Walter Moers: Der Bücherdrache

Auch Hildegunst von Mythenmetz, gefeierter Autor muss schlafen. Und wie all seine Bewunderer auch träumt er. Von was solch eine Koryphäe des wohl gesetzten Wortes träumt wollen sie jetzt wissen? Nun, Hildegunst träumt natürlich von einem Buch. Er selbst wird in ein solches verschleppt, und trifft dort auf einen Buchling. Hildegunst zwei, wie der Gute sich nennt, hat sich auf das Werk seines Namenspatrons spezialisiert, hat es auswendig gelernt um den Dichter zu ehren.

Hildegunst ist, wenngleich er sich dies nicht anmerken lassen will, geschmeichelt. Er fordert den Buchling auf mehr von sich zu erzählen. Und dieser zieht vom Leder – in der Schulstunde hörte er die Legende von Nathaviel, dem Bücherdrachen, der tief unten im Stollenlabyrinth leben soll. In seine Haut sind ganze Bibliotheken alter, verschollener Klassiker eingefügt, die er durch das Bad ihm Ormsumpf in sich aufgenommen haben soll. Dass ihm eine, nein, die ultimative Frage an den Drachen einfällt veranlasst seine Mitschüler ihm zu offenbaren, dass die Mär wahr ist. So begibt sich unser Buchling auf den gefahrvollen Weg zum Sumpf – um dort tatsächlich auf den legendären Buchdrachen zu stoßen … Weiterlesen

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C. L. Polk: Witchmark 01: Die Spur der Toten

Miles Singer arbeitet als Arzt und hat ständig Angst, dass jemand die Geheimnisse seiner Vergangenheit aufdecken könnte. Als dann im Krankenhaus ein Sterbender eingeliefert wird, scheint ausgerechnet dieser ihn zu enttarnen. Auf seinem Totenbett übergibt er Miles seine Kräfte und bittet ihn, seinen Tod aufzuklären. Denn Miles trägt ein Hexenmal und verfügt über besondere magische Kräfte. Der Tod des Mannes lässt ihn nicht los und er muss sich letztlich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Gerade jetzt, wo der Krieg in Aeland zu Ende ist und es mit den heimkehrenden Soldaten genug zu tun gäbe.

C. L. Polks Roman ist anfangs mehr als verwirrend. Man lernt Miles kennen, der von allen Christopher genannt wird, und im Krankenhaus nur eine Rolle spielt. Alles scheint ganz normal, aber irgendwie auch doch nicht. Weiterlesen

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Neal & Jarrod Shusterman: Dry

Stell dir vor, Wasser ist ein wertvolles Gut. Stell dir vor, nichts kommt aus dem Wasserhahn, wenn du ihn andrehst. Stell dir vor, deine Eltern sind plötzlich verschwunden und du bist auf dich allein gestellt. Alyssas Welt war immer heil und wunderbar. Mit ihrer Familie, den kleinen Bruder und ihrem Hund lebt sie in einer guten Wohnsiedlung und ahnt nichts Böses. Doch dann ist plötzlich das Wasser knapp und knapper und wird letztlich ganz abgestellt. Ihre Eltern versuchen, Wasser bei einer Aufbereitungsanlage am Strand zu holen. Doch sie kehren nicht zurück. Gemeinsam mit dem Nachbarsjungen Kelton machen sich Alyssa und ihr Bruder Garrett auf die Suche nach den Eltern.

Zusammen mit seinem Sohn Jarrod (Jahrgang 1991) legt Neal Shusterman, in Deutschland vor allem bekannt durch seine „Vollendet“-Reihe, einen neuen Jugendroman vor. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, weitere Bände scheinen nicht geplant. Man lernt eine Welt kennen, in der das Wasser immer knapper wurde und letztlich beim so genannten Tap Out ganz abgestellt wurde. In dieser Welt sind die vier Jugendlichen Henry, Alyssa, Jacqui und Kelton auf sich allein gestellt. Mit von der Partie ist auch Alyssas kleiner Bruder Garrett, der zwar selten zu Wort kommt, aber auch eine wichtige Rolle spielt. Weiterlesen

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Helon Habila: Öl auf Wasser

Vor zwei Wochen starben zwei Journalisten, als sie der Einladung einer Rebellen-Gruppe folgten, die für einen Italiener Lösegeld verlangen. Geplant war ein Interview mit der Geisel.

Jetzt ist eine Britin verschwunden. Und wieder bieten anonyme Rebellen ein Interview an. Dieses Mal will niemand diesem Ruf folgen, bis sich aus den unterschiedlichsten Gründen so nach und nach eine Handvoll Freiwillige einfinden. Zwei von ihnen sind der junge Journalist Rufus und sein Idol, der einst berühmte Zaq.

Viel zu früh bricht der Funkkontakt mit den Rebellen ab. Rufus wird Zeuge, wie ihre Fahrt auf dem Boot von Port Harcourt nach Süden zu einer Irrfahrt wird. Und während sie Ausschau halten, glauben sie, auf einer Insel ein Signalfeuer zu sehen. Doch statt der Rebellen finden sie ein verlassenes Dorf und ein paar Tote. Alle Spuren weisen auf einen bewaffneten Angriff. Und während sie noch überlegen, wer wen angegriffen haben könnte, werden sie von Rebellen überfallen und verlieren ihr Boot. Keiner glaubt ihren Versprechungen, dass sie abgeholt werden. Rufus sieht sich auf der einsamen Insel ohne Handyempfang und Proviant gefangen. Weiterlesen

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Graham Swift: Einen Elefanten basteln: Vom Leben im Schreiben

Der britische Schriftsteller und Man Booker Prize Träger von 1996 Graham Swift (Jahrgang 1949) schreibt in „Einen Elefanten basteln“ über sich und seinen Werdegang zum Schriftsteller. Das Buch erschien am 18. April 2019 bei dtv in einer Übersetzung von Susanne Höbel. Die Originalausgabe „Making an Elephant: Writing from Within“ stammt aus dem Jahre 2009.

Darin findet sich eine Zusammenstellung von Texten, Interviews, Fotos und Gedichten, die Graham Swift über sein Leben oder besser gesagt aus seinem Leben zusammengestellt hat. Er erzählt über seine Kindheit, seine Familie, seinen Wunsch, Schriftsteller zu werden und sein „Leben im Schreiben“. Dabei widmet Swift immer wieder auch befreundeten Schriftstellerkollegen Texte, überwiegend in Form von Interviews. Entstanden ist eine Sammlung von Geschichten, die wie Swift sagt „das Persönliche“ betonen.

Swift beginnt mit seinen Kindheitserinnerungen an die Polio-Schutzimpfung und den Weihnachtsmann in der Grotte, schreibt über seine abenteuerliche Reise nach Griechenland in den 1960er Jahren vor Beginn seines Studiums, seinen späteren Aufenthalt dort als Englischlehrer und über die Gewissheit, dass er Schriftsteller werden wird. 1976 lernt Swift seinen ersten Lektor und Verleger, Alan Ross, kennen. Mit ihm veröffentlicht er seinen ersten Roman „Ein ernstes Leben“. Weiterlesen

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Chip Cheek: Tage in Cape May

In Chip Cheeks Roman „Tage in Cape May“ verbringt ein etwas biederes Paar im Jahre 1957 seine Flitterwochen an der amerikanischen Ostküste. Es ist Spätsommer, viele Läden und Restaurants haben bereits geschlossen, und Effie und Henry langweilen sich. Als sie schon überlegen, die Reise vorzeitig abzubrechen, treffen sie auf das lebenslustige Paar Max und Clara sowie Max‘ Halbschwester Alma – und alles verändert sich: Die fünf neuen Freunde gehen gemeinsam segeln, sie feiern, spielen, betrinken sich und steigen zum Spaß in unbewohnte Nachbarhäuser ein. Doch dann beginnt Henry eine leidenschaftliche Affäre mit Alma, für die er sich jede Nacht aus dem Ehebett schleicht …

Chip Cheek, einem 1976 geborenen amerikanischen Schriftsteller, gelingt es seinem Debütroman, die unterschiedlichen Charaktere seiner fünf Hauptfiguren psychologisch glaubhaft einzufangen. Durch den gesamten Roman zieht sich eine erotische Atmosphäre, und auch die vielen Sexszenen gleiten keinesfalls ins Peinliche oder Platte ab. Weiterlesen

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Patrick Jacquemin: Der Duft von Gras nach dem Regen

Annabelle hat beruflich alles erreicht, was sie sich gewünscht hat. Sie ist ein Star in der Finanzwelt, hat eine Bank gegründet und muss sich um Geld keine Sorgen machen. Dafür arbeitet sie hart und dafür wird sie bewundert.

Doch privat läuft es nicht rund. Ihr Mann hat sich von ihr getrennt, sie teilen sich das Sorgerecht für ihre achtjährige Tochter Léna. Annabelle meidet – soweit es geht – Anlässe, bei denen Privates zur Sprache kommen könnte, denn dazu hat sie nur wenig zu sagen. Seit einer Weile fühlt sie sich nicht mehr wohl in ihrer Haut. Die Arbeit lenkt sie ab, kann sie aber nicht mehr befriedigen, wird sogar mehr und mehr zur Belastung.

Nach einem Essen mit Bekannten bricht sie zusammen. Wut paart sich mit Leere. Sie zweifelt am Sinn ihrer Arbeit und damit am Sinn ihres Lebens.

„Wofür ist es gut, verflixt, dass ich wie eine Kranke schufte? Dass ich von einem Termin zum nächsten hetze? Dass ich Erfolg habe? Wozu das alles?“

Sie sitzt in ihrem Auto und drischt so auf ihr Lenkrad ein, dass sich ein Passant schon Sorgen macht. Doch dann ist da diese verrückte Idee: Abhauen! Paris, die Firma, das Pflichtbewusstsein, die niederschmetternden Gefühle hinter sich lassen. Aufs Land fahren, wo sie aufgewachsen ist. Ruhe finden. Weiterlesen

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Jörg Fauser: Rohstoff (1984)

Jörg Fauser war eine Art Bürgerschreck und Kultautor der 80er-Jahre. Er sah sich selbst in der Tradition bekannter amerikanischer Beatnik-Autoren wie Jack Kerouac und William S. Burroughs, die auf bürgerliche Konventionen pfiffen und ihr Leben lieber den Drogen, dem Alkohol und der Liebe widmeten. Nun hat der Schweizer Diogenes-Verlag dankenswerterweise drei Bücher mit Werken Fausers wiederaufgelegt, eines Autors, der nur 43-jährig im Jahre 1987 beim Versuch starb, eine Autobahn im Vollrausch zu überqueren.

In „Rohstoff“, erstmals erschienen 1984, wendet er sich der Zeit um 1968 zu, die zumindest in den Großstädten durch die Studentenrevolte, die Kommune I, besetzte Häuser und das Aufkommen der RAF geprägt war. Fausers Protagonist Harry Geld, ein Alter Ego des Autors, bewegt sich stets am Rande dieser Szene, ohne selbst je im Mittelpunkt zu stehen. Dabei ist die Selbstironie ein gut funktionierendes Stilmittel, dessen sich der Autor durchgängig bedient. Weiterlesen

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Siri Pettersen: Die Rabenringe 02: Fäulnis

Hirka, die in ihrer Heimat dem Ymsland als Fremde angesehen wurde, weil sie nicht wie die anderen einen buschigen Schwanz am Hintern hat, ist mittlerweile durch die Rabenringe in die Welt der Menschen übergegangen. Aber auch hier fühlt sie sich nicht zu Hause. Die Menschen haben seltsame Geräte, mit denen sie über viele Kilometer hinweg kommunizieren können, fahren Auto und sprechen nicht ihre Sprache. Doch Hirka gibt nicht auf und versucht, sich zurecht zu finden. Doch als ihr geliebter Rabe Kuro, der sie in die Welt der Menschen begleitet hat, stirbt, steht ihre Welt Kopf. Vor ihr liegt ein Blinder, wie sie sie schon im Ymsland gesehen und gefürchtet hat. Der Blinde behauptet Naiell zu heißen und der Seher zu sein. Gibt es die Fäulnis auch in der Welt Menschen und hat sie am Ende gar nichts mit Hirka zu tun? Ist Hirka vielleicht sogar umsonst aus dem geliebten Ymsland verschwunden und hat ihre Freundschaft und Liebe zu Rime aufs Spiel gesetzt?

Siri Pettersen ist mit „Fäulnis“ eine tolle Fortsetzung des Fantasy-Highlights des letzten Jahres gelungen. Ein Teil der neuen Handlung spielt auch in der menschlichen Welt der Gegenwart, ein guter Teil aber auch an Rimes Seite weiterhin im Ymsland, in dem bei leibe nicht alles gut ist, seitdem Hirka durch die Rabenringe in die Menschenwelt verschwunden ist. Weiterlesen

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Sarah J. Maas: Das Reich der sieben Höfe 04: Frost und Mondlicht

Die Geschichte um Feyre und Rhysand schien erzählt, die Trilogie abgeschlossen. Der verheerende Krieg gegen Hybern ist überstanden, nun gilt es die Wunden zu lecken, die Zerstörungen wieder aufzubauen und das Leben fortzusetzen.

Der innere Zirkel des Hofs der Nacht beschäftigt sich somit weitgehend mit Verwaltungsaufgaben. Die Stadt Verlaris hat, wie das gesamte Reich gelitten, jetzt muss das Weiterleben organisiert werden. Dennoch ist auch Zeit zum sich versammeln und zum Feiern. Zur Wintersonnenwende treffen sich Fehre, Rhysand, Amren, Morrigan, Azriel, Cassian, Elain, Nesta und Varian im Stadthaus um zu feiern. Es wird gelacht, aber auch der Verluste gedacht – und es wird nach vorne geschaut …

Es fällt mir schwer, die Handlung zusammenzufassen. Dies mag damit zu tun haben, dass uns Verlag und Autorin dieses Mal nicht etwa einen neuen Roman, eine Fortsetzung der gefeierten Trilogie offerieren, sondern „nur“ eine Novelle mit einem kurzen Ausblick auf die nächste Trilogie vorgelegen. Weiterlesen

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