Dianne Touchell: Foster vergessen

Foster ist sieben Jahre alt, als sein Vater immer mehr Sachen vergisst. Erst ist es nur der Herd, der nicht ausgestellt ist, dann ein Geburtstag, hier etwas beim Einkaufen, den Nachhauseweg vom Supermarkt. Ja, es wird immer schlimmer. Und Foster weiß nicht, wie er seinem Vater helfen kann. Der war doch immer so fantasievoll und dachte sich mit Foster Geschichten über Drachen und andere Fantasiewesen aus. Foster versteht die Welt nicht mehr und seine Mutter sagt ihm nur, dass er sich darum keine Sorgen machen müsse. Was aber passiert, wenn Papa auch Foster vergisst und sich nicht mehr an ihn erinnern kann?

In Dianne Touchells neuer Geschichte liegen Lachen und Weinen nah beieinander. Die Geschichte wird aus den Augen des 7-jährigen Fosters erzählt, der natürlich nicht alle Zusammenhänge der Krankheit seines Vaters versteht und auch nicht recht weiß, was die Folgen sein können. Er macht sich auf kindliche Art und Weise seine Gedanken und die sind berührend und wundervoll. Das Buch geht ans Herz und ist weniger Jugendbuch, sondern ein Buch für Erwachsene, das sie dazu aufruft, ihren Umgang mit Kindern in solchen Extremsituationen zu hinterfragen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Eric Bell: Dieses Leben gehört: Alan Cole

Als hätte man es als 12-Jähriger nicht schon schwer genug, muss sich Alan Cole auch noch mit seinem größeren Bruder rumschlagen. Der entwirft mal wieder eine Challenge zwischen den beiden Jungen. Schafft Alan es nicht, mehr Aufgaben zu erfüllen als sein Bruder Nathan, will der allen in der Schule verraten, dass sich Alan in seinen Mitschüler Connor verliebt hat. Das muss Alan unter allen Umständen vermeiden. Deswegen gibt er sich größte Mühe, Schwimmen zu lernen, jemanden zum Weinen zu bringen, seinen ersten Kuss zu bekommen … doch Alan wäre nicht Alan, wenn das Chaos sowieso vorprogrammiert wäre.

Eric Bell entwirft einen Jugendroman für Kids beider Geschlechter ab 12 Jahren. Dabei ist die Geschichte absolut nichts Besonderes und plätschert so vor sich hin. Was sie dann doch gut macht, ist die Auseinandersetzung mit dem Thema Freundschaft – was natürlich im klassischen Jugendbuch auch nicht gerade selten vorkommt. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Meg Wolitzer: Das weibliche Prinzip

Dieses Buch liest sich wie ein gut geölter Motor, der nicht stottert oder irgendwelche besonderen Geräusche von sich gibt. Sollte also jemand sich sowohl gut unterhalten fühlen wollen als auch eine Einschlaflektüre suchen, dann ist man bei diesem Buch zu hause. Ein Genuss ohne Reue sozusagen, aber eben auch kein Knaller. Weil, außer eine Familientragödie, die unvermittelt die Lebenspläne eins der vier Hauptprotagonisten zerstört, passiert nicht viel. Das Buch läuft mit seinen ewigen Rückblenden wie an der Schnur gezogen vorwärts.

Wir begleiten die anfangs schüchterne Greer Kadetzky auf ihren Weg. Dabei sind noch ihre Jugendliebe Cory und die homosexuelle Zee, die Greer an der Uni kennenlernt. Leicht in Fahrt kommt der Roman durch die frühe Begegnung von Greer mit der bekannten Frauenrechtlerin Faith Frank,  die sie fortan nicht mehr los lässt und auch inhaltlich ihr Berufsleben bestimmt. Interessant sind die Ausflüge in die Historie der amerikanischen Frauenbewegung und ihre vorreitenden Zeitschriften wie „Bloomer“. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Titus Müller: Die Stimme des Schöpfers: Erzählungen aus dem Alten Testament

Wie schon im Vorgängerband „Der den Sturm stillt: Begegnungen mit Jesus“ befasst sich Titus Müller auf besondere Art und Weise näher mit Bibelgeschichten. Diesmal hat er sein Augenmerk auf das Alte Testament gelegt und bewegt sich hier bei weitem nicht nur innerhalb der Bücher Mose. Die beiden Titel können unabhängig voneinander gelesen werden und stehen nur in lockerem Zusammenhang. Gemeinsam ist ihnen der besondere Blick auf Bibelgeschichten.

Im neuen Band wirft Titus Müller natürlich einen genaueren Blick auf die Schöpfung, den Sünderfall, die Geschichte rund um Kain und Abel und auch klassische Figuren wie Abraham, Mose und Noah haben ihren Platz. Doch auch die Geschichten, die sonst eher weniger Beachtung finden, werden in „Die Stimme des Schöpfers“ erwähnt. Etwa die Erzählungen rund um Simson und die Philister, die Bundeslade, den heldenhaften David in seiner Zeit nach Goliath. Geschichten, denen man sonst in der typischen Bibelkunde nicht allzu viel Beachtung schenkt.

Gegenüber dem ersten Band voller Jesus Geschichten fehlt den hier anwesenden Erzählungen etwas der Zusammenhang. In allen spricht Gott zu den Menschen und sie handeln daraufhin auf eine bestimmte Weise. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Titus Müller: Der den Sturm stillt: Begegnungen mit Jesus

Wie muss das gewesen sein, zur Zeit Jesu gelebt zu haben? Ihn vielleicht getroffen zu haben, mit ihm gesprochen zu haben? Sogar Teil eines seiner Wunder gewesen zu sein? Wie hat sich Barabbas gefühlt, als er begnadigt wurde und Jesus an seiner statt ans Kreuz genagelt wurde? Und wie die Jünger, als sie sich endlich sicher waren, dass der Messias unter ihnen ist? Titus Müller stellt sich all diesen Fragen auf eine sehr natürliche Art und Weise. Er schreibt über ebendiese Menschen, aus ihrer Perspektive, beleuchtet ihre Gedanken, Sehnsüchte, Wünsche und Ängste. Entstanden ist ein ganz wundervolles Büchlein über die vier Evangelien des neuen Testaments der Bibel. Wer bibelfest ist, wird hier keine neuen Geschichten finden, aber vielleicht die ein oder andere Gedankenanregung, eine Geschichte doch noch mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.

Ein echtes Highlight im Buch ist der Verrat Judas und der Blick über seine Schulter. Was mögen seine Beweggründe gewesen sein? Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Joe Landsdale: Hap und Leonard: Die Storys

Joe Lansdales Geschichten um Hap & Leonard sind etwas ganz Besonderes. Dies zeigt auch die mustergültige Verfilmung fürs TV, die Sundance trotz bester Quoten allerdings nach der dritten Staffeln just abgesetzt hat. Vielleicht liegt die in den Romanen deutlich mitschwingende Gesellschaftskritik zu nah an der Realität, will man die gegenwärtige Regierung nicht verärgern? Auf jeden Fall, ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Sie kennen unsere Beiden noch nicht, oder fragen sich, was zwei fiktive Figuren so besonders macht? Nun, beginnen wir mit Leonard. Er ist ein Held – war für sein Land in Vietnam und wurde mit dem Purple Heart für seine Tapferkeit ausgezeichnet. Er ist Republikaner. Nun, das trifft auf Viele, insbesondere in Texas zu, doch muss man wissen, dass Leonard Afro-Amerikaner – von seinen Mitmenschen auch gelegentlich als Nigger verunglimpft – ist. Und er liebt Country-Music.

Fassen wir das Wichtige noch einmal zusammen – Vietnam-Veteran, Stock-Konservativ, Country-Fan und dunkelhäutig. Habe ich etwas vergessen? Nein, eigentlich nicht. Na gut, Leonard ist schwul, aber das ist in Texas nicht weiter wichtig – oder doch? Sein Bruder – nicht leiblich, sondern im Geiste – ist Hap. Weiss, Alt-Hippie, Kriegsdienstverweigerer, der für seine Überzeugung sogar einsaß, abgebrochenes Studium, liberal, Anhänger der Demokraten und hetero. Dass beide mit ihren Partnern nicht unbedingt Glück haben – dafür sterben diese zu oft – ist eine Tatsache, dass sie Ungerechtigkeit nicht ausstehen können und unter Einsatz ihres Lebens den Unterdrückten und Benachteiligten zu Hilfe kommen ebenso. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Richard Yates: Eine letzte Liebschaft

Unerfüllte Sehnsucht umweht all seine Figuren. Wohl kaum einer vermag die Hassliebe einer Alltagsehe, die geplatzten Träume einer Mittelstandsexistenz und die Wunden der Nachkriegsjahre besser auf den Punkt zu bringen als Richard Yates. Er schaut hin, wo es wehtut: hinter die Fassaden der Vorzeigefamilien, in die Schlafsäle der Veteranenkrankenhäuser. Neun Erzählungen zeigen die literarische Größe eines der besten amerikanischen Schriftsteller seiner Zeit auf. Denn Yates komponiert Szenen, die sich einprägen. Symbole, die aufrütteln. Wie die Osterglocken, deren Bedeutung durch den Krieg ins Gegenteil verzerrt, plötzlich wie Vorboten des Todes anmuten.

Die Geschichten dieser Sammlung sind in den 40er und 50er Jahren angesiedelt. Die Erlebnisse des Zweiten Weltkrieges hängen wie ein dunkler Schatten über den Stories. Der Krieg lässt seine Protagonisten nicht los, selbst Jahre später. Ein Gast prahlt auf einer Cocktailparty mit seinen Verdiensten in einer Schlacht und stellt dadurch einen Kollegen bloß. Auf der Tuberkulosestation eines Veteranenkrankenhauses nehmen amouröse Verwicklungen ein ungutes Ende. Die Frau eines GIs vereinsamt in Frankreich, wo ihr die Einheimischen ablehnend begegnen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Kevin Hearne: Die Chronik des Eisernen Druiden 08: Aufgespießt

Armageddon rückt immer näher. Da können unsere drei Druiden machen, was sie wollen, können sie Unterstützung von Göttern aller möglichen Religionen einfordern, die letzte Schlacht vor dem Untergang der Zivilisation scheint einfach nicht aufzuhalten. Damit nicht genug, hat Atticus auch noch ein finanzielles Problem. Dem Anführer der Vampire, der schon die Römischen Legionen und die Inquisitoren auf die Druiden losgelassen hat, ist es gelungen. Attikus´ Finanzberater zu töten. Alles, was sich unsere zweitausendjährige Druide als Spargroschen zurückgelegt hat ist futsch. Und damit kann er seinen Kriegszug gegen die Vampire nicht länger bezahlen. Währenddessen weiß Loki, ja der Gott, der den Weltuntergang herbeiführen will dank eines magischen Mals immer, wo die Druidin Granuaile sich aufhält. Das muss sich ändern, auch wenn unsere Nachwuchsdruidin dafür mit Odin selbst zusammenarbeiten muss. Doch auch Atticus´ Lehrvater Owen kann seine neu gewonnene Freiheit und das Glück mit einer Werwölfin nicht genießen – dafür sorgen einmal mehr die Vampire, die einen Überfall auf sein neues Heim verüben … Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Colleen Hoover & Tarryn Fisher: Never Never

Eines Morgens sitzt Charlie in der Schule und weiß nicht einmal mehr ihren eigenen Namen. Sie kann sich an nichts erinnern, nicht wo sie wohnt, wer zur ihrer Familie gehört und von dem Typen, der neben ihr sitzt und ihr Freund sein soll, weiß sie auch nichts. Silas ist der Typ neben ihr und ihm geht es genauso! Wer ist er und wer ist Charlie? Die beiden müssen sich gemeinsam auf eine Schatzsuche nach ihren eigenen Erinnerungen begeben und schnell wird klar, dass dies nicht einfach ist. Ihre Familien sind verfeindet seit einem Vorfall, Charlies Vater sitzt sogar im Gefängnis. Der Kontakt zwischen Charlie und Silas wird von keiner der Familien gern gesehen. Und dann finden die beiden auch noch heraus, dass sie einander betrogen haben. War das wirklich die ganz große Liebe zwischen ihnen?

Colleen Hoover steht für herzzerreißende, gefühlvolle Schmachtgeschichten mit gelegentlichem Sex und ganz vielen Irrungen und Wirrungen. Tarryn Fisher schreibt Thriller für Frauen. Wie passen diese beiden Autorinnen also zusammen und was kommt hinten raus? Auf jeden Fall kein Hoover-typischer Roman. Fans werden da eher enttäuscht sein. „Never Never“ kratzt bestenfalls an der Oberfläche und liefert einen unglaubwürdigen Ablauf der Geschichte, am Ende wird es sogar ganz abstrus und durcheinander. Irgendwie ist dieser Roman nicht gelungen. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten:

Dirk Pope: Abgefahren

Viorel ist nach dem plötzlichen Tod seiner Mutter abgefahren – mit ihrer Leiche im Kofferraum, weg aus Essen-Vogelheim, hin in den Wilden Osten Europas. Der dicke, phlegmatische Junge entwickelt plötzlich Energie und Tatendrang, um den letzten Wunsch der Mutter, nämlich in der Heimat begraben zu werden, zu erfüllen. Schon zu Beginn des Romans stellt der Autor eine Verbindung her zwischen Bram Stokers „Dracula“ und dem Land, in das Viorel reist: Rumänien.

Gleich vorweg: Es erhöht die Spannung und Lesefreude, wenn man die klassische Dracula-Geschichte kennt.

Viorel hat das Ruhrgebiet nie verlassen, bei Kilometer 279 beginnt die Reiseerzählung, wobei Roadmovie die Stimmung des Textes besser trifft.

Die Reise gestaltet sich schwierig, das Auto ist alt, der Sprit knapp, ebenso das Geld, und der Leichnam ein Risiko. Außerdem besitzt Viorel keinen Führerschein. Dass seine Mutter nicht monatelang, durch Schläuche versorgt, im Krankenhaus dahingesiecht ist, ist ihm ein Trost. Trotzdem ist seine Trauer riesig und er bekämpft das Gefühl – wie alle Gefühle – mit viel Zucker, Kohlehydraten und Fett. Das Thema Essen begleitet Viorel die ganze Reise über, Essen aus Lust, zum Glücklichsein, auf Kommando. Weiterlesen

Teilen Sie den Beitrag mit Ihren Freunden und Kontakten: