt dabei sehr interessante, für mich erstaunliche Ansätze ans Licht. „Die sogenannten Menschenrechte, so zeigt Marx, sichern das Gegenteil dessen, was sie zu sichern behaupten,“ schreibt er beispielsweise auf Seite 61. Er analysiert unter anderem das Recht, seine Rechte nicht zu gebrauchen, das Recht auf Scheidung und das Recht auf Leben und schafft in allen Texten einen Bezug zur Sprache. Weiterlesen








