Angelika Waldis: Die geheimen Leben der Schneiderin

Als Jolies Bruder Franz 17 war, verschwand er eines Tages spurlos. Seine Kleidung wurde an einem Badesee gefunden, seine Leiche jedoch niemals. Das ist nun 36 Jahre her, Jolie ist mittlerweile 47 Jahre alt, doch den Verlust des Bruders konnte sie nie ganz verkraften. Sie hält sich mit einem Nähatelier mehr schlecht als recht über Wasser und bezieht Zahlungen von ihrem Exmann, mit dem sie eine gemeinsame, mittlerweile erwachsene Tochter hat. Doch nie konnte sie sich ganz von Franz loseisen und glaubt tief in sich drin, dass er noch leben könnte, dass er einfach gegangen sei damals. Im Internet inseriert sie eine Suchmeldung nach ihm und erhält viele Zuschriften, die ihr Hoffnung machen.

Im Hause Hansen waren sie fünf Geschwister, Franz war mit seinen 17 Jahren damals der älteste. Neben Jolie gab es noch Frido, Rina und Vinz. Nun sind sie nur noch viert und anlässlich des 80. Geburtstags der Mutter hat Jolie die Hoffnung, man könne die komplette Familie wieder vereinen. Auch Franz soll zu Mutters Geburtstag kommen und sie plant fest einen Stuhl für ihn ein. Denn sie kann einfach nicht glauben, dass er wirklich tot sein soll. Weiterlesen

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Tracy Barone: Das wilde Leben der Cheri Matzner

Die US-amerikanische Drehbuchautorin und Produzentin Tracy Barone (Jahrgang 1962) hat mit „Das wilde Leben der Cheri Matzner“ ihren ersten Roman vorgelegt. Der Diogenes Verlag veröffentlichte ihn zunächst unter dem Titel „Thanksgiving“. Am 24. April 2019 erschien „Das wilde Leben der Cheri Matzner“ in einer Übersetzung von Stefanie Schäfer.

Darin ist in vier Teilen die Familiengeschichte der Matzners enthalten. Teil 1 startet Anfang der 1960er Jahre furios mit Cheris Geburt. Ihre leibliche Mutter Miriam ist ein drogenabhängiger Teenager, die kurz nach der Geburt das Krankenhaus und ihr Baby verlässt. Der Hilfspfleger und Baseballspieler Billy Beal bringt seine Eltern dazu, das Baby aufzunehmen.

Die Italienerin Carlotta (Cici) und Solomon Matzner erwarten ihr erstes Kind. Leider kommt es zu einer Fehlgeburt, Cici kann keine Kinder mehr bekommen und fällt in eine Depression. Ein Anwalt  vermittelt den Matzners das Baby von den Beals. Fortan wächst es mit dem Namen Cheri wohlbehütet bei den Matzners auf. Weiterlesen

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Marijke Louisa Fuchs: Die Abenteuer von Naginoso und Schnuff

Marijke Louisa Fuchs ist eine junge Autorin, die mit ‚Naginoso und Schnuff‘ nun ihr Erstlingswerk veröffentlicht hat. Das Buch ist für Kinder im Alter von 5 – 8 Jahren geschrieben und eignet sich neben dem Vorlesen durchaus auch für erste Leseerfahrungen und -übungen. Wirklich selbst lesen und verstehen werden es vermutlich aber erst Kinder ab der zweiten Schulklasse. Die Geschichte ist zwar bebildert, besteht aber doch zum größten Teil aus Text. ‚Naginoso und Schnuff‘ ist kein Bilderbuch, obwohl es eine Reihe hübscher Zeichnungen der (tierischen) Protagonisten enthält.

Naginoso und Schnuff sind Katzen. Genauer gesagt eine Maine-Coon-Katze und ein Scottish-Fold-Kater. Das erfährt man direkt zu Beginn der Geschichte, denn da stellen die beiden sich dem Leser bzw. der Leserin persönlich vor und erzählen ein wenig von sich. Das ist sehr schön gemacht, da die beiden Katzen so quasi direkt mit dem lesenden Kind sprechen und so es in die folgende Geschichte mitnehmen. Weiterlesen

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David Safier: Die Ballade von Max und Amelie

Die Hündin Narbe hat nur ein Auge und ist nicht sonderlich beliebt. Nach einem Streit im Rudel wird sie sogar ausgegrenzt. Da stolpert sie über den Hund Max, der auf der Suche nach seiner Familie ist. Einst hatte er eine Wohnung, ein Frauchen, einen kuscheligen Korb und eine Leine. Nichts, was Narbe sich wünschen würde. Und doch beschließt sie, mit Max zu ziehen. Denn irgendetwas, das spürt sie, verbindet die beiden. Dann hat sie nachts sonderbare Träume von sich und Max, als sie noch andere Hunde waren, in einem anderen Leben. Sollte es so sein, dass sie füreinander bestimmt sind? Doch wer ist der Mensch, der hinter ihnen her ist und sie in den Träumen ängstigt? Ist er ihnen vielleicht schon wieder auf den Fersen?

David Safiers ‚Ballade‘ liest sich wie eine Fabel. Man sollte gut damit klarkommen, dass zwei der drei Hauptfiguren Hunde sind. Und die dritte ihnen vor allem an den Kragen will. Weiterlesen

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Jeong Yu-Jeong: Der gute Sohn

Als Yu-jin morgens blutbesudelt erwacht und seine Mutter mit aufgeschnittener Kehle in der Nähe findet, glaubt er, der Mörder zu sein. Alles spricht gegen ihn. Dummerweise hat er an die letzte Nacht keine eindeutigen Erinnerungen. Dies liegt unter anderem an den Entzugserscheinungen der heimlich abgesetzten Medizin. Die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit verschwimmen. Kostbare Zeit vergeht, bis er den Schock überwunden hat. Und allmählich begreift er, dass die Polizei nur das Augenscheinliche ermitteln wird. Seine Pflicht als guter Sohn verlangt jedoch, die ganze Wahrheit herauszufinden. Leider erweist sich dies als sehr schwierig. Denn Hae-jin, sein Ziehbruder, wird bald kommen.

Yu-jin versteckt den Leichnam und putzt, so gut es geht, die verdächtigen Spuren weg. Viel zu früh steht Hae-jin in der gemeinsamen Wohnung. Wie von Yu-jin befürchtet, hinterfragt der Ziehbruder Mutters Abwesenheit. Er wird immer neugieriger und skeptischer. Auch die Tante, die zugleich Yu-jins behandelnde Ärztin ist, fragt hartnäckig nach.

Der gute Sohn sucht weiter nach der Wahrheit und läuft nicht weg. Gleichzeitig läuft ihm unaufhaltsam die Zeit davon. Weiterlesen

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Maarten `t Hart: So viele Hähne, so nah beim Haus

In diesem Erzählband sind achtzehn Geschichten abgedruckt, in denen der Autor in der Ich-Form über ganz unterschiedliche Begebenheiten, die in seiner Heimat, den Niederlanden angesiedelt sind, schreibt.

Maarten `t Hart ist ein Erzähler der alten Garde. Beim Lesen seiner Geschichten ist es ähnlich als wenn man Menschen mit einer reichen Lebenserfahrung lauscht, die frühere Zeiten wieder aufleben lassen. Einerseits kann man kann nicht genug bekommen von diesen so realistischen Beschreibungen, andererseits erscheint `t Harts Ausdrucksweise schonmal leicht antiquiert, wobei stets alles stimmig ist. Dieser teils etwas altmodisch anmutende, oft spitzbübische, aber durchaus angenehm passende Touch mag vielleicht daher kommen, dass `t Hart immer wieder Anekdoten aus Jugendzeiten beschreibt und er sich nun immerhin in seinem vierundsiebzigsten Lebensjahr befindet.

Möglicherweise hat `t Hart den Plot in einigen seiner Geschichten erfunden und der schriftstellerischen Kreativität freien Lauf gewährt, denn Manches erscheint beim Lesen auch mal ein wenig abwegig (obwohl erzähltechnisch plausibel) – So zum Beispiel die Erzählung „Im Kasino“, in der eine alte, über achtzigjährige Dame, die ihre freie Zeit im Spielkasino verbringt, dem Ich-Erzähler, der ihr dort Glück bringt, eindeutige Offerten macht. Weiterlesen

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Mats Strandberg: Das Heim

Joel pflegt seine an Demenz erkrankte Mutter Monika in einem schwedischen Städtchen an der Küste. Doch er kann nicht mehr. Es ist einfach zu viel mit der oft sehr verwirrten Monika. Seit einer Nahtoderfahrung redet sie nur noch von ihrem seit vielen Jahren verstorbenen Ehemann, der angeblich nun wieder bei ihr ist. Monika muss ins Heim. Doch im ausgesuchten Nebelfenn arbeitet niemand Geringeres als Joels beste Freundin aus Kindertagen, Nina. Seitdem Monika eingezogen ist, passieren in dem Heim seltsame Dinge. Monika plaudert die Geheinisse der Belegschaft und der Bewohner gleichermaßen aus. Und dabei weiß sie Dinge, die sonst niemand wissen sollte. Die ganz tief liegenden, dunklen Geheimnisse. Was ist bloß in Monika gefahren?

Mats Strandberg legt mit „Das Heim“ einen neuen gruseligen Thriller für Erwachsenen vor. Mittelpunkt des Geschehens ist ein Altersheim in Schweden mit einigen schrulligen wenigen Bewohnern. Auch vor Monikas Einzug war es nicht toll, dort zu arbeiten. Weiterlesen

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Libby Page: Im Freibad

Seit Kate nach London gezogen ist, fühlt sie sich einsam. Ihre Studienkollegen haben sie eingeschüchtert, ihre Mitbewohner in der WG sieht sie kaum, weil sie sich außerhalb der Arbeit die meiste Zeit in ihrem Bett verkriecht, oft mit einem Glas Wein zu viel. Durch die Straßen läuft sie nur mit gesenktem Kopf, die Panik ständig im Schlepptau. Zu „echten“ Menschen hat sie kaum Kontakt. Geschichten sind ihre Freunde. „Möglicherweise ist es Frühling, aber Kate lebt unter einer Wolke. Sie folgt ihr auf Schritt und Tritt, und wie sehr sie ihr auch zu entkommen versucht, sie scheint sie nicht abhängen zu können.“

In der Redaktion des Lokalblattes Brixton Chronicle, in der sie nach dem Studium gelandet ist, schreibt sie über verschwundene Haustiere und Straßenbauarbeiten, also „die Artikel, die weiter hinten stehen, aber nicht ganz hinten, wo die Sportseiten sind. Die Artikel, die nicht gelesen werden.“

Doch ihr Leben nimmt eine unerwartete Wendung, als der Chefredakteur Phil ihr den Auftrag gibt, über ein Freibad zu berichten, das geschlossen werden soll. Die Immobilienfirma Paradise Living möchte das Gelände kaufen und zu einem privaten Fitnessclub für die Bewohner ihrer Luxuswohnungen umwandeln, die in der Gegend aus dem Boden schießen. Zu Schwimmbädern hat Kate ein gespaltenes Verhältnis, aber sie nimmt den Auftrag an und trifft sich nicht nur mit dem Geschäftsführer, sondern auch mit Rosemary, der „treuesten Schwimmerin des Freibads.“ Weiterlesen

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Shumona Sinha: Erschlagt die Armen!

Der provokante Buchtitel lässt bereits auf den Inhalt schließen. Dafür sorgen auch Statements wie: „Menschenrechte enthalten nicht das Recht, dem Elend zu entkommen!“ Eine aus Indien stammende Dolmetscherin für die Asylbehörde schlägt in der Metro einem Migranten eine Weinflasche über den Kopf. Im Polizeirevier will der Beamte wissen, wie es dazu kommen konnte. Gemeinsam begleiten wir die Ich-Erzählerin zu ihrem auslaugenden Arbeitsalltag. In einer nicht enden wollenden Flut werden ihre ehemaligen Landsleute wie „Quallen“ in die Besprechungszimmer der Behörde gespült. Die Schleuser verkaufen den Männern nicht nur die Überfahrt und gefälschten Papiere, sondern auch die immer gleichen Geschichten, die sie vor den Beamtinnen vorbringen sollen. Bei näherer Befragung können diese jedoch schnell als Lügenkonstrukt entlarvt werden. Es gibt Männer, die behaupten, als Christen verfolgt worden zu sein. Doch sie wissen nicht, was an Weihnachten gefeiert wird oder wer die Heiligen Drei Könige sind. Es gibt Männer, die behaupten, von einer gegnerischen Partei bedroht zu werden, denen aber jegliche politische Grundbildung fehlt.

Mal reagieren die Antragsteller unterwürfig-devot, mal aggressiv-fordernd. Sie stammen aus einem Land, in dem arrangierte Ehe legitim sind und Frauen wenig zu sagen haben. Hier nun entscheiden zwei Frauen über ihre Zukunft! Weiterlesen

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Irene Götz (Hrsg.): Kein Ruhestand: Wie Frauen mit Altersarmut umgehen

Wenn eine Frau wenig eigenes Geld verdient, dann sind die Aussichten für ein gesichertes Leben im Alter alles andere als gut. Im Prinzip ist dies jedem denkenden Mensch klar. Doch diese logische Konsequenz wird häufig verdrängt, weil Sachzwänge oder festgelegte Rollenbilder im Vordergrund stehen.

Wie Rentnerinnen heute mit der Armut umgehen, hat die Herausgeberin Irene Götz anschaulich in einem fundierten Sachbuch festgehalten. Hierfür wurden viele Betroffene über mehrere Jahre von einem Autorenteam begleitet und interviewt. Ihre berührenden Geschichten dienen der Aufklärung.

Untersuchungen zeigen, dass ein finanziell gesicherter Lebensabend kein verbrieftes Recht ist. Das ganze Konzept steht und fällt mit den Einkünften, den Rücklagen und im besten Fall mit einer Erbschaft. Jeder zweite Deutsche wird ein Vermögen erben, sofern der Erblasser nicht schon vorzeitig sein Geld für Pflegekosten ausgegeben hat. Weiterlesen

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